Briefwechsel

Weigert, August und Wedekind, Frank

2 Dokumente

Charlottenburg, 13. Februar 1913 (Donnerstag)
von Weigert, August
an Wedekind, Frank

13/II 13


Lieber Frank!

Ich lese eben zu Wiederholtenmalen von Deinem Ensemble-Gastspiel im AuslandAugust Weigert bezieht sich auf eine in mehreren Tageszeitungen veröffentlichte Notiz, die für den April ein solches Gastspiel Wedekinds in Stockholm ankündigte, dabei Tilla Durieux nannte, nicht aber Albert Steinrück: „Frank Wedekind wird im April in Stockholm mit einer eigenen Truppe, der auch Frau Tylla Durieux angehört, Gastspiele veranstalten. Zur Aufführung gelangen: ‚Erdgeist‘ von Wedekind, ‚Hedda Gabler‘ und ‚Rosmersholm‘ von Ibsen und Strindbergs ‚Totentanz‘.“ [Wiener Zeitung, Nr. 32, 7.2.1913, S. 6; vgl. Neues Wiener Tagblatt, Jg. 47, Nr. 40, 10.2.1913, S. 14] „Frank Wedekind wird im April in Stockholm mit einer eigenen Truppe, darunter Tilla Durieux aus Berlin, eine Reihe von Gastspielen veranstalten, mit seinem Drama Der Erdgeist, und mit Hedda Gabler, Rosmersholm und Totentanz.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 66, Nr. 68, 7.2.1913, Vorabendblatt, S. 2] Dabei wurde Tilla Durieux auch mit Tilly Wedekind verwechselt: „Frank Wedekind wird in Stockholm im April mit einer eigenen ausgewählten Truppe, darunter Tilli Wedekind, eine Reihe Gastspiele veranstalten“ [Von den Bühnen. In: Hamburgischer Correspondent, Jg. 183, Nr. 67, 6.2.1913, Abend-Ausgabe, Beilage, S. 2]. Die Nachricht stamme aus Stockholm: „Frank Wedekind wird, wie der ‚Deutsche Tagesztg.‘ aus Stockholm gemeldet wird, dort im April mit einer eigenen Truppe, darunter Tilla Durieux, eine Reihe von Gastspielen veranstalten“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 63, 7.2.1913, Morgen-Ausgabe, S. 9]. Es handelte sich um eine Falschmeldung. Nach der Rückkehr von seinem Gastspiel in Prag nach München am 20.2.1913 blieb Wedekind bis zum Sommer in der Stadt, nur unterbrochen von einer Gastspielreise vom 2. bis 19.4.1913 nach Köln, Frankfurt am Main und Leipzig. und daß Steinrück und die Durieux diesem Ensemble angehören werden. Da ich nun im April auch frei bin ‒ könnte man da nicht mit dabei sein. Im März habe ich zwei GastspieleAugust Weigert, seinerzeit am Deutschen Schauspielhaus in Berlin engagiert [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 289], spielte in Wien im Rahmen eines literarischen Abends als Gastschauspieler die männliche Hauptrolle in einem von Josef Jarno inszenierten Stück (Franz Dülbergs „Korallenkettlin“) im Theater in der Josefstadt [vgl. Neues Wiener Journal, Jg. 21, Nr. 6975, 26.3.1913, S. 9]. Premiere war am 26.3.1913, eine zweite Vorstellung gab es am 28.3.1913. bei Jarno in Wien, aber im April würde ich zu Deiner Verfügung stehen und mich riesig freuen, wenn Du Verwendung für mich hättest. Sollte das der Fall sein, so bitte ich Dich um | gefällige Nachricht.

Viele Grüße
Dein
Aug. Weigert.


Charlottenburg, Waitzstr. 20.

Einzelstellenkommentare

München, 14. August 1916 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Marlé, Arnold, Auzinger, Theodor, Münchner Bühnenklub, (Verein), Marx, Paul, Weigert, August

München 14.8.16.


An den
Münchner Bühnenklub
München.


Sehr verehrte Herrenwohl die vier offiziell verzeichneten Vorstandsmitglieder des Münchner Bühnenklubs (Klubheim: Kanalstraße 42): der Präsident August Weigert, die Vizepräsidenten Arnold Marlé und Paul Marx sowie der Kassenwart Theodor Auzinger [vgl. Adreßbuch für München 1917, Teil III, S. 173]. August Weigert, Paul Marx und Theodor Auzinger waren Schauspieler am Münchner Schauspielhaus [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 505], Arnold Marlé Schauspieler an den Münchner Kammerspielen [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 504].!

Aus den mir gütigst zugesandten SatzungenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Münchner Bühnenklub an Wedekind, 7.8.1916. des Münchner Bühnenklubs ersehe ich eben d/ie/ Höhe des Eintrittsgeldes und Jahresbeitrages. Darf ich Ihnen offen gestehen, daß ich, als ich am 5 dieses um die Ehre batHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Münchner Bühnenklub, 5.8.1916., in Ihren geehrten Klub auf|genommen zu werden, mit einer geringeren Ausgabe gerechnet hatte. Natürlich kann es mir gar nicht einfallen den Beitrag für das was der Bühnenklub seinen Mitgliedern bietet, zu hoch zu finden. Nur bin ich schon Mitglied eines Klubs‚Klub‘ war die Bezeichnung für die Deutsche Gesellschaft 1914 in Berlin, deren Mitglied Wedekind war. in Berlin, in dem ich die gleichen Beiträge zahle, und Mitglied zweier Klubs zu sein, ist ein Luxus, den mir die Zeiten nicht erlauben. Darf ich Sie daher bitten, für Ihr gastfreundliches Entgegenkommen aufrichtigen herzlichen Dank entgegenzunehmen, aber meine Aufnahme in Ihren KlubWedekind dürfte früher oder später Mitglied im Münchner Bühnenklub – ihm „gehören bisher über 60 ordentliche Mitglieder von allen Münchner Theatern an“ [Das neue Heim des Münchner Bühnenklubs. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 413, 18.8.1916, S. 4] – geworden sein, den er dem Tagebuch zufolge häufig aufsuchte, so am 26.8.1916 („Zu Hause zu Abend gegessen Dann im Bühnenklub“), 2.9.1916 („im Bühnenklub“), 6.9.1916 („Bühnenklub“), 13.9.1916 („Dann Bühnenklub“), 14.9.1916 („Bühnenklub“), 15.9.1916 („Nachher Bühnenklub“), 5.10.1916 („Bühnenklub mit Sinsheimer und Bruno Frank“), 8.10.1916 („Mit Langheinrich im Bühnenklub“), 10.10.1916 („Bühnenklub mit Friedenthal“), 11.10.1916 („Bühnenklub mit Dr. Sinsheimer“), 15.10.1916 („Bühnenklub“), 16.10.1916 („Bühnenklub mit Friedenthal“), 20.10.1916 („Bühnenklub Dr. Stephan“) und 21.10.1916 („Nachher Bühnenklub“). Wedekind hielt im Münchner Bühnenklub am 10.2.1918 um 17 Uhr eine seine letzten Lesungen: „5 Uhr liest Frank Wedekind im Bühnenklub, Kanalstraße 42, Szenen aus ‚Bismarck‘.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 71, Nr. 74, 10.2.1918, S. 3], dem ich gern und mit Freude angehören | werde, wenn meine Verhältnisse geordneter sind, einstweilen noch zu verschieben.

Zu der schönen Schöpfungim Sinne von Gründung, über die Wedekind wohl gut informiert war; er notierte am 20.5.1916: „Bühnenklub mit Weigert e.ct.“ [Tb]. Die Presse hatte berichtet: „Ein Münchner Bühnen-Klub wurde hier von Bühnenmitgliedern der Münchner Theater gegründet. Der Klub bezweckt die Förderung der künstlerischen und gesellschaftlichen Interessen der Bühnenwelt in Bayern, für die er den Treff- und Sammelpunkt bilden soll. Zum Präsidenten wurde das Mitglied des Schauspielhauses August Weigert gewählt. [...] Die Klubräume, die an allen Nachmittagen und einigen Abenden in der Woche geöffnet sind, befinden sich Bruderstraße 2.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 251, 17.5.1916, Abend-Ausgabe, S. 4] Drei Monate später wurden neue Klubräume bezogen (in der Kanalstraße 42): „Ein reizendes Heim, so recht zum Rasten und zu froher Unterhaltung geeignet, hat sich in der Kanalstraße der junge Münchner Bühnenklub geschaffen, ein Heim, das einen Treff- und Sammelpunkt aller Theaterangehörigen von Bayern bilden will. Man hätte für diese Zwecke kaum ein geeigneteres Heim gefunden, nur ein paar Schritte seitab von einer der verkehrsreichsten und vornehmsten Straßen, so direkt ‚zwischen den Theatern‘ und doch nicht ohne jene Einsamkeit, die der Erholung nötig ist. Und zur günstigen Lage gesellt sich die vornehme, intime Anordnung der Zimmer in dem Altmünchner Patrizierhaus, das eine Reihe lauschiger Räume hat und – das ist ein besonderer Reiz des Hauses – eines hübschen stillen Gartens nicht entbehrt. [...] Das Erdgeschoß enthält ein Lesezimmer in Violett, ein Gesellschafts-Speisezimmer in Blaugrün mit Ausgang auf den Garten; im ersten Stock findet man den sehr repräsentativ in Purpur und Gold gehaltenen Empire-Festsaal mit Möbeln, die aus jener alten Zeit stammen, und das intime altdeutsche Kneipzimmer. Ein lichtes Billardzimmer in Grün und Weiß, zwei kleine Spielzimmer und der Raum für die Vorstandschaft füllen den zweiten Stock.“ [Das neue Heim des Münchner Bühnenklubs. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 413, 18.8.1916, S. 4] des Münchner Bühnenklubs, mit der Sie dem Kunstleben Münchens einen so große Wohltat und Bereicherung angedeihen lassen, bitte ich Sie, meine verehrten Herren, die aufrichtigsten Glückwünsche entgegennehmen zu wollen.

In ausgezeichneter Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare