Briefwechsel

Meinhard, Carl und Wedekind, Frank

13 Dokumente

Berlin, 12. April 1901 (Freitag)
von Meinhard, Carl
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Meinhard vom 15.4.1901 aus München:]


[...] eben komme ich von Italien zurück und finde Ihre freundlichen Zeilen vor.

Einzelstellenkommentare

München, 15. April 1901 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Meinhard, Carl

München, 15.IV.1901.


Sehr geehrter Herr MeinhardCarl Meinhard in Berlin (Luisenstraße 6) war Schauspieler am Deutschen Theater (Direktion: Otto Brahm) in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 240].,

eben komme ich von Italien zurückWedekind, der in Begleitung von Max Halbe, Eduard von Keyserling und Hans Richard Weinhöppel eine mehrwöchige Reise nach Italien unternommen hatte, „die ihn über Bozen und Verona nach Venedig führte“ [KSA 4, S. 590], war am 13.4.1901 von dieser Italienreise zurück in München [vgl. Wedekind an Bertha Doepler, 14.4.1901]. und finde Ihre freundlichen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Meinhard an Wedekind, 12.4.1901. vor. Voriges Jahr bedauerte ich aufs lebhafteste, Sie in der Rolle des Musikersin der Rolle des Professor Dühring in Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ (1899), die Carl Meinhard bei einem Berliner Gastspiel (von Ensemblemitgliedern verschiedener Berliner Bühnen, darunter das Deutsche Theater) zunächst vom 5. bis 15.7.1900 am Neuen deutschen Theater in Prag bei den beiden „Kammersänger“-Vorstellungen am 10.7.1900 und 15.7.1900 (die Abschiedsvorstellung) gespielt hat [vgl. Prager Tagblatt, Jg. 24, Nr. 188, 10.7.1900, Morgen-Ausgabe, S. 13; Nr. 193, 15.7.1900, S. 16], dann vom 17. bis 30.7.1900 am Münchner Schauspielhaus bei den beiden „Kammersänger“-Vorstellungen am 24.7.1900 und 27.7.1900 [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 53, Nr. 339, 24.7.1900, General-Anzeiger, S. 1; Nr. 345, 27.7.1900, General-Anzeiger, S. 1]. Die Presse urteilte: „Einen hübschen Erfolg errang sich Herr Meinhard in der Rolle des alten Komponisten, den er, trotz seiner eigenen Jugend, weit lebendiger und sicherer verkörperte als die jugendlichen Gestalten.“ [Willy Rath: Münchner Schauspielhaus. (Gastspiel des Berliner Ensembles. Zum ersten Male: „Der Kammersänger“. Drei Szenen von Frank Wedekind.) In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 53, Nr. 342, 23.7.1900, Vorabendblatt, S. 3] nicht gesehen zu haben, da ich von allen Seiten nur das Allerbeste darüber hörte.

Ich danke Ihnen sehr für Ihr Vertrauen, das Sie in meine Production setzen, habe aber leider außer dem Marquis von Keith und der Jungen Welt nichts, was ich Ihnen übersenden kann, da meine neueste Arbeitdas Fragment „Blanka Burkhart. Drei Scenen“ [vgl. KSA 4, S. 694], das „Wedekind mit Blick auf seine Beteiligung am Überbrettl-Projekt des von José Ferenczy geleiteten Berliner Centraltheaters in Angriff nahm.“ [KSA 4, S. 691] noch lange nicht bühnenfertig ist. Der Marquis von Keith wird im Juni in BerlinEmil Meßthaler, Direktor des Intimen Theaters in Nürnberg, gastierte vom 15.6.1901 bis 15.8.1901 als Direktor am Neuen Theater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 461], wo er die Uraufführung des „Marquis von Keith“ zu inszenieren plante; der Plan zerschlug sich. Das Stück wurde dann am 11.10.1901 unter der Regie von Martin Zickel am Berliner Residenztheater uraufgeführt [vgl. KSA 4, S. 533]. von Meßthaler gespielt und im Herbst bei Jarno in WienJosef Jarno, Direktor des Theaters in der Josefstadt in Wien [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 570], plante eine Inszenierung des „Marquis von Keith“, die sich aber verzögerte und erst am 30.4.1903 im Theater in der Josefstadt Premiere hatte.. Die Junge Welt ist bis jetzt noch nicht aufgeführtWedekinds Komödie „Die junge Welt“ (1897) wurde erst am 22.4.1908 am Münchner Schauspielhaus uraufgeführt., ich halte sie aber für ein Stück, dessen Humor von der Bühne herab sehr gut wirken könnte. Leider werden aber beide Stücke wol zu viel Personal beanspruchen, um Ihnen für Ihre TourneeCarl Meinhard war im Sommer auf Gastspielreise mit dem Deutschen Theater (Direktion: Otto Brahm), die am 2.6.1901 in Prag am Neuen deutschen Theater begann und am 10.6.1901 am Carl-Theater in Wien fortgesetzt wurde (auf dem Spielplan keine Stücke Wedekinds). passend zu sein. Immerhin ist es mir eine Freude, sie Ihnen vorlegen zu könnenWedekind hat Carl Meinhard offenbar mit dem vorliegenden Brief als Beilage seine Komödie „Die junge Welt“ geschickt..

In der Hoffnung recht bald Ihre verehrte persönliche Bekanntschaft zu machen, bin ich in vorzüglicher Hochschätzung Ihr
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 21. November 1906 (Mittwoch)
von Meinhard, Carl
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Meinhard vom 29.12.1906 aus Berlin:]


Ich bestätige Ihnen den Empfang des Buches [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 29. Dezember 1906 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Meinhard, Carl

Berlin, 29.XII.1906.


Sehr geehrter Herr MeinhardCarl Meinhard in Berlin (Flensburger Straße 28) war inzwischen Schauspieler am Berliner Lessingtheater (Direktion: Otto Brahm) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1907, S. 289].!

Ich bestätige Ihnen den Empfang des BuchesHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung: erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Meinhard an Wedekind, 21.11.1906. Fritz Strich kommentierte die Stelle, indem er auf die ihm noch bekannten Umstände um ein Carl Meinhards Braut (?) zu widmendes Exemplar von „Frühlings Erwachen“ (nicht ermittelt) verwies: „Meinhard hatte Wedekind nach der Aufführung in den Kammerspielen das Buch von ‚Frühlings Erwachen‘ mit der Bitte um eine Widmung gesandt, um es seiner Braut zu schenken. Wedekind schickte ihm dann doch ein Widmungsexemplar.“ [GB 2, S. 363] Demnach hat Carl Meinhard bald nach der Uraufführung von „Frühlings Erwachen“ am 20.11.1906 an den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu Berlin an Wedekind einen Band der ‚Kindertragödie‘ geschickt, mit einem Begleitbrief, der um eine Widmung bat., bedaure aber, daß mir bis heute noch nichts „echt WedekindischesZitat aus Carl Meinhards verschollenem Begleitbrief zu dem Exemplar von „Frühlings Erwachen“ mit der Bitte um eine Widmung (siehe oben).“ eingefallen ist und bezweifle auch, daß mir je wieder etwas derartiges einfallen wird. Mit der Bitte, diese Unzuverlässigkeit entschuldigen zu wollen,
Ihr ergebenster
Fr. Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 27. September 1916 (Mittwoch)
von Meinhard, Carl
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Tilly Wedekinds zweitem Brief an Frank Wedekind vom 27.9.1916 aus Herrsching am Ammersee:]


[...] anbei 2 Telegrammedas hier erschlossene Telegramm und ein weiteres nicht überliefertes Telegramm (Absender unsicher): Georg Stollberg an Wedekind, 27.9.1916. die heute abends kamen.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 27. Februar 1917 (Dienstag)
von Meinhard, Carl und Bernauer, Rudolf
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Tilly Wedekinds Brief an Frank Wedekind vom 28.2.1917 aus München:]


Gleichzeitig ein Brief aus Berlin.


[2. Hinweis von Tilly Wedekind (Wedekind 1969, S. 174):]


Sie sprachMaria Orska, die in der „Erdgeist“-Inszenierung im Theater in der Königgrätzer Straße die Rolle der Lulu spielte, sprach mit Carl Meinhard und Rudolf Bernauer (Direktoren des Theaters in der Königgrätzer Straße), da sie darum gebeten worden war. Tilly Wedekind schrieb ihr am 10.2.1917: „Ich möchte Frank eine Freude machen, eine große Freude, auch wenn sie mich ein nicht geringes Opfer kostet. Und Sie können mir dabei helfen [...]. Wollen Sie die Directoren Meinhardt-Bernauer bestimmen, bei einem eventuellen Gastspiel [...] Frank vorzuschlagen ob er mit Ihnen im ‚Erdgeist‘ spielen will. Die Directoren brauchen nicht zu wissen, dass es von mir ausgeht“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 332]; Maria Orska sagte zu und Tilly Wedekind schrieb ihr am 16.2.1917: „sehr dank ich Ihnen für [...] Ihre Mithilfe!“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 333] mit Meinhard und Bernauer, und es dauerte nicht lange, da kam der Brief der Direktoren mit der Einladung an Frank zu einem Gastspiel als Dr. Schön in der Erdgeist-Aufführung mit Maria Orska.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 3. März 1917 (Samstag)
von Meinhard, Carl und Bernauer, Rudolf
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Tilly Wedekinds Brief an Frank Wedekind vom 3.3.1917 aus München:]


[...] heute schicke ich Dir durch die Post telegraphisch ein Telegramm nach.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 18. März 1917 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Meinhard, Carl

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Meinhard vom 19.3.1917 aus Berlin:]


Nachdem ich gestern um zwei Plätze für die Mittwoch-Erdgeist-Vorstellung für Herrn Will Vesper gebeten [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 19. März 1917 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Meinhard, Carl

Berlin, 19.III.1917.


Sehr verehrter Herr Carl MeinhardCarl Meinhard, Schriftsteller und Theaterdirektor in Berlin (Charlottenstraße 90-92) [vgl. Berliner Adreßbuch 1917, Teil I, S. 1878], war inzwischen gemeinsam mit Rudolf Bernauer Direktor am Theater in der Königgrätzer Straße, eine von drei Bühnen unter ihrer Generaldirektion [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 281].!

Nachdem ich gestern um zwei Plätze für die Mittwoch-Erdgeist-VorstellungDie Vorstellung der erfolgreichen „Erdgeist“-Inszenierung (Premiere: 4.11.1916) unter der Regie von Rudolf Bernauer mit Maria Orska als Lulu im Theater in der Königgrätzer Straße (Direktion: Carl Meinhard und Rudolf Bernauer) am 21.3.1917 (Mittwoch) begann wie üblich um 19.30 Uhr [vgl. Berliner Tageblatt, Jg. 46, Nr. 146, 21.7.1917, Morgen-Ausgabe, 3. Beiblatt, S. (4)]. Wedekind spielte den Dr. Schön, sein sechster Gastspielauftritt, wie er am 21.3.1917 notierte: „Erdgeist 6 fühle mich sehr schwach.“ [Tb] für Herrn Will VesperWedekind war nach der „Erdgeist“-Vorstellung am 18.3.1917 im Habsburger Hof, wie sein Tagebuch belegt („Erdgeist 5. Neue Stellung mit Maria Orska. Habsburger Hof“), wo er Will Vesper begegnet sein dürfte, der ihn wohl um die Vermittlung von zwei Theaterkarten für die Vorstellung am 21.3.1917 gebeten hat. Nach der „Erdgeist“-Vorstellung vom 21.3.1917 war er mit Will Vesper, Wilhelm Windelband, Wilhelm Herzog und Eugen Frankfurter jedenfalls dort: „Mit Vesper, Windelband, Herzog und Frankfurter im Habsburger Hof.“ [Tb] gebetenHinweis auf eine nicht überlieferte schriftliche Bitte; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Carl Meinhard, 18.3.1917., beehre ich mich, Sie heute noch um einen PlatzWedekind bat für Wilhelm Herzog um eine Theaterkarte für die „Erdgeist“-Vorstellung am 21.3.1917, die er ebenso wie die beiden Karten für Will Vesper erhalten haben dürfte, da er mit beiden Autoren nach der Vorstellung im Habsburger Hof war (siehe oben). für den Herausgeber des ,,Forum“, Herrn Wilhelm Herzog, zu ersuchen. Darf ich hinzufügen, daß ich bei jeder Vorstellung von neuem eine tiefinnerliche Freude an der prachtvollen Inscenirung von Erdgeist erlebe. VorgesternWedekind sah am 17.3.1917 im Theater in der Königgrätzer Straße (Direktion: Carl Meinhard und Rudolf Bernauer) von August Strindbergs zweiteiligem Ehedrama „Totentanz“ (Premiere des 1. Teils in vier Akten am 13.3.1917, Premiere des 2. Teils „Der Vampyr“ in drei Akten am 14.3.1917) unter der Regie von Rudolf Bernauer mit Maria Orska in der Rolle der Judith den 2. Teil, wie er vermerkte: „In Totentanz II (Vampyr) mit Maria Orska.“ [Tb] Beginn der Vorstellung war 19.30 Uhr, angezeigt war „Totentanz II. Teil.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 46, Nr. 139, 17.3.1917, Morgen-Ausgabe, 2. Beiblatt, S. (2)] hatte ich den hohen Genuß, Totentanz erster TheilIrrtum Wedekinds; er sah am 17.3.1917 nachweislich den 2. Teil von August Strindbergs „Totentanz“ im Theater in der Königgrätzer Straße (siehe oben). zu sehen und beglückwünsche Sie von ganzem Herzen zu dieser monumentalen Schöpfung Ihrer Bühne.

In ausgezeichneter Hochschätzung Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 24. März 1917 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Meinhard, Carl

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 24.3.1917 in Berlin:]


Expediere HeraklesWedekinds Tagebuch vom 24.3.1917 zufolge gingen außer an den Theaterdirektor Carl Meinhard jeweils ein Exemplar eines „Herakles“-Typoskripts auch an den Feuilletonredakteur Paul Block [vgl. Wedekind an Paul Block, 24.3.1917], an den Verleger Georg Müller [vgl. Wedekind an Georg Müller, 24.3.1917] und an den Drei Masken Verlag [vgl. Wedekind an Drei Masken Verlag, 24.3.1917]. an [...] Meinhard [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 8. April 1917 (Sonntag)
von Meinhard, Carl
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Meinhard vom 8.4.1917 aus Berlin:]


Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilen.


[2. Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 8.4.1917 in Berlin:]


Mittag im Klubin den Räumen der Deutschen Gesellschaft 1914 (Wilhelmstraße 67) [vgl. Berliner Adreßbuch 1917, Teil III, S. 907].. BriefwechselCarl Meinhard und Wedekind wechselten am 8.4.1917 Briefe; Wedekind erhielt Carl Meinhards hier erschlossenen Brief, den er mittags in der Deutschen Gesellschaft 1914 in Berlin sogleich beantwortete [vgl. Wedekind an Carl Meinhard, 8.4.1917], dann nochmals in München [vgl. Wedekind an Carl Meinhard, 19.4.1917]. mit Meinhard.


[3. Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Meinhard vom 19.4.1917 aus München:]


[...] daß ich heute erst dazu komme, Ihre geehrten freundlichen Zeilen vom 8. April zu beantworten.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 8. April 1917 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Meinhard, Carl

DEUTSCHE GESELLSCHAFT 1914

BERLIN W.8. WILHELMSTR. 67.


8.4.17.


Sehr verehrter Herr Meinhard!

Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Meinhard an Wedekind, 8.4.1917. Wedekind hat den soeben erhaltenen Brief des Theaterdirektors und seine sogleich darauf verfasste Antwort mit dem Schreibort (Deutsche Gesellschaft 1914, genannt: Klub) am 8.4.1917 notiert: „Mittag im Klub. Briefwechsel mit Meinhard.“ [Tb]. Außer Ihnen kennt noch kein Theater in Berlin den Herakles, deshalb habe ich auch keine andern AnerbietungenAngebote, das Versdrama „Herakles“ (1917) aufzuführen. Wedekind hatte Carl Meinhard zwar ein Typoskript des noch unveröffentlichten „Herakles“ geschickt [vgl. Wedekind an Carl Meinhard, 24.3.1917], eine Inszenierung durch ihn aber hatte er eher nicht im Sinn. „Angesichts des anhaltenden Erfolges, den ‚Erdgeist‘ zu verzeichnen hatte, bemühten sich Carl Meinhard und Rudolf Bernauer um die Uraufführung des ‚Herakles‘-Dramas im Theater in der Königgrätzer Straße in Berlin. Wedekind fühlte sich ihnen gegenüber dankbar verpflichtet, erstrebte aber die Uraufführung an einem der großen und für das klassische Drama zuständigen Theater, wennmöglich am Deutschen Theater und unter der Regie von Max Reinhardt. Deswegen versuchte er, das Interesse vorerst auf die von der Zensur bedrängten Werke ‚Tod und Teufel‘ und ‚Schloß Wetterstein‘ zu lenken.“ [KSA 8, S. 924]. Ich möchte aber gerne ideelle Geschäfte mit dem Stück machen. | Meine Dramen „Tod und TeufeSchreibversehen, statt: Teufel.“ und „Schloß Wetterstein“ sind einstweilen noch von der Zensur verboten, ließen sich aber in geschlossenen Vorstellungen sehr wohl zur Aufführung und dadurch eventuell zur Freigabe bringen. Außerdem habe ich bis jetzt jedes Jahr mit meiner Frau auf längere Zeit in Berlin gastiert und konnte dadurch meine persönliche Auffassung meiner Arbeiten klar legen, wodurch, wie es sich | bei Ihrer Erdgeist-Schöpfungdie erfolgreiche „Erdgeist“-Inszenierung (Premiere: 4.11.1916) unter der Regie von Rudolf Bernauer mit Maria Orska als Lulu im Theater in der Königgrätzer Straße (Direktion: Carl Meinhard und Rudolf Bernauer). so glänzend zeigte, der Arbeit des Theaterleiters und Regisseurs nicht im geringsten vorgegriffen wird. Wenn Sie mir auf diesen beiden Gebieten entgegenzukommen die Freundlichkeit hätten, bin ich gerne bereit, Ihnen Herakles, in dem ich nicht die Absicht habe, selber zu spielen zu überlassen. Erlauben Sie mir, Ihnen noch einmal herzlichen Dank für die GastlichkeitWedekind bedankt sich für seine Gastspielauftritte in der Berliner „Erdgeist“-Inszenierung (siehe oben), die außer im Theater in der Königgrätzerstraße im Berliner Theater (Direktion: Carl Meinhard und Rudolf Bernauer) stattfanden und am 7.4.1917 abgeschlossen waren. Die Presse hatte zu den beiden letzten Auftritten gemeldet: „Frank Wedekind. der gegenwärtig im Theater in der Königgrätzer Straße ein Gastspiel absolviert, spielt in der morgen, Donnerstag, im Berliner Theater stattfindenden Aufführung seiner Tragödie ‚Erdgeist‘ ‒ in der Besetzung des Theaters in der Königgrätzer Straße ‒ den Dr. Schön und beschließt sein Gastspiel am Sonnabend ebenfalls im Berliner Theater in der gleichen Rolle.“ [Berliner Volks-Zeitung, Jg. 65, Nr. 174, 5.4.1917, Morgen-Ausgabe, S. (2)] auszusprechen, die Sie mir jetzt auf Ihrer | Bühne gewährten.

Mit der Bitte, mich auch Herrn Bernauer zu empfehlen
in ausgezeichneter Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 19. April 1917 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Meinhard, Carl

München 19. April 1917.


Sehr verehrter Herr Meinhard!

Mit herzlichem Dank bestätige ich Ihnen den Empfang von M. 2600,‒ (letzte Sendung M. 400) für 13 GastspieleWedekind hat im Rahmen der erfolgreichen „Erdgeist“-Inszenierung (Premiere: 4.11.1916) unter der Regie von Rudolf Bernauer mit Maria Orska als Lulu im Theater in der Königgrätzer Straße (Direktion: Carl Meinhard und Rudolf Bernauer) in Berlin ein Gastspiel mit insgesamt dreizehn Auftritten in der Rolle des Dr. Schön wahrgenommen (am 9., 10., 12., 15., 18., 21., 24., 27., 29. und 31.3.1917 sowie am 2., 5. und 7.4.1917). Die Vorstellungen fanden teilweise auch im Berliner Theater (Direktion: Carl Meinhard und Rudolf Bernauer) statt. So meldete die Presse zum Abschluss: „Frank Wedekind. der gegenwärtig im Theater in der Königgrätzer Straße ein Gastspiel absolviert, spielt in der morgen, Donnerstag, im Berliner Theater stattfindenden Aufführung seiner Tragödie ‚Erdgeist‘ ‒ in der Besetzung des Theaters in der Königgrätzer Straße ‒ den Dr. Schön und beschließt sein Gastspiel am Sonnabend ebenfalls im Berliner Theater in der gleichen Rolle.“ [Berliner Volks-Zeitung, Jg. 65, Nr. 174, 5.4.1917, Morgen-Ausgabe, S. (2)]. Die 200 M. die Sie mir persönlich als Extragratifikation zugedacht hatten nehme ich als empfangen an und möchte Sie bitten, nicht darauf zurückzukommen. Ich habe Ihnen finanzielSchreibversehen, statt: finanziell. so außerordentlich viel zu danken, daß mir die Ehre, daß Sie mein Gastspiel als geglückt be|trachten am höchsten stehen muß.

Sofort nach meiner Ankunft in MünchenNach seinem Gastspielaufenthalt in Berlin vom 7.3.1917 bis 8.4.1917 (siehe oben) notierte Wedekind am 9.4.1917: „Ankunft in München“ [Tb]. ging ich mit meiner Frau und den Kindern nach Herrsching am AmmerseeDer einwöchige Urlaub in Herrsching am Ammersee dauerte Wedekinds Tagebuch zufolge vom 10.4.1917 („Mit Tilly und den Kindern nach Herrsching gefahren“) bis 16.4.1917 („Rückfahrt nach München“)., so daß ich heute erst dazu komme, Ihre geehrten freundlichen Zeilen vom 8. Aprilnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Meinhard an Wedekind, 8.4.1917. Wedekind hat am Tag seiner Abreise von Berlin schon einmal auf diesen gerade erhaltenen Brief geantwortet [vgl. Wedekind an Carl Meinhard, 8.4.1917]. zu beantworten. Die Gründe, die Sie anführen leuchten mir vollkommen ein. Was Sie von den improvisierten Vorstellungen im Deutschen Theater schreiben trifft zu und daß Sie in dieser Hinsicht vorsichtiger sein müssen, verstehe | ich. Ich selber habe keine Beziehungen zu praktischen Theatertechnikern. In den beiden Stücken „Tod und Teufel“ und „Schloß Wetterstein“ gedachte ich allerdings, die Leitung der Aufführung zu übernehmen, wenn sich jemals eine solche verwirklichen ließe. Übrigens stellt „Tod und Teufel“, ein Einakter, die denkbar geringsten Ansprüche an Scenerie. Aber lassen wir die Dinge vorläufig auf sich beruhen. Ich habe Anträge nach der Schweiz und nach Österreich, wohin ich schon der Verpflegung wegenAnspielung auf die kriegsbedingt schwierige Ernährungssituation im Deutschen Reich. gerne gehen würde. Den Herakles | kennt vorläufig noch kein Theaterleiter außer Ihnen und bevor das Stück gedruckt ist, was noch zwei Monate dauern kann, werden ihn andere auch nicht kennen lernen. Im Prinzip könnte ich mir nichts besseres wünschen als daß das Stück bei Ihnen zur AufführungWedekind hatte Carl Meinhard zwar ein Typoskript des noch unveröffentlichten „Herakles“ geschickt [vgl. Wedekind an Carl Meinhard, 24.3.1917], eine Inszenierung durch ihn hatte er aber eher nicht im Sinn, das hatte er bereits zu verstehen gegeben [vgl. Wedekind an Carl Meinhard, 8.4.1917]. „Angesichts des anhaltenden Erfolges, den ‚Erdgeist‘ zu verzeichnen hatte, bemühten sich Carl Meinhard und Rudolf Bernauer um die Uraufführung des ‚Herakles‘-Dramas im Theater in der Königgrätzer Straße in Berlin. Wedekind fühlte sich ihnen gegenüber dankbar verpflichtet, erstrebte aber die Uraufführung an einem der großen und für das klassische Drama zuständigen Theater, wennmöglich am Deutschen Theater und unter der Regie von Max Reinhardt. Deswegen versuchte er, das Interesse vorerst auf die von der Zensur bedrängten Werke ‚Tod und Teufel‘ und ‚Schloß Wetterstein‘ zu lenken.“ [KSA 8, S. 924] gelangt.

Meine Kinder knabernSchreibversehen, statt: knabbern. noch täglich an den schönen Süßigkeiten, die Sie ihnen geschenkt haben.

Seien Sie herzlichst gegrüßt und bedankt von Ihrem
ergebenen
Frank Wedekind.


Bitte, mich Herrn Bernauer bestens zu empfehlen.

Einzelstellenkommentare