Briefwechsel

Wedekind, Frank und Newes, Dagobert

9 Dokumente

Graz, 12. Dezember 1906 (Mittwoch)
von Newes, Mathilde, Newes, Rudolf, Newes, Eduard, Newes, Dora, Newes, Dagobert, Newes, Karl, Newes, Martha und Newes, Paula
an Wedekind, Frank, Wedekind, Tilly

frank und tilly wedekind berlin
kurfuersten strasse 125=


Telegraphie des Deutschen Reiches.
Berlin, Haupt-Telegraphenamt.


Telegramm [...] graz [...]


viele herzliche glueckwuensche senden hocherfreut groszeltern Großeltern der am 12.12.1906 „um 8 Uhr“ [Tb] früh in Berlin gerade auf die Welt gekommenen Pamela Wedekind waren Mathilde und Eduard Newes in Graz.u geschwisternTilly Wedekinds Geschwister waren Dora, Paula, Rudolf, Dagobert, Karl und Martha Newes..

Einzelstellenkommentare

Graz, 22. Dezember 1906 (Samstag)
von Newes, Eduard, Newes, Mathilde und Newes, Dagobert
an Wedekind, Frank

Graz den 22. Dezbr 1906


Mein lieber Frank!

Recht innig freute uns Allen Dein liebes Schreibenvgl. Wedekind an Eduard Newes, 14.12.1906.. Wir danken Dir von ganzen Herzen, daß Du unserer Tilly so viel Sorgfalt widmest und ihr so viel Liebe entgegen bringst. Wir sind ganz glücklich, daß Tilly Deine Frau geworden ist und können über ihre Zukunft beruhigt sein. Aber auch Tilly hat Dich lieb, alle ihre Briefe sagen uns das mit beredten Worten. Es schmerzt mich nur das eine, daß ich mit so gebundenen Händen dastehe und so gar nichts für Euch thun kann. Tilly kann und wird Dir bestätigen, daß ich gerne gebe, aber leider es ist Ebbe in jeder Richtung. Ihr müßt Euch also mit meiner väterlichen Liebe begnügen. Es vergeht keine Minute in welcher ich nicht an Euch denke, Euer Glück ist auch mein Glück, Gott erhalte Euch dasselbe, Gott segne Euch. Das kleine Aenchen wird das Band der Liebe und Treue fester knüpfen. Wie würde ich mich freuen, wenn ich das kleine Engelchen an mein Herz drücken könnte. Ich habe Kinder überhaupt lieb um so mehr mein Enkelkind.
./. |

Wie schön wäre es, wenn Ihr so alle drei die Feiertage bei uns zubringen könntet. Es kann halt nicht sein, im Gedanken werden wir ohnedem beisammen sein. Also fröhliche Weihnachten und ein recht glückliches neues Jahr!

Bertl hat gestern den ersten SternSchulterabzeichen für den Dienstgrad Leutnant. Tilly Wedekinds Bruder Dagobert Newes war Ende des vorigen Jahres zum Leutnant der Reserve ernannt worden [vgl. Das Neujahrsavancement. In: Neues Wiener Tagblatt, Jg. 45, Nr. 358, 30.12.1911, S. 20]. bekommen, ist Papa (verbessert) Bertl nicht wenig stolz darauf. Rudolf kommt morgen auf 2 Tage nach Hause, Urlaub für den einen Tag erhält er nicht, sonst hätte er 4 Tage hier sein können.

Lebt wohl. Seit herzlichst gegrüßt und geküßt zu Dreien
von
Eueren
treuen Großpapa


Meine lieben Kinder!

Ich kann mich nur in Allem Papa anschließen! Gott erhalte Euch Euer Eheglück und Euer geliebtes Kind! Eben gehen wir mit Dora hinaus Lenerl den Christbaum anzünden! Gott mit Euch. Es umarmt Euch innigst alle Drei.

Mutting.


Wir freuen uns alle riesig über die guten Nachrichten von der jungen Mutter; verbringt die Weihnacht gut u. feiert frohen Einzug ins kommende Jahr.

Dies wünscht Euch herzlichst Euer Bertl.

Einzelstellenkommentare

Graz, 23. Juli 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Mathilde, Newes, Eduard, Newes, Dora, Newes, Lene, Newes, Martha und Newes, Dagobert
an Wedekind, Frank

Postkarte
Carte postale ‒ Cartolina postale


Nur für die Adresse


Herrn
Frank Wedekind
München
Hotel Leinfelder


Schreibraum


28.23./7.07.


Liebster Frank, damit Du eine Vorstellung von unserm Aufenthalt bekommst, sende ich Dir diese Ansicht. Nur wohnen wir auf der andern Seite des Berges. Herzlichst Tilly


herzl. Gruß Bertl.


Herzliche Grüsse
Mama.


Graz.
Blick vom Schlossberg auf den Rosenberg.

Papa |


Herzlichste Grüße
Dora


Lenerl


Martha.

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Graz, 23. Juli 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Karl, Newes, Dagobert, Newes, Eduard, Newes, Mathilde, Wedekind, Pamela, Newes, Rudolf, Newes, Martha und Newes, Dora
an Wedekind, Frank

Telegramm.

[...]


frank wedekind muenchen
hotel leinfelder = |


Königlich Bayerische Telegraphenanstalt München.

Aufgegeben in Graz [...]


vom ganzen herzen wuenschenGlückwünsche zu Wedekinds 43. Geburtstag am 24.7.1907. alles liebe u gute = lylliÜbertragungsfehler, statt: tilly. anna pamela und familie newes

Einzelstellenkommentare

Wien, 9. Juni 1908 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Martha, Newes, Dagobert, Newes, Rudolf, Newes, Mathilde, Newes, Eduard, Newes, Karl und Newes, Dora
an Wedekind, Frank

Tilly Wedekind-Newes
und
Familie NewesEltern und Geschwister von Tilly Wedekind (geb. Newes).

Einzelstellenkommentare

München, 28. März 1910 (Montag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Dagobert und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Hôtel Konradshöhe
Bayerbrunn.


POSTKARTE


Herrn
Frank Wedekind
DarmstadtWedekind reiste dem Tagebuch zufolge am 28.3.1910 (Ostermontag) ab nach Darmstadt („Tilly bringt mich zur Bahn. Fahrt nach Darmstadt“), von dort am 30.3.1910 weiter nach Berlin („Fahrt nach Berlin. Abends im Habsburger Hof“).
Hotel KronprinzWedekind hatte sich im Namen des Hotels vertan [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 29.3.1910] (und seine Frau falsch informiert), was zu Verzögerungen in der Postzustellung der vorliegenden Bildpostkarte und weiterer Korrespondenzstücke seiner Frau an ihn führte; gemeint war das Hotel Zum Prinzen Karl (Karlstraße 1) [vgl. Adreßbuch der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt für 1910, Teil V, S. 557], in dem er aber dann in Darmstadt doch nicht logierte, sondern im Hotel Britannia (Rheinstraße 35).


[um 90 Grad gedreht:]

Wenn verreist, bitte nachsenden:
Berlin, Habsburger Hof, Anhalter Bahnhof.


Mein lieber Frank, Vormittag giengen wir von Höllriegels KreuthHöllriegelskreuth „war seit 1891 per Eisenbahn von München aus erreichbar.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 134] Die Konradshöhe in Baierbrunn lag etwa 3 Kilometer südlich davon. nach Konrads Höhe aßen daim Restaurant des Hotels Konradshöhe (Motiv auf der Bildseite der Bildpostkarte)., u. giengen jetzt wieder zurück. Herzlichste Grüße. Deine Tilly u. Anna Pamela

herzlichsten Gruß u. nochmals vielSchreibversehen, statt: vielen. Dank. Dein ergebener BertlTilly Wedekinds Bruder Dagobert Newes war vom 25. bis 28.3.1910 zu Besuch in München [vgl. Vinçon 2018, Bd. 2, S. 134].. |


Isartal. Hôtel Konradshöhe, 620 m. ü. M.
Bayerbrunn.

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Berlin, 18. Mai 1911 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Newes, Dagobert

Lieber Bertl! Kommst Du vielleicht heute Abendam 18.5.1911, an dem Wedekind notierte: „Bertl holt mich ab wir treffen bei Frederich mit Cassirer und Zawrel zusammen.“ [Tb] Sein Schwager hat ihn im Hotel Habsburger Hof (Askanischer Platz 1) am Anhalter Bahnhof abgeholt und er verbrachte den Abend dann mit ihm, Paul Cassirer und František Zavřel in der Weinstube A. Frederich (Potsdamerstraße 12). Wedekind war den nächsten Abend wieder mit Dagobert Newes zusammen, wie er am 19.5.1911 notierte: „Bertel holt mich zum Abendessen.“ [Tb] um 9um 21 Uhr. zu mir ins Hotel HabsburgSchreibversehen, statt: Habsburger (das Hotel hieß Habsburger Hof Anhalter Bahnhof. Wir könnten dann zusammen | ausgehen, wenn Du nicht kommst bitte zu telephonieren

Frank Wedekind

Herzlichst DinSchreibversehen, statt: Dein. Frank.


Prinzeregentenstrasse 50

Einzelstellenkommentare

München, 22. April 1916 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Newes, Dagobert
an Wedekind, Frank

Samstagder 22.4.1916. abends.


Innigst geliebter Frank,

herzlichsten Dank für Deine liebe Kartevgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 21.4.1916. von gestern. Ich denke wegen des BildesLida von Wedell sollte Tilly Wedekind porträtierten – die Sitzungen fanden dem Tagebuch zufolge am 2.5.1916 („Lydia von Wedel macht Zeichnung von Tilly“) und 3.5.1916 („Die B. Wedel zeichnet Tilly“) statt. ist die Sache nun aufgeklärt. Das neulich war nur eine gesellschaftliche Zusammenkunftder Abend des 20.4.1916, an dem Lida von Wedell, ihre Mutter Katharina Weimann sowie Erna und Ludwig Pariser mit ihrer Tochter Agnes Pariser bei Tilly Wedekind zu Gast waren [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 21.4.1916 (Brief)].. Zu den Sitzungen müsste die Baronin doch sicher eine Woche täglich kommen. Dazu hatte ich jetzt keine Zeit. Denn, besonders wenn Du nicht hier bist können die Mädchen„die Hausangestellten“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 290] Anna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125], und Franziska, die „Haushaltshilfe“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 285]. die Wäsche allein machen, nur muss ich dann eben die Kinder bei mir haben. Hoffentlich können wir nächste Woche anfangen. |

Heut Vormittag kam BertlWedekinds Schwager Dagobert Newes traf am 22.4.1916 vormittags bei seiner Schwester ein und blieb bis zum 28.4.1916 zu Besuch in München [vgl. Tb]. u. ich freu mich sehr mit ihm zusammen zu sein. Wann fährst Du nach Dresden? Innigsten Kuss
Deine Tilly


Herzlichsten Gruß, lieber Frank von Deinem ergebenen Bertl, der sich in Eurem Heim wieder unendlich wohl fühlt.


Abs: Wedekind München.
Prinzregentenstr. 50

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn
Frank Wedekind
Berlin W.
Eden Hotel.
b./ Zoologischem Garten.

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München, 26. Oktober 1916 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Newes, Dagobert

Lieber Bertl! Zu meinem großen Bedauern muß ich dich darum bitten, deine Schwester MarthaWedekind hat in der hier zur Debatte stehenden Angelegenheit bereits an seine Schwägerin geschrieben [vgl. Wedekind an Martha Newes, 23.10.1916], die als Schauspielerin am Deutschen Landestheater in Prag engagiert war [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 530], aber häufig München besuchte, wo ihre Schwester Tilly Wedekind lebte. darum ersuchen zu wollen, daß Sie mir nicht auf Schritt und Tritt ihre Liebhaber Geliebten in den Weg schickt. Deine Schwester kann tun und lassen was S/s/ie will, das geht mich nichts an, solange ich nicht darunter zu leiden habe. Ich kann aber in kein Theater mehrHans Carl Müller, der Freund und spätere Gatte von Wedekinds Schwägerin Martha Newes, war als Schauspieler an den Münchner Kammerspielen engagiert [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 604]. Wedekind dürfte ihm dort am 21.10.1916 im Zusammenhang mit der „Marquis von Keith Vorstellung“ [Tb] begegnet sein ‒ das war die im Theaterprogramm angezeigte „Abend-Vorstellung Gastspiel Frank und Tilly Wedekind. Der Marquis von Keith“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 537, 21.10.1916, General-Anzeiger, S. 2] mit Wedekind in der Titelrolle und seiner Frau in der Rolle der Anna um 19.30 Uhr (Ende: 22.30 Uhr). Ob er ihn aktuell am 26.10.1926 im Publikum der Münchner Kleinbühne Bonbonniere bei der geschlossenen „Vorstellung von Tod und Teufel“ [Tb], bei der Frank und Tilly Wedekind wiederum zusammen spielten, wahrgenommen und den vorliegenden Briefentwurf im Anschluss daran geschrieben hat, ist unklar. kommen ohne einen Liebhaber Geliebten deiner Schwester darin vorzufinden. Wie du weißt spiele ich in meinen Stücken mit meiner Frau zusammen. Dabei aber regelmäßig auch noch mit irgend einem illegitimen SchwagerMartha Newes heiratete Hans Carl Müller im Jahr darauf am 26.7.1917. meiner | Frau zusammenspielen zu sollen das ist eine Familien-Schmiere die ich nicht länger ertrage. Deine beiden SchwesternMartha Newes und Tilly Wedekind. sind dank ihrer Erziehung leider vollkommen außerstande einzusehen, daß mir solche Verhältnisse ekelhaft und unerträglich sind.

Wenn du irgendwelchen Wert darauf legst, daß deine Schwester auch meine Frau bleibt, dann bitte ich dich das Deinige dafür zu thun, daß ich von den Liebhabern Geliebten deiner Schwester Martha in Zukunft ungeschoren bleibe.

Mit besten Grüßen
bißweilen noch dein Schwager
FrW.

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