Briefwechsel

Wedekind, Frank und Andreas-Salomé, Lou

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Paris, 3. August 1894 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Andreas-Salomé, Lou

Hochgeehrte Fraumöglicherweise Lou Andreas-Salomé, die Wedekind „nach seiner Rückkehr aus London im Juni 1894“ [KSA 5/III, S. 641] ihren Lebenserinnerungen zufolge in Paris bei Emmy de Nemethy kennengelernt hat: „Fast am meisten bin ich in Paris mit Frank Wedekind zusammen gewesen [...], nachdem wir uns bei der ungarischen Gräfin Nemethy kennengelernt [...]. Am sichersten übrigens traf man ihn in den Cafés des Quartier Latin [...]. Doch auch anderswo war Frank Wedekind zu treffen, z.B. da, wo er mich nicht ohne Stolz und zu meiner großen Freude mitnahm und wo er ganze Abende verbrachte: in dem ärmlichen Stübchen im ärmsten Paris, bei […] Georg Herweghs Witwe, die an Wassersucht litt und der er das sorgfältig gewählte Nachtmahl mitbrachte.“ [Pfeiffer 1979, S. 100] Wedekind hat ihren Namen am 4.8.1897 in Berlin in den Notizen [Nb 5, Blatt 7r] zu seinem Projekt „Parthenon. Compendium Universalhandbuch der Frauenkunde“ unter den Schriftstellerinnen notiert [vgl. KSA 5/II, S. 150].

Glauben Sie nicht, daß Sie mich täuschen können. Aber ich muß die Demütigungvermutlich galant formuliert im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Dramenprojekt. Lou Andreas-Salomé hat in „ihren kurzen Tagesnotizen aus der Pariser Zeit“ dazu Begegnungen mit Wedekind am 28.7.1894 („Wedekind bei mir, im Palais Royal gemeinsames Drama besprochen“) und 4.8.1894 („Abends Wedekind zum Drama hier“) vermerkt, dann nur noch „von ihrer eigenen Arbeit an diesem Drama“ gesprochen: „In Paris liest sie es russischen Bekannten vor [...]. Näheres über die Arbeit (auch die anfängliche Zusammenarbeit mit Wedekind) ist nicht bekannt. Das Stück ist nicht erhalten.“ [Pfeiffer 1979, S. 259] über mich ergehen lassen. Ich werde also zur Stelle seinwohl zu dem Treffen am 4.8.1894, das Lou Andreas-Salomé für den Abend notierte: „Abends Wedekind zum Drama hier.“ [Pfeiffer 1979, S. 259].

Mit ergebenstem Gruß
Frank Wedekind

Einzelstellenkommentare

Paris, 5. August 1894 (Sonntag)
von Andreas-Salomé, Lou
an Wedekind, Frank

Gruß aus dem russischen FrühlingserwachenZusammenhang nicht ermittelt; möglicherweise eine den Titel der Kindertragödie „Frühlings Erwachen“ (1891) aufgreifende Anspielung auf das gemeinsam mit Wedekind konzipierte Drama Lou Andreas-Salomés in Verbindung mit der „russischen Kolonie“ [Pfeiffer 1979, S. 102], in der die in Russland geborene Schriftstellerin in Paris verkehrte. Lou Andreas-Salomé hat in „ihren kurzen Tagesnotizen aus der Pariser Zeit“ dazu Begegnungen mit Wedekind am 28.7.1894 („Wedekind bei mir, im Palais Royal gemeinsames Drama besprochen“) und 4.8.1894 („Abends Wedekind zum Drama hier“) vermerkt, dann nur noch „von ihrer eigenen Arbeit an diesem Drama“ gesprochen: „In Paris liest sie es russischen Bekannten vor [...]. Näheres über die Arbeit (auch die anfängliche Zusammenarbeit mit Wedekind) ist nicht bekannt. Das Stück ist nicht erhalten.“ [Pfeiffer 1979, S. 259] Sie hat später Max Reinhardts Inszenierung von „Frühlings Erwachen“ (Uraufführung: 20.11.1906) in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu Berlin rezensiert [vgl. Lou Andreas-Salomé: Frühlings Erwachen. In: Die Zukunft, Jg. 15, Nr. 16, 19.1.1907, S.97-100].!
L. AS.Lou Andreas-Salomé lernte Wedekind „nach seiner Rückkehr aus London im Juni 1894“ [KSA 5/III, S. 641] ihren Lebenserinnerungen zufolge in Paris bei Emmy de Nemethy kennen: „Fast am meisten bin ich in Paris mit Frank Wedekind zusammen gewesen [...], nachdem wir uns bei der ungarischen Gräfin Nemethy kennengelernt [...]. Am sichersten übrigens traf man ihn in den Cafés des Quartier Latin [...]. Doch auch anderswo war Frank Wedekind zu treffen, z.B. da, wo er mich nicht ohne Stolz und zu meiner großen Freude mitnahm und wo er ganze Abende verbrachte: in dem ärmlichen Stübchen im ärmsten Paris, bei […] Georg Herweghs Witwe, die an Wassersucht litt und der er das sorgfältig gewählte Nachtmahl mitbrachte.“ [Pfeiffer 1979, S. 100] Wedekind und Lou Andreas-Salomé haben sich in späteren Jahren in München – „zu Geselligkeit kam es in Schwabinger Winkeln. Unter den zugezogenen Bekannten ‒ [...] Max Halbe, Frank Wedekind, der Langen-Verlag, später Björnsons [...] der damals schon erblindende Graf Eduard Keyserling“ [Pfeiffer 1979, S. 110] – und in Berlin – Wedekinds Tagebuch zufolge am 7.12.1906 („Mit Lou Andreas Salomee nach Hause gefahren“), 14.12.1906 („Adele Sandrock und Lou Andreas Salomé besuchen Tilly“), 27.2.1907 („Lou Andreas kommt zu uns“) und 30.10.1911 („Bahnhof Friedrichstraße. Fahrt nach Königsberg Lou Andreas Salomé“) [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 31.10.1911] – immer wieder gesehen.

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