Briefwechsel

Held, Berthold und Wedekind, Frank

3 Dokumente

Wien, 28. Juni 1901 (Freitag)
von Mahler, [Vorname], Heims, Else, Held, Berthold, Dumont, Louise und Trenner, Annie
an Wedekind, Frank

Post-Karte.


An Herrn Frank Wedekind
p. adr. Redaktion des „SimplicissimusDie Redaktion der von Albert Langen verlegten und herausgegebenen Münchner illustrierten Wochenschrift „Simplicissimus“, für die Wedekind von Anfang an als Beiträger tätig war (das erste Heft vom 4.4.1896 eröffnete mit seiner Erzählung „Die Fürstin Russalka“), hatte seit 1901 ihren Sitz in der Kaulbachstraße 91 (davor seit Gründung des Albert Langen Verlags 1896 in der Kaulbachstraße 51a, dann seit 1897 in der Schackstraße 4, danach ab Sommer 1913 in der Hubertusstraße 27).
in München |


Wiener Rathhaus-Keller.

Volkskeller.


Der Club der Wiener Tantenmörderin Anspielung auf Wedekinds Gedicht „Der Tantenmörder“ (1897), das durch Otto Julius Bierbaums Anthologie „Deutsche Chansons (Brettl-Lieder)“ (1900) starke Verbreitung gefunden hatte [vgl. KSA 1/II, S. 1287], ein Teil jener Gruppe, die nach dem Ensemblegastspiel des Deutschen Theaters zu Berlin (Direktion: Otto Brahm) vom 10. bis 30.6.1901 am Carl-Theater in Wien vom 1. bis 8.7.1901 ein Gastspiel als Kabarett Schall und Rauch gab; angekündigt war: „Wie wir erfahren, wird die Berliner Künstlervereinigung ‚Schall und Rauch‘ einige ihrer Vorstellungen, die eine Art von ‚Ueberbrettl‘ bilden, im Carl-Theater geben. Ihre Vorstellungen werden sich dem Gastspiel des Deutschen Theaters unmittelbar anschließen.“ [Neues Wiener Abendblatt, Jg. 35, Nr. 162, 15.6.1901, S. 4] „Das Programm der Künstlervereinigung ‚Schall und Rauch‘, welche bekanntlich am 1. Juli eine Reihe von acht Vorstellungen im Carl-Theater eröffnet, setzt sich hauptsächlich aus Parodien, Travestien und Satiren, die sich auf Gebiete des Theaters und der Literatur beziehen, zusammen. Die Dichter und die Darsteller sind fast ausschließlich Mitglieder des Berliner Deutschen Theaters.“ [Neues Wiener Tagblatt, Jg. 35, Nr. 170, 23.6.1901, S. 8] „Im Carl-Theater beginnt Montag Abends 7½ Uhr ein Gastspiel der Künstler des Deutschen Theaters aus Berlin, das unter dem Titel ‚Schall und Rauch‘ eine Reihe heiterer Parodien und Travestien auf dem Gebiete des Theaters und der Literatur zur Darstellung bringt.“ [Wiener Zeitung, Nr. 148, 29.6.1901, S. 9] Es firmierte als „(Berliner heitere Künstler-Abende unter Leitung von Friedrich Kayßler und Max Reinhardt): ‚Schall und Rauch.‘“ [Neue Freie Presse, Nr. 13233, 28.6.1901, Morgenblatt, S. 15] „Bei diesen Künstlerabenden, welche unter der administrativen Leitung des Herrn Berthold Held stehen, wirken folgende Mitglieder des ‚Deutschen Theaters‘ mit: Die Damen: Else Heims. Annie Trenner; die Herren: Bernauer, Kayßler, Noster, Reinhardt, Schwaiger. Vallentin und Ziener.“ [Wiener Allgemeine Zeitung, Nr. 6990, 2.7.1901, S. 3] sendet von seiner ersten feierlichen Tantenschlachtungin Anspielung auf den Auftakt von Wedekinds Gedicht „Der Tantenmörder“ – „Ich hab’ meine Tante geschlachtet“ [KSA 1/I, S. 432] – die Programmplanung im Rathauskeller in Wien (I, Felderstraße 1) für das Gastspiel von Schall und Rauch im Wiener Carl-Theater (siehe oben). Friedrich Kayßler schrieb am 13.6.1901 aus Wien an Christian Morgenstern: „Wir wollen übrigens auch jetzt anschließend an das hiesige Gastspiel ein Schall u. Rauchgastspiel im Karltheater auf 8 Tage machen. Man bot es uns an, wir wären dumm, wenn wirs nicht thäten.“ [Breitner 2005, S. 549] im Wiener Rathskeller seinem Obertantenmörder als Gruß einen der DärmeZitat aus Wedekinds Gedicht „Der Tantenmörder“ (3. Strophe, 3. Vers): „Ich stieß ihr den Dolch in die Därme“ [KSA 1/I, S. 432] – der groteske Mord im Gedicht wohl als Katachrese für das auf der Bildpostkarte zelebrierte Entwerfen eines Kabarettstücks mit fiktionalen Figuren (Entdecker, Komponist, Wissenschaftler) für Schall und Rauch (siehe oben). der eben geschlachteten Tante.

Famosunsichere Lesart., Entdecker.

Gottlieb, Componist.

Lemm, Wissenschaftler.

erg.unsichere Lesart. Mahler

++++ +obe DumontLouise Dumont, Schauspielerin am Deutschen Theater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 240], war bei den Gründungsvorbereitungen für das Theater Schall und Rauch in Berlin maßgeblich engagiert, wie Friedrich Kayßler am 13.6.1901 aus Wien an Christian Morgenstern schrieb: „Wir machen nun selbständig Schall u. Rauch auf in Armins Hotel Unter den Linden. [...] die treibenden Elemente sind Dumont, Reinhardt u. ich.“ [Breitner 2005, S. 549] HeimsElse Heims, Schauspielerin am Deutschen Theater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 240], deren Name auf dem Programmzettel der Eröffnung des Kabaretts Schall und Rauch am 23.1.1901 stand [vgl. Schall und Rauch: Erlaubtes und Verbotenes. Spieltexte des ersten Max-Reinhardt-Kabarett (Berlin 1901/02). Hg. von Peter Sprengel. Berlin 1991, S. 45 (Faksimile)] und sie selbst bei dem Wiener Gastspiel von Schall und Rauch auf der Bühne (siehe oben). TrennerAnnie Trenner, Schauspielerin am Deutschen Theater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 240], die bei dem Wiener Gastspiel von Schall und Rauch auf der Bühne stand (siehe oben). u. HeldBerthold Held, im dann am 9.10.1901 in Berlin offiziell eröffneten Theater Schall und Rauch (Unter den Linden 44) Regisseur [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 263], war als administrativer Leiter des Wiener Gastspiels von Schall und Rauch ausgewiesen (siehe oben). Friedrich Kayßler nannte ihn am 13.6.1901 im Brief aus Wien an Christian Morgenstern „einen Mann für die praktischen Erledigungen, Berthold Held, einen alten Kollegen Reinhardts, der sehr gewissenhaft u. arbeitsfähig ist, aber kein selbständiger Kerl.“ [Breitner 2005, S. 548]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 28. Dezember 1912 (Samstag)
von Held, Berthold und Deutsches Theater zu Berlin, (Theater)
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Briefentwurf an Berthold Held vom 30.12.1912 aus München:]


Für Ihre liebenswürdigen Zeilen Benachrichtigung empfangen Sie meinen verbindlichsten Dank.

Einzelstellenkommentare

München, 30. Dezember 1912 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Held, Berthold, Deutsches Theater zu Berlin, (Theater)

Sehr geehrter Herr Professorsehr wahrscheinlich Berthold Held, Regisseur am Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 290], Jugendfreund Max Reinhardts und inzwischen seit über einem Jahr Leiter der Schauspielschule des Deutschen Theaters zu Berlin (insofern wohl die Anrede), wie die Presse seinerzeit meldete: „Die Schauspielschule des Deutschen Theaters wird jetzt von Berthold Held geleitet.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 40, Nr. 477, 19.9.1911, Morgen-Ausgabe, S. (3)] Berthold Held hatte dem Berliner Polizeipräsidium vor dem 26.2.1912 ein Typoskript „Schloss Wetterstein“ (im Archiv des Deutschen Theaters, Berlin) zur Zensur eingereicht, das von der Zensurbehörde am 15.5.1912 mit dem handschriftlichen Vermerk versehen wurde: „Eingereicht von Direktor Held für ein Sommergastspiel. Demnächst zurückgezogen.“ [KSA 7/II, S. 691] Er hat sein eigenes Genehmigungsgesuch für ein Gastspiel zwar zurückgezogen, dürfte aber als bereits mit dem Stück vertrauter Regisseur des Deutschen Theaters erneut mit dem nun offiziell vom Deutschen Theater in die Wege geleiteten Aufführungsplan des Stücks befasst gewesen sein. Die Direktion des Deutschen Theaters reichte dem Berliner Polizeipräsidium am 4.8.1912 „Schloß Wetterstein“ ein [vgl. KSA 7/II, S. 876], die am 16.1.1913 ein erstes Verbot aussprach [vgl. KSA 7/II, S. 972]; das Deutsche Theater ersuchte das Berliner Polizeipräsidium daraufhin am 27.2.1913 erneut um Genehmigung einer Aufführung, das am 6.5.1913 endgültig entschied, „die Aufführung zu verbieten.“ [KSA 7/II, S. 877] Wedekinds Briefentwurf befindet sich im „Kuvert ‚[Deutsches Theater] Schloß Wetterstein‘“ [KSA 7/II, S. 918]; sein Brief dürfte mit Sicherheit an Berthold Held adressiert gewesen sein (die Dramaturgen des Deutschen Theaters – Felix Hollaender und Arthur Kahane – hätte er anders angesprochen), mit dem er das Vorhaben, „Schloß Wetterstein“ zu inszenieren, wohl schon im Vorjahr besprochen hat, wie er am 26.9.1911 notierte: „Unterredung mit Held“ [Tb].!

Für Ihre liebenswürdigen Zeilen Benachrichtigungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Berthold Held an Wedekind, 28.12.1912. Die Mitteilung der möglichen Rollenbesetzung (siehe unten) der geplanten „Schloß Wetterstein“-Inszenierung dürfte im Zuge der Nachfrage des Deutschen Theaters zu Berlin am 28.12.1912 beim Polizeipräsidium Berlin erfolgt sein, eine Bitte „um freundliche Genehmigung“ des am 4.8.1912 „eingereichten Stückes ‚Schloß Wetterstein‘ von Frank Wedekind, da die Aufführung bereits Ende nächsten Monats stattfinden soll.“ [KSA 7/II, S. 219] Die Aufführung war „für Ende Januar 1913 geplant“ [KSA 7/II, S. 876] und zwar an den Kammerspielen des Deutschen Theaters, wie aus einer Pressemeldung über die begonnenen Proben hervorgeht: „Wedekinds Einakterzyklus ‚Schloß Wetterstein‘ wird zurzeit für die Kammerspiele des Deutschen Theaters probiert.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 42, Nr. 15, 9.1.1913, Abend-Ausgabe, S. (3)] empfangen Sie meinen verbindlichsten Dank. Wollen Sie auch Herrn Professor Reinhardt„Professor Max Reinhardt“ [Neuer Theater-Almanach 1913, S. 290], Inhaber und Direktor des Deutschen Theaters zu Berlin. Er trug den Professorentitel seit 1909: „Der Herzog von Koburg-Gotha hat den Direktor Max Reinhardt in Anerkennung seiner Leistungen als Lehrer und Leiter der Schauspielschule des Deutschen Theaters zum Professor ernannt.“ [Hamburger Neueste Nachrichten, Jg. 13, Nr. 126, 2.6.1909, S. 4] meinen ergebensten Dank für das große Interesse aussprechen, das er für meine Arbeit übrig hat.

Und nun zu der von Ihnen vorgenommenen BesetzungBerthold Held hatte für die geplante Aufführung von Wedekinds Schauspiel „Schloß Wetterstein“ an den Kammerspielen des Deutschen Theaters (siehe oben) offenbar vorgeschlagen, die Rollen Rüdiger Freiherr von Wetterstein, Effie von Gystrow, Meinrad Luckner und Karl Salzmann [vgl. KSA 7/I, S. 100] mit Alfred Abel, Leopoldine Konstantin, Jakob Tiedtke und Eduard Rothauser zu besetzen – allesamt Schauspieler und eine Schauspielerin aus dem Ensemble des Deutschen Theaters zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 291].. Selbstverständlich hatte ich mich mit dieser Frage beschäftigt seitdem das Drama von Herrn Professor Reinhardt angeno zur A angenommen war. Die Besetzung der HauptrollenWedekind schlug vor, die Hauptrollen Rüdiger Freiherr von Wetterstein, Leonore von Gystrow, deren Tochter Effie und Meinrad Luckner [vgl. KSA 7/I, S. 100] in der Berliner Inszenierung seines Schauspiels „Schloß Wetterstein“ mit Alexander Moissi, Else Heims, Camilla Eibenschütz oder Johanna Terwin sowie mit Wilhelm Diegelmann (alternativ mit Alexander Rottmann) zu besetzen – allesamt ebenfalls Schauspieler und Schauspielerinnen aus dem Ensemble des Deutschen Theaters zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 291f.]. wie sie mir vorschwebte war folgende: |

Rüdiger = Alexander Moissi

Leonore = Frau Else Heims

Effie = Camilla Eybenschütz oder Johanna Terwin

Luckner = Herr ? Diegelmann

In der Leonoregesamter stark durchkorrigierter Absatz durchgestrichen bis „Gesellschaft zu gestalten bestrebt.“ hatte war ich bestrebt ein Prototyp von Gesundheit, Frische und Natürlichkeit im ersten und dritten Aktumgestellt; zuerst in der Zeile darunter: „im ersten {und dritten} Akt zu gestalten bestrebt.“ mit ausgesprochnem Humor zu gestalten bestrebt. außerdem den Inbegriff einer Dame der guten besten Gesellschaft zu gestalten bestrebt. |

In der Leonore war ich mir bewußt ein Prototyp von Gesundheit, Frische und Natürlichkeit, im ersten und dritten Akt mit ausgesprochenem Humor, außerdem den Inbegriff einer Dame der besten Gesellschaft zu gestalten. Frau Heims wür Professor HeimsElse Heims, Schauspielerin am Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 291], seit 1910 mit Max Reinhardt verheiratet, wurde von Wedekind wie ihr Mann mit dem Professorentitel versehen (siehe oben). würde sich mit dem mir vorschwebenden Ideal in gleich vollkommener Weise decken wie Moissi mit der Rolle des Rüdiger. Bei der Besetzung dieser Rolle durch Herrn Abel glaube ich der Unstimmigkeit entgegensehen zu müssen daß das Drama zum KonversatzionsstückSchreibversehen, statt: Konversationsstück. diminuirtverkleinert, vermindert, verringert. würde und sich alles ethische Pathos darin als echt Wedekindsche Unbeholfenheit erweisen würde. Diese Beobachtung drängte sich mir bei der Besetzung meines Fritz | Schwiegerling durch Herrn AbelAlfred Abel, inzwischen Schauspieler am Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 291], hatte in der Inszenierung von Wedekinds Schwank „Der Liebestrank“ (1899) am Kleinen Theater (Direktion: Victor Barnowsky) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1910, S. 290] in Berlin (Premiere: 6.10.1910) die Hauptrolle des Fritz Schwigerling gespielt – mit teilweise kritischer Presseresonanz; so meinte etwa Alfred Kerr in der Berliner Tageszeitung „Der Tag“ (8.10.1910): „Herr Abel [...] verfehlte den Stil“ [KSA 2, S. 1091]. am Kleinen Theater auf, wobei die Kritik auch durchaus nicht mehr für gut fand den Darsteller gegen den Autor in Schutz zu nehmen.

Frl. Konstantin kenne ich aus dem gesprochenen Drama leider nur sehr wenig. Der mädchenhafte Heroismus, der Effie, ihr transzendentaler Mystizismus, ihre überlegene und doch spielerische Intelligenz, vor allem die für den 3. Akt nötige Majestät und tragische Größe, das alles glaube in Gefahr ich bei der Besetzung der Rolle durch Fräulein Konstantin in Gefahr durch einen derben wuchtigen Realismus ausgeschaltet zu werden. Bei den Damen Eybenschütz und Terwin glaube würde ich mich in dieser Hinsicht eines erschöpfenden Ver|ständnisses und einer glänzenden Wiedergabe vollkommen sicher fühlen

Herr Digelmann hat uns einen vielbewunderten FalstaffWilhelm Diegelmann, Schauspieler am Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 291], spielte diese Rolle dort unter der Regie von Max Reinhardt bei der Premiere von Shakespeares „Heinrich VI.“ am 12.10.1912 (Teil I) und 18.10.1912 (Teil II); angekündigt war: „Für die Erstaufführung von Shakespeares ‚König Heinrich IV.‘ im Deutschen Theater am Sonnabend ist folgende Besetzung festgesetzt: [...] Sir John Falstaff – Wilhelm Diegelmann“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 476, 10.10.1912, Morgen-Ausgabe, S. 6] Die Presseurteile waren allerdings gemischt. So zeigte sich der sozialdemokratische „Vorwärts“ von der Darstellung begeistert, vom ersten Teil – „Diegelmann war ein famoser Falstaff, breit und behaglich die unsterblichen Humore des dicken Ritters widerstrahlend“ [Vorwärts, Jg. 29, Nr. 241, 15.10.1912, 1. Beilage, S. (1)] – und im zweiten Teil II verwies er auf die „lustigen Partien, in denen Diegelmanns trefflicher Falstaff Chorführer war“ [Vorwärts, Jg. 29, Nr. 246, 20.10.1912, 1. Beilage, S. (1)]; andere sahen eine Steigerung in der Darstellungsleistung: „Das Deutsche Theater will sich der schweren, aber höchst dankenswerten Aufgabe unterziehen, einige von Shakespeares Königsdramen aufzuführen, und begann sie am Sonnabend mit ‚König Heinrich der Vierte‘ 1. Teil. [...] Der Falstaff war Herrn Diegelmann zugeteilt. Der Künstler charakterisierte manchen hübschen Einzelzug. Der lärmende, polternde Sir John gelang ihm gut, das Humorvolle, namentlich die Selbstironie kamen aber zu kurz.“ [Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 245, 14.10.1912, Abends, S. (4)] „Die gestrige Aufführung des zweiten Teils von Shakespeares ‚König Heinrich dem Vierten‘ übertraf in einigen Einzelheiten diejenige des ersten Teils [...]. Herr Diegelmann hatte sich in die Rolle des Falstaff mehr eingelebt und fand wiederholt den Ausdruck für einen kernigen und echten Humor.“ [Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 250, 19.10.1912, Abends, S. (4)] Paul Schlenther (P.S.) war mit der Darstellung im ersten Teil nicht einverstanden: „Sir John Falstaff [...] wuchs [...] dem Dichter unter der Hand gewaltig in die Höhe und, man kann bei Falstaff auch sagen, in die Breite, so daß er [...] fast zur Hauptgestalt wurde. Der Falstaff des Deutschen Theaters, Herr Diegelmann, bringt die Breite und die Höhe äußerlich mit. Aber nur die Gesamtheit konnte ihn tragen, und der Witz der Regie [...] kam in dieser Tiefebene nicht weit. Eine stimmliche Indisposition nahm ihm auch die letzte Gestaltungskraft.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 41, Nr. 523, 13.10.1912, Morgen-Ausgabe, S. (2)] Er sah sie auch im zweiten Teil noch kritisch: „Herr Diegelmann ist ganz anständig in den passiven Falstaff des zweiten Teils hineingewachsen. Aber er hilft sich zu oft mit unartikulierten Lauten, statt das Gold des Humors im Shakespeareschen Text zu suchen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 41, Nr. 534, 19.10.1912, Morgen-Ausgabe, S. (2)] geschenkt. Für mich ist er die Idealbesetzung des Luckner, obschon ich mir bei der Gestaltung der Rolle Alexander Rottmann vorschwebteWedekind, der am 23.2.1912 nach Wien gereist ist [vgl. Tb], um die Proben zu der für den 2.3.1912 vom Akademischen Verband für Literatur und Musik in Wien geplanten geschlossenen Uraufführung von „Schloß Wetterstein“ zu leiten, die dann nicht stattfand [vgl. KSA 7/II, S. 877] und „während der Proben abgesagt“ [KSA 7/II, S. 908] wurde, hat Alexander Rottmann, der die Rolle des Meinrad Luckner (ein Frauenverführer) probte, in Wien täglich vom 24. bis 28.2.1912 bei den Proben [vgl. Tb] in der Rolle erlebt.. Es scheint mir zweifelhaft ob man Herrn Tiedge das brutale Hereinplatzen des Luckner glauben würde. Sollte die Rolle aber zu einem seelischen Problem diminuirt werden, dann müßten meines Erachtens die grellen schreienden Kontraste darunter leiden auf die die Wirkung des Ganzen berechnet ist

Und nun muß ich Ihnen noch ein Geständnis ablegen von dem ich wohl | hoffen darf daß Sie es niemandem verraten werden. Für das energische unerbittlich sachliche, jeden blindenden Einwand ertötende Auftreten des Direktor Salzmann, gab mir die alleräußerste Äußerlichkeit im Wesen unsers hochverehrten MeistersMax Reinhardt, von Wedekind „in den Entwürfen zu ‚In allen Wassern gewaschen‘“ – später der 3. Akt von „Schloß Wetterstein“ (1912) – „als Modell für den Betreiber eines zweifelhaften Unternehmens erwähnt“, was darauf deute, „daß er ihn nicht nur als Künstler, sondern auch als Geschäftsmann wahrnahm.“ [KSA 7/II, S. 833] Die Unternehmerfigur – in dem Entwurf noch explizit notiert: „Betrieb: Max Reinhart“ [KSA 7/II, S. 712] – ist „Modell für [...] die spätere Salzmann-Figur“ [KSA 7/II, S. 818]. Karl Salzmann [vgl. KSA 7/I, S. 160] tritt im 3. Akt von „Schloß Wetterstein“ auf, in den Szenen III/4, III/6 und III/8.

Die wenigen für die kleinen Rollen nötigen Anhaltspunkte.

Zweierlei lag mir dabei völlig fern:

1. Etwas anderes als nur das alleräußerlichste dieser großen Erscheinung, die in der Welt nicht ihres Gleichen hat, mir zunutze zu machen

2. Die Vermuthung, daß diese kinderleichte Rolle jemals zu Besetzungsschwierigkeiten veranlassen könnte.

Herr Rothauser wird sich in dieser | Rolle nicht die höchste Note sondern die tiefste für seine Ausgestaltung maßgebend sein lassen: „Ich bin Familien-Vater.Zitat aus der letzten Szene III/8 von „Schloß Wetterstein“ (Figurenrede Karl Salzmann): „Ich bin Familienvater.“ [KSA 7/I, S. 155]“ Ein seelisches Problem durch das der zweik psychologische Zweikampf Tschamper – Effie sich mit Leichtigkeit an die Wand g drücken läßtzuerst gestrichen, durch Unterpunktung wiederhergestellt. wird, da das Publikum seit 25 Jahren Einkämpfe und Selbstkämpfe unvergleichlich höher schätzt bewertet als Zweikämpfe. Salzmann beschließt das Drama als dessen tragischer Held

Wollen Sie, geehrter Herr Professor bitte verzeihen daß ich meiner Phantasie die Zügel schießen ließ. Schloß Wetterstein ist was Inscenierung betrifft, das einfachste StückWedekind hat schon früher zu „Schloß Wetterstein“ erklärt, das Stück sei „kinderleicht zu inscenieren“ [Wedekind an Fritz Basil, 9.3.1912]. das ich geschrieben habe. Ich Bei gelernten Rollen verpflichte ich mich es an

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