Briefwechsel

Gericke, Walter und Wedekind, Frank

1 Korrespondenzstück

Stockach, 21. November 1888 (Mittwoch)
von Gericke, Walter
an Wedekind, Frank

Stockach d 21 November 1888


Herrn Franklin Wedekind, Schriftsteller
Lenzburg


Bei unserer letzten Begegnung vor ca 14 Tagenzurückgerechnet vom 21.11.1888 der 7.11.1888, wahrscheinlich aber früher; Wedekinds letzte Begegnung mit Walter Gericke könnte auf den 1.11.1888 datieren, wie seine Bleistiftnotiz auf der Rückseite des Briefs („1 XI 88“) nahelegt. Frank Wedekind brach nach dem Tod seines Vaters Friedrich Wilhelm Wedekind (gestorben am 11.10.1888 nach einem Herzinfarkt) sein zum Sommersemester 1888 aufgenommenes Jurastudium in Zürich ab ‒ exmatrikuliert am 29.11.1888 [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 131], „eilte nach Haus und blieb über ein halbes Jahr auf Schloss Lenzburg“ [Vinçon 2021, Bd. 1, S. 441]. wird Ihnen mein Benehmen Ihnen gegenüber nicht angenehm gewesen sein, zu meiner Entschuldigung führe ich an, daß ich am gleichen Tage am MittagstischeWedekind hat – belegt für das Jahr 1887 – in der Pension der Witwe Anna Barbara Buchmann in der Seefeldstraße 1 in Riesbach bei Zürich [vgl. Adressbuch der Stadt Zürich für das Jahr 1889, Teil I, S. 57], die mit dieser Adresse auch unter Kosthaltereien und Pensionen zu finden ist [vgl. Adressbuch der Stadt Zürich für das Jahr 1889, Teil II, S. 401], regelmäßig gegessen. Der Mühlenmacher Walter Gericke wohnte in der Pension in der Seefeldstraße 1 [vgl. Adressbuch der Stadt Zürich für das Jahr 1889, Teil I, S. 106]. erst vom Tode Ihres Herrn Vaters KenntnißDie Familie hatte eine Todesanzeige aufgegeben [vgl. Neue Zürcher Zeitung, Jg. 68, Nr. 288, 14.10.1888, S. (4)] und sich in einer Anzeige für die Beileidbekundungen bedankt [vgl. Neue Zürcher Zeitung, Jg. 68, Nr. 291, 17.10.1888, 1. Blatt, S. (4)]. Der Tod von Wedekinds Vater war auch in der überregionalen Presse gemeldet: „In Lenzburg (Aargau) starb vor einigen Tagen Herr Dr. med. Friedrich Wilhelm Wedekind, ein Achtundvierziger und damaliger hannoverischer Vertreter im Frankfurter Parlament.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 27, Nr. 537, 21.10.1888, Morgen-Ausgabe, S. (3).] erhielt.

Ich spreche Ihnen noch jetzt mein mit gefühltes Beileid aus & hoffe daß Sie den herben Verlust in Ergebenheit tragen werden.

Sie meiner Hochachtung versichernd, biete ich Ihnen deutschen Gruß & Handschlag
Ergebenst W Gericke


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