Briefwechsel

Newes, Mathilde und Wedekind, Frank

13 Dokumente

Graz, 26. März 1906 (Montag)
von Newes, Mathilde
an Wedekind, Frank

Graz den 26./3 906


Lieber Herr Wedekind!

Auch ichHinweis darauf, dass anlässlich der Verlobung ihrer Tochter mit Wedekind nicht nur Mathilde Newes als Mutter von Tilly Newes dem zukünftigen Schwiegersohn schreibt, sondern zugleich auch deren Vater [vgl. Eduard Newes an Wedekind, 26.3.1906] und älteste Schwester [vgl. Dora Newes an Wedekind, 26.3.1906] ihm geschrieben haben. begrüße Sie herzlichst als meinen lieben, zukünftigen Schwiegersohn, u. freue mich sehr, daß Tilly in Ihnen einen Lebensgefährten gefunden hat, den sie ebenso lieben wie schätzen lernte.

Gebe GottTilly Wedekind schreibt in ihren Memoiren: „Meine Mutter war sehr fromm“ [Wedekind 1969, S. 16]., daß Sie sich beide recht gut verstehen, und Ihre Vereinigung eine recht glückliche werde. Möge Tilly Ihnen stets eine liebevolle u. aufopfernde Gattin sein, | u. sich stets der großen, selbstlosen Liebe u. Verehrung würdig zeigen, die Sie geehrter Herr Wedekind ihr in so reichem Maaße entgegenbringen.

Und wenn ich nun auch Sie bitte, halten Sie unser Kind immer gut und wert, so werden Sie mich gewiß verstehen, sie ist ja ein Theil von dem, was unseren Herzen am Theuersten auf Erden!

Es ist mir sehr leid, daß keiner von uns beidenMathilde Newes (geb. Engländer) und ihr Gatte Eduard Newes. der Hochzeit beiwohnenTilly Wedekinds Memoiren zufolge hat sie ihre Eltern gebeten, „daß niemand zur Hochzeit käme, Frank sei kein Freund von Familienfesten.“ [Wedekind 1969, S. 67] kann, aber wir werden in Gedan|ken dort sein, und Gottes Segen auf Euch beide herab flehen.

Was mich heute aber am schwersten drückt, ist, daß wir so ganz mit leeren Händen dastehen, und Tilly zur Vervollständigung der Ausstattung nicht ausgiebig behilflich sein können.

Aber es waren die letzten Jahre, zu große Lasten auf uns gehäuft. ‒

Zum Schlusse noch innigsten Dank für alle Liebe welche Sie Tilly entgegenbringen, nebst der | Versicherung daß wir uns alle sehr freuen, u. stolz darauf sind, einen so berühmten u. gediegenen Mann wie Sie, recht bald als Mitglied unserer Familie betrachten zu dürfen. In dieser freudigen Erwartung, grüßt Sie und Tilly herzlichst, Ihre Sie hochschätzende
Mathilde Newes.

Einzelstellenkommentare

Graz, 28. April 1906 (Samstag)
von Newes, Mathilde und Newes, Eduard
an Wedekind, Frank

Graz den 28./4 1906.


Lieber Herr Wedekind!

Nur noch wenige Tage, und Sie führen unsere liebe Tilly zum TraualtarWedekind und Tilly Newes haben nicht kirchlich, sondern am 1.5.1906 in Berlin standesamtlich geheiratet ‒ auf dem Standesamt Moabit [vgl. EWK/PMB Wedekind]., und damit einer neuen Zukunft entgegen.

Wir alle wünschen aus tiefstem Herzensgrunde daß es für Sie beide eine recht glückliche, und sorgenfreie sein möge. Was es für uns bedeutet, Tilly’s Hochzeitstag nicht persönlich beiwohnenTilly Wedekinds Memoiren zufolge hat sie ihre Eltern gebeten, „daß niemand zur Hochzeit käme, Frank sei kein Freund von Familienfesten.“ [Wedekind 1969, S. 67] zu können, kann nur sie allein ermessen; aber mit dem Schicksal läßt sich nicht hadern. |

Und so wollen und müssen wir uns in Geduld fassen, und ruhig die Zeit abwarten, bis wir die große Freude haben werden, Sie und Tilly hier in Graz zu sehen, und Sie als unseren Sohn zu begrüßen.

Für heute aber kann ich nur noch einmal die Bitte an Sie stellen, seien Sie lieb und gut gegen Tilly, und was das Leben auch bringen möge, halten Sie treu und fest zusammen. Dies hoffend lege ich nochmals meine Hände auf Euer Haupt.

Gott segne und schütze Euch!

Eure treue alte
Mama. |


Mein lieber Frank!

Mama hat mir aus denSchreibversehen, statt: dem. Herzen gesprochen und schließe ich mich ihren Schreiben vollinhaltlich an. Tilly hat ein sehr gutes Herz und hat Dich nach ihren Briefen wirklich aufrichtig lieb, es wird Dir also nicht schwer fallen, sie mit treuer und fester Hand zu lenken und zu hüten. Gott schütze Euch und lasse Euch glücklich sein.

Euer Glück ist auch unser Glück!

Hoch, Dreimal hoch zum 1teSchreibversehen, statt: 1ten. Mai.

Es umarmt Dich
Dein treuer alter
Papa

Einzelstellenkommentare

Graz, 12. Dezember 1906 (Mittwoch)
von Newes, Mathilde, Newes, Rudolf, Newes, Eduard, Newes, Dora, Newes, Dagobert, Newes, Karl, Newes, Martha und Newes, Paula
an Wedekind, Frank, Wedekind, Tilly

frank und tilly wedekind berlin
kurfuersten strasse 125=


Telegraphie des Deutschen Reiches.
Berlin, Haupt-Telegraphenamt.


Telegramm [...] graz [...]


viele herzliche glueckwuensche senden hocherfreut groszeltern Großeltern der am 12.12.1906 „um 8 Uhr“ [Tb] früh in Berlin gerade auf die Welt gekommenen Pamela Wedekind waren Mathilde und Eduard Newes in Graz.u geschwisternTilly Wedekinds Geschwister waren Dora, Paula, Rudolf, Dagobert, Karl und Martha Newes..

Einzelstellenkommentare

Graz, 12. Dezember 1906 (Mittwoch)
von Newes, Mathilde und Newes, Dora
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

Graz den 12./12 1906


Liebste Tilly u. Frank!

Hoffentlich hat Euch unser Telegrammvgl. Mathilde Newes, Eduard Newes, Dora Newes, Paula Newes, Rudolf Newes, Dagobert Newes, Karl Newes, Martha Newes an Frank und Tilly Wedekind, 12.12.1906. noch vor Nacht erreicht, und wiederhohleSchreibversehen, statt: wiederhole. ich nochmals auf’s herzlichste unser aller innigste Wünsche. Möge das kleine EngerlEngelchen. Euch recht gesund bleiben, und Euch viele Freude im Leben machen! Und möge unsere liebe Tilly mit Gottes Hilfe bald wieder gesund werden, und das Wochenbett recht gut vorüber gehen. Halte Dich nur sehr liebes Kind, ja nicht verkühlen, u. recht ruhig liegen. |

Könnt Euch denken wie sehr wir überraschtvon Tilly Wedekinds Schwangerschaft, so dass die Geburt ihrer ersten Tochter Pamela am 12.12.1906 ‒ morgens „um 8 Uhr“ [Tb] ‒ für ihre Eltern überraschend kam. Wer die Eltern in Graz noch an diesem Tag wohl telegrafisch darüber informierte, ist unklar. waren; aber aufrichtig gesagt ich ahnte es immer. Ich wäre sehr gerne gekommen, Dich zu pflegen, und hätte gut auf Dich u. auf mein EnkerlEnkelchen. geschaut. Auch hätten wir Dir die Kinderwäsche gemacht.

Auch auf die Wirthschaft hätte ich Acht gegeben und daß Frank gut versorgt ist.

Da es aber nicht hat sollen sein, so nehmt beide den guten Willen für das Werk. Der liebe Gott schütze Dich auch ohne MuttingMütterchen.! |

Wenn es Dir und Frank aber recht wäre so ist Dora jede Stunde bereit abzureisen, und Dich zu pflegen, und das KinderlKindchen. zu versorgen. Dora ist sehr geschickt, umsichtig im Haus und flink u. lustig! Sie wäre gewiß in Vielem nützlich, und vielleicht eine weit bessere Krankenpflegerin als Mutting. Antwortet gleich, bitte lieber Frank wenn ja, so telegrafiere, und sie ist in 2 Tagen dort. Mutting ist gar nicht beleidigt wenn ihr Dora ruft. Mutting versteht Alles, und gehört ja in Vielem | in die Rumpelkammer so wie Petrovic sagteBei dieser nicht sicher identifizierten Person könnte es sich um den Verlobten von Paula Newes gehandelt haben, dessen Name Tilly Wedekind etwas anders lautend erinnerte: „Und nun hatte sich Paula also mit Nerkovic verlobt.“ [Wedekind 1969, S. 103] Seinetwegen soll sich ihre ältere Schwester umgebracht haben. In einem Bericht über deren Selbstmord am 7.1.1907 heißt es über ihn, er habe im Hause Newes in Graz gewohnt: „Bei dem Weinhändler wohnte ein serbischer Student, in den sich das Mädchen verliebt hatte. Als er im August vorigen Jahres Graz verließ und nicht mehr zurückkehrte, zeigten sich bei dem Mädchen Spuren von Trübsinn, der nun zu dem tragischen Abschlusse führte.“ [Lebensüberdruß eines Mädchens. In: Grazer Tagblatt, Jg. 17, Nr. 8, 8.1.1907, Abend-Ausgabe, S. 2]. aber mit allem nicht. Nun lebt wohl wir hoffen bald gute Nachrichten. Bitte Dich liebster Frank darum.

Es küsst Euch und das kleine Baby innigst Eure treue Mutting.


Meine Lieben!

Von ganzen Herzen wünsche ich Euch Glück zur kleinen Maus! Es ist mir sehr leid daß ich’s nicht früher wußte so bekommt sie halt ihr Weihnachtsgeschenk, eine gestickte Wa|

Einzelstellenkommentare

Graz, 22. Dezember 1906 (Samstag)
von Newes, Eduard, Newes, Mathilde und Newes, Dagobert
an Wedekind, Frank

Graz den 22. Dezbr 1906


Mein lieber Frank!

Recht innig freute uns Allen Dein liebes Schreibenvgl. Wedekind an Eduard Newes, 14.12.1906.. Wir danken Dir von ganzen Herzen, daß Du unserer Tilly so viel Sorgfalt widmest und ihr so viel Liebe entgegen bringst. Wir sind ganz glücklich, daß Tilly Deine Frau geworden ist und können über ihre Zukunft beruhigt sein. Aber auch Tilly hat Dich lieb, alle ihre Briefe sagen uns das mit beredten Worten. Es schmerzt mich nur das eine, daß ich mit so gebundenen Händen dastehe und so gar nichts für Euch thun kann. Tilly kann und wird Dir bestätigen, daß ich gerne gebe, aber leider es ist Ebbe in jeder Richtung. Ihr müßt Euch also mit meiner väterlichen Liebe begnügen. Es vergeht keine Minute in welcher ich nicht an Euch denke, Euer Glück ist auch mein Glück, Gott erhalte Euch dasselbe, Gott segne Euch. Das kleine Aenchen wird das Band der Liebe und Treue fester knüpfen. Wie würde ich mich freuen, wenn ich das kleine Engelchen an mein Herz drücken könnte. Ich habe Kinder überhaupt lieb um so mehr mein Enkelkind.
./. |

Wie schön wäre es, wenn Ihr so alle drei die Feiertage bei uns zubringen könntet. Es kann halt nicht sein, im Gedanken werden wir ohnedem beisammen sein. Also fröhliche Weihnachten und ein recht glückliches neues Jahr!

Bertl hat gestern den ersten SternSchulterabzeichen für den Dienstgrad Leutnant. Tilly Wedekinds Bruder Dagobert Newes war Ende des vorigen Jahres zum Leutnant der Reserve ernannt worden [vgl. Das Neujahrsavancement. In: Neues Wiener Tagblatt, Jg. 45, Nr. 358, 30.12.1911, S. 20]. bekommen, ist Papa (verbessert) Bertl nicht wenig stolz darauf. Rudolf kommt morgen auf 2 Tage nach Hause, Urlaub für den einen Tag erhält er nicht, sonst hätte er 4 Tage hier sein können.

Lebt wohl. Seit herzlichst gegrüßt und geküßt zu Dreien
von
Eueren
treuen Großpapa


Meine lieben Kinder!

Ich kann mich nur in Allem Papa anschließen! Gott erhalte Euch Euer Eheglück und Euer geliebtes Kind! Eben gehen wir mit Dora hinaus Lenerl den Christbaum anzünden! Gott mit Euch. Es umarmt Euch innigst alle Drei.

Mutting.


Wir freuen uns alle riesig über die guten Nachrichten von der jungen Mutter; verbringt die Weihnacht gut u. feiert frohen Einzug ins kommende Jahr.

Dies wünscht Euch herzlichst Euer Bertl.

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Berlin, 13. Februar 1907 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Newes, Mathilde

Liebe Mama

Deine Tochter glaubt augenscheinlich, (sie habe) einen CigarrenreisendenZigarrenvertreter. geheiratet zu haben. Würdest Du ihr bitte telegraphisch mittheilen, wer Frank Wedekind ist.

Ergebenste Grüße
Fr.W.


13.II.7Wedekind notierte am 13.2.1907: „Rückfahrt nach Berlin. Tilly empfängt mich sehr ungnädig.“ [Tb] Dem Briefentwurf zufolge hatte seine Frau wohl erwartet, dass er Zigarren aus Leipzig oder Dresden (von dort kam er) hätte mitbringen sollen.

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Graz, 12. Juli 1907 (Freitag)
von Wedekind, Tilly und Newes, Mathilde
an Wedekind, Frank

T W


Rosenberg, Kirscheng. 2


Freitag, 12./VII.07.


Geliebter Frank,

endlich kann man einiger maßen von Ruhe sprechen. Du bist mir nicht böse, dass ich solange nicht geschrieben habe?!

Ich fuhr also Dienstagder 9.7.1907. Tilly Wedekind, die soeben erst von einem Kurzbesuch bei ihren Mann aus Leipzig zurück in Berlin war (siehe die vorangehende Korrespondenz), reiste mit ihrer kleinen Tochter Pamela und dem Kindermädchen im Nachtzug zu ihren Eltern nach Graz. mit Anna Pamela u. Zubehör von Berlin ab, Anna Pamela in tiefem Schlaf. Sie war sehr verwundert über die ihr fremde Umgebung. Die Nacht über hat sie sich leidlich anständig aufgeführt, nur bewies sie sich als Männerfeindin; bei Erscheinen | des Schlafwaagen-ConducteursSchlafwagenvorsteher. fiengSchreibversehen, statt: fing. sie fürchterlich zu brüllen an. In Wien hatten wir gerade soviel Zeit um von der Nordwest zur SüdbahnEisenbahnlinien; die Nordwestbahn führte (von der Ostsee kommend) von Berlin nach Wien zum Nordwestbahnhof, die Südbahn ab Südbahnhof von Wien über Graz nach Triest. zu übersiedlelnSchreibversehen, statt: übersiedeln.; dann giengs auch schon los. Ich war bei dem allem von einem Eifer, dass ich vor Aufregung glühte. Als ich nun etwas müde in Graz mit meinen 10 GebäckstückenSchreibversehen, statt: Gepäckstücken., Anna Pamela u. Agnes„Amme und Kindermädchen bei Wedekinds.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 58] dazugerechnet, ankam, gieng die Aufregung eigentlich erst los. KarlKarl Newes, Tilly Wedekinds jüngster Bruder. ist verreist, Bertl war auf ÜbungDagobert Newes, Tilly Wedekinds zweitältester Bruder, „war zum Militärdienst eingezogen.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 58], so blieb ich zu Hause wohnen. Nachdem ich nach | Tisch geruht, sah ich mich gleich nach einer Wohnung um; u. fand gleich dieses hier. Aber die von zu Hause wollten Verschiedenes ansehen u. so liefen wir Mittwoch abends u. Donnerstag Vormittag noch herum. Zu Mittag wurde mir die Geschichte zu dick, ich nahm die Wohnung, ließ einem/n/ Wagen holen, unsere GeschäftsburschenMitarbeiter in der Weinhandlung von Tilly Wedekinds Vater Eduard Newes. packten die Sachen auf u. so kamen wir in strömendenSchreibversehen, statt: strömendem. Regen am RosenbergAnhöhe am Stadtrand von Graz. an.

Gestern u. heute machte ich mit Mama’s Hilfe Ordnung u. sitze jetzt, bei wunderschönem | Wetter auf der Veranda um Dir dies alles zu berichten.

Wir bewohnen ein schönes, großes Zimmer, mit hübschen, hellen Bauernmöbeln; da 2 Betten sind, kann immer eines von zu Hause bei mir sein, ganz wie ich es gewünscht habe. Dann haben wir noch eine Küche, sehr klein aber sehr nett, die Amme schläft auch da. Der Garten ist schön u. groß u. von der Veranda herrliche Aussicht auf die ganzen Waldungen des Hilmteichsder Hilmteich – ein im 19. Jahrhundert angelegtes künstliches Stehgewässer in Graz und Naherholungsgebiet der Stadt. u. einige Berge. Ich glaube es lässt sich hier leben.

Zu meiner großen Freude ist | heute Bertl zurück gekommen. Er wird dann heraufkommen. Ich habe bis jetzt nur von mir gesprochen u. Dinge erzählt die Dich wahrscheinlich gar nicht interessieren werden. Bist Du noch immer in Leipzig? Ich werde den Brief dahin schicken, bitte gieb’ mir bald Deine neue Adresse. Dein Telegrammvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 10.7.1907. hat mich so sehr gefreut, mein geliebtester Frank u. habe ich viel an den schönen, letzten Abend im Ratskellerder Abend von Tilly Wedekinds Kurzbesuch in Leipzig am 8.7.1907 bei Frank Wedekind, der ihre Ankunft um 19 Uhr und den gemeinsamen Besuch im Leipziger Ratskeller notierte: „Um 7 Uhr kommt Tilly. Fahrt durch das Rosenthal. Ratskeller.“ [Tb] gedacht!

Gewiss hast Du in vielem recht. Wenn ich mich so sehr | in meinen kleinlichen Sorgen vertiefe, geht mir vieles von dem schönsten, besten meines Lebens, von Dir u. Deiner Tätigkeit verloren. Das muss anders werden, u. wird sicher auch. Habe nur etwas Geduld mit mir, ich bin jetzt wirklich gesundlichSchreibversehen, statt: gesundheitlich. unfähig. Ich merke es erst jetzt, wo so die ganze Ermüdung über mich kommt. Ich werde nun nichts machen, als im Freien sitzen, lesen, essen, u. schlafen, dann bin ich sicher bald wieder frisch u. | munter. Mit dieser Ermüdung kann man sich des schönsten Lebens nicht erfreuen.

Dann will ich nur der Freude leben, Dir Freude zu machen, u. Du sollst alles Hässliche vergessen.

Schreib’ mir bitte, wenn es Dir Freude macht, u. zw. recht viel von Dir. Wie geht es Dir jetzt; atmest Du auf in Deiner freiwilligen Einsamkeit?

„Gott sei Dank, endlich allein?!“Teilzitat und Anspielung „auf Wedekinds Zeichnungen von Särgen in seinem Notizbuch“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 58], die mit der Beschriftung versehen sind [vgl. KSA 6, S. 855]: „Endlich allein.“ [Nb 41, Blatt 11v]

Hierher zu kommen hättest Du gar keine Lust? | Ich kann jederzeit ein zweites großes Zimmer mit einem Bett neben dem meinen haben.

Nun kommt leider noch eine Bitte. Ich habe dummer Weise, von Wien nach Graz tour u. retour(frz.) tour (= Reise), (frz.) retour (= Rückreise); hier: hin und zurück. genommen. (Die einzige Dummheit auf der ganzen Reise!) Das machte 61 Kr. Hier bezahle ich für die Wohnung 30 Kr. pro Woche, werde also nicht auskommen. Habe für GebäckSchreibversehen, statt: Gepäck., Wagen etz.Schreibversehen, statt: etc. auch ausgegeben, schreibe Dir alles auf. Willst Du mir für die Reise auch gleich schicken? Retour-KartenRückfahrkarten. gebe ich zurück, fahre doch sicher über Salzburg oder Tirol. Aber nicht mehr als ich notwendig brauche. Im Voraus herzlichen Dank.

Nun leb’ wohl, Geliebter,. Von ganzem Herzen umarmt Dich Deine Tilly


[auf Seite 5, um 90 Grad gedreht am linken Rand, Mathilde Newes:]

Herzlichste Grüsse, lieber Frank Deine alte
Mama.

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Graz, 23. Juli 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Karl, Newes, Dagobert, Newes, Eduard, Newes, Mathilde, Wedekind, Pamela, Newes, Rudolf, Newes, Martha und Newes, Dora
an Wedekind, Frank

Telegramm.

[...]


frank wedekind muenchen
hotel leinfelder = |


Königlich Bayerische Telegraphenanstalt München.

Aufgegeben in Graz [...]


vom ganzen herzen wuenschenGlückwünsche zu Wedekinds 43. Geburtstag am 24.7.1907. alles liebe u gute = lylliÜbertragungsfehler, statt: tilly. anna pamela und familie newes

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Graz, 23. Juli 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Mathilde, Newes, Eduard, Newes, Dora, Newes, Lene, Newes, Martha und Newes, Dagobert
an Wedekind, Frank

Postkarte
Carte postale ‒ Cartolina postale


Nur für die Adresse


Herrn
Frank Wedekind
München
Hotel Leinfelder


Schreibraum


28.23./7.07.


Liebster Frank, damit Du eine Vorstellung von unserm Aufenthalt bekommst, sende ich Dir diese Ansicht. Nur wohnen wir auf der andern Seite des Berges. Herzlichst Tilly


herzl. Gruß Bertl.


Herzliche Grüsse
Mama.


Graz.
Blick vom Schlossberg auf den Rosenberg.

Papa |


Herzlichste Grüße
Dora


Lenerl


Martha.

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Graz, 9. Juni 1908 (Dienstag)
von Newes, Mathilde
an Wedekind, Frank

Mein lieber Frank!

Ich sage Dir und Deiner ganzen Familie innigstes Beileid, zu dem schweren Schicksalsschlag der Euch getroffen. Am Besten kann ich mitfühlen und an dem Schmerze Deiner armen MutterEmilie Wedekind (geb. Kammerer) war zur Beisetzung ihres Sohnes Donald Wedekind, der sich am 5.6.1908 in Wien das Leben genommen hat, von Lenzburg nach Wien gefahren. Frank Wedekind reiste am 7.6.1908 nach Wien und notierte dort am 9.6.1908 die Anwesenheit seiner Mutter und weiterer Familienmitglieder (seine Geschwister Erika und Armin, seinen Schwager Walther Oschwald, seine Frau Tilly und die Tochter Pamela, seine Schwägerin Martha Newes und deren Onkel Dagobert Engländer) sowie einen Freund des toten Bruders (den Schriftsteller Franz Wolfbauer): „Fahre zum Kirchhof. Mama Mieze Armin Walter und Herr Wolfbauer. Mit Wolfbauer fahre ich zurück und hole Tilly Anna Pamela Martha vom Südbahnhof ab. Mit Tilly zu den andern. Darauf Abendessen bei Hartmann, nachdem wir bei Onkel Dagobert vorgefahren sind.“ [Tb] theilnehmen. | Ich würde ihr sehr gerne lindernde Trostesworte sagen, wenn es Dir recht ist. Herzlichst grüßt Dich
MATHILDE NEWES
Mama.

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Wien, 9. Juni 1908 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Martha, Newes, Dagobert, Newes, Rudolf, Newes, Mathilde, Newes, Eduard, Newes, Karl und Newes, Dora
an Wedekind, Frank

Tilly Wedekind-Newes
und
Familie NewesEltern und Geschwister von Tilly Wedekind (geb. Newes).

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Tutzing, 15. Juli 1911 (Samstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Mathilde und Newes, Eduard
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
München.
Prinzregentenstr. 50 III.


Geliebter Frank,

wir sind gut hier angelangtam 14.7.1911 in Starnberg, wie Wedekind notierte: „Tilly fährt nach Starnberg“ [Tb], wo seine Frau ihren Eltern Eduard und Mathilde Newes aus Graz eine Sommerwohnung gemietet hat [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 23.6.1911]. u. sind sehr vergnügt, trotz schlechten Wetters! Ich hoffe von Herzen, dass es Dir gut geht u. Du alles in Ordnung hast. Morgen abend fahren wir hinein. Innigst, Deine Tilly u. Anna Pamela.


[am linken Rand des Textfelds um 90 Grad gedreht:]

Herzlichste Grüße
Papa
Mama |


SCHLOSS STARNBERG.

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Graz, 9. Juli 1912 (Dienstag)
von Newes, Eduard und Newes, Mathilde
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Frank Wedekinds Postkarte an Tilly Wedekind vom 10.7.1912 aus München:]


Einen sehr lieben Brief erhielt ich von Deinen Eltern [...]

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