Briefwechsel

Wedekind, Frank und Schmidt, Carl Hermann (Expeditus)

4 Dokumente

München, 11. September 1907 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Schmidt, Carl Hermann

[1. Entwurf:]


Dr P. Expeditus Schmidt
BibliothekarDr. phil. Pater Expeditus Schmidt (d.i. Carl Hermann Schmidt) im Franziskanerkloster St. Anna (St. Annastraße 12) war aktuell als Bibliothekar ausgewiesen [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 520; Teil II, S. 36], während er früher als Lektor und Bibliothekar ausgewiesen war [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1906, Teil I, S. 480; Teil II, S. 34]. O.S F.

‒‒‒

Franziskanerkloster
(Lehel)
München


Ew Hochwürden!

Wollten Sie die Güte haben mir eine Stunde zu bezeichnen, in der ich mit Ihnen über DingeWedekind suchte den Kontakt mit dem Franziskanermönch, um sich im Zusammenhang mit seinem entstehenden Einakter „Die Zensur“ (um diese Zeit noch unter dem Arbeitstitel „Das Kostüm“) Rat zu holen. Es kam zu der gewünschten Unterredung, die sich über drei Tage erstreckte (siehe unten). „Inhalt dieser Gespräche waren vermutlich sowohl religiöse Fragestellungen als auch das Thema Zensur.“ [KSA 6, S. 827] sprechen darf,


[2. Entwurf:]


Ew. Hochwürden!

Sehr geehrter Herr Doctor!

Wollen Sie mir die Ehre geben/erlauben/ mich Ihnen durch beiliegendes Buchnicht ermittelt. vorzustellen und dabei die Bitte auszusprechen, ob es Ihnen möglich wäre mich zu einer kurzen AusspracheNachdem die Antwort des Franziskanermönchs auf die vorliegende Anfrage am 21.9.1907 bei Wedekind eingegangen war [vgl. Carl Hermann Schmidt an Wedekind, 20.9.1907], traf sich Wedekind dem Tagebuch zufolge mit ihm am 23.9.1907 („Besuch bei Pater Expeditus“), 24.9.1907 („Pater Expeditus“) und 26.9.1907 („Besuch bei Pater Expeditus in seiner Zelle“). zu empfangen. Es handelt sich nicht um Einfluß oder Verwendung sondern um Rat den Ew. Hochwürden mir gütigst ertheilen wollten nachdem Herr Mathieu Lützenkirchen vom HoftheaterPater Expeditus „stand in engem Kontakt mit dem Münchner Hoftheater“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 66], wie die Referenz auf den angesehenen Hofschauspieler Mathieu Lützenkirchen zeigt, der am Königlichen Hof- und Nationaltheater in München seinerzeit nicht nur als Schauspieler im Ensemble war, sondern auch als Regisseur [vgl. Neuer Theater-Almanach 1907, S. 508f.]. mir ans Herz gelegt hat mich an Sie, Herr Doctor zu wenden.

In größter Hochschätzung
Ew. Hochwürden ergebener
Frank Wedekind


Amalienstraße 86.II.

Einzelstellenkommentare

München, 20. September 1907 (Freitag)
von Schmidt, Carl Hermann
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Tilly Wedekind vom 21.9.1907 aus München:]


Pater Expeditus [...]. Er hat mir eben geschrieben.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 17. November 1907 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Schmidt, Carl Hermann

Sehr geehrter Herr Doctor!schon einmal exakt so verwendete Anrede: „Sehr geehrter Herr Doctor!“ [Wedekind an Carl Hermann Schmidt, 11.9.1907] Dr. phil. Pater Expeditus Schmidt (Carl Hermann Schmidt), theateraffiner Bibliothekar im Franziskanerkloster St. Anna in München und „in engem Kontakt mit dem Münchner Hoftheater“ [Vinçon 2018, Band 2, S. 66], ist dem Briefinhalt zufolge der Adressat des vorliegenden Briefes.

Heute ist Sonntag und die Post geschlossen. Morgen werde ich Ihnen das Stück zuschickenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben; erschlossenes Korrespondentstück: Wedekind an Carl Hermann Schmidt, 18.11.1907. Wedekind hatte den Kontakt mit dem Pater gesucht [vgl. Wedekind an Carl Hermann Schmidt, 11.9.1907], um sich im Zusammenhang mit seinem entstehenden Einakter „Die Zensur“ Rat zu holen (die gewünschte Unterredung mit ihm über das Stück fand am 23.9.1907, 24.9.1907 und 26.9.1907 in München statt). Nachdem Wedekind am 19.10.1907 in Frankfurt am Main „Zensur fertig geschrieben“ [Tb] hat, dürfte er Carl Hermann Schmidt am 18.11.1907 aus Berlin eine nicht überlieferte Abschrift seines vorläufig fertigen Manuskripts geschickt haben, an dem er noch weiter arbeitete und erst am 3.12.1907 „Zensur endgültig abgeschlossen“ [Tb] hat. Er sandte die Druckvorlage dann an den Chefredakteur der Wochenschrift „Morgen“ [vgl. Wedekind an Artur Landsberger, 4.1.1908], wo das Stück im Erstdruck erschien [vgl. Frank Wedekind: Die Zensur. Theodicee in drei Szenen. In: Morgen, Jg. 2, Nr. 3, 17.1.1908, S. 82-87, Nr. 4, 24.1.1908, S. 108-114].. Mit Reinhardt zu sprechenWedekind hatte Max Reinhardt zuletzt am 27.10.1907 getroffen: „Besuch bei Reinhart.“ [Tb] hatte ich bis jetzt keine Gelegenheit, da wir seit meinem hierseinWedekind war nach einem längeren Aufenthalt in München am 3.10.1907 zurück nach Berlin gereist [vgl. Tb], seinem Wohnort. Seitdem hatte er lediglich vom 17. bis 21.10.1907 eine kleine Reise nach Frankfurt am Main unternommen und war am 22.10.1907 wieder in Berlin [vgl. Tb]. in fortgesetzten ConflictenIm Herbst 1907 begannen Streitigkeiten um Vertragsangelegenheiten zwischen Wedekind und Max Reinhardt, dem Direktor des Deutschen Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1908, S. 258], die sich im Jahr darauf zuspitzten [vgl. Deutsches Theater zu Berlin, Max Reinhardt an Wedekind, 25.10.1908], nachdem Wedekind über die Konfliktlage ein Reinhardt-„Tagebuch“ [KSA 5/II, S. 278-281; vgl. 5/III, S. 695-702] an Personen im Umkreis des Deutschen Theaters verschickt hatte [vgl. Wedekind an Fritz Andreae, 17.10.1908; Wedekind an Maximilian Harden, 17.10.1908; Wedekind an Emmy Loewenfeld, 17.10.1908; Wedekind an Hermann Rosenberg, 17.10.1908; Wedekind an Robert von Mendelssohn, 17.10.1908; Wedekind an Walther Rathenau, 17.10.1908; Wedekind an Paul Cassirer, 17.10.1908]. leben. Ich freue mich sehr auf Ihren VortragCarl Hermann Schmidts Vortrag fand am 12.12.1907 um 20 Uhr im Choralionsaal in Berlin (Bellevuestraße 4) statt. Die Presse meldete: „Im Choralion-Saal hält heute Abend 8 Uhr der Franziskanermönch Pater Expeditus Schmidt einen Vortrag über ‚Theater‘.“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 581, 12.12.1907, Morgen-Ausgabe, 2. Beilage, S. 9] Wedekind notierte für diesen Abend: „Vortrag des Pater Expeditus im Choralionsaal. Dr. Landsberger giebt ein Banket bei Kannenberg.“ [Tb] Artur Landsberger war als Chefredakteur des „Morgen“ (siehe unten) der Veranstalter des Vortrags, der zusammen mit einer Lesung Wedekinds angekündigt wurde: „Vorträge der Wochenschrift ‚Morgen‘“: „I. Montag“, den 9.12.1907 im Blüthnersaal „Frank Wedekind über Kunst und Moral. II. Donnerstag“, den 12.12.1907 im Choralionsaal „Franziskanermönch Dr. Pater Expeditus Schmidt über Theater.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 36, Nr. 597, 24.11.1907, Sonntags-Ausgabe, 6. Beiblatt, S. (1)]. Ich sprach hauptsächlich deshalb mit Dr. LandsbergerDr. jur. Artur Landsberger in Berlin (Lennéstraße 3), „Schriftleiter der Wochenschrift ‚Morgen‘ u. Geschäftsführer der Verlagsanstalt ‚Marquardt & Cie.‘“ [Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 1908, Teil II, Sp. 924], den Wedekind zuletzt am 23.10.1910 getroffen hat: „Landsberger [...] zum Café“ [Tb]. Die Wochenschrift „Morgen“, deren Chefredakteur Artur Landsberger war, veranstaltete auch Lesungen. So waren Wedekinds Lesung am 9.12.1907 und Carl Hermann Schmidts Vortrag am 12.12.1907 (siehe oben) zusammen angekündigt als „Vorträge der Wochenschrift ‚Morgen‘“ [Berliner Tageblatt, Jg. 36, Nr. 597, 24.11.1907, Sonntags-Ausgabe, 6. Beiblatt, S. (1)]., weil ich voraussetzte, daß materiell | mehr dabei resultieren würde als bei der TheaterschuleDer Vortrag des Paters sollte zuerst von der am 2.10.1905 eröffneten Schauspielschule des Deutschen Theaters (In den Zelten 21) [vgl. Berliner Adreßbuch 1908, Teil III, S. 908] veranstaltet werden, von der „Reinhardtschen Theaterschule“ [Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 23.9.1907], wie Wedekind seiner Frau mitgeteilt hatte, bevor die Wochenschrift „Morgen“ die Veranstaltung übernahm (siehe oben)..

In vorzüglicher Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind.


17.11.7.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 18. November 1907 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Schmidt, Carl Hermann

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Hermann Schmidt vom 17.11.1907 aus Berlin:]


Morgen werde ich Ihnen das Stück zuschicken.

Einzelstellenkommentare