Kartenbrief
An Herrn
Alfred Holzbock
tit Redaktion des B. Lokalanzeiger
in Berlin
Wohnung (Straße und Hausnummer) Zimmerstrasse. |
Verehrter Herr Holzbock!
Empfangen Sie meinen ergebensten Dank für die
liebenswürdige ZusendungHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zu einem Zeitungsausschnitt (siehe unten); erschlossenes Korrespondenzstück: Alfred Holzbock an Wedekind, 13.10.1910. der Wiener Notiznicht eindeutig ermittelt; es könnte sich bei dem von Alfred Holzbock an Wedekind versandten Zeitungsausschnitt um einen Korrespondentenbericht aus Berlin über Wedekinds Berliner Gastspiel („Die Zensur“ und „Der Liebestrank“ am Kleinen Theater) im „Neuen Wiener Tagblatt“ gehandelt haben, der sich anerkennend über den „interessanten Wedekind-Abend“ äußert: „In dem ersten Stück ‚Die Zensur‘ legt der Dichter aus gequältem Herzen ein künstlerisches und literarisches Selbstbekenntnis ab. […] Das Werk ist nicht dramatisch, jedoch trotzdem packend und erschütternd. Es fand durch Wedekind und seine Gattin, eine anmutige Künstlerin, eine interessante Interpretation. Das […] Lustspiel ‚Der Liebestrank‘ ist [...] eine lustige Groteske“, aus der „Wedekindscher Geist keck und phantastisch witzig herausleuchtet.“ [Neues Wiener Tagblatt, Jg. 44, Nr. 276, 8.10.1910, S. 14] Notizen zum Berliner Gastspiel finden sich auch in anderen Wiener Zeitungen, allerdings weniger ausdrücklich lobend. über die meine Frau | und ich uns sehr
gefreut haben. Bei FrederichWedekind hatte das elegante Restaurant und Weinlokal A. Frederich (Inhaber: Max Krüger, Constanze Krüger, Franz Krüger) in Berlin (Eichhornstraße 3) [vgl. Berliner Adreßbuch 1911, Teil I, S. 689] dem Tagebuch zufolge nachweislich mit Paul Cassirer (sowie mit Oskar Fried und Tilla Durieux) am 5.10.1910 besucht („Mit Cassirer Fried Durieux bei Frederich“); er war ferner dort am 6.10.1910 nach der Premiere von „Die Zensur“ und „Der Liebestrank“ am Kleinen Theater („Bei Frederich in großer Gesellschaft“), am 11.10.1910 mit Karl Gustav Vollmoeller und Paul Fechter („Nachher bei Frederich mit Vollmöller und Dr. Fechter“) sowie am 12.10.1910 („allein bei Frederich“). Alfred Holzbock hatte er zuletzt am 7.10.1910 bei seiner Besprechung mit ihm in der Redaktion des „Berlin Lokal-Anzeiger“ gesehen [vgl. Tb]. haben Cassirer und ich Sie bis jetzt vergeblich
erwartet.
Mit besten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.