Briefwechsel

Hauptmann, Gerhart und Wedekind, Frank

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Berlin, 3. Juli 1889 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Hauptmann, Gerhart

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 3.7.1889 in Berlin:]


Brief [...] an Gerhart Hauptmann [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 12. Mai 1905 (Freitag)
von Hauptmann, Gerhart
an Wedekind, Frank

GERHART HAUPTMANN

Einzelstellenkommentare

Berlin, 5. Oktober 1906 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Hauptmann, Gerhart

Berlin, Kurfürstenstraße 125.

5 Oktober 1906Wedekind notierte am 5.10.1906: „Briefe an Hauptmann und E. Schmidt.“ [Tb] Er hat außer Gerhart Hauptmann in derselben Angelegenheit auch Erich Schmidt angeschrieben, den bekannten Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Friedrich Wilhelms-Universität in Berlin. Im Schreiben Max Reinhardts an das Königliche Polizeipräsidium in Berlin vom 16.10.1906 heißt es: „Die Direktion des Deutschen Theaters erlaubt sich, für die Bühne der Kammerspiele des Deutschen Theaters um die Aufführungsgenehmigung für beiliegendes Stück ‚Frühlings Erwachen‘, eine Kindertragödie in 5 Akten von Frank Wedekind, zu ersuchen. [...] Wir können uns bei unserer Wertschätzung dieses Stückes auf eine Reihe von Meinungsäußerungen hervorragender Autoritäten stützen. Professoren wie Geheimrat Professor Dr. Erich Schmidt, Dichter wie Gerhart Hauptmann“ [KSA 2, S. 928] – es folgen weitere Namen; auf der Liste der zehn beigelegten handschriftlichen Gutachten sind dann an erster Stelle „Geheimrat Professor Dr. Erich Schmidt“ [KSA 2, S. 9299], an zweiter Stelle Gerhart Hauptmann aufgeführt..


Sehr geehrter Herr Hauptmann!

Vor zwei Jahren haben Sie mir durch Ihre moralische UnterstützungGerhart Hauptmann hatte 1904 seine Bereitschaft erklärt, im Prozess um die „Büchse der Pandora“ gegen Wedekind und seinen Verleger Bruno Cassirer am 12.5.1905 am Königlichen Landgericht I in Berlin als Gutachter tätig zu werden [vgl. KSA 3, S.1102, 1151]. Das „Berliner Tageblatt“ berichtete dann am 13.5.1905, dass „der Gerichtshof auf ein weiteres Gutachten von Gerhart Hauptmann verzichten konnte.“ [KSA 3/II, S. 1150] Gerhart Hauptmann war aber bei der Verhandlung in Berlin dabei, wie seine Notiz vom 12.5.1905 nahelegt: „Büchse der Pandora. Prozeß Wedekind.“ [Tb Hauptmann] Belegt ist das durch Wedekinds Notiz vom 12.5.1905: „Gerichtsverhandlung in Berlin. Fahre um 9 Uhr ins Gerichtsgebäude in Moabit. Treffe Gerhart Hauptmann. Wir müssen zwei Stunden warten. Verhandlung Freisprechung.“ [Tb] einen sehr großen Dienst erwiesen. Heute komme ich wieder zu Ihnen. Reinhart will mein Frühlings Erwachen auf die Bühne bringenMax Reinhardts Inszenierung von „Frühlings Erwachen“ ‒ 15 Jahre nach dem Erstdruck uraufgeführt am 20.11.1906 in den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin [vgl. KSA 2, S. 919-921], in einer Fassung, die am 24.10.1906 von der Zensur freigegeben worden war [vgl. Tb] – wurde zum großen Theatererfolg. Wedekind hat am 28.9.1906 von Max Reinhardts engstem Mitarbeiter Felix Hollaender von dem Plan erfahren: „Ich werde Abends ins Theater gerufen und Holländer theilt mir mit das man Frühlings Erw. spielen will“ [Tb].. Holländer wird Ihnen deshalb schon geschriebenFelix Hollaender, Dramaturg am Deutschen Theater zu Berlin (Direktion: Max Reinhardt) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1907, S. 286], teilte Gerhart Hauptmann am 5.10.1906 mit, der Bau der Kammerspiele sei „unter Dach und Fach, und in ganz kurzer Zeit werden wir die Kammerspiele des Deutschen Theaters eröffnen. [...] Bei der Gelegenheit möchte ich Sie noch um eine Freundlichkeit ersuchen. Wir bereiten für die Kammerspiele Wedekind’s ‚Frühlingserwachen‘ vor. Der Zensor ist geneigt, das Werk freizugeben, legt aber Wert darauf, für den Fall, dass sich eine Debatte mit dem Polizeipräsidenten ergeben sollte, die Gutachten literarischer Persönlichkeiten in den Händen zu haben. Würden Sie die grosse Güte haben, uns einige Zeilen über den literarischen Wert des Werkes zu schreiben und in diesem Gutachten darauf hinzuweisen, dass der Ernst und die Art, mit denen das Thema behandelt ist, eine Verletzung des Schamgefühls ausschalten. Wedekind wird sich erlauben, das gleiche Ansuchen an Sie zu richten.“ [Staatsbibliothek Berlin, Nachlass Gerhart Hauptmann, GH Br NL A: Hollaender, Felix 1, 44-45] haben. Für mich ist die Frage eine mehr wirthschaftliche als künstlerische. Das Stück wird dadurch nicht dramatischer werden. Aber wenn Sie mir Ihre | Hülfe zutheil werden lassen wollten, so müßte es natürhlichSchreibversehen, statt: natürlich. vom rein künstlerischen Standpunkt aus geschehen, oder, was noch besser wäre, vom moralischen Standpunkt aus. Felix Holländer bitteSchreibversehen, statt: bittet. Sie um ein GutachtenIn Gerhart Hauptmanns Gutachten zur Genehmigung der Berliner Uraufführung von „Frühlings Erwachen“ am 20.11.1906 heißt es: „Das Drama ‚Frühlings Erwachen‘ von Frank Wedekind ist eine ernste, streng künstlerische Arbeit, die, öffentlich aufgeführt, meines Erachtens, nur eine läuternde Wirkung ausüben kann.“ [KSA 2, S. 935] über das Stück und ich möchte die Bitte mit diesen Zeilen unterstützen. In erster Linien handelt es sich ja auch um mich. Wenn Sie mir Ihre Hülfe gegenüber dem PolizeipräsidentenPolizeipräsident von Berlin war von 1903 bis 1908 Georg von Borries, der „Chef“ [Berliner Adreßbuch 1907, Teil II, S. 48] im Polizeipräsidium. Leiter der Theater- und Zensurabteilung im Königlichen Polizeipräsidium Berlin war Curt von Glasenapp, den Wedekind im Blick hatte. Wedekind traf am 2.10.1906 Felix Hollaender und erfuhr von den Schwierigkeiten des Deutschen Theaters mit der Zensur: „Nachts im Café Kurfürstendamm erzählt mir Holländer seinen Kampf mit Glasenapp“ [Tb]. gewähren wollen, dann möchte ich über das „Wie“ kein Wort verlieren, da Sie die Situation jedenfalls klarer | überblicken als sonst irgend jemand. Meines aufrichtigen Dankes wären Sie gewiß.

Darf ich Sie bitten, Ihrer verehrten Frau Gemahlin meine ergebensten Empfehlungen aussprechen zu wollen.

Mit herzlichem Gruß
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Agnetendorf, 7. Oktober 1906 (Sonntag)
von Hauptmann, Gerhart
an Wedekind, Frank

WiesensteinGerhart Hauptmann wohnte seit dem 10.8.1901 bis zu seinem Tod in der repräsentativen Villa Wiesenstein, die er sich in dem niederschlesischen Ort Agnetendorf im Riesengebirge hatte erbauen lassen.
Agnetendorf i.R.


7. Okt. 1906.


Sehr geehrter Herr WedekindDer Brief antwortet auf einen Brief Wedekinds, in dem dieser um ein Gutachten für „Frühlings Erwachen“ bittet [vgl. Wedekind an Gerhart Hauptmann, 5.10.1906].!

Ich muß mir den Eindruck von „Frühlingserwachen“ erst erneuernGerhart Hauptmanns Lektüre von „Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie“ (Erstausgabe 1891 bei Jean Groß in Zürich, zweite Auflage 1894 bei Caesar Schmidt in Zürich, dritte Auflage 1903 bei Albert Langen in München) lag länger zurück. und will dann natürlicherweise sehr gern meine Meinung sagenIn Gerhart Hauptmanns Gutachten zur Genehmigung der Berliner Uraufführung von „Frühlings Erwachen“ am 20.11.1906 heißt es: „Das Drama ‚Frühlings Erwachen‘ von Frank Wedekind ist eine ernste, streng künstlerische Arbeit, die, öffentlich aufgeführt, meines Erachtens, nur eine läuternde Wirkung ausüben kann.“ [KSA 2, S. 935, fürchte aber, daß es auf das Polizeipräsidium wenig Eindruck machenIm Anschreiben an das Königliche Polizeipräsidium in Berlin vom 16.10.1906 um die Aufführungsgenehmigung von „Frühlings Erwachen“ hob Max Reinhardt hervor: „Wir können uns bei unserer Wertschätzung dieses Stückes auf eine Reihe von Meinungsäußerungen hervorragender Autoritäten stützen.“ Er nannte dann „Dichter wie Gerhart Hauptmann“ [KSA 2, S. 928]. „Frühlings Erwachen“ ist am 24.10.1906 von der Zensur freigegeben worden [vgl. Tb]. wird. Hoffen wir das Gegenteil!

In Erwiederung Ihrer Grüße herzlich dankend
Ihr
Gerhart Hauptmann

Einzelstellenkommentare

Berlin, 18. Juni 1912 (Dienstag)
von Cassirer, Paul, Reinhardt, Max, Gaul, August, Liebermann, Max, Wolff, Theodor, Dehmel, Richard, Hauptmann, Gerhart und Tuaillon, Louis
an Wedekind, Frank

ZU EHREN DES DICHTERS FRANK WEDEKIND WIRD DIENSTAG, DEN 18. JUNI 1912, ABENDS 9 UHR21 Uhr. IM HOTEL ESPLAMADE, BELLEVUESTRASSE, EIN BANKETT (HERRENDINERein Diner nur mit Herren. Ein Berichterstatter zeigte sich darüber verwundert: „Warum man für das [...] von Paul Cassirer, Gerhart Hauptmann, Max Liebermann, Richard Dehmel, Theodor Wolff, Ludwig Tuaillon und anderen Kunsthonoratioren veranstaltete ‚Frank Wedekind-Bankett‘ [...] gerade das Motto: ‚Nur für Herren‘ wählte, vermag ich nicht einzusehen.“ [Walter Turszinsky: Wedekind-Bankett. In: Prager Tagblatt, Jg. 37, Nr. 170, 22.6.1912, Morgen-Ausgabe, S. 1]) VERANSTALTET, AN DEM TEILZUNEHMENan dem großen Bankett zu Ehren Wedekinds – veranstaltete im Anschluss an den Wedekind-Zyklus vom 1. bis 15.6.1912 am Deutschen Theater zu Berlin – im Hotel Esplanade in Berlin am 18.6.1912, zu dem Wedekind notierte: „Festessen im Esplanade Hotel.“ [Tb] Die Veranstaltung war in der Presse angekündigt: „Zu Ehren des Dichters Frank Wedekind wird morgen (Dienstag) abend im Hotel Esplanade ein Bankett stattfinden. Die Einladungen tragen die Unterschriften: Paul Cassirer ‒ Richard Dehmel ‒ August Gaul ‒ Gerhart Hauptmann ‒ Max Liebermann ‒ Max Reinhardt ‒ Ludwig Tuaillon ‒ Theodor Wolff.“ [Ein Wedekind-Bankett. In: Berliner Tageblatt, Jg. 41, Nr. 304, 17.6.1912, Abend-Ausgabe, S. (3)] Richard Dehmel, Gerhart Hauptmann und Max Liebermann waren zu dem Festbankett nicht erschienen, wie das „Berliner Tageblatt“ am nächsten Morgen berichtete (auch über die gehaltenen Reden, die erste von Alfred Kerr), das rund 70 Anwesende zählte (darunter eine Dame, Helene Stöcker) [vgl. Das Wedekind-Bankett. In: Berliner Tageblatt, Jg. 41, Nr. 307, 19.6.1912, Morgen-Ausgabe, S. (2-3)]. SIE GEBETEN WERDEN.


PAUL CASSIRER RICHARD DEHMEL
AUGUST GAUL   GERHART HAUPTMANN
MAX LIEBERMANN   MAX REINHARDT
LUDWIG TUAILLON   THEODOR WOLFF


COUVERT à M. 5,–   ANMELDUNGEN AN DAS HOTEL ESPLAMADE

Einzelstellenkommentare

Agnetendorf, 18. Juni 1912 (Dienstag)
von Hauptmann, Gerhart
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Pressebericht (Das Wedekind-Bankett. In: Berliner Tageblatt, Jg. 41, Nr. 307, 19.6.1912, Morgen-Ausgabe, S. [2]):]


Zwar waren Gerhart Hauptmann, [...] die mit anderen namhaften Männern zu dem Feste geladenDie Veranstalter des Banketts zu Ehren Wedekinds am 18.6.1912 waren in der Presse genannt, darunter Gerhart Hauptmann: „Zu Ehren des Dichters Frank Wedekind wird morgen (Dienstag) abend im Hotel Esplanade ein Bankett stattfinden. Die Einladungen tragen die Unterschriften: Paul Cassirer ‒ Richard Dehmel ‒ August Gaul ‒ Gerhart Hauptmann ‒ Max Liebermann ‒ Max Reinhardt ‒ Ludwig Tuaillon ‒ Theodor Wolff.“ [Ein Wedekind-Bankett. In: Berliner Tageblatt, Jg. 41, Nr. 304, 17.6.1912, Abend-Ausgabe, S. (3)] hatten, durch mißliche Zufälle am Erscheinen verhindert, aber sie hatten ihre Teilnahme an allem Guten, was Wedekind gesagt und gewünscht wurde, durch herzliche Telegramme ausgedrückt.

Einzelstellenkommentare

Agnetendorf, 3. Juni 1913 (Dienstag)
von Hauptmann, Gerhart
an Wedekind, Frank

Telegramm.

frank wedekind muenchener schauspielhaus muenchen = |


Königlich Bayerische Telegraphenanstalt München.


glauben sie mir das ihre echte zustimmungGerhart Hauptmann bezieht sich auf Wedekinds telegrafischen Glückwunsch zu Hauptmanns „Festspiel in deutschen Reimen“ [vgl. Wedekind an Gerhart Hauptmann, 3.6.1913]. mich aufs tiefste erfreut hat. nehmen sie aufrichtige wuensche fuer leben und wirken von ihrem ergebenen = gerhart hauptmann

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München, 3. Juni 1913 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Hauptmann, Gerhart

Gerhart Hauptmann
Agnetendorf


Telegraphie des Deutschen Reiches.


Telegramm aus München [...]


Erlauben Sie mir Sie zu dem hohen stolzen Mut der Ihr herrliches FestspielGerhart Hauptmanns „Festspiel in deutschen Reimen“ war gerade im S. Fischer Verlag in Berlin erschienen, als Neuerscheinung gemeldet unter dem Titel „Festspiel in deutschen Reimen zur Jahrhundertfeier d. Freiheitskriege“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 109, 15.5.1913, S. 5161]. Es handelt sich um ein Auftragswerk zur Hundertjahrfeier der Befreiungskriege, das am 31.5.1913 in der Jahrhunderthalle in Breslau uraufgeführt und nach elf von geplanten fünfzehn Vorstellungen am 18.6.1913 wieder abgesetzt wurde. erfüllt bewundernd zu beglückwünschen
Frank Wedekind

Einzelstellenkommentare

Agnetendorf, 24. Juli 1914 (Freitag)
von Hauptmann, Gerhart
an Wedekind, Frank

[Hinweis und Zitat in Kutscher 3, S. 178:]


[Zum 50. Geburtstag Wedekinds kamen Glückwünsche] auch telegraphisch [...], Kollegen, Freunde und Bekannte, unter denen auch G. Hauptmann nicht fehlte: „Seien Sie überzeugt, daß ich Ihren Kampf, Ihr Wirken, Ihre Kunst stets mit vollem Respekt verfolgt habe“; [...]

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