Briefwechsel

Wedekind, Frank und Scholz, Wilhelm von

9 Dokumente

München, 1. Oktober 1896 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Scholz, Wilhelm von

FRANK WEDEKIND

TÜRKENSTRASSE 69Wedekinds Wohnung (im 2. Stock) in München, die er dem Meldebogen zufolge am 23.8.1896 bezog [vgl. EWK/PMB Wedekind].. |


Lieber Herr von Scholz ich bin allerdings im Bett aber nicht allein. Würden Sie meinem Mädchendem Haus- oder Zimmermädchen (nicht identifiziert). Ihre AdresseDer Student und Schriftsteller Wilhelm von Scholz, der Wedekind offenbar aufgesucht hat und von dem Haus- oder Zimmermädchen begrüßt wurde, das ihm Wedekinds Visitenkarte übergeben haben dürfte, wohnte in München (Werneckstraße 20, 2. Stock) [vgl. Amtliches Verzeichnis des Personals der Lehrer, Beamten und Studierenden an der königlich bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Sommer-Semester 1896, S. 97]. geben. Herzlichen Dank, ich bitte um Entschuldigung Ihr Fr.W.

Einzelstellenkommentare

München, 11. Oktober 1898 (Dienstag)
von Scholz, Wilhelm von
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Wilhelm von Scholz vom 12.10.1898 aus München:]


[...] den von Ihnen bezeichneten Aufführungen [...]

Einzelstellenkommentare

München, 12. Oktober 1898 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Scholz, Wilhelm von

Münchner Schauspielhaus
J. Georg Stollberg


Telefonruf 1274.

München, den 12 Oktober 1898.

Neuturmstrasse 1.


Sehr geehrter Herr DoctorDr. phil. Wilhelm von Scholz, Schriftsteller und Reserveleutnant in München (Kaulbachstraße 63a) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1899, Teil I, S. 497].,

zu den von Ihnen bezeichneten AufführungenHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Wilhelm von Scholz an Wedekind, 11.10.1898. – Welche Vorstellungen im Münchner Schauspielhaus Wilhelm von Scholz bezeichnet hat (und also besuchen wollte), ist nicht bekannt; neben dem aktuell laufenden Spielplan (etwa „Der Biberpelz“ von Gerhart Hauptmann am 17. oder 21.10.1898) war in der Presse angekündigt: „Am 12. Oktober geht das am Berliner königl. Schauspielhause mit bedeutendem Erfolg gegebene dreiaktige Charakterbild ‚Mutter Thiele‘ von Adolf L’Arronge in Szene. [...] Als nächste Novitäten sind die beiden Einakter ‚Lore‘ von Hartleben und ‚Die Gläubiger‘ von Strindberg in Aussicht genommen. Auch das Drama ‚Erdgeist‘ von Frank Wedekind, das von der Direktion zur Aufführung angenommen wurde, wird demnächst in Szene gehen.“ [Münchner Schauspielhaus. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 51, Nr. 469, 11.10.1898, Morgenblatt, S. 1] stehen Ihnen jederzeit Plätze zur Verfügung, selbstverständlich nur zu Ihrem persönlichen Gebrauch, und ersuchen wir SieWedekind, der am 22.8.1898 am Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg) nicht nur „als Dramaturg und Schauspieler unter Vertrag genommen“ [Vinçon 1987, S. 53] worden ist, sondern auch als Sekretär [vgl. Neuer Theater-Almanach 1899, S. 443], antwortete förmlich in dieser Funktion., zu dem Zwecke jeweilen nur Ihre Carteeine Visitenkarte. vormittags an der Casse abgeben zu wollen.

Hochachtungsvollst
Eur
Wedekind.


Herrn Dr. v. Scholz.

Einzelstellenkommentare

Hohenschäftlarn, 10. Januar 1909 (Sonntag)
von Scholz, Wilhelm von
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Bildpostkarte an Wilhelm von Scholz vom 11.1.1909 aus München:]


Ich bedauerte ebenfalls [...]

Einzelstellenkommentare

München, 11. Januar 1909 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Scholz, Wilhelm von

Herrn Wilhelm von Scholz
Hohenschäftlarn
im Isarthal


Verehrter Herr von Scholz!

Ihr VortragDie Presse hatte angekündigt: „Der nächste große Vortrags-Abend des Neuen Vereins findet Freitag, 8. Januar, Abends 8 Uhr im Hotel Russischer Hof statt. Wilhelm v. Scholz wird einen Vortrag mit dem Thema: ‚Das Drama‘ halten.“ [Vom Neuen Verein. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 62, Nr. 1, 1.1.1909, S. 2] Wedekind notierte am 8.1.1909: „Witzvortrag.“ [Tb] Hanns von Gumppenberg besprach den Vortragsabend: „Wilhelm v. Scholz [...] sprach über ‚Das Drama‘. Einleitend rechtfertigte er die Wahl eines so umfassenden Themas für die kurze Zeitspanne einer Rednerstunde damit, daß er seine persönlichsten Anschauungen über die Bühnenkunst just bei so elementarer Fassung des Gegenstandes am besten zum Ausdruck bringen könne; dann gab er eine ästhetisch-psychologische Analyse vom Wesen des Dramas, wobei er Punkt um Punkt aus den Erwartungen des Zuschauers vor Beginn einer Erstaufführung entwickelte. Er konstatierte auf diese Art die Notwendigkeit eines Vordergrund- Geschehens im weiteren Raum-Rahmen eines besonderen Milieus und im weitesten einer lebensvollen Weltvorstellung, ferner Gegensatz, inneren Konflikt und äußeren Kampf als die Faktoren der Handlung, das freie Spiel als deren Sondercharakter der Wirklichkeit gegenüber, die Mitarbeit des ‚betrachtenden Willens‘ der Zuschauer, endlich die dienende, nur repräsentative Stellung des Dichters, der als Wortführer der ganzen Menschenwelt ihre Gesetzmäßigkeit und ihren Gesamtwillen zu objektivieren und sich daher zur untrüglichen Fühlung mit diesen bestimmenden Großmächten menschlichen Daseins zu erziehen habe. Wesentlich Neues förderte Scholz mit diesen Feststellungen nicht zutage, eigenartig und für den Redner sehr charakteristisch war aber die verhältnismäßig umständliche, bald grüblerisch überspitzte, bald mystisch umwölkte Form der Darlegung. Jenen Zuhörern, die mit der Ausdrucksweise des Vortragenden noch nicht vertraut waren, dürfte es manchmal schwer geworden sein, ihm zu folgen. Doch erntete er lebhaften und einmütigen Beifall.“ [H.v.G. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 62, Nr. 13, 10.1.1909, S. 3] war mir eine wirkliche Freude und ich habe manches was mir neu war mit nach Haus genommen. Ich bedauerte ebenfallsHinweis auf eine nicht überlieferte schriftliche Mitteilung (kenntlich durch das „ebenfalls“); erschlossenes Korrespondenzstück: Wilhelm von Scholz an Wedekind, 10.1.1909. sehr daß wir uns nicht mehr trafen. Aber hoffentlich findet sich ja bald Gelegenheit dazu.

Mit ergebensten Grüßen Ihr FrWedekind. |


München Mariensäule

Einzelstellenkommentare

München, 26. Juni 1910 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Scholz, Wilhelm von

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Dr. Wilhelm von Scholz
Schäftlarn
Isarthal. bei Mün |


Sehr geehrter Herr von Scholz!

Es war nicht nötig, auf die Angelegenheitnicht eindeutig ermittelt. Das Gespräch mit den Theaterdirektoren Max Martersteig und Victor Barnowsky (siehe unten) dürfte sich aber um das letzte Stück von Wilhelm von Scholz, „Vertauschte Seelen. Die Komödie der Auferstehungen“ (1910), gedreht haben, eine Burleske, die am Kölner Schauspielhaus (Direktion: Max Martersteig) am 22.1.1910 uraufgeführt worden war [vgl. Kölner Lokal-Anzeiger, Jg. 24, Nr. 18, 19.1.1910, S. 3]. Hintergrund war außerdem, dass Wedekind in seiner soeben im Georg Müller Verlag erschienenen Broschüre „Schauspielkunst“ (1910) Wilhelm von Scholz als Dramatiker besonders herausgestellt hatte, indem er ihn einerseits mit Blick auf die Kritik als „meinen Schicksalsgenossen“ [KSA 5/II, S. 372] bezeichnete und mit Blick auf die Darstellung bemerkte, dass „Wilhelm von Scholz, dessen ‚Vertauschte Seelen‘ bei einer entwicklungsfähigen Schauspielkunst eine Bereicherung allerersten Ranges für die Bühne wären“ [KSA 5/II, S. 367], ihm andererseits für einen Begriff dankte (den er selbst als Kampfbegriff auf die Regie Max Reinhardts anwandte): „Der Ausdruck Parforce-Regie stammt von Wilhelm von Scholz, dem ich hier öffentlich meinen Dank dafür ausspreche.“ [KSA 5/II, S. 378] aufmerksam zu machSchreibversehen, statt: machen. die Herr B. aufs genauste kannte. Wir haben aber lang und eingehend darüber gesprochen. Sollte er sich nicht von selbst äußern, wiewohl er mir das lebhafteste InteresseVictor Barnowsky (siehe unten) mag Interesse an dem Stück „Vertauschte Seelen“ (siehe oben) gehabt haben, die Berliner Premiere fand allerdings unter der Regie von Eduard von Winterstein am 5.10.1911 in den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Direktion: Max Reinhardt) statt. aussprach, so wendet sich Georg Müller vielleichtBücher von Wilhelm von Scholz waren bei Georg Müller in München erschienen, zuletzt „Vertauschte Seelen. Die Komödie der Auferstehungen“ (1910), das der Verlag unter Hinweis auf die erfolgreiche Uraufführung am Kölner Schauspielhaus (siehe oben) beworben hat: „Wurde mit großem Erfolge am Kölner Stadttheater zur Aufführung gebracht. Gelangt demnächst an einer Reihe weiterer Bühnen zur Aufführung.“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 77, Nr. 43, 22.2.1910, S. 2372] an ihn oder Sie selbst, geehrter Herr Doctor unter Bezugnahme auf das gestrige GesprächWedekind notierte am 25.6.1910 ein Gespräch mit Wilhelm von Scholz, Max Martersteig, dem Direktor der Vereinigten Stadttheater in Köln [vgl. Neuer Theater-Almanach 1911, S. 371], und Victor Barnowsky, dem Direktor des Kleinen Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1911, S. 296], im Münchner Weinlokal Zur Torggelstube: „Mit Martersteig Scholz Barnowsky Torggelstube.“ [Tb].

Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind.


26.6.10.

Einzelstellenkommentare

Stuttgart, 23. Mai 1916 (Dienstag)
von Scholz, Wilhelm von
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Wilhelm von Scholz vom 13.9.1916 aus München:]


Für Ihre sieben Geschichten „Die Unwirklichen“ sage ich Ihnen nochmals herzlichen Dank.

Einzelstellenkommentare

München, 24. Mai 1916 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Scholz, Wilhelm von

[Hinweis in Wedekinds Brief an Wilhelm von Scholz vom 13.9.1916 aus München:]


Für Ihre sieben Geschichten „Die Unwirklichen“ sage ich Ihnen nochmalsHinweis darauf, dass Wedekind sich schon einmal für das Buch „Die Unwirklichen“ bedankt hat, in dem hier erschlossenen Korrespondenzstück. herzlichen Dank.

Einzelstellenkommentare

München, 13. September 1916 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Scholz, Wilhelm von

München, den 13. September 1916.


Sehr verehrter Herr DoctorDr. phil. Wilhelm von Scholz lebte neuerdings in Stuttgart (Werastraße 47) und war dort Dramaturg und Spielleiter am Königlichen Hoftheater [vgl. Adreß-Buch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Stuttgart für das Jahr 1917, S. 375].!

Für Ihre sieben GeschichtenDer Novellenband „Die Unwirklichen. Sieben kurze Geschichten“ von Wilhelm von Scholz ist als Band 47 der Reihe „Die Zeitbücher“ im Verlag Reuß und Itta in Konstanz im Frühjahr 1916 erschienen [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 83, Nr. 118, 23.5.1916, S. 3500].Die Unwirklichen“ sage ich Ihnen nochmals herzlichen DankWedekind scheint sich bereits für das Buch „Die Unwirklichen“ (siehe oben) bedankt zu haben (belegt durch das „nochmals“), das ihn mit einem Begleitschreiben oder mit einer Widmung des Verfassers erreicht haben dürfte – Hinweis auf zwei nicht überlieferte Schreiben; erschlossene Korrespondenzstücke: Wilhelm von Scholz an Wedekind, 23.5.1916; Wedekind an Wilhelm von Scholz, 24.5.1916.. Ich nehme sie mit auf die ReiseWedekind reiste dem Tagebuch zufolge am 17.9.1916 zunächst nach Dresden („Fahrt nach Dresden“), von dort am 20.9.1916 weiter nach Leipzig („Fahrt nach Leipzig“), von dort am 24.9.1916 nach Berlin („Fahrt nach Berlin“) und fuhr am 4.10.1916 zurück nach München („Fahrt nach München“)., die ich eben vorhabe und werde sie, soweit ich sie bis jetzt kenne, mit großem Genuß lesen. Meinen Kontrakt mit MüllerWedekind hat den (verschollenen) Vertrag über den Verlag seiner Werke mit Georg Müller am 2.9.1914 geschlossen [vgl. Wedekind an Georg Müller, 23.6.1916], der seit 1910 sein Verleger war. habe ich leider nicht hier. Er liegt bei meinem Rechtsanwalt in Berlinnicht identifiziert. In München wurde Wedekind in seinen Verlagsangelegenheiten von dem Rechtsanwalt Siegfried Adler vertreten [vgl. Georg Müller an Wedekind, 11.12.1915].. Dagegen hat der DreimaskenverlagWedekind hatte dem Georg Müller Verlag die Bühnenvertriebsrechte zum 1.10.1916 gekündigt [vgl. Wedekind an Georg Müller, 23.6.1916] – sie wurden dann vom Drei Masken Verlag in Berlin vertreten. in Berlin eine Abschrift davon, die Ihnen sicher zur Einsicht freisteht wenn Sie | diese Zeilen dem Dreimaskenverlag zeigen. Aus diesen Tatsachen ersehen Sie aber schon, daß meine praktische Erfahrung nicht so weit her ist, wie Sie sie vielleicht einschätzen, daß ich im Gegenteil, wie das wohl nie anders sein wird, von Fall zu Fall mir mein Recht mit allen Mitteln wahren muß. Die Abmachungen über die GesammtausgabeWedekinds „Gesammelte Werke“ erschienen seit 1912 im Georg Müller Verlag; bis 1916 lagen 6 Bände vor [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 83, Nr. 62, 15.3.1916, S. 1719]. sind die, daß ich 20 % vom Ladenpreis erhalte, zahlbar bei Ausgabe der Bücher. Von irgend welcher Kündigung ist in dem Kontrakt meines Erinnerns nichts erwähnt. Hätte ich den Kontrakt hier dann könnte mich nichts daran | hindern, ihn Ihnen zur Einsicht zu senden. Übrigens wüßte ich auch nicht, was Georg Müller abhalten sollte, Ihnen den Kontrakt vorzulegen, wenn Sie ihn hier in München aufsuchen wollen, da gar keine besonderen Bedingungen darin stehen außer dem, was ich Ihnen soeben mitteilte. Darüber werden Sie sich nicht wundern, wenn Sie in Betracht ziehen, daß bis nach Kriegsausbruch überhaupt gar kein schriftlicher Vertrag zwischen Müller und mir bestand, weder über ein einzelnes Buch noch über die Gesammtausgabe, und daß erst die Beziehungen zwischen Müller und seinen GeschäftsverbindungenAnspielung auf Arthur Kauffmann, seit „1913 stiller Teilhaber des Georg Müller Verlags. Mit seinem eingebrachten Kapital stärkte er den unterkapitalisierten Verlag, ruinierte aber durch Wechselschulden 1916/1917 fast das Unternehmen“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 335]. nach | Kriegsausbruch die Aufsetzung eines schriftlichen Vertrages absolut nötig machten. Aber wie Sie sehen, geht es trotz der schriftlichen Fixierung ohne Reibungen von Fall zu Fall nicht ab.

Von ganzenSchreibversehen, statt: ganzem. Herzen aber beglückwünsche ich Sie dazu, daß auch Sie Ihre Lebenswerk soweit es bis jetzt gediehen, als GesammtausgabeDie Ausgabe „Gesammelte Werke“ von Wilhelm von Scholz erschien gegliedert in Gattungsabteilungen (Gedichte, Schauspiele, Erzählungen, vermischte Schriften) erst von 1919 bis 1923 im Georg Müller Verlag in München und blieb nach 8 Bänden unabgeschlossen. erscheinen lassen. Das ist eine Errungenschaft, auf die Sie mit größtem Stolz zurückblicken können. Hoffentlich erfährt die Ausgabe noch reichlichen Zuwachs von alter Schönheit und Frische.

Mit besten Empfehlung und Grüßen
Ihr alter ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare