Briefwechsel

Brandenburg, Hans und Wedekind, Frank

8 Dokumente

München, 20. Februar 1909 (Samstag)
von Brandenburg, Hans
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Hans Brandenburg vom 23.2.1909 aus München:]


Ich danke Ihnen sehr für das Vertrauen, das Sie mir durch Zusendung Ihres Altenberg Zirkulares erweisen.

Einzelstellenkommentare

München, 23. Februar 1909 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Brandenburg, Hans

Sehr verehrter Herr BrandenburgHans Brandenburg, Schriftsteller in München-Schwabing (Hohenzollernstraße 5, Gartenhaus) [vgl. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1909, Teil II, Sp. 182].!

Ich danke Ihnen sehr für durchirrtümlich nicht gestrichen. das Vertrauen, das Sie mir durch ZusendungHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Hans Brandenburg an Wedekind, 20.2.1909. Beilage war ein Rundbrief zu einer Sammlung für den von Spenden abhängigen Wiener Schriftsteller Peter Altenberg, der den Angeschriebenen spätestens am 21.2.1909 vorlag, wie eine Postkarte Thomas Manns an Hans Brandenburg vom 21.2.1909 [Mü, Mann, Thomas A I/196] belegt, der sich an der Sammlung beteiligt und bereits einen Betrag überwiesen hat. Ihres Altenberg Zirkulares erweisen. Meine Hülfsmittel sind aber seit Monaten so spärlich daß ich nicht ohne weiters so handeln kann wie ich gerne möchte. Wollen Sie mir daher bitte Ihre Liste zuschicken, nachdem sich eine Anzahl anderer Herren an der Sammlung betheiligt haben.

Ungemein würde es mich freuen, wenn ich einmal Gelegenheit fände per|sönlich mit Ihnen zusammenEin persönliches Beisammensein kam am 19.4.1909 zustande, wie Wedekind notierte: „Besuch von Brandenburg.“ [Tb] zu sein. SchadeHans Brandenburg hat vermutlich erklärt, er könne an diesem Abend nicht in das Münchner Weinlokal Zur Torggelstube (Platzl 8) kommen. Wedekind notierte am 23.2.1909: „Abends große Feier in der Torggelstube. Außer Tilly ist alles anwesend.“ [Tb] daß Sie nicht mehr in die Torggelstube kommen.

Mit besten Grüßen Ihr ergebener
Frank Wedekind.


München 23.2.9.

Einzelstellenkommentare

München, 27. Februar 1909 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Brandenburg, Hans

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Hans Brandenburg
München-Schwabing
Hohenzollernstrasse 5
Gartenhaus. |


Sehr geehrter Herr Brandenburg.

Morgen Sonntagder 28.2.1909, an dem Frank Wedekind notierte: „Tilly geht in Nora. Nachher Torggelstube mit Jakoby Kutscher Henckell und den Andern.“ [Tb] Tilly Wedekind hat die „Nora“-Vorstellung im Residenztheater (siehe unten) besucht und war anschließend mit ihrem Mann, Bernhard von Jacobi, Artur Kutscher und Karl Henckell im Weinlokal Zur Torggelstube (Platzl 8). Albert Steinrück, Schauspieler am Münchner Hoftheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1909, S. 531], dürfte bei dem Abend in der Weinstube auch dabei gewesen sein, Hans Brandenburg wohl nicht, da er sich in Hohenpeißenberg aufhielt, wie der Nachsendevermerk auf der Postkarte belegt. Abend sind wir, Henckell, Dr. Kutscher, Dr. von Jakoby und Steinrück in der Torggelstube nach dem Theaternach der Vorstellung von Henrik Ibsens „Nora“ am Königlichen Residenztheater am 28.2.1909 in München von 19.30 Uhr bis 22 Uhr, ein Gastspiel von Bernhard von Jacobi: „Residenztheater. Sonntag. 28. Febr.: Nora. Schauspiel in 3 Aufzügen von Henrik Ibsen. (Dr. Rank – Herr Dr. Bernhard v. Jacobi vom Deutschen Theater tu Berlin a.G.) Anfang 7½, Ende 10 Uhr.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 62, Nr. 98, 28.2.1909, S. 4].. Vielleicht kommen Sie auch

Sie würden dadurch herzlich erfreuen
Ihren ergebenen
Frank Wedekind.


27.2.9.

Einzelstellenkommentare

München, 31. März 1910 (Donnerstag)
von Conrad, Michael Georg, Croissant-Rust, Anna und Brandenburg, Hans
an Wedekind, Frank

Euer Hochwohlgeboren
möchten wird hierdurch einladen, an dem Buche „In memoriam Otto Julius BierbaummitzuarbeitenWedekind, der mit Sicherheit angeschrieben wurde, ist unter den 40 Beiträgern und Beiträgerinnen des Bandes „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis“ (1912) nicht vertreten; er schrieb einem der Herausgeber (sie sind in der Titelei des Gedächtnisbandes nicht genannt, haben aber den Einladungsbrief zur Mitarbeit unterzeichnet), dass er „nicht versprechen“ könne, „den Beitrag zu liefern“ [Wedekind an Hans Brandenburg, 6.12.1911]. Beiträge lieferten (in dieser Reihenfolge abgedruckt): Auguste Henriette Bierbaum, Kurt Martens, Michael Georg Conrad, Alois Wohlmuth, Wladimir Schereschewsky, Anna Croissant-Rust, Hermann Croissant, Franz von Stuck, Karl Gerster, Hermann Eichfeld, Hermann Haak, Agnes Rust, Ernst von Wolzogen, Max Bernstein, Hans Thoma, Hedwig Lachmann, Paul Scheerbart, Karl Friedrich Baberadt, Lisette Stremel, Max Arthur Stremel, Hermann Bahr, Arno Krüche, Hugo Salus, Josef August Beringer, Oscar von Chelius, Max Schillings, Gerhard Ouckama Knoop, Georg Müller, Ludwig Finck, Karl Heckel, Josef Kinkel, Thomas Mann, Hans von Weber, Richard Elchinger, Hans Brandenburg, Artur Landsberger, Gustav Werner Peters, Carl Schüddekopf, Fritz Droop, Heinrich Franz Bachmair., das bei Georg Müller in München erscheinen wirdDer Band erschien erst im Herbst 1912 im Georg Müller Verlag in München [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 79, Nr. 252, 28.10.1912, S. 13277], angekündigt mit den Titelangaben: „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis / Herausgegeben von M. G. Conrad, Anna Croissant-Rust u. Hans Brandenburg / Mit 40 Bildbeigaben“ [S. 13317].. Man hat in Zeitungen und Zeitschriften so viele verlegene und ausweichende Worte gesprochen, so viel schnell geprägte, durch Tagesmoden und durch Cliquen in Kurs gebrachte Urteile, die man beim Tode BierbaumsWedekind notierte nachträglich für den 1.2.1910: „Otto Julius Bierbaum †“ [Tb], erfuhr am 2.2.1910 von Otto Julius Bierbaums Tod in Dresden und telegrafierte der Witwe [vgl. Frank und Tilly Wedekind an Gemma Bierbaum, 2.2.1910]: „Lese die Nachricht von Bierbaums Tod, telegraphiere Gemma“ [Tb], organisierte in Berlin einen Kranz für Dresden [vgl. Frank Wedekind an Erika Wedekind, 2.2.1910] und war sehr bewegt vom Tod des Freundes und langjährigen Weggefährten, zugleich aber auch von Existenzsorgen als Schriftsteller durch die Streitigkeiten mit seinem Verleger Bruno Cassirer geplagt [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 4.2.1910]. endlich hätte einziehen sollen, neu ausgegeben, ja, man hat dem Dichter so viele Verunglimpfungen und Entstellungen seines Charakters, seiner Leistungen und seines Strebens unmittelbar ins Grab nachgerufen, daß es als eine Ehrenpflicht der Pietät und Gerechtigkeit erscheint, in einem Gedächtniswerke Aufzeichnungen solcher Männer und Frauen zu sammeln, die dem Verstorbenen näher getreten sind oder doch in kürzerem oder längerem persönlichen Verkehr bemerkenswerte Eindrücke von ihm empfangen haben. Auch wenn diese Beziehungen schon längst der Vergangenheit angehören und durch Schicksale, Umstände oder persönliche Divergenzen irgendwelcher Art ein Ende nahmen, wird ihre vorurteilsfreie Darstellung als ein authentisches Zeugnis für unsern Zweck von Wichtigkeit sein. Selbstverständlich denken wir uns diese Gedächtnisblätter durchaus als persönliche Erinnerungen, die in erster Linie den Menschen Bierbaum zeigen und gelegentlich auch einen heiteren Charakter tragen, und nicht als literarische Würdigungen und Abschätzungen. Wir bitten Euer Hochwohlgeboren, den Beitrag, der in knapper Form gehalten sein müßte, damit das Buch nicht so umfangreich wird, so bald wie irgend möglich zu senden und uns einstweilen sogleich mitzuteilen, ob und bis wann wir auf ihn rechnen dürfen. Als äußersten Einsendungstermin müssen wir den 15. Maiden 15.5.1910. Dieser Termin wurde nicht eingehalten, wie Hans Brandenburg im Vorwort zum Band „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis“ (1912) beklagte: „Viele Antworten blieben aus, Einsendungen verzögerten sich, Wiederholungen unserer Bitte waren notwendig und somit eine langwierige Korrespondenz sowohl wie öftere Hinausschiebung des Redaktionsschlusses, Zusagen und Versprechungen wurden nicht eingehalten, und unter denen, die uns im Stiche ließen, befanden sich solche, welche am meisten hätten sagen können, oder auf welche wir am sichersten rechnen zu dürfen glaubten, da sie, wie wir wußten, Bierbaum verpflichtet waren.“ [S. VII] Das zielte durchaus auf Wedekind. festsetzen. Wir sagen für die gütige Erfüllung unserer Bitte Euer Hochwohlgeboren schon jetzt unsern besten Dank, auch im Namen des Herrn Verlegers, Georg Müller, an dessen Adresse, München, Josephplatz 7die Adresse von Georg Müller (Josephplatz 7, Parterre), „Verlagsbuchhändler“ [Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 392], wenige Wochen später nach der Trennung vom Bruno Cassirer Verlag Wedekinds neuer Verleger., wir Zuschriften und Manuskripte zu richten bitten. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst
Michael Georg Conrad. Anna Croissant-Rust. Hans Brandenburg.

Einzelstellenkommentare

München, 15. April 1910 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Brandenburg, Hans

München den 15. April 1910


Verehrter Herr Brandenburg!

Wollen Sie meiner Frau und meine herzlichsten Glückwünsche zu Ihrer VerlobungHans Brandenburg hatte sich mit der Illustratorin, Malerin und Grafikerin Dora Polster verlobt; die offizielle Verlobung fand allerdings erst am 13.1.1911 statt: „Als Verlobte sind vom Standesamt aufgeboten: [...] der Schriftsteller Johannes Brandenburg hier mit der Ingenieurstochter Frl. Dora Polster in Eichenau bei Alling.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 22, 14.1.1911, Morgenblatt, S. 4] In der Presse ist dann nochmals verzeichnet: „Verlobte. [...] Joh. Brandenburg, Schriftsteller aus Preußen, mit Dora Polster, Ingenieurstochter von Mainz.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 24, 16.1.1911, S. 4] Die Heirat fand am 15.3.1911 in Mainz statt (dem Wohnort der Eltern von Dora Polster). entgegennehmen und auch Ihrer verehrten Braut unsere Glückwünsche aussprechen.

Mit besten Grüßen auf baldiges Wiedersehn
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Pasing, 5. Dezember 1911 (Dienstag)
von Brandenburg, Hans
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Wedekinds Brief an Hans Brandenburg vom 6.12.1911 aus München:]


Empfangen Sie zuerst meinen herzlichen Dank für die liebenswürdige Übersendung Ihres Romans.


[2. Hinweis in Wedekinds Widmung an Hans Brandenburg vom 6.12.1911 aus München:]


[...] mit schönstem Dank für
Chloe“ [...]

Einzelstellenkommentare

München, 6. Dezember 1911 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Brandenburg, Hans

Sehr geehrter Herr BrandenburgHans Brandenburg wohnte neuerdings in Pasing (Lochhamerstraße 53) [vgl. Adreßbuch für München 1912, Teil I, S. 66; Vororts-Adreßbuch, S. 37].!

Empfangen Sie zuerst meinen herzlichen Dank für die liebenswürdige ÜbersendungHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung (oder eine Widmung im Buch); erschlossenes Korrespondenzstück: Hans Brandenburg an Wedekind, 5.12.1911. Hans Brandenburg hat Wedekind seinen Roman „Chloe oder Die Liebenden“ (1909) geschickt, der im Georg Müller Verlag in München neu aufgelegt war [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 79, Nr. 102, 3.5.1912, S. 5487]. Ihres Romans. Mit gleicher Post erhalten Sie meine FranziskaWedekind hat Hans Brandenburg ein Exemplar der Erstausgabe von „Franziska. Ein modernes Mysterium in fünf Akten“ (1912) geschickt, die vor kurzem vordatiert im Georg Müller Verlag erschienen war [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 78, Nr. 275, 27.11.1911, S. 14819]; das Exemplar enthält eine datierte Widmung [vgl. Wedekind an Hans Brandenburg, 6.12.1911].. Was nun Bierbaum betrifft, so habe ich gewiß etwa hundert BriefeDavon sind weniger als die Hälfte erhalten (siehe Wedekinds Korrespondenz mit Otto Julius Bierbaum). Hans Brandenburg plante offenbar eine Briefausgabe, die nicht zustande kam; er gab dann allerdings gemeinsam mit Michael Georg Conrad eine zehnbändige Ausgabe „Gesammelte Werke“ Otto Julius Bierbaums heraus, die von 1912 bis 1921 in München im Verlag Georg Müller erschien. Der Plan einer Briefausgabe wurde weiter verfolgt, wie Wedekinds Notiz vom 30.7.1913 verrät: „Besuch von Richard Elchinger dem ich sämmtliche Bierbaum-Briefe aushändige.“ [Tb] Richard Elchinger war Beiträger der Sammlung „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis“ (siehe unten). von ihm. Wer sich zu betheiligen sucht, dem würde es gewiß eine große Freude sein, sie zusammenzustellen. Ich selbst habe nicht viel Ursache Beschäftigung zu suchen. Ich Meine vierzehn Dramen, die meine Überzeugungen enthalten führt niemand auf, ich bin deshalb Schauspieler geworden und nun verbietet mir die Polizei die Aufführungen. Die paar Jahre in denen ich vielleicht noch spielen kann sind rasch vorbei Ich strenge also all meine Kräfte an, um | meine Stücke doch vielleicht noch frei zu bekommen und muß soll dabei für jede Zeitung, die ein gutes Wort über mich geschrieben, einen Beitrag liefern, damit sie mich in der nächsten Nummer nicht umso ärger verprügelt. Seit vierzehn Tagenseit dem 22.11.1911. Wedekind plante, den Lyrikband „Im Weitergehn. Neue Gedichte“ (1911) seines langjährigen Freundes Karl Henckell zu rezensieren, der soeben im Verlag Die Lese in München erschienen war [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 78, Nr. 270, 20.11.1911, S. 14439]; er hat die Kritik wohl nicht geschrieben (sie ist weder gedruckt noch handschriftlich nachweisbar). habe ich mir vorgenommen über Karl HenckelsIm Weitergehn“ eine Kritik zu schreiben. Ich bin noch nicht dazu gekommen. Und Karl Henckel lebt und hätte etwas davon, während Bierbaum todSchreibversehen, statt: tot. Otto Julius Bierbaum starb am 1.2.1910. ist und nichts davon hat. Nun sprechen Sie von seinem AndenkenAnspielung auf den seit dem Vorjahr geplanten Sammelband „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis“ (1912), den Michael Georg Conrad, Anna Croissant-Rust und Hans Brandenburg konzipiert und Wedekind aufgefordert hatten, dazu einen Beitrag zu liefern [vgl. Michael Georg Conrad, Anna Croissant-Rust, Hans Brandenburg an Wedekind, 31.3.1910].. Aber Bierbaum ist bekannter als Conrad, und Croissant und Sie und ich zusammengenommen. Und was die Schmähungen anbetrifft so ist überhaupt noch nie ein deutscher Schriftsteller so beschimpft worden wie ich. Ich weiß daß ich mit all diesen Entschuldigungen | Bierbaum auf meiner Seite habe; er war ein praktischer Mensch und Sentimentalitäten abhold. Sie haben vielleicht gerade eine Arbeitspause, deshalb finde ich es sehr schön wenn Sie das Buch herausgebenMichael Georg Conrad, Anna Croissant-Rust und Hans Brandenburg haben das Erinnerungsbuch „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis“ (1912) herausgegeben (auf dem Titelblatt nicht verzeichnet), das im Herbst 1912 im Georg Müller Verlag in München [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 79, Nr. 252, 28.10.1912, S. 13277] erschien, angekündigt mit den Titelangaben: „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis / Herausgegeben von M. G. Conrad, Anna Croissant-Rust u. Hans Brandenburg / Mit 40 Bildbeigaben“ [S. 13317].. Ich habe aber ein halbes Jahr ohne jede Arbeitspause hinter mir. Dabei werde ich an der Ausführung meiner eigenen Pläne fortwährend durch die Unmenge Arbeit gehindert, die mir die Überwindung all der Schwierigkeiten verursacht, die sich mir in den Weg stellen. Also seien Sie nicht böse wenn ich Ihnen nicht versprechen kann, in den nächstenSchreibversehen (ein vergessenes Wort), statt: in den nächsten Tagen (oder: Wochen). den Beitrag zu liefern.

Wollen Sie mich bitte bei Herrn Croissant entschuldigenHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Hermann Croissant an Wedekind, 5.12.1911. Hermann Croissant, Ingenieur und Gaswerkdirektor im Ruhestand in Pasing (Hermannstraße 18) [vgl. Adreßbuch für München 1912, Vororts-Adreßbuch, S. 37], Gatte der Schriftstellerin Anna Croissant-Rust, die den Sammelband „Otto Julius Bierbaum zum Gedächtnis“ (siehe oben) plante, hatte Wedekind offenbar wegen eines Beitrags zu diesem Erinnerungsbuch angeschrieben und um die gewünschte postume Würdigung gebeten. Wedekind kannte das seit 1905 in Pasing lebende Ehepaar, das mit dem inzwischen verstorbenen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum befreundet gewesen war; er ist ihm gelegentlich begegnet – dem Tagebuch zufolge am 26.8.1905 („Zu Mittag bei Bierbaum in Pasing. Croissant-Rust“), am 27.8.1907 („Abends mit [...] Gemma Bierbaum Croissant und Frau“) und am 23.9.1909 („Spaziergang nach Schwabing treffe Croissant Rust und Frau“).. Ich werde ihm auch selbst schreiben. Ich hatte die Herausgabe eines Bierbaum JahrbuchesWedekind hat am 20.6.1910 notiert: „Bierbaum-Jahrbuch fällt mir ein.“ [Tb] Ein solches Jahrbuch wurde nicht realisiert. vorgeschlagen um das fertig und unbenutzt liegende Material zur Verwendung zu bringen. Dazu wäre ich auch jetzt noch be/g/ern | bereit, halte es aber nicht für praktisch, neues Material zu schaffen und das vorhandene unbenutzt liegen zu lassen.

Seien Sie mir deshalb bitte nicht böse.

Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind.


München 6.12.11.

Einzelstellenkommentare

München, 6. Dezember 1911 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Brandenburg, Hans

An Hans Brandenburg
mit schönstem DankHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung (oder eine Widmung im Buch); erschlossenes Korrespondenzstück: Hans Brandenburg an Wedekind, 5.12.1911. Wedekind hat nun als Gegengabe zu Hans Brandenburgs Roman „Chloe oder Die Liebenden“ (1909), im Georg Müller Verlag in München neu aufgelegt [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 79, Nr. 102, 3.5.1912, S. 5487], dem Autor sein neues Stück „Franziska. Ein modernes Mysterium in fünf Akten“ (1912), das vor kurzem vordatiert im Georg Müller Verlag erschienen war [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 78, Nr. 275, 27.11.1911, S. 14819], übersandt, wie er ihm mit gleicher Post brieflich mitteilte [vgl. Wedekind an Hans Brandenburg, 6.12.1911]. für
Chloe
und besten Grüßen
Frank Wedekind.


München 6.12.11.


Franziska

Einzelstellenkommentare