Briefwechsel

Wedekind, Tilly und Wedekind, Emilie

16 Dokumente

Kirchrode, 13. Mai 1906 (Sonntag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Wedekind, Emilie

Postkarte


Adresse


Frau Emilie Wedekind
Lenzburg
Ct. Aargau (Schweiz)


Tiergarten-Restaurant
Fernspr.1238
und Ratsweinkeller Hannover
Fernspr. 1590
Inhaber: J. Schwarze.


Mitteilungen:
(nur i.inn. deutschen Verkehr zulässig):


Liebe Mama!

Die herzlichsten Grüße aus dem Tiergarten„Den bei dem Dorf Kirchrode, heute Stadtteil von Hannover, gelegenen Tiergarten, ein Wildgehege mit großem Baumbestand, ließ König Georg III. Ende des 18. Jahrhunderts als Wildpark für Hannovers Bürger öffnen. 1903 kam er in städtischen Besitz und ist bis heute ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel.“ [Vinçon 2021, Bd. 2, S. 234] bei HannoverFrank Wedekind notierte am 12.5.1906 im Tagebuch seine und Tilly Wedekinds Anreise nach Hannover, wo sie im Hotel Royal Christian Kasten (Ernst-August-Platz 8) untergebracht waren und abends im Deutschen Theater (Reuterplatz 10), Direktion: Hubert Reusch, ein „Hidalla“-Gastspiel hatten („Wir fahren nach Hannover. Lehrte ‒ Hannover + steigen Hotel Kasten ab, fahren durch die Eilenriede. [...] Hidalla [...] im Deutschen Theater. Nachher mit Tilly im Rheinischen Hof“), am 13.5.1906 nach Stadtspaziergang und Mittagessen in ihrem Hotel ihren Ausflug nach Kirchrode in den Tiergarten mit anschließender Rückfahrt um 18 Uhr nach Berlin („Spaziergang durch die Stadt. Diner im Kastens Hotel. Fahrt in den Thiergarten. Sechs Uhr Rückfahrt nach Berlin“). senden Dir und Mati
Tilly und Frank. |


Tiergarten.

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München, 29. Juli 1906 (Sonntag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Wedekind, Emilie

Postkarte.


An Frau Emilie Wedekind
in Lenzburg
Ct. Aargau
Schweiz. |


American-Bar Hôtel 4 Jahreszeiten Mün..


Liebe Mama, wir kommen voraussichtlich Dienstag Abendden 31.7.1906. Wedekind notierte: „6 Uhr Ankunft in Lenzburg. Mati und Eva holen uns ab.“ [Tb] da wir eine Nacht in LindauWedekind notierte am 30.7.1906 im Tagebuch: „Abfahrt von München. Um 5 Uhr in Lindau. Spazierfahrt auf dem Inn“. Und am 31.7.1906: „Bad im Bodensee. Fahrt über den Bodensee. 6 Uhr Ankunft in Lenzburg.“ bleiben.

Herzlichste Grüße an Mati und Dich
Tilly u. Frank

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Berlin, 9. Februar 1907 (Samstag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Wedekind, Emilie

Postkarte


An Frau Dr. Emilie Wedekind
in Dresden A.
Wohnung Elisenstrasse 3 B.
(Straße und Hausnummer) |


Liebe Mama, besten Dank für Deine freundliche EinladungHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Emilie Wedekind an Frank Wedekind, 7.2.1907. Emilie Wedekind war den Winter über zu Besuch bei ihrer Tochter Erika Wedekind (Elisenstraße 3) in Dresden und hat Frank Wedekind anlässlich seines Gastspiels in Dresden (s. u.) offenbar dorthin eingeladen.. Ich komme Dienstagden 12.2.1907. Wedekind fuhr am 11.2.1907 zu einem Gastspiel des Deutschen Theaters nach Leipzig und von dort am 12.2.1907 zu einem weiteren Auftritt nach Dresden, wo er nach der Vorstellung zum Abendessen zu seiner Schwester Erika fuhr: „Abfahrt nach Dresden. […] Logiere in Webers Hotel. Fahre zu Mieze. Frlgs Erw. Nachher bei Mieze zu Abend gegessen. Bis 4 im Stadtkaffee.“ [Tb] jedenfalls gleich zu Euch hinaus, ob zum Mittagessen, weiß ich noch nicht. Aber ich werde mich sehr freuen, am Abend mit Euch zusammen zu sein. Tilly kann leider noch nicht mitkommen, da sie noch in Anspruch genommenvon der zwei Monate alten Tochter Pamela. Zu ihrer Entlastung nimmt Tilly Wedekind kurz darauf ein Kindermädchen: „Tilly nimmt eine Amme.“ [Tb 15.2.1907] wird.

Herzlichste Grüße an Dich, Mieze, Walther und Eva
von
Tilly und Frank.

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Lenzburg, 10. September 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Emilie
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Emilie Wedekind vom 9.9.1907 aus München:]


Würdest du die Güte haben uns, wenn Tilly dir nicht ungelegen käme morgen gleich zu telegraphieren.


[2. Hinweis in Wedekinds Tagebucheintrag vom 11.9.1907 in München:]


Tilly fährt […] nach Lenzburg.

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Lenzburg, 11. Dezember 1907 (Mittwoch)
von Wedekind, Emilie
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

[Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Emilie Wedekind vom 19.12.1907 aus Berlin:]


In meiner großen Freude lese ich aus deinem Brief […] Und bei alledem hast Du noch Zeit gefunden an Anna Pamela zu denken. […] Anna Pamela wird sicher großes Vergnügen an dem Brüderchen haben.

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Lenzburg, 23. Dezember 1907 (Montag)
von Wedekind, Emilie
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

[Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Emilie Wedekind vom 16.1.1908 aus Berlin:]


Ich danke Dir herzlich für die lieben Bilder, die Du uns zu Weihnachten geschickt hastHinweis auf das hier erschlossene Korrespondenzstück – das Begleitschreiben zu den als Weihnachtsgabe übersandten Bildern..

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Berlin, 13. April 1908 (Montag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Wedekind, Emilie

Postkarte


Frau Dr. Emilie Wedekind
Lenzburg.
Schweiz Ct. Aargau |


Liebe Mama, Tilly ist das Herz sehr schwer weil sie Dir so lange nicht geschrieben hat. Sie hatte aber sehr viel zu thun da wir eben im Begriff sind, nach München überzusiedelnAm 2.10.1907 hatte sich Wedekind in München an das Maklerbüro „Lion & Cie. Wohnungsnachweisbureau und Immobilienvermittlung Kommanditgeschäft (Pers. haft. Gesellschafter Siegr. Lion) Briennerstraße 8“ [Adreßbuch für München 1907, Teil I, S. 312] gewandt [vgl. Tb], vermutlich mit dem Auftrag eine Wohnung zu suchen. Ein halbes Jahr später, bei seinem nächsten München-Aufenthalt, notierte er: „Wohnung gemietet Prinzregentenstraße 50.“ [Tb 18.4.1908] Der Umzug erfolgte dann erst im Oktober: „Besichtigung der Wohnung […] Mit Anna Pamela in der Wohnung“ [Tb 1.10.1908], „Ausladen. […] Nach Tisch wird ausgeladen.“ [Tb 2.10.1908] „Wir stellen in sämtlichen Zimmern die Möbeln auf.“ [Tb 3.10.1908]. Dir und Mati sende ich die herzlichsten Grüße
Frank.


Liebste Mama, hoffentlich bist Du mir nicht zu böse, ich werde versuchen, den Fehler wieder gut zu machen. Aus Deiner Stickerei hat Anna Pamela ein reizendes Kleidchen bekommen. Hoffentlich sehen wir uns im SommerZu einem Treffen Tilly Wedekinds mit ihrer Schwiegermutter im Sommer 1908 kam es nicht.. Herzlichste Grüße Dir u. Mati.
Deine Tilly

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Berlin, 27. August 1908 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Wedekind, Emilie

Postkarte

Frau Dr. Emilie Wedekind
im Steinbrüchli
Lenzburg Ct. Aargau
Schweiz


Liebe Mama, wir haben eben in Breslau Marquis von Keith executiertDie Gastspielpremiere des „Marquis von Keith“ in der Sommerspielzeit 1908 (Direktion: Erich Zigel) am Breslauer Schauspielhaus [vgl. Neuer Theater-Almanach 1909, S. 333] fand am 23.8.1908 statt. Wedekind notierte: „Premiere Durchfall.“ [Tb] Es folgten Vorstellungen am 25. und 26.8.1908. und senden Dir und Mati die herzlichsten Grüße.

Auf baldiges Wiedersehn in Lenzburg oder München!
Eure Tilly
Frank |


Sandkirche mit Universitäts-Bibliothek.

Breslau.

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Lenzburg, 4. März 1909 (Donnerstag)
von Wedekind, Emilie
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

[Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Emilie Wedekind vom 6.3.1909 aus München:]


Tilly holte die SendungHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zu der Sendung – das hier erschlossene Korrespondenzstück. vom Zollamt ab und ich beeile mich Dir mitzuteilen, daß ich mich Deiner, Armins und Matis Entschluß anschließe […]

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München, 13. März 1910 - 7. April 1910
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Frank
an Wedekind, Emilie

München, 13.III.10.


Meine liebe Mama,

vielen Dank für Deinen lieben BriefDer Brief Emilie Wedekinds an Tilly Wedekind ist nicht überliefert.! i/I/ch freue mich, dass Dir das Bildchenmöglicherweise das Foto von Tilly Wedekind mit der dreijährigen Pamela auf dem Arm, das Tilly Wedekind ihrer Schwiegermutter offenbar geschickt hatte. gefällt. Nicht wahr, sie ist schon sehr groß! Sie würde Dir sicher viel Freude machen, sie ist so verständig und lebhaft. Ich habe heute Mieze geschriebenDas Schreiben Tilly Wedekinds an Erika Wedekind ist nicht überliefert.. Vielleicht lässt es sich arrangieren, dass wir gleichzeitig nach Lenzburg kämen. Ich würde mich sehr freuen, | mit ihr zusammen zu sein, und für Anna Pamela wäre es natürlich auch sehr schön, an Eva Gesellschaft zu haben.


7.IV.10

Bereits wieder ein Monat vergangen, ich weiß nicht, wo die Zeit hinkommt! Inzwischen hab’ ich auch von Mieze Nachricht erhaltenDas Schreiben Erika Wedekinds an Tilly Wedekind ist nicht überliefert., bin aber noch nicht entschlossen. Für die herzige Osterkartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Emilie Wedekind an Frank und Tilly Wedekind, 26.3.1910. Emilie Wedekind dürfte die Karte zu Ostern an Tilly und Frank gleichermaßen adressiert haben. noch vielen Dank; über Ostern war mein Bruder aus PragTilly Wedekinds zweitältester Bruder Dagobert Newes kam am 25.3.1910 zu Besuch nach München: „Bertl kommt zu Besuch.“ [Tb] bei uns, worüber ich sehr vergnügt war. |

Frank war seines Verleger’s wegenWedekind hatte am 24.3.1910 eine Beleidigungsklage seines Verlegers Bruno Cassirer erhalten: „Erhalte Klage von B. Cassirer vom 10 III.“ [Tb] Der Bruno Cassirer Verlag hatte seinen Sitz in Berlin (Derfflingerstraße 16) [vgl. Berliner Adreßbuch 1910, Teil I, S. 376], zuständig war insofern das Amtsgericht Berlin-Mitte (Neue Friedrichstraße 12-17) [vgl. Berliner Adreßbuch 1910, Teil II, S. 60], das Wedekind geschrieben haben dürfte [vgl. Amtsgericht Berlin-Mitte an Wedekind, 10.3.1910]. Wedekind reiste infolge der Beleidigungsklage am 30.3.1910 „nach Berlin“ [Tb] und nahm am 31.3.1910 Kontakt zu einem Anwalt auf: „Unterredung mit Justizrat Jonas. Er übernimmt meinen Prozes“ [Tb]. Am 1.4.1910 notierte Wedekind: „Habe die ganze Correspondenz B. Cassirer durchgearbeitet.“ Kurz vor Wedekinds Rückfahrt nach München am 6.4.1910 fand eine weitere „Unterredung mit Jonas“ [Tb] statt. Der Konflikt wurde schließlich außergerichtlich beigelegt, es kam zu keinem Prozess. in Berlin. Ihr habt sicher darüber im Berliner TageblattWedekind hatte einen offenen Brief [vgl. Wedekind an Verlagsbuchhändler, 23.3.1910] geschrieben, der im „Berliner Tageblatt“ abgedruckt wurde [vgl. Ein Wedekind-Dokument. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 157, 29.3.1910, Abend-Ausgabe, S. (3)]. Wedekinds seit dem Herbst 1909 andauernde Streitigkeiten mit Cassirer dokumentierte er in seinen Notizbüchern unter dem Stichwort „Contra Cassirer“ [vgl. KSA 5/III, S. 126-141]. gelesen, leider ist die Sache noch immer nicht zum AbschlussDie Auseinandersetzung endete mit einer Ehrenerklärung Wedekinds zu Bruno Cassirer vom 17.7.1910, deren Entwurf überliefert ist [vgl. KSA 5/III, S. 140f.]. gekommen. Aber hoffentlich wird es nun bald. Seit heute morgen ist er wieder zurückWedekind reiste mit dem Nachtzug von Berlin nach München und traf am 7.4.1910 in München ein [vgl. Tb].. Ausserdem war er in Darmstadt, wo er mit dem Großherzog u. der Großherzogin u. dem Prinzen Heinrich v. Preussen bei BurmesterWedekind besuchte dem Tagebuch zufolge am 28.3.1910 eine Soiree des Komponisten und Geigers Willy Burmester in Darmstadt und traf dort den Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein („Soirée bei Willy Burmester. Ich sitze neben dem Großherzog.“), dem er später noch einmal brieflich für diesen Abend dankte [vgl. Wedekind an Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, 4.4.1910] Den Abend schilderte er seiner Frau tags darauf ausführlich in einem Brief, der er mit den Worten begann: „Es war der interessanteste Abend, den ich bis jetzt erlebt habe“ [Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 29.3.1910]. eingeladen war. Frank sagt dies war einer der interressantesten Abende | die er bis jetzt erlebt hat.

Inzwischen haben wir einen Brief von Matinicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Emilie (Mati) Wedekind an Frank und Tilly Wedekind, 5.4.1910. bekommen, in dem sie uns ihre VerlobungÜber ihre Verlobung mit Eugène Perré unterrichtete Emilie (Mati) Wedekind auch ihren Bruder Armin aus Paris am 5.4.1910: „ich […] bekam […] von Eugène einen Geburtstagsbrief mit einem Heiratsantrag, den ich aber erst, da er so sehr überraschend kam nicht so ganz ernst nehmen konnte. Doch hatte ich Zeit darüber nach zu denken und als ich in Genf war, kam bald ein zweiter Brief, in dem er mir den Ernst seiner Absicht versicherte und mich bat hierherzukommen, da er des Großen Geschäftes wegen, das nun nach dem Tode seines Vaters ganz auf ihm liege nicht gut weg könne. So packte ich zusammen und reiste her, wo wir nun einig geworden sind. Verlobungsanzeigen werden keine geschickt aber zu Mamas Geburtstag wird nun alles versammelt sein.“ [AfM Zürich, Nachlass Armin Wedekind, PN 169.05:168] Die Trauung fand am 9.7.1910 in Neuilly-sur-Seine bei Paris statt. mitteilt. Ich danke Dir vielmals für I/i/hre Adresse, ich habe ihr heute gleich telegraphischDas Telegramm Tilly Wedekinds an Emilie (Mati) Wedekind ist nicht überliefert. Frank Wedekinds Antwort auf die Verlobungsnachricht ist nur als Entwurfsfragment überliefert [vgl. Frank Wedekind an Emilie (Mati) Wedekind, 7.4.1910]. gratuliert. Ich freue mich wirklich von ganzem Herzen darüber, hoffentlich wird sie recht glücklich! Auch für Dich war das sicher eine große Freude, meine liebe Mama! Wie ist denn das so plötzlich gekommen? Wusstest Du was davon? Ich bin natürlich sehr | neugierig etwas Näheres zu erfahren.

Es wäre ja sehr schön, wenn ich mit Mieze zusammenErika Wedekind traf mit ihrer Tochter Eva Oschwald während Frank und Tilly Wedekinds Lenzburg-Aufenthalt (s. u.) am 7.8.1910 in Lenzburg ein: „Wir holen Mieze am Bahnhof ab.“ [Tb] Mutter und Tochter blieben bis zum 20.8.1910: „Mieze und Eva verreisen in aller Frühe.“ [Tb] in Lenzburg wäre, aber erstens ist mir die Zeit ein bischen zu früh, dann ist es wohl zu viel Trubel auf einmal für Dich. Und ich werde mich auch ganz gewiss nicht langweilen, wenn wir allein sind! Im Gegenteil! Im Juli spielen wir hier jeden Abend im SchauspielhausAm 1.7.1910 eröffnete das „Gastspiel von Frank Wedekind u. Frau“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 302, 1.7.1910, General-Anzeiger, S. 2] am Schauspielhaus München mit der Premiere von „So ist das Leben“. Bis zum Monatsende folgten täglich Aufführungen von Stücken Wedekinds: „Marquis von Keith“, „Der Erdgeist“, „Musik“, „Zensur“, „Der Kammersänger“ und „Hidalla oder Sein und Haben“. Das Gastspiel endete am 31.7.1910. , den ganzen Monat durch, dass wirdSchreibversehen, statt: das. mich wohl, so wie voriges | Jahr sehr angreifen. Dann einige Wochen bei DirTilly und Frank Wedekind fuhren am 6.8.1910 nach Lenzburg: „Abfahrt zur Bahn. [...] Ankunft in Lenzburg. Mama und Eva holen uns vom Bahnhof ab. Wir beziehen die neuen Zimmer.“ [Tb] Die Rückreise erfolgte am 2.9.1910: „Abreise von Lenzburg. In Zürich begrüßen uns Emma und Armin junior am Bahnhof. […] Um 6 Uhr in München.“ [Tb] im Steinbrüchli zu sein, denk ich mir wunderschön! Natürlich darfst Du durch uns absolut nicht mehr Arbeit haben! Was wir brauchen besorge ich selbst, oder wenn Du es für besser hältst nehme ich ein Mädchen mit. Anna Pamela braucht nicht viel Arbeit, ich versorge sie hier auch ganz allein.

Aber das sind zu schöne Luftschlösser! Hoffentlich | werden sie nicht zu Wasser. Ich hoffe auch sehr, dass Frank wenigstens für eine Zeitlang mitkäme.

Was machen die ZüricherArmin Wedekind und Familie.? Bist Du jetzt nicht sehr allein im Steinbrüchli? Ich will heute noch Annapamela baden und muss daher schließen.

Viele Grüße von Frank! In herzlicher Liebe umarmt Dich
Deine Tilly


Liebe Großmama,

viele Küsse, ich freue mich sehr auf Lenzburg.
Deine Annapamela.Für den Gruß der Enkelin dürfte ihr Tilly Wedekind die Hand geführt haben. |


Liebe Mama!

ich sendeSchreibversehen, statt: Ich sende. Dir die herzlichsten Grüße. Über Matis Verlobung habe ich mich ungeheuer gefreut. Mit den besten Wünschen für Dein Wohlergehen
Dein treuer
Frank.


[Kuvert:]


Frau Dr. Emilie Wedekind
Lenzburg Ct. Aargau

Schweiz Steinbrüchli

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Lenzburg, 26. März 1910 (Samstag)
von Wedekind, Emilie
an Wedekind, Frank, Wedekind, Tilly

[Hinweis in Tilly und Frank Wedekinds Brief an Emilie Wedekind vom 13.3. und 7.4.1910 aus München:]


Für die herzige Osterkarte noch vielen Dank […]

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Lenzburg, 14. Juni 1910 (Dienstag)
von Wedekind, Emilie
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

[Hinweis in Frank und Tilly Wedekinds Brief an Emilie Wedekind vom 16.6.1910 aus München:]


Empfang meinen herzlichen Dank für Deinen ausführlichen lieben Brief, über den Tilly und ich uns ungemein gefreut haben. […]

Meine liebe Mama, auch ich freute mich sehr über Deinen lieben, ausführlichen Brief […]

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München, 16. Juni 1910 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Wedekind, Emilie

Meine liebe Mama!

Empfang meinen herzlichen Dank für Deinen ausführlichen lieben Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Emilie Wedekind an Frank und Tilly Wedekind, 14.6.1910., über den Tilly und ich uns ungemein gefreut haben. Sowohl die Schilderung deines Geburtsfestesam 8.5.1910. sowie die ausführlichen Nachrichten über | Matis VerlobungEmilie (Mati) Wedekind hatte Anfang April ihrer Familie die Verlobung mit Eugène Perré, einem früheren Pensionsgast (1890/91) auf Schloss Lenzburg und inzwischen Nachfolger seines Vaters als Champagnerhändler in Neuilly-sur-Seine mitgeteilt und plante, die Verlobung am Geburtstag der Mutter in Lenzburg zu feiern (siehe die vorangegangene Korrespondenz). waren uns gleich interessant. Ich erhielt derweil einen sehr lieben Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Eugène Perré an Wedekind, 13.6.1910. von Eugène Perré in dem er uns zu seiner HochzeitDie Trauung von Emilie (Mati) Wedekind und Eugène Perré fand am 9.7.1910 in Neuilly-sur-Seine bei Paris statt. einlädt. Ich habe ihm sofort gedankt und geschriebennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Eugène Perré, 15.6.1910. daß es uns zu unserem lebhaften Bedauern nicht möglich sein dürfte, da wir gerade Anfang Juli in München spielenFrank und Tilly Wedekind spielten den kompletten Juli über einen Gastspielzyklus mit Stücken Wedekinds am Schauspielhaus München. sollen. Ich | schickte den Brief an Eugènes Hotel in London und hoffe, daß er ihn erhalten hat. Am ersten Juni haben sich derweil meine geschäftlichen Confliktemit seinem Verleger Bruno Cassirer anlässlich des Verkaufs der Verlagsrechte an Wedekinds Werken. Mit deren Übernahme für 15.000 Mark durch den Verlag Georg Müller Anfang Juni war für Wedekind „das Geschäftliche erledigt“ [Wedekind an Maximilian Harden, 11.6.1910]. gelöst und zwar mit Hülfe von Maximilian HardenWedekind hatte vermutlich bereits am 3. und 4.4.1910 Maximilian Harden bei Besuchen von dem Konflikt berichtet [vgl. Tb] und sich dann später mit der Bitte um Unterstützung brieflich an ihn gewandt [vgl. Wedekind an Maximilian Harden, 23.4.1910], der sich daraufhin um Vermittlung bemühte (siehe die Korrespondenz zwischen Wedekind und Maximilian Harden). und Max LiebermannMaximilian Harden hatte Wedekind vorgeschlagen, Max Liebermann ebenfalls um Unterstützung in dem Konflikt mit Bruno Cassirer zu bitten [vgl. Maximilian Harden an Wedekind, 28.4.1910]. Wedekind wandte sich daraufhin brieflich an Liebermann, wie ein fragmentarisch überlieferter Briefentwurf belegt [vgl. Wedekind an Max Liebermann, 1.5.1910]. Wedekind hatte den Maler, der mit beiden Verlegern, Bruno und Paul Cassirer, befreundet und durch seine Veröffentlichungen geschäftlich verbunden war, dem Tagebuch zufolge am 4.4.1910 bei Paul Cassirer getroffen („bei Cassirer, wo ich Liebermann, Tuaillon und Slevogt treffe“) und ihn vermutlich bereits über den bestehenden Konflikt unterrichtet.. Besonders Harden bin ich in dieser Angelegenheit zu großem Dank verpflichtet. Ich habe das auch in einer kleinen SchriftIm ersten Abschnitt seiner Schrift „Schauspielkunst. Ein Glossarium“ gestand Wedekind unter der Überschrift „Maximilian Harden“ diesem zu, unter den Zeitgenossen „am meisten Herzenswärme, am meisten Leidenschaftlichkeit“ in „der ernsten Erörterung einer Kulturfrage“ [KSA 5/II, S. 363] zu besitzen und schloss mit den Worten: „Ihrer regsten Anteilnahme waren alle, die seit Jahren in Deutschland auf eigenen Wegen gingen, sicher. Um Sie zu werben, haben wir keinen Grund. Umsomehr erscheint es mir an der Zeit, Ihnen einmal zu danken.“ [KSA 5/II, S. 364] Wedekinds „Glossarium“ erschien am 18.6.1906 im Verlag Georg Müller: „Schauspielkunst […] im Handel.“ [Tb] ausgesprochen, die dieser Tage erscheinen wird. Sobald ich Exem|plare davon habe, werde ich Dir eines zuschicken. Tilly und ich haben diesen Frühling sehr viel studiert. Jetzt lernt sie meine LiederDem Tagebuch zufolge studierte Tilly Wedekind am 11., 14. und 16.6.1910 das Lied „Brigitte B.“ („Studiere mit Tilly Brigitte B.“; „Tilly übt Brigitte.“) sowie am 17.6.1910 „Mein Lieschen“ („Tilly übt Mein Lieschen“). An den folgenden Tagen übte sie sich im Singen, so am 18.und 19.6.1910 („Tilly nach Tisch Abends gesungen.“), am 20.6.1910 („Tilly gesungen.“) und am 21.6.1910 („Tilly singt nach Tisch.“). und BaladenSchreibversehen, statt: Balladen. singen für einen Vortragsabendam 21.11.1910 für die Freie Literarische Gesellschaft Frankfurt am Main. Wedekind notierte in Frankfurt: „Ich treffe Roda Roda beim Frühstück Besichtigung des Saales. Diner im Hotel Nachmittags Probe im Saal. Vortrag. Tilly singt zum ersten Mal vor 1300 Personen.“ Die Presse schrieb: „Ganz bedenklich aber wurde die Sache, als die freundliche Herdflamme einer unscheinbaren Hauskunst als Cabaret-Stern leuchten wollte, als Frau Wedekind es unternahm, Chansons vorzutragen, Lieder aus den ‚Vier Jahreszeiten‘ ihres Gatten, bei denen er mit der Laute sorglich attestierte. Nur die Liebenswürdigkeit der Hörerschaft, die die sympathische Erscheinung der (als Schauspielerin nicht unbegabten) Dame den Mißerfolg nicht merken lassen wollte, half über diese Peinlichkeit hinweg…“ [Frankfurter Zeitung, Jg. 35, Nr. 323, 22.11.1910, 3. Morgenblatt, S. (1)]. Anfang Juni hatte Wedekind seinen Veranstaltungsagenten wegen des Vortrags aufgesucht: „Besuch bei Gutmann wegen Vortrag Roda.“ [Tb 7.6.1910]., den wir im Herbst mit Roda-Roda zusammen in Frankfurt haben. Da wir in den letzten Monaten nicht spielten haben wir mit Annapamela viele Ausflüge gemacht meist in das herrliche IsarthalIm Tagebuch dokumentiert sind Ausflüge nach Thalkirchen (24.4.1910), Menterschwaige (1.5.1910), Grosshesslohe (1., 5. und 31.5.1910 sowie 5.6.1910) sowie zur Konradshöhe bei Baierbrunn und nach Höllriegelskreuth (12.6.1910).. | Gesternam 15.6.1910. Wedekind notierte im Tagebuch: „Ausflug nach Bernried mit Tilly Anapamela, Frau Jenny Hypolit. Besuch bei Albu. Spaziergang im Park von Bernried.“ waren wir bei strömendem Regen auf dem Starnbergersee.

Ich freue mich sehr, liebe Mama, daß es Dir gut geht und Du vergnügt bist Grüße Mati vielmals von mir. Ich hoffe, daß wir uns im AugustTilly, Frank und Pamela Wedekind verbrachten den August vom 6.8.1910 bis zum 2.9.1910 in Lenzburg [vgl. Tb]. wiedersehen. Mit den herzlichsten Grüßen und besten Wünschen für Dich, liebe Mama, und Mati
Dein treuer Sohn
Frank.


München 16.6.10.


Meine liebe Mama, auch ich freute mich sehr über Deinen lieben, ausführlichen Brief, über die interessanten und amüsanten Schilderungen. Ich bedauerte es sehr, bei der Geburtstagsfeier nicht dabei gewesen zu sein. Dass Mati sobald heiratet, freut mich sehr, und wenn wir auch bei der Hochzeit nicht dabei sein können, (nächste WocheDie erste Probe für den Wedekind-Zyklus am Schauspielhaus München im Juli fand am 21.6.1910 statt: „Probe von S. ist d. Leben.“ [Tb] beginnen unsre Proben, da ist’s mit der Freiheit zu Ende) so hoffe ich doch sehr, dass wir sie recht bald in Paris besuchenEugène Perré wohnte in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris. Zu dem gemeinsamen Besuch kam es nicht. Wedekind reiste im Juli 1914 alleine nach Paris., und dann einige, | schöne Tage miteinander verleben. Ich bekomme Anfang Juli, vielleicht auch früher, wenn’s möglich ist, Besuch von meiner jüngern Schwester MarthaMartha Newes war dem Tagebuch zufolge vom 25.6.1910 („Tilly und Anapamela holen Martha vom Bahnhof ab“) bis zum 6.8.1910 („Martha fährt nach Insbruck“) zu Besuch in München.. Sie soll während der Zeit unsers GastspielSchreibversehen, statt: Gastspiels. Anna Pamela behüten, mit ihr spazieren gehen etz., denn ganz nur den MädchenDie wechselnden Kindermädchen der Wedekinds sind nicht identifiziert. überlassen will ich sie nicht. Und im August giebt es dann ein frohes Wiedersehn in Lenzburg! Mieze hat mir kürzlich sehr lieb u. ausführlich geschriebenDer Brief Erika Wedekinds an Tilly Wedekind ist nicht überliefert.. Wenn sich ihre Pläne nicht ändern, | dann werden wir voraussichtlich zu gleicher Zeit in LenzburgErika Wedekind traf mit ihrer Tochter Eva Oschwald am 7.8.1910 während Frank und Tilly Wedekinds Lenzburg-Aufenthalt im Steinbrüchli ein: „Wir holen Mieze am Bahnhof ab.“ [Tb] Sie blieben bis zum 20.8.1910: „Mieze und Eva verreisen in aller Frühe.“ [Tb] sein, worüber ich mich sehr freue! Anna Pamela wird glücklich sein, an Eva eine Spielgefährtin zu haben! Hoffentlich ist es für Dich nicht unbequem, soviel Menschen auf einmal im Hause zu haben. Ihr werdet jetzt wohl noch viel Arbeit mit der Ausstattung haben! Grüß’ mir bitte mein liebes Mati recht herzlich. Wenn Du wieder Zeit hast, ich freue mich unendlich über jede Nachricht von Dir.

Herzlichst umarmt u. küsst Dich
Deine Tilly u. Annapamela


[Kuvert:]


Frau Dr. Emilie Wedekind
Lenzburg
Ct. Aargau Schweiz.

Einzelstellenkommentare

Lenzburg, 10. August 1911 (Donnerstag)
von Wedekind, Emilie
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

Lenzburg, 10 August 1911


Meine liebe Tilly und mein lieber Frank!

Heute ist der erste Tag, – seit Wochen, – daß ich ohne meine lieben GästeEmilie (Mati) Wedekind und ihr Mann Eugène Perré unternahmen mit ihrer Köchin einen Tagesausflug an den 50 Kilometer entfernten Vierwaldstättersee (s. u.). bin. Sie kommen zwar heuteabendSchreibversehen, statt: heute abend. wieder, sodaß mir nicht viel Zeit vergönnt ist, um Euch endlich ausführlich zu schreiben, wie ich mich über die Nachricht freute, daß Ihr mir eine liebe EnkelinFrank und Tilly Wedekinds Tochter Kadidja wurde am 6.8.1911 geboren: „Fannykadidja geboren.“ [Tb] geschenkt habt. Besonders froh war ich, meine liebe Tilly, durch die Depeschenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Frank Wedekind an Emilie Wedekind, 6.8.1911. zu erfahren, daß es Dir und der Kleinen gut geht, und daß Ihr Euch zusammen freut über Euer liebes Töchterchen. Möge es wachsen u. gedeihen zu seinem eigenen und seiner Eltern Glück. – Ich habe nun seit dem 14. Juli immerfort meine lieben Kinder | bei mir. Erst kamen Mieze u Evchen. Gleich, am ersten Sonntag darauf kamen die Zürcher. Armin sen mit Emma von Zürich, Armin jun. von Genf, – d/b/epakt mit seinem 30 Kilo schweren Tornister und in der Uniform eines CorporalsArmin Wilhelm Gottlieb Wedekind leistete offenbar seinen Wehrdienst, zu dem er in der Schweiz mit dem Beginn des Jahres verpflichtet war, in dem er zwanzig wurde (1910) und diente inzwischen im Rang eines Unteroffiziers.. Er ist ein strammer und sehr ernster Mensch geworden, schwärmt für sein Clavierspiel in dem er ganz o/O/rdentliches leistet und behauptet, großes IntresseSchreibversehen, statt: Interesse. für seinen künftigen Beruf zu haben. Bis jetzt hat er es zum cand. med.(lat.) candidatus medicinae = Medizinstudent. Armin Wilhelm Gottlieb Wedekind absolvierte sein „Medizinstudium in Zürich, Genf, Zürich und München, Promotion mit einer Arbeit über ‚Kasuistik der Psychischen Infektionen‘ (Leipzig 1917). Das Doktordiplom wurde ihm am 7.8.1917 von der Universität Zürich ausgestellt.“ [Vinçon 2021, Bd. 2, S. 247f.] gebracht. Hoffentlich vollzieht sich der Rest seines Studiums ebenso geregelt, wie es bis jetzt gewesen ist und wird er recht bald für seinen Vater, der sich jetzt weidlich plagen muß –, eine tüchtige Stütze u. Hülfe. – Wir verbrachten diesen ersten Sonntag in großer Fröhlichkeit und ohne jede Trübung. Es war so nett, daß man sich entschloß, | 14 Tage späteram 28.7.1911., bei der Ankunft Walthers nochmals bei’nander zu sein. Auch dieser Tag war schön. Wir hatten allerlei Geschäftliches miteinander zu besprechen, herbeigeführt durch die Bauten und ihre Kosten, die, wie es ja immer geht, die Voranschläge um eine tüchtige Summe überschritten. Trotzdem aber blieb die Stimmung gut und man trennte sich mit dem Gefühl, an Anhänglichkeit und Zusammengehörigkeit reicher geworden zu sein. Seit dem 27. Juli war auch Armins Jüngste, die Lotta bei mir und wird bleiben bis nächste Woche. Und gleich nach Mieze’s, Walthers u. Evchens Abreise in’s Engadin kamen Eugène und Mati. Sie bleiben bis zum 18. August. Da sie ihre Köchinnicht identifiziert. mitbrachten, | fällt nicht so viele Arbeit mir zu. Ich bin auch darüber sehr froh, denn seit 6 Wochen leide ich an einem schlimmen Bein, das viel Pflege mit Massieren, Verbinden etc. beansprucht und mich recht in meiner gewohnten Thätigkeit behindert. Heute früh 5 Uhr fuhren nun die PariserEmilie (Mati) Wedekind und Eugène Perré lebten in Neuilly-sur-Seine bei Paris. mit ihrer Köchin an den VierwaldstätterseeDer in vier Kantonen gelegene Vierwaldstätter See, an dem sich mit dem Rütli und der Tellsplatte Schauplätze der Wilhelm Tell-Sage befinden, war ein beliebtes Ausflugsziel., und so kommt es, daß ich Zeit finde, Euch meine Lieben zu schreiben.

Vorgesternam 8.8.1910. war aber wieder eine große Festlichkeit bei uns. Der alte Justizrath Wedekind, unser FamiliensyndikusEin Syndikus ist „der von einer Korporation (Stadtgemeinde, Stiftung, Verein, Aktiengesellschaft) zur Besorgung ihrer Rechtsgeschäfte aufgestellte Bevollmächtigte“ [Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. Bd. 19. Leipzig, Wien 1909, S. 243]. Erich Wedekind aus Danzig war als Syndikus der Familie Wedekind der Nachfolger von Frank Wedekinds Onkel, dem Landgerichtsrat Theodor Wedekind. kam auf seiner Rückreise von St. Moritz mit sämmtlichen ZürchernArmin Wedekind und Familie. hierher. Wir hatten ein wundervolles Mittagessen mit Rheinsalmim Rhein gefangener Lachs. MeajonnaiseSchreibversehen, statt: Mayonnaise. und Roastbef/e/f etc und nach dem Cafe gingen wir aufs Schloß. | Der neue Schloßherr„1911 erwarb James W. Ellsworth […], amerik. Großindustrieller und Kunstsammler, das Schloss für 550.000 Franken von seinem vorherigen Besitzer August E. Jessup“ [Vinçon 2021, Bd. 2, S. 248]. –, weniger rüppelhaft als der alte –, zeigte uns mit viel Liebenswürdigkeit alle Räume, sodaß unser Gast ganz entzückt von der Schönheit der Natur und der Größe des Schloßes, den denkbar besten Eindruck empfing. Auch unser Steinbrüchli überstieg seine Erwartungen. Die beiden Mädchen Armins, Eva u. Lotta sangen und spielten ihre schönsten Weisen, nicht minder Armin jun. So verging der Tag, der sicherlich Allen eine schöne Erinnerung bleiben wird.

Wir haben seit vielen Wochen eine unerhörte Hitze und Trockenheit. Ueberall verdorren die Obstbäume. Unser Garten schaut gelb u. verbrannt aus, sodaß ich immer | an San FranziskoEmilie Kammerer lebte vom 31.12.1858 bis zu ihrem Umzug mit Friedrich Wilhelm Wedekind nach Oakland im Oktober 1862 als Sängerin in San Francisco [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 291f.]. errinnertSchreibversehen, statt: erinnert. werde, wie es mit seinen abgedörrten Culturen im Sommer aussieht. Es gibt keinen Salat, kein grünes Gemüse, ganz wenig u nur schlechtes Obst. Dafür aber ist die Frucht, – Weizen u. Roggen u. die Kartoffeln, besonders aber auch der Wein gut gediehen, sodaß man hofft, wenigstens damit eine kleine Entschädigung zu erhalten. Mati u. Eugène sind recht froh, ihrem Brutofen in Neuilly entronnen zu sein. Sie genießen, – trotz der Hitze –, unsere frischere Schweizerluft mit großem Behagen. Mati sieht schon ganz verparisert aus in ihrem engen weiß u. blauen Costum, den feinen weißen Schuhen u. weißem, großen Hut, der ihr sehr gut steht. | Ihr Mann hält viel darauf, daß sie sich schikSchreibversehen, statt: schick. und fein anzieht und auch mit der Frisur hat sie sich sehr zum Vortheil verändert. Seit ihrem Hiersein wird wieder französisch gegessen, – viele viele

Teller und immer nur ein Gericht nach dem andern.

Habt Ihr Mieze auch eine Anzeige von der Geburt Eures Töchterchens geschiktSchreibversehen, statt: geschickt.? Und wie soll denn die junge Dame heißen?

Ich hoffe, liebe Tilly daß Dich diese Zeilen verhältnißgemäß wohl antreffen, – ebenso Deine beiden Töchterchen u. Frank. Allen Euch Lieben sende ich meine herzlichsten Grüße, indem ich wie immer verbleibe
Eure getreue Mama
u. Großmama!


P. S. Deinen lieben Eltern meine besten Empfehlungen. Auch sie werden sich freuen?! – |

Schreibt mir bitte, recht bald wieder, wie es geht!!

Einzelstellenkommentare

München, 22. Oktober 1911 (Sonntag)
von Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank, Newes, Martha und Wedekind, Armin Wilhelm Gottlieb
an Wedekind, Emilie

I. H. Frau Dr.
Emilie Wedekind
Lenzburg. Canton ArgauSchreibversehen, statt: Aargau..
Schweiz.


Meine liebe Mama,

wir sitzen hierWie der Stempelaufdruck auf der Bildpostkarte belegt, stammte sie aus dem „Ratskeller der Stadt München“, der sich unter dem neuen Rathaus, dem Bildmotiv der Karte, auch heute noch befindet. Wedekind notierte am 22.10.1911 im Tagebuch: „Mit Tilly Armin Martha im Ratskeller.“ mit ArminArmin Wilhelm Gottlieb Wedekind, Sohn von Armin Wedekind und Frank Wedekinds Neffe, studierte Medizin in München und traf sich häufiger mit der Familie seines Onkels, wie Tagebucheinträge Wedekinds belegen. zusammen. Ich danke Dir vielmals für Deinen lieben BriefDer Brief Emilie Wedekinds an Tilly Wedekind ist nicht überliefert. u. ich freue mich sehr auf Deinen Besuch am 10.Zu einem Besuch der Mutter in München am 10.12.1911 kam es nicht. Belegt ist ein Besuch erst wieder ab dem 15.3.1912: „Tilly und Annapamela holen meine Mutter vom Bahnhof ab“ [Tb], wofür Frank Wedekind extra für zwei Nächte ins Hotel zog. Vielleicht geht’s AuchSchreibversehen, statt: auch. auf mehrere Tage? Auf frohes Wiedersehen!
Deine Tilly |


MünchenDas neue Rathaus.


Ergebener Gruss Martha Newes


Viele Grüsse Enkel Armin. Freue mich sehr darauf Dich hier noch zu sehengemeint ist vermutlich vor Armin Wedekinds Abreise in die Weihnachtsferien, die er bei seinen Eltern in Zürich verbracht haben dürfte..


Liebe Mama! Ich freue mich sehr auf Dein Kommen. Komm recht bald! Herzlichen Gruß derweil. Dein Frank.

Einzelstellenkommentare

München, 6. Mai 1913 (Dienstag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Wedekind, Emilie

Meine liebe Mama!

Zu Deinem heutigen GeburtstagEmilie Wedekind feierte am 8.5.1913 ihren 73. Geburtstag. Wedekind antizipierte den Ankunftstag seines in der Nacht vom 6. auf den 7.5.1913 (siehe Poststempel) verschickten Briefes. sende ich Dir die herzlichsten Glückwünsche. Möge es Dir vergönnt sein, noch recht recht viele Geburtstage in Freude und Gesundheit zu verleben. Mit Freude höre ich aus Deinen lieben Briefen an TillyDie Korrespondenz zwischen Emilie und Tilly Wedekind ist nicht überliefert. daß Du den Winter ohne Mißbehagen b/v/erbracht hast. Hoffentlich ist das Unwohlsein, von DemSchreibversehen, statt: von dem. Du zuletzt schreibst nun auch gehoben. Für Deine liebe freundliche Einladung danke ich Dir von ganzem Herzen. | Ich hoffe bestimmt Dich im Laufe dieses SommersWedekind besuchte seine Mutter vom 12. bis 16.7.1913 in Lenzburg [vgl. Tb]. auf einige Tage wiederzusehen. Wenn Du Tilly und die Kleinen für längere Zeit aufnehmen wolltest, bin ich Dir aufs tiefste DankbarSchreibversehen, statt: dankbar. dafür. Der letzte Winter war schauspielerisch sehr anstrengend und ließ mir wenig Zeit für literarische Arbeit. Deshalb hoffe ich im Sommer auf einige Wochen nach ItalienWedekind hielt sich vom 19.6.1913 bis 11.7.1913 in Rom auf und arbeitete dort an seinem dramatischen Gedicht „Simson“ [vgl. Tb]. zu kommen. Ich würde mich sehr freuen auch mit ArminEin Treffen im Sommer kam nicht zustande [vgl. Armin Wedekind an Frank Wedekind, 22.8.1913]. Dem Tagebuch zufolge traf Wedekind seinen Bruder Armin erst wieder im Oktober 1914 in Zürich. diesen Sommer zusammenzutreffen. Vielleicht läßt es sich arrangieren, daß wir eine kleine Tour zusammen machen.

Über die nächsten WochSchreibversehen, statt: Wochen (oder: Woche). sind wir noch völlig im Unklaren. Es schweben Verhandlungen mit Berlin und Wienüber eine Aufführung von Wedekinds Stück „Franzsika“. Am Deutschen Volkstheater in Wien fand vom 6. bis 12.6.1913 ein Gastspiel der Münchner Kammerspiele mit Frank und Tilly Wedekind mit drei Aufführungen statt. In Berlin traten sie mit Mitgliedern der Berliner Kammerspiele unter der Regie von Frank Wedekind vom 5. bis 29.9.1913 in 25 Vorstellungen auf. können sich aber noch zerschlagen. Wenn | wir in diesem Frühling noch einmal v/f/ortgehen, dann darf Dir Tilly vielleicht derweil die Kinder bringenFür das Wiener Gastspiel brachte Tilly Wedekinds Schwester Martha Newes die Kinder nach Lenzburg: „Martha bringt die Kinder nach Lenzburg Fahr nach Wien.“ [Tb 3.6.1913] Nach Beendigung des Gastspiels fuhr Tilly Wedekind dann für einen Monat nach Lenzburg (s. u.).. Beide Angelegenheiten, Berlin und Wien müssen sich in den nächsten acht Tagen entscheiden.

Heute am 8. Main hast Du wohl wieder Das Haus voll Gäste. Annapamela erzählte mir, s/w/ie schön es an Deinem letztz/j/ährigen GeburtstagIm Vorjahr hatte Tilly Wedekind die beiden Töchter am 29.4.1912 nach Lenzburg gebracht und war am 2.5.1912 von Lenzburg zu einem Gastspiel nach Stuttgart gefahren, wo Frank Wedekind sich schon aufhielt. Nach verschiedenen Gastspielverpflichtungen fuhr sie am 20.6.1912 wieder nach Lenzburg und kehrte am 15.7.1912 schließlich mit den Kindern wieder nach München zurück [vgl. Tb]. war. Zu Mittag trinken wir auf Deine Gesundheit und wünschen Dir von ganzem Herzen alles Gute und Liebe.

Mit den besten Wünschen und schönsten Grüßen auch an Deine lieben Gäste
Dein Dankbarer Sohn
Frank.


6.5.13.


Meine liebe, gute Mama,

auch ich wünsche Dir von ganzem Herzen zu Deinem 73. Geburtstag das Beste! Gebe Gott, dass Du diesen Tag noch viele Jahre bei so guter Gesundheit feiern kannst, und wir noch recht oft die liebe Großmutter in Lenzburg besuchen können!

Voriges Jahr hattest Du ja schon um die Zeit die Kinder bei Dir. Über unsere nächsten Pläne habe ich Dir ja in meinem letzten BriefDie Korrespondenz zwischen Tilly und Emilie Wedekind ist nicht überliefert. geschrieben, u. sind sie bis jetzt nicht klarer geworden. Also hoffentlich auf Wiedersehen im HerbstTilly Wedekind reiste bereits am 14.6.1913 nach Lenzburg und fuhr am 16.7.1913 mit ihrem Mann zurück nach München [vgl. Tb].! Ich wünsche Euch zum 8. V. recht schönes Wetter im Steinbrüchli. Hoch liebeSchreibversehen, statt: lebe. unsre liebe Großmama!

Tausend Küsse von den Kindern!

In treuer Liebe umarmt Dich, Deine Tilly


[Kuvert:]

I. H.
Frau Dr. Emilie Wedekind
im Steinbrüchli
Lenzburg
Schweiz.
Ct. Aargau

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