Briefwechsel

Kraus, Karl und Wedekind, Tilly

15 Dokumente

Wien, 28. Mai 1905 (Sonntag)
von Kraus, Karl, Wedekind, Frank und Hollitzer, Carl Leopold
an Wedekind, Tilly

Correspondenz-Karte.


An
Frl. Tilly Newes
in IX.
Währingers
Fuchsthalergasse 4Tilly Wedekind logierte während ihres Aufenthalts in Wien im IX. Bezirk in der Fuchsthallergasse 4 (bis 1862: Währinger Linienstraße); bei wem, ist nicht ermittelt. |


Hauptstiege.

Hofburg-Theater.


Hofburg-Theater.

WIEN.


Viele herzliche Grüße. Wir sprachen von Ihnenvon Tilly Newes. Karl Kraus, Carl Leopold Hollitzer und Wedekind haben im Anschluss an die Generalprobe für die Premiere der „Büchse der Pandora“ (am 29.5.1905 im Trianon-Theater), die am 28.5.1905 im Atelier des Malers stattfand, der für die Premiere das Porträt von Tilly Newes als Lulu im Pierrot-Kostüm gemalt hat, über die Darstellerin der Lulu gesprochen. Karl Kraus zufolge hatte Carl Leopold Hollitzer „sein Atelier als Raum für die ersten Proben zur Verfügung gestellt“ [Die Fackel, Jg. 21, Nr. 521-530, Januar 1920, S. 114] sowie für die Generalprobe, wie seine Unterschrift auf der Bildpostkarte belegt. Wedekind notierte am 28.5.1905: „Generalprobe. Hotel Continental. Kraus liest mir seine Conference vor. Café Museum. Café de l’Europe.“ [Tb] Die Bildpostkarte wurde an einem dieser Orte geschrieben, wahrscheinlich noch bei Carl Leopold Hollitzer (VI, Gumpendorferstraße 63b), vielleicht aber auch im Hotel Continental (II, Praterstraße 7), im Café Museum (I, Friedrichstraße 6) oder im Café de l’Europe (I, Stefansplatz 8). Ein weiteres Gespräch der drei Männer über Tilly Newes – nun wohl speziell über das Porträt von ihr als Lulu im Pierrot-Kostüm, das Carl Leopold Hollitzer für die Wiener Premiere der „Büchse der Pandora“ gemalt hat – fand am 14.6.1905 (einen Tag vor der zweiten Vorstellung der „Büchse der Pandora“ am 15.6.1905) statt: „Ankunft in Wien. [...] Besuch mit Kraus bei Kunstmaler Holitzer. Tilly Newes im Pierrotkostüm.“ [Tb; der Name Tilly Newes in hebräischen Buchstaben]. Kraus

Die besten Grüsse
von Carl Hollitzer Ihr dankbar ergebener Frank Wedekind

Einzelstellenkommentare

Berlin, 24. Oktober 1905 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Frank
an Kraus, Karl

Postkarte. Weltpostverein – Union postale universelle
[...]


Wien IV.
Schwindgasse 3
Herrn Carl Kraus


Abs.

Adr. |


BERLIN
DER GENDARMENMARKT


Herzl. Gruß
Tilly Newes


Frank

Einzelstellenkommentare

Berlin, 14. Dezember 1905 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Eugen Steinert, Berlin W. 15
Weingroßhandlung
Kurfürstendamm 22.


Postkarte


An
Herrn Karl Kraus
in Wien
Wohnung (Straße und Hausnummer) Schwindtgasse 3. |


Gruß aus Steinerts Weinstuben Berlin W.

Kurfürstendamm 22.


Als ich nebenstehender Dame die prachtvolle Phantasie „Geldzu lesen gabden unter Pseudonym veröffentlichten Artikel „Geld“ [vgl. Lucianus: Geld. In: Die Fackel, Jg. 7, Nr. 190, 11.12.1905, S. 11-14], dessen Verfasser der mit Karl Kraus befreundete Journalist Karl Hauer war [vgl. Kraus 1920, S. 117]. entdeckte ich erst wie Sie mich gegen GoldmannPaul Goldmann, seinerzeit Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse“ in Berlin, mit dem Wedekind bereits in Paris Umgang hatte [vgl. Wedekind an Otto Erich Hartleben, 15.9.1894], veröffentlichte eine umfangreiche abwertende Kritik über Wedekinds am Kleinen Theater in Berlin erfolgreich inszeniertes Schauspiel „Hidalla“ [vgl. Paul Goldmann: Berliner Theater. „Hidalla“ von Frank Wedekind. In: Neue Freie Presse, Nr. 14818, 22.11.1905, Morgenblatt, S. 1-4], „des eklen ‚Hidalla‘-Feuilletons“ [Die Fackel, Jg. 7, Nr. 190, 11.12.1905, S. 18], wie Karl Kraus die Besprechung nannte (siehe unten). Wedekind schrieb später über ihn das „Goldmannlied“ [KSA 3/III, S. 168f.], das zu Lebzeiten unveröffentlicht blieb [vgl. KSA 3/IV, S. 863-872]; das war am 22.12.1907: „Schreibe vormittags Goldmannlied.“ [Tb] in Schutz nehmenWedekind bezieht sich auf die im Anschluss an den Artikel „Geld“ (siehe oben) abgedruckte Glosse „Literat“ in der Rubrik „Antworten des Herausgebers“, in der Karl Kraus auf eine Zuschrift zu Paul Goldmanns Verriss von „Hidalla“ (siehe oben) und einer früheren Stellungnahme des Herausgebers der „Fackel“ zu diesem Kritiker antwortet – „Sie schreiben: ‚Gestatten Sie mir eine Äußerung herzlichen Dankes dafür, daß sich in Ihrem Blatt mit gebührender Promptheit die richtige Reaktion auf den neuesten Goldmann eingestellt hat. [...] Aber [...] wär’s nicht doch vielleicht angebracht gewesen, eine besondere Heldentat aus diesem Feuilleton über ‚Hidalla‘ besonders anzukreiden? Nämlich die Verdächtigung, daß die ‚Münchener Boheme‘, zu der auch Frank Wedekind gehöre, ein persönliches Interesse an dem sexuellen Verhalten der jungen Damen, daß egoistisches Verlangen nach dem Verzicht auf Jungfräulichkeit an dem Werk seinen Anteil habe ...‘ ‚Die Hauptsache ist‘, sagen Sie, ‚es scheint mir unertragbar, daß gegen unseren stärksten und wahrsten Dichter eine so unqualifizierbare Verunglimpfung, daß eine so plebejische Verdächtigung gegen die Reinheit seiner Motive ausgesprochen werden konnte. Da hofft man auf Sie!‘ Und man täuscht sich nicht, da ich Ihre Zuschrift selbst wiedergebe. Nur eins: Meine Ausräucherung des Klugschwätzers in Nr. 188 war [...] vor dem Erscheinen des eklen ‚Hidalla‘-Feuilletons geschrieben. In Nr. 189 konnte ich dann nicht mehr ausführlich werden, brauchte Herrn Goldmann bloß darüber aufzuklären, daß er den Fußtritt, den er soeben erst empfangen, als Vorschuß auf seine Gemeinheit gegen ‚Hidalla‘ auffassen könne. Man kann sich doch nicht überbieten [...]. Soll man diesem Herrn Goldmann einbläuen, daß nicht die Negation des Virginitätsideals, sondern viel eher das Virginitätsideal selbst von den Wünschen jener abzuleiten wär, die da entjungfern wollen? [...] Es ist wirklich das Zeichen einer vollkommen journalversauten Zeit, daß man sich mit einem Herrn Goldmann als kritischer Instanz auseinandersetzen muß“ [Die Fackel, Jg. 7, Nr. 190, 11.12.1905, S. 17f.] – und dann eine Passage eines kritischen Artikels über Paul Goldmann aus der Berliner „Schaubühne“ [vgl. Otto Tugenthat: Berliner Theaterkritiker. VIII. Paul Goldmann. In: Die Schaubühne, Jg. 1, Nr. 13, 30.11.1905, S. 362-365, hier S. 364f.] als „eine ganz zutreffende Charakteristik“ zitiert und knapp kommentiert [vgl. Die Fackel, Jg. 7, Nr. 190, 11.12.1905, S. 18f.].. Herzliche Grüße
F.W.


[am rechten Rand um 90 Grad gedreht:]

Bitte ich, nicht nebenstehender Herr, habe den Artikeldie Wedekind gegen Paul Goldmann verteidigende Glosse „Literat“ in der Rubrik „Antworten des Herausgebers“ in der „Fackel“ vom 11.12.1905 (siehe oben). entdeckt! Herzl. Gruß
Tilly Newes


Grüßen Sie EgonEgon Friedell, der in der Wiener Inszenierung der „Büchse der Pandora“ am 29.5.1905 und 15.6.1905 die Rolle des Polizeikommisärs gespielt hat (Tilly Newes die Lulu). von mir!

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Berlin, 22. Januar 1906 (Montag)
von Wedekind, Frank, Rößler, Carl und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Postkarte.


An Herrn Karl Kraus
in Wien IV
Wohnung (Straße und Hausnummer) Schwindtgasse 3. |


Gebr. Habel, Hoflieferanten Sr. Maj. des Kaisers und Königs
Weingrosshandlung u. Weinstuben – BERLIN W., Unter den Linden 29/30.


Lieber Karl Kraus

Es lieben Sie folgende Menschen


Tilly Newes
heiß u. innig


Fr Ressner
kalt und hundeschäuzignach der Redensart „kalt wie eine Hundeschnauze = ohne jede Gefühlsregung“ [Nottscheid 2008, S. 160].!


Frank

Einzelstellenkommentare

Berlin, 4. Februar 1906 (Sonntag)
von Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank und Gerhäuser, Emil
an Kraus, Karl

Postkarte – Carte Postale
Weltpostverein – Union postale universelle [...]


Nur für die Adresse


Wien IV.
Schwindgasse 3
Herrn Carl Kraus


Für briefliche Miteilungen, jedoch nur im inneren deutschen Verkehr


4./II.06Wedekind verbrachte den Abend des 4.2.1906 mit Tilly Newes und Emil Gerhäuser in zwei Berliner Lokalen: „Abends mit Tilli und Gerhäuser bei Hansen und Steiner und bei Stallmann.“ [Tb]. Lieber Carl Kraus, wir senden Ihnen die herzl. Grüße
Tilly Newes,


Schönsten Gruss in Erinnerung unseres Abends in MünchenKarl Kraus hatte im Sommer des Vorjahres einen Kurzbesuch nach München unternommen und an einem Abend auch Emil Gerhäuser getroffen, wie Wedekind am 2.8.1905 notierte: „Mit Kraus [...]. Abends Intimes Theater mit Gerhäuser e.ct. Torggelstube.“ [Tb]!
Emil Gerhäuser


Frank |


BERLIN Brandenburger Thor. Pariser Platz

Einzelstellenkommentare

Wien, 8. Februar 1906 (Donnerstag)
von Kraus, Karl
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank, Weinhöppel, Hans Richard

[Hinweis in der von Hans Richard Weinhöppel adressierten Bildpostkarte (mitunterzeichnet von Tilly Newes und Frank Wedekind) an Karl Kraus vom 16.2.1906 aus München:]


Ihre Grüße freundlichst erwiedernSchreibversehen (von Tilly Newes), statt: erwidern. [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 16. Februar 1906 (Freitag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Postkarte – Carte Postale
Weltpostverein – Union postale universelle
[...]


Herrn Karl Kraus
Herausgeber der „Fackel
Wien
IV Schwindgasse 3


(Mitteilungen auf diesem Raum nur im Inland gestattet.)


Ihre GrüßeHinweis auf eine nicht überlieferte Grußkarte; erschlossenes Korrespondenzstück: Karl Kraus an Tilly Wedekind (Newes), Hans Richard Weinhöppel, Frank Wedekind, 8.2.1906. freundlichst erwiedernSchreibversehen, statt: erwidern.
Tilly Newes
u.s.w.


Mein StillschweigenKarl Kraus dürfte sich in der nicht überlieferten Grußkarte (siehe oben) bei Hans Richard Weinhöppel (Hannes Ruch) nach dessen Schweigen über sein zwischenzeitliches Ausscheiden aus dem Künstlerkabarett Nachtlicht erkundigt haben, das mit ihm als musikalischem Leiter und Marc Henry als Direktor am 5.1.1906 nach dem Vorbild der Münchner Elf Scharfrichter in Wien (Ballgasse 6) eröffnet worden war. Weinhöppel hat sich zumindest öffentlich nicht dazu geäußert, auch Presseberichte darüber liegen nicht vor, lediglich eine knappe Notiz keine zwei Wochen nach der Eröffnung über ihn (und den Sänger Fritz Quidam): „Hannes Ruch und Quidam, die besten der Scharfrichter, sind fort.“ [Cabaret „Nachtlicht“. In: Arbeiter-Zeitung, Jg. 18, Nr. 18, 19.1.1906, S. 6] Weinhöppel war dann aber wieder beim Nachtlicht dabei, wenn auch unter Vorbehalten [vgl. Hans Richard Weinhöppel, Heinz Lebrun, Egon Friedell, Erich Mühsam, Marc Henry, Marya Delvard, Karl Kraus, Carl Leopold Hollitzer an Wedekind, 27.3.1906]. Karl Kraus, der sich mit Marc Henry dann ernsthaft überwarf, bemerkte rückblickend in seinem Rechenschaftsbericht über sein Verhältnis zu diesem Kabarett: „Daß Herr Henry, ein geschickter Chansonnier mit dürftigem Repertoire, sich als Direktor möglich findet, war mir rätselhaft, und der echte Wert der nach Wien geretteten Scharfrichterei schien mir [...] ausschließlich in der Mitarbeit des vorzüglichen Musikers Hannes Ruch zu liegen.“ [Nachtlicht. In: Die Fackel, Jg. 7, Nr. 203, 12.5.1906, S. 17-23, hier S. 18] ist gar kein Beweis. Ich grüße Sie herzlichst
Ihr HRuch


Tausend Grüsse
Frank. |


Burgstrasse  Neuer Dom

Gruss aus Berlin

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Berlin, 9. März 1906 (Freitag)
von Wedekind, Frank, Wedekind, Tilly und Gerhäuser, Emil
an Kraus, Karl

[...] Postkarte [...]
[...] Carte postale [...]
[...] Weltpostverein [...]
[...] Postcard [...]


Herrn Karl Kraus
Wien IV
Schwindtgasse 3.


Lieber Herr Kraus, ich danke Ihnen bestens für HonorarHonorar für sein Gedicht „Die Wetterfahne“ [vgl. Frank Wedekind: Die Wetterfahne. In: Die Fackel, Jg. 7, Nr. 197, 28.2.1906, S. 13], das Wedekind bereits am 1.3.1906 erhalten hat: „Von Kraus für Wetterfahne M 33.96“ [Tb]. und grüße Sie herzlichst. Warum kommen Sie denn nicht?Karl Kraus hatte einen Besuch in Berlin in Aussicht gestellt [vgl. Karl Kraus an Wedekind, 19.2.1905].?


Herzl. Gruß Tilly N.


Ergebenste Grüsse! Emil Gerhäuser |


Saharet

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Wien, 22. April 1906 (Sonntag)
von Kraus, Karl
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

wedekindnewes berlin
schiffbauerdamm 6 =


Telegraphie des Deutschen Reichs.
Berlin, Haupt-Telegraphenamt.


Telegramm [...] wien [...]


= karl kraus freut sichüber die Nachricht, Wedekind und Tilly Newes, die sich im Vorjahr im Zusammenhang mit der von Karl Kraus veranstalteten Wiener Premiere der „Büchse der Pandora“ am 29.5.1905 kennengelernt hatten (sie spielte die Lulu, er die Rolle des Jack), hätten geheiratet. Karl Kraus hat sie einer Falschmeldung der Wiener „Neuen Freien Presse“ entnommen: „Aus Berlin wird uns gemeldet: Der Dichter Frank Wedekind hat sich mit der Schauspielerin Fräulein Niemann vermählt.“ [Neue Freie Presse, Nr. 14964, 21.4.1906, Morgenblatt, S. 4] Sie verbreitete sich rasch: „Frank Wedekind hat sich kürzlich mit der Schauspielerin Tilly Neumann-Newes vom Berliner Kleinen Theater vermählt.“ [Prager Tagblatt, Jg. 30, Nr. 110, 22.4.1906, Morgen-Ausgabe, S. 10] „Wie wir erfahren, hat sich vor kurzem Frank Wedekind mit der Schauspielerin Tilly Neumann-Newes vom Berliner Kleinen Theater vermählt.“ [Frank Wedekind – verheiratet. In: Neues Wiener Journal, Jg. 14, Nr. 4489, 23.4.1906, S. 3] Die Heirat fand erst am 1.5.1906 in Berlin statt. von ganzem herzen des gluecks das aus der buechse der pandora hervorgegangen ist =

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Nürnberg, 4. Mai 1906 (Freitag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Königreich Bayern
Postkarte


An Herrn Karl Kraus
in Wien IV
Wohnung (Straße und Hausnummer) Schwindtgasse 3. |


Lieber Herr Kraus, würden Sie sich von einer Aufführung von Totentanz in WienFrank Wedekind, der am 2.5.1906 in Nürnberg eingetroffen war, wo abends am Intimen Theater (Direktion: Emil Meßthaler) „Totentanz“ erfolgreich uraufgeführt wurde (er spielte die Rolle des Casti Piani, Tilly Wedekind die Rolle der Lisiska) und zwei weitere Vorstellungen am 3. und 4.5.1906 stattfanden, notierte nach der Vorstellung am 4.5.1906: „Ich schlage Karl Kraus vor Totentanz in Wien zu machen“ [Tb]. Karl Kraus, der „Totentanz“ in der „Fackel“ erstveröffentlicht hatte [vgl. Frank Wedekind: Totentanz. Drei Szenen. In: Die Fackel, Jg. 7, Nr. 183/184, 4.7.1905, S. 1-33], unternahm zwar „intensive Bemühungen“ [Nottscheid 2008, S. 166] um eine Inszenierung in Wien, die aber der Zensur wegen nicht realisiert werden konnte. einen geschäftlichen Erfolg versprechen? Die BesetzungWedekind schlug für die geplante Besetzung der vier Rollen in „Totentanz“ Personen vor, die alle in der von Karl Kraus am 29.5.1905 veranstalteten Wiener Premiere der „Büchse der Pandora“ Rollen gespielt hatten. wäre:

Casti Piani – F.W.
Elfriede v. Malchus – Adele Sandrock
Lisiska – Tilly W.
Herr König – Karl Kraus.

Die Herbeischaffung der drei Mädchenso auch im Personenverzeichnis von „Totentanz“ [vgl. KSA 6, S. 101]; drei stumme Nebenrollen. müßte ich Ihnen überlassen.

Herzliche Grüsse aus Nürnberg.

Frank Wedekind.


Tilly


Ich bin morgenWedekind notierte am 5.5.1906: „Rückfahrt nach Berlin.“ [Tb] wieder in Berlin, Marienstrasse 23.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 7. Mai 1906 (Montag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Postkarte


An Herrn Karl Kraus
in Wien IV.
Wohnung (Straße und Hausnummer) Schwindtgasse 3. |


Lieber Herr Kraus! Herzlichen Dank für Briefvgl. Karl Kraus an Frank Wedekind, 5.5.1906. Die vorliegende Postkarte bezieht sich auf diesen ausführlichen Brief., den ich hiemit nur bestätige. Die Affäre ist scheußlich aber überrascht mich nicht. Wenn ich einen Weg finde, dem Pack das Singen meiner Lieder zu verbieten, werde ich es thun. Ich denke an einen kurzen Protest in der Wiener Presse, begründet durch diese Scheußlichkeit. Es wäre ein Glück wenn man dieses Pack mit einem Schlag unschädlich machen könnte. Wie konnten Sie sich nur so damit einlassen! Aber das ist nun geschehn. An mir soll es nicht fehlen. Herzlichste Grüße sobald ich Zeit habe schreibe ich ausführlich. Ihr Frank Wedekind.


Besten Gruß Tilly Wedekind

Einzelstellenkommentare

Berlin, 27. Mai 1906 (Sonntag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Postkarte


An Herrn Karl Kraus
in Wien IV.
Wohnung (Straße und Hausnummer) Schwindtgasse 3. |


27./V.06.

Heuteam 27.5.1906, genau ein Jahr nach Wedekinds Ankunft in Wien zur ersten Probe für die von Karl Kraus veranstaltete Premiere der „Büchse der Pandora“ am 27.5.1905, wie Wedekind notierte: „Kraus holt mich am Bahnhof ab. Wir frühstücken [...], fahren zur Probe.“ [Tb] Hier lernte er Tilly Newes kennen, die Darstellerin der Lulu, die er am 1.5.1906 heiratete. ist es ein Jahr, daß Tilly und ich uns auf der Probe der Büchse d. P. kennen lernten. Wir senden Ihnen gelegentlich dieses Jubiläums die herzlichsten Grüße. – Ich freue mich immer noch aus tiefster Seele über den Ausgang des ProzessesIm Prozess am 25.5.1906 „in der Nachtlicht-Affaire“ [Nottscheid 2008, S. 175] wurde Marc Henry zu einem Monat Arrest und Marya Delvard zu einer Geldstrafe von 300 Kronen verurteilt, Karl Kraus freigesprochen [vgl. Karl Kraus an Wedekind, 25.5.1906]., obschon es/r/ ja für Sie eine große Belästigung war, aber so hat er doch einen guten Zweck erfüllt. Wir stoßen auf Ihr Wohl an! Ihr Fr.W.


Schade, dassim Erstdruck: daß. wir übermorgenam 29.5.1906; auf die von Karl Kraus für Wien geplante „Totentanz“-Inszenierung anspielend erinnert Tilly Wedekind daran, dass „Die Büchse der Pandora“ im Jahr zuvor am 29.5.1905 in Wien Premiere hatte. nicht Totentanz spielen. Hoffentlich ein ander Mal. Herzl. Gruß T.W.

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München, 17. August 1906 (Freitag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Postkarte.


An

Herrn Karl Kraus
Fanö (Dänemark)
poste restante


Lieber Herr Kraus, wir kehren ebenFrank und Tilly Wedekind waren aus dem Urlaub in Lenzburg über München (Ankunft dort am 12.8.1906) am 17.8.1906 zurück nach Berlin gereist: „Kofferpacken. Diner im Hoftheaterrestaurant. Abendessen in der Odeon Bar. Nachtfahrt nach Berlin.“ [Tb] aus der Schweiz nach Berlin zurück. Kommen Sie vielleicht auf der Rückreise über BerlinKarl Kraus erholte sich auf der dänischen Insel Fanø – Wedekinds Tagebuch verzeichnet im Spätsommer 1906 kein Treffen mit ihm in Berlin.?

Herzlichen Gruß
Ihr
FrWedekind


Tilly |


München. Wittelsbacherbrunnen.

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Budapest, 13. Mai 1907 (Montag)
von Wedekind, Frank, Wedekind, Tilly und Holitscher, Arthur
an Kraus, Karl

LEVELEZÖ-LAP


Herrn Karl Kraus
Wien IV
Schwindgasse 3. |


BUDAPESTFrank und Tilly Wedekind waren vom 10. bis 15.5.1907 zu einem Gastspiel mit dem Ensemble des Deutschen Theaters zu Berlin am Lustspielhaus (Vígszínház) in Budapest (am 11. und 12.5.1907 die Vorstellungen von „Frühlings Erwachen“ mit Wedekind in der Rolle des vermummten Herrn, am 14.5.1907 eine „Benefizvorstellung“ [Nottscheid 2008, S. 199] von „Der Kammersänger“ sowie Lesung und Liedvortrag Wedekinds). Wedekind hielt am 13.5.1907 im Tagebuch fest: „Wir dinieren mit Hollitscher, besuchen das Museum, besichtigen Ofen. Tilly fährt zu einer Tante. Wir soupieren mit Hollitscher in der Pilsner Bierhalle. Dann im Hotel.“
Új díszlépcsö (Halászlépcssö)
Neue Monumentalstiege (Fischerstiege)


Herzliche Grüsse von
Tilly

Holitscher

FrWedekind.

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Berlin, 26. Mai 1907 (Sonntag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kraus, Karl

Postkarte


An
Herrn Karl Kraus
Herausgeber der „Fackel
in Wien IV
Wohnung (Straße und Hausnummer) Schwindtgasse 3. |


Lieber Herr Kraus, ich habe es verpudelthier: versäumt., Ihnen telegraphisch zu antworten. Wir sitzen hier bei SteinertFrank und Tilly Wedekind saßen am 26.5.1907 im Weinlokal Eugen Steinert (Kurfürstendamm 22), wo sie die vorliegende Postkarte schrieben: „Abends mit Tilly bei Steinert.“ [Tb] zusammen und deshalb beantworte ich Ihren liebenswürdiges Telegrammnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Karl Kraus an Wedekind, 24.5.1907. Das verschollene Telegramm dürfte unmittelbar auf das am 23.5.1907 abgesandte Gedichtmanuskript „Die sechzig Zeilen oder Die sieben Worte“ [vgl. Wedekind an Karl Kraus, 23.5.1907] reagiert haben. Wedekind nimmt in der vorliegenden Postkarte Stellung zu den von Karl Kraus telegrafisch übermittelten Vorschlägen zur Drucklegung des Gedichts. von hier aus. Künstlerisch haben Sie selbstverständlich recht. Trotzdem möchte ich auf den ersten TitelKarl Kraus hat in seinem Telegramm (siehe oben) vermutlich vorgeschlagen, den Titel des Gedichts „Die sechzig Zeilen oder Die sieben Worte“ um den ersten Teil des Titels zu kürzen und auf den zweiten Teil des Titels zu reduzieren. Das Gedicht wurde mit dem vollständigen Titel gedruckt [vgl. Frank Wedekind: Die sieben Zeilen oder Die sieben Worte. In: Die Fackel, Jg. 9, Nr. 227-228, 10.6.1907, S. 1-3]. nicht gerne verzichten, eben weil er überflüssig ist und weil 60 eine heilige Zahl ist. Der Leser wird Ihren Einwand machen und diesen Einwand möchte ich nicht entbehren. Ich freue mich sehr, daß Ihnen die Verse nicht mißfallenKarl Kraus, der „Die sechzig Zeilen oder Die sieben Worte“ in seinem Telegramm (siehe oben) zurückhaltend bewertet haben dürfte, äußerte in einem Brief an Karl Hauer vom 14.6.1907 Kritik an Wedekind Gedicht: „Wedekinds ‚7 Worte‘ scheinen mir ungleichwertig. Manche Zeilen sind großartig, manche aber fast banal und manche wieder schwulstig. Auch paßt der ironisch-nüchterne Titel nicht zur Pathetik der Sprüche: (Auch Weitläufigkeiten wie ‚Ich, der ich Ich bin‘ stören mich einigermaßen!)“ [Nottscheid 2008, S. 201; Original: Wienbibliothek im Rathaus, Karl-Kraus-Archiv]. Wann sehen wir uns in Berlin. Herzliche Grüße
Ihr FrWedekindim Erstdruck: Fr. Wedekind..


Lieber Herr Kraus, die Bilder der KleinenFotografien von der 1907 siebzehnjährigen Irma Karczewska, die offenbar ‚die Kleine‘ genannt wurde – so sprach Erich Mühsam beispielsweise in seinem Brief an Karl Kraus vom 28.11.1906 von „der Kleinen“ [Jungblut 1984, S. 87]. Karl Kraus dürfte Frank und Tilly Wedekind diese Fotografien am 21.5.1907 vor ihrer Abreise von Wien abends im Dominikaner-Keller gezeigt haben [vgl. Tb]. Sie kannten Irma Karczewska seit der Wiener Premiere der „Büchse der Pandora“ am 29.5.1905, in der sie die Rolle des Bob spielte (mit ihr auf der Bühne standen Wedekind als Jack und Tilly Newes als Lulu), wie der Theaterzettel ausweist [vgl. Die Fackel, Jg. 7, Nr. 182, 9.6.19056, S. 15]. Die junge Schauspielerin war in Begleitung von Karl Kraus im Vorjahr zu Besuch in Berlin, wie Wedekinds Tagebuch am 15.6.1906 („Dann kommen Kraus und Irma Karschewska. Abend mit ihnen im Zoologischen Garten, dann bei Steinert“), 16.6.1906 („Am Nachmittag sind Kraus und Irma Karschewska bei uns“), 18.6.1906 („Um Mitternacht kommen noch Kraus und Irma Karschewska“), und 20.6.1906 („Vormittags mit Kraus und Irma Karschefska bei Barnowski“) dokumentiert. haben mir so gut gefallen, dass ich Sie bitte, mir von ihr eines zu erbitten. Herzl. Gruß Ihnen Beiden Tilly W.

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