Briefwechsel

Wedekind, Frank und Wedekind, Pamela

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Berlin, 30. Juni 1907 (Sonntag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Postkarte


Böhmen
Prag
Hotel „Blauer Stern“
Herrn
Frank Wedekind


Sonntagder 30.6.1907..

Herzliche Grüße
senden
Anna Pamela
u. Tilly |


Gruss aus Berlin
Reichspostamt

Einzelstellenkommentare

Graz, 14. Juli 1907 (Sonntag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Korrespondenz-Karte.


Absender:

Tilly Wedekind
Rosenberg,
Kirscheng. 2


An Herrn
Frank Wedekind
in Frankfurt a./M.
Frankfurterhof |


Sonntagder 14.7.1907.. Liebster Frank, leider ist schlechtes Wetter. Ich sehne mich nach Sonne u. Wärme. Heute habe ich zu Hause zu Mittag gegessen, bei meinen Eltern, die mich jetzt gegen Abend wieder heraufgebracht haben. Nun hast Du wieder soviel Geschäftliches zu tun, dass Du wohl schwer zu Deiner Lieblingsbeschäftigungwohl die Dampfbäder, die Wedekind in Leipzig zu nehmen begonnen hatte [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 11.7.1907] und in Frankfurt am Main fortsetzte – so notierte er dort am 15.7.1907 „Dampfbad“ [Tb], am 16.7.1907 „Kohlensaures Bad“ [Tb], am 17.7.1907 wieder „Dampfbad“ [Tb]. kommen wirst. Bitte schreibe mir darüber. Herzlichst Deine Tilly


Lieber Papa, innigen Kuss, Anna Pamela

Einzelstellenkommentare

Graz, 16. Juli 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Rosenberg, Dienstagder 16.7.1907..


Geliebter Frank,

Du wunderst Dich vielleicht, dass ich wenig schreibe. Aber ich weiß ja keine bestimmte Adresse von Dir; bis meine Briefe ankommen, bist Du schon wo anders. Ich habe Freitag einen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 12.7.1907. nach Leipzig, u. Sonntag eine Kartevgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 14.7.1907. nach Frankfurt geschickt. Wenn Du bei Deinem Vorsatz geblieben bist, dann bist Du vielleicht schon in München. Wo wolltest Du dort wohnen? |

Mein Bruder Karl ist heute auch nach Graz zurückgekommen. Ich laßSchreibversehen, statt: las. Bertl die beiden ActeTilly Wedekind las ihrem Bruder Dagobert Newes die beiden ersten Bilder von „Musik. Sittengemälde in vier Bildern von Frank Wedekind“ vor, die bereits gedruckt in der Literaturzeitschrift „Morgen“ vorlagen [vgl. KSA 6, S. 723], bezeichnet als „Erstes Bild“ [Morgen, Jg. 1, Nr. 3, 26.6.1907, S. 75] und „Zweites Bild“ [Morgen, Jg. 1, Nr. 4, 5.7.1907, S. 107].Musik“ vor. Über die sieben WorteWedekinds in sieben nummerierte Abschnitte gegliedertes, 60 Zeilen umfassendes und stilistisch als „Referenzfolie“ den „Dekalog“ [KSA 1/II, S. 1364] adaptierendes Gedicht „Die sechzig Zeilen oder Die Sieben Worte“ [KSA 1/I, S. 562-564] ist von Karl Kraus veröffentlicht worden [vgl. Die Fackel, Jg. 9, Nr. 227-228, 10.6.1907, S. 1-3]; es hatte in handschriftlichen Fassungen noch den Titel „Die sieben Worte“ [vgl. KSA 1/II, S. 1356-1358]. Erich Mühsam schrieb Karl Kraus am 22.6.1907 über das Gedicht: „Diese 7 Worte gehören zum Großartigsten, was überhaupt geschrieben ist. Sie stellen nicht nur das Extrakt aus allen Wedekindschen Arbeiten dar, sondern erweitern sie zu einer Bejahung, in der er weit über Nietzsche hinausgreift, und die Sprache dieser 60 Zeilen erhöht sie zu einem Katechismus modernen Menschentums.“ [Jungblut 1984, S. 102] müssen wir noch zusammen sprechen, ich verstehe nicht in allem, was Du meinst.

Was machen alle unsere Freunde in München?

Eine Schulfreundin besuchte mich gestern, man wunderte sich dass man so rasch denselben vertrauten Ton wiederfindet. Martha war jetzt 2 Tage bei mir, wir unterhielten uns sehr gut. | Ich schreibe auf der Veranda; von hier aus, ist reizende Aussicht. Es würde Dir sicher sehr gefallen. Mir fiel erst jetzt auf, dass das Mädchen in MusikIm Erstdruck von „Musik“ (nicht mehr in der Buchausgabe) ist im Verzeichnis der Personen angegeben: „Hildegard, Mädchen bei Reißners“ [Morgen, Jg. 1, Nr. 3, 26.6.1907, S. 75]. ja Hildegard heißtAnspielung auf Hildegarde Zellner, von 1900 bis 1903 Wedekinds Haushälterin – aus „der intimen Beziehung“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 59] mit ihr stammt Wedekinds am 22.5.1902 geborener unehelicher Sohn Franklin Zellner [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 216f.].. Du musst, weil ich die Bemerkung mache, nicht denken, es sei mir unangenehm.

Herzlichen Kuss
Deine Tilly


Lieber Papa,

Du musst mir bitte auch mal schreiben.

Gruß u. Kuss
Anna Pamela


[auf Seite 3, um 90 Grad gedreht am linken Rand, Tilly Wedekind:]

Siedie Tochter Pamela. freut sich ungeheuer zu schreiben!

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Graz, 18. Juli 1907 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Rosenberg, Donnerstagder 18.7.1907..


Mein lieber, guter Frank,

ich danke Dir für Deinen Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 15.7.1907. u. die 120 Kr.vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 16.7.1907. die ich heute erhielt. Ich habe noch 60 Kr. u. käme ich wohl damit aus. Allerdings richtet sich das alles nach der Zeit, die ich hier zubringen werde. – Heute ist der erste schöne Tag, aber der ist auch prachtvoll! Zu meiner vollkommenen Zufriedenheit fehlst nur Du. Trotzdem würde ich Dir abraten, die weite Reise nur zu machen, um mich abzuholen. Aber erstens hat dies Zeit, u. zweitens hast Du’s wohl nur pro Formapro forma (lat.) = der Form halber. gesagt. |

Gesternder 17.7.1907, eine Woche zurückgerechnet der 10.7.1907, an dem Tilly Wedekind in Graz eintraf. war es eine Woche, dass ich herkam, u. vorgesternder 16.7.1907, eine Woche zurückgerechnet der 9.7.1907, an dem Wedekind in Leipzig notierte: „Ich begleite Tilly zur Bahn“ [Tb]., dass ich mich von Dir getrennt habe. Glaube ja nicht, dass ich Dich drängen will, ich bin mit allem zufrieden. Gewiss wird es uns auch Beiden gut tun. Darum will ich Dich nicht mehr quälen; es fehlte mir bis jetzt nur die richtige Sanftmut.

Anna Pamela schläft neben mir in ihrem Wagen. Sie wird jeden Tag reizender u. wird von allen Onkeln und Tanten zärtlich geliebt. Ausserdem hat sie einen glühenden Verehrer in dem 3jährigen Söhnchen einer jungen Fraunicht identifiziert. aus Wien, genannt Franz.

Ich wünschte es wäre Frank aus LandshutAnspielung auf Wedekinds am 22.5.1902 geborenen unehelichen Sohn Franklin Zellner, dessen Mutter Hildegarde Zellner, bis 1903 Wedekinds Haushälterin, aus Landshut stammte [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 216f.]. Das Kind wuchs in Landshut bei seiner Großmutter Anna Zellner auf.. |

Ich habe mir die folgenden HefteTilly Wedekind hatte die beiden ersten Bilder von „Musik. Sittengemälde in vier Bildern von Frank Wedekind“ in den Heften vom 26.6.1907 (Nr. 3) und 5.7.1907 (Nr. 4) der Literaturzeitschrift „Morgen“ vorliegen [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 16.7.1907], bestellt hat sie sich die Fortsetzungen, das dritte Bild [vgl. Morgen, Jg. 1, Nr. 5, 12.7.1907, S. 143-150] und das vierte Bild [vgl. Morgen, Jg. 1, Nr. 6, 19.7.1907, S. 175-181].Morgen“ in einer Grazer Buchhandlung bestellt. Ich habe viel über das nachgedacht, was Du mir an dem letzten Abend in Leipzigam 8.7.1907 [vgl. Tb]. gesagt hast. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass ich mich stets für das rein menschliche in der Dichtung interressiertSchreibversehen, statt: interessiert. habe, u. ich glaube dass das, gerade bei Dir, immer dem Stoff, der Idee zug/G/runde liegt.

Aber ich fürchte, dass ich Dich mit dem allen, u. überhaupt mit langen Briefen zum Sterben langweile. Öffnest Du sie überhaupt gleich? Andere Frauen haben Dir sicher weit zärtlichere u. weit geistreichere Briefe geschrieben. |

Ich möchte Dich nicht gern in Deinen Gedanken stören.

Wie gern möchte man dem geliebten Menschen alle Herzlichkeit u. Innigkeit die man für ihn fühlt ausdrücken! Man fürchtet lächerlich zu werden, u. kennt auch nicht die Stimmung, in welcher der Brief gelesen wird. Ist das nicht erbärmlich klein?

Von ganzem Herzen küsst Dich
Deine Tilly


Liebster Papa,

Innigen Kuss
Deine Anna Pamela

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München, 19. Juli 1907 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Wedekind, Pamela

Postkarte – Carte Postale
Weltpostverein
Union postale universelle
[...]

Fräulein
Anna Pamela Wedekind
Graz (Steyermark)
Rosenberg Kirschengasse 2


Liebe Anna Pamela! Ich bitte Dich, recht lieb mit Deiner schönen Mama zu sein. Ich grüße und küsse Dich von Herzen. Gieb Deiner lieben Mama einen schönen Kuß von mir. Alles Gute und Liebe wünscht Dir und Deiner Mama von Herzen Dein getreuer Vater.
Frank |


I. K. H. Prinzen Luitpold u. Albrecht v. Bayern

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Graz, 19. Juli 1907 (Freitag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

11 h


Herrn
Frank Wedekind
München
Hauptpostlagernd |


Abs: Tilly Wedekind
Graz, Rosenberg
Kirscheng. 2 |


Freitagder 19.7.1907.. Innigst geliebter Frank,

I/i/ch danke Dir vielmals für Deine Kartevgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 18.7.1907. aus Frankfurt u. Dein Telegrammvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 19.7.1907 (Telegramm). aus München. Du hast doch noch nicht auf uns vergessen! (Sagt man nicht auf?) Heute früh bekam ich einen Brief aus Berlinnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Zinaida Vengerova an Wedekind, 17.7.1907. von einer DameZinaida Vengerova, Literaturkritikerin und Übersetzerin, hat 1905 in St. Petersburg bereits einen größeren russischsprachigen Beitrag über Wedekind veröffentlicht [vgl. Vinçon 2018, Bd. 2, S. 60].. Sie will mit Dir wegen Übersetzung verhandeln von Manuscripten, | in’s Russische. Ihre Adresse ist: Frl. Zinaida Vengerowa, Berlin W. Lutherstr. 47 b. Hr. FlachsDer Schriftsteller Adolf Flachs in Berlin (Lutherstraße 47, 3. Hinterhaus) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 532] pflegte „enge Kontakte zu russ. Autorinnen und Autoren“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 60].. Sie wollte telegraphisch Deine Adresse, um mit Dir zu sprechen. Ich habe nicht telegraphiert, ich fürchtete, es sei Dir vielleicht nicht angenehm. Ich habe beide Briefe, den an Dich u. den an mich, die beide in einem Couvert waren, nach Frankfurt geschickt. Von dort werden sie Dir wohl nachgeschickt. Hab’ ich’s recht gemacht?

Im Geiste sitzt auf Deinen Knieen u. küsst Dich
Deine Tilly


[Seite 3 am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Anna Pamela

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Graz, 20. Juli 1907 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Samstagder 20.7.1907..


Mein innigst geliebter, einziger Frank, von ganzem Herzen danke ich Dir für Deinen Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 19.7.1907. u. Deine Kartevgl. Frank Wedekind an Pamela Wedekind, 19.7.1907. aus München! Nur liebe ich Dich viel zu sehr um nicht zu fühlen, in was für einer Stimmung Du Dich befindest. Und ich muss mir mit Schmerz sagen, dass ich sehr viel Schuld daran trage. Wenn ich auch für Berlin u. die äusseren Verhältnisse nichts kann, so hätte ich Dich/r/ doch viele Aufregungen u. Unannehmlich|keiten ersparen können. Meine einzige Entschuldigung ist, dass ich selbst viel durchgemacht, u. dadurch die körperliche Kraft u. Selbstbeherrschung verloren habe.

Du hast mir erzählt, dass die Zeit in München, in der Du so dick geworden, für Dich die unglücklichste war. Sollte ich aus Deinen jetztigenSchreibversehen, statt: jetzigen. Klagen, etwas Ähnliches schließen? Bin ich etwa die Ursache davon, dass Du Dich nicht aufraffen konntest, dass Du verstimmt bist?

Ja, ich habe Dich gehemmt, ange/st/att Dich zu aufzumuntern. | Und wie kann ich es gut machen?

Indem ich hier bleibe? Dich diesen Sommer Dir selbst überlasse? Wenn ich Dir dadurch helfen kann, so will ich es tun, obwohl mir dies das Schwerste wäre. Ich habe Dich zum Schlusse nur deshalb so gequält, weil es mir so schwer war, mich von Dir zu trennen. Weil ich Angst habe, Du könntest mir entfremdet werden durch längere Trennung. Aber dies alles ist Egoismus u. nicht Liebe. Ich habe an mich gedacht, anstatt an Dich.

Aber ich bin gründlich geheilt, durch die 2 wöchentliche Trennung | von Dir. Ich wünsche nur das Eine, Dich wieder im Vollbesitz Deiner Kräfte zu wissen. Bei guter Laune u. neuer Tatkraft. Du musst wieder zu Dir selbst kommen.

Kannst Du es besser, wenn Du alleine bist, so sage es mir offen. Wenn Du wirklich so schwer geworden bist, so reite doch in München täglich, ich werde dem Portier die Schlüssel schicken u. Dir Deine Reithose nach München nachsenden. Schlaf’ nicht so viel, wenn’s geht. Im Übrigen finde ich, Du brauchst das nicht so schwer nehmen; Du | warst doch schon dicker? Fühlst Du Dich sonst wohl? Wenn Du uns aber in 1 – 2 Wochen nach München nachkommen lassen willst, so wirst Du sehen, wie heilsam es mir war, dass Du mich weggeschickt hast. Deine Zeit abends soll ganz Dir gehören, nur soll es meine Sorge sein, dass Du sonst genug Bewegung machst. Oder wäre es Dir lieber, ich ließe das Kind hier? Überlege Dir’s, wie es für Dich am Besten ist, ich will von ganzem Herzen alles tun, was Du verlangst! Ich denke den ganzen Tag an Dich, | u. spreche den ganzen Tag von Dir. Ich fange an viel besser auszusehen u. mich sehr wohl zu fühlen. Ich bin ja viel zu gesund um die Ermüdung nicht leicht zu überwinden. Heute Nachmittag lag ich mit Anna Pamela in der Hängematte. Es sind jetzt prachtvolle Tage. Ich bin jung u. mein ganzes Herz, jeder meiner Gedanken gehört Dir, geliebter Frank! Und Dein Kind ist prächtig, strahlend in Frische u. Gesundheit! Und doch sind wir nicht im | Stande, Dir etwas Glück zu geben, der Du es in so vollem Maaße verdienst!

Du wirst nun wohl auch meine Bestätigungvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 18.7.1907 (Eingangsbestätigung von Brief und Geld) und 19.7.1907 (Eingangsbestätigung der Bildpostkarte). erhalten haben, über Brief, Karte u. das Geld. Ich danke Dir im Voraus für folgende 200 M., die ich wohl morgen erhalten werde. Ich habe bis jetzt 2 Telegrammevgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 10.7.1907 und 19.7.1907., 2 Briefevgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 15.7.1907 und 19.7.1907., 3 Kartenvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 11.7.1907 (Postkarte) und 18.7.1907 (Bildpostkarte); Frank Wedekind an Pamela Wedekind, 19.7.1907 (Bildpostkarte)., u. 120 Kr.vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 16.7.1907. erhalten. Du hast doch Deine Adresse überall angegeben? Ich schickte Dir, Mittwoch ein Telegrammvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 10.7.1907., Freitag einen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 12.7.1907., Sonntag eine Kartevgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 14.7.1907 (Postkarte)., Dienstag einen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 16.7.1907., Donnerstag einen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 18.7.1907., gestern einen Kartenbriefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 19.7.1907. u. einen Brief nachgeschicktvgl. Zinaida Vengerova an Wedekind, 17.7.1907.. Hoffentlich hast Du alles! |

Findest Du ich brauche viel? Die Wohnung ist ja nicht so teuer, aber das Essen kostet ziemlich viel.

Ich danke Dir herzlichst für Deine Sendungen. Dafür sollst Du Deine Freude an unsern roten Wangen haben.

Hab’ ich Dich gequält mit dem langen Brief? Ich hoffe, dass Du alles so verstehst, wie ich es gemeint habe, u. überzeugt bist von der Treue u. Liebe
Deiner Dir von ganzem Herzen
ergebenen Tilly


Liebster Papa, vielen Dank für Deine lieben Wortevgl. Frank Wedekind an Pamela Wedekind, 19.7.1907., werde alles befolgen. Meine Mutter ist sehr glücklich mit mir. Von Herzen
Deine Anna Pamela


[Seite 8 am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Viele Grüße von meinen Eltern u. Geschwistern, ausser denen ich niemanden sehe.

Einzelstellenkommentare

Graz, 22. Juli 1907 (Montag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Montag. 22./VII.07.


Innigst geliebter Frank,

Anna Pamela u. ich wünschen Dir zu Deinem GeburtstagWedekinds 43. Geburtstag am 24.7.1907. alles Liebe u. Gute! Wir bedauern sehr, dass wir gerade diesen Tag nicht bei Dir sein können, liebster Frank. Wenn wir sicher gewusst hätten Dir eine Freude zu machen, hätten wir Dich vielleicht besucht. So tun wir dies nur in Gedanken, u. schicken Dir unser Bildein Foto, vielleicht auch eine Zeichnung; dem Brief liegt nichts mehr bei.. Hoffentlich kommt es noch zu|recht, in Graz geht es leider nicht schneller.

Wir waren beide sehr vergnügt dabei, schon bei dem Gedanken, Dich damit zu erfreuen. Nun wünschen wir auch von ganzem Herzen, dass Du den Tag u. auch alle folgenden, recht vergnügt zubringst!

Ich denke an voriges JahrFrank und Tilly Wedekind haben an seinem 42. Geburtstag am 24.7.1906 bei ihrem Gastspiel in München abends in „Hidalla“ auf der Bühne gestanden.. Da hatten wir beide darauf vergessen.

Heute erhielt ich noch 298 Kr.umgerechnet die nach Graz überwiesenen 200 Mark [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 20.7.1907]. u. danke Dir herzlichst dafür, mein lieber Frank! Mehr kann werde ich auf keinen Fall brauchen; mit den Billetsdie Fahrkarten für die Reise am 29./30.7.1907 von Graz über Salzburg nach München.. |

Die Karte an Anna Pamelavgl. Frank Wedekind an Pamela Wedekind, 19.7.1907 (Bildpostkarte). muss ich immer wieder ansehen u. lesen, sie ist in jeder Beziehung sehr hübsch.

Heute werden wir unten bei meinen Eltern essen, Papa hat heute GeburtstagEduard Newes feierte am 22.7.1907 seinen 65. Geburtstag. u. werden wir Dich u. ihn feiern.

Eltern u. Geschwister lassen Dich natürlich vielmals grüßen, u. gratulieren Dir herzlich. Nun lebe/’/ wohl geliebter Frank, in Gedanken küsst Dich innig
Deine Tilly |


P. S. Wenn Du eine Wohnung für nächstes Jahr nehmen willst, ich bin sehr zufrieden damit. Wenn in Berlin was los ist, kannst Du ja immer hin fahren. Unsre Wohnung hast Du doch nur bis OctoberWedekind hat die Berliner Wohnung im 3. Stock in der Kurfürstenstraße 125 dem Tagebuch zufolge am 25.10.1907 gekündigt. genommen, dass wir nicht 2 Wohnungen zahlen müssen?!

Nochmals herzlichst
Tilly


Mein liebster Vater, ich stimme allem bei, was meine liebe Mama gesagt hat, Prosit Papa!

Deine Anna Pamela


[Seite 4 am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Leider sind wir sehr schlechtdie Qualität des erwähnten Bildes betreffend (sehr schlecht getroffen), das dem Brief beilag (siehe oben)., in Wirklichkeit sind wir viel, viel hübscher!
Deine Tilly

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Graz, 23. Juli 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Karl, Newes, Dagobert, Newes, Eduard, Newes, Mathilde, Wedekind, Pamela, Newes, Rudolf, Newes, Martha und Newes, Dora
an Wedekind, Frank

Telegramm.

[...]


frank wedekind muenchen
hotel leinfelder = |


Königlich Bayerische Telegraphenanstalt München.

Aufgegeben in Graz [...]


vom ganzen herzen wuenschenGlückwünsche zu Wedekinds 43. Geburtstag am 24.7.1907. alles liebe u gute = lylliÜbertragungsfehler, statt: tilly. anna pamela und familie newes

Einzelstellenkommentare

Graz, 25. Juli 1907 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Donnerstagder 25.7.1907..


Mein lieber Frank,

Deinen lieben Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 21.7.1907. u. die beiden Kartenvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 23.7.1907 – und eine nicht überlieferte Postkarte oder Bildpostkarte; erschlossenes Korrespondenzstück: Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 24.7.1907. habe ich erhalten. Ich freue mich si/eh/t/r/, dass meine Verbannung nun bald ihrem Ende entgegen geht. Ich sehe auch tatsächlich schon viel besser aus, ich glaube Du wirst zufrieden sein.

Natürlich komme ich alleinohne Begleitung ihres Mannes, der sie nicht in Graz abzuholen braucht., ich sagte ja gleich, eine Reise hierher würde sich nur lohnen, wenn Du einige | Zeit hier bleiben willst. Ich freu’ mich sehr auf München, u. natürlich auf Dich besonders! Seitdem ich weiß, dass ich nicht länger wie eine Woche noch hier bin, finde ich’s noch viel schöner u. bin sehr vergnügt.

Damit Du nicht die Mühe des Wohnungs-suchen hast, könnten wir ja einige Tage im Hotel wohnen, u. ich besorge dann das alles. Ist dir das recht? |

Wenn Du mir einen Tag vorher schreiben willst, wann wir reisen sollen, wäre ich Dir sehr dankbar. In einem Tag kann ich uns schon reisefertig machen.

Die beiden HefteTilly Wedekind hat die in einer Buchhandlung in Graz bestellten Hefte der Literaturzeitschrift „Morgen“ [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 18.7.1907] mit dem dritten Bild [vgl. Morgen, Jg. 1, Nr. 5, 12.7.1907, S. 143-150] und vierten Bild [vgl. Morgen, Jg. 1, Nr. 6, 19.7.1907, S. 175-181] von „Musik. Sittengemälde in vier Bildern von Frank Wedekind“ inzwischen erhalten und wie die beiden ersten Bilder des Stücks [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 16.7.1907] zusammen mit ihrem Bruder Dagobert Newes gelesen.Morgen“ hab’ ich hier bekommen; ich laßSchreibversehen, statt: las. mit BertlMusik“. Wie stellt DreßlerDer mit Wedekind befreundete Musiker Anton Dreßler war die „Vorlage“ für die Figur des Gesangspädagogen Josef Reißner in Wedekinds „Musik“, die sich durch „heuchlerische Doppelbödigkeit und Zwiespältigkeit“ [KSA 6, S. 746] auszeichnet. Er hatte inzwischen seine Stellung als Gesangslehrer an der Akademie der Tonkunst in München verloren und war in einer schwierigen Situation. Wedekind hat ihn dem Tagebuch zufolge am 20.7.1907 getroffen („Mit Dreßler und Langheinrichs in Hofbräuhaus“), sich am 24.7.1907 mit dessen Frau beraten („Zusammenkunft mit Lotte Dreßler bei Langheinrichs“) und am 26.7.1907 nochmals mit ihr und mit Anna Langheinrich („Unterredung im Hotel mit Lotte Dreßler und Anna Langheinrich“) und traf sich mit ihm am 27.7.1907 („Besuch bei Dreßler“) vermutlich zu einer Aussprache. sich dazu? Die kurze Geschichte von Holitzereine Ich-Erzählung, die in der Zeitschrift „Morgen“ erschienen ist [vgl. Arthur Holitscher: Straßenecken-Legende. In: Morgen, Jg. 1, Nr. 5, 12.7.1907, S. 153-157]. Sie „skizziert ein Erlebnis einer Großstadt-Prostituierten“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 62]. finde ich ganz nett. Wenn man vieles über Berlin ließt, dann ist man immer stolz, mit dabeigewesen zu sein. |

Was macht unser EinacterFrank Wedekinds Einakter „Die Zensur“, den er am 29.5.1907 unter dem Titel „Das Kostüm“ konzipiert hat, mit der Ausarbeitung aber erst im Herbst begann [vgl. KSA 6, S. 827]. Die ersten Konzepte enthalten „viele autobiographische Details“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 63], die Tilly Wedekind betreffen; der Buchausgabe „Die Zensur. Theodizee in einem Akt“ (1908) ist dann ein offener Brief an sie vorangestellt: „Meine liebe Tilly! Besorgte Gemüter lasen aus diesen Szenen, du hättest je einmal zwischen meiner Arbeit und mir gestanden, und beschwerten dir durch ihre Besorgnisse das Herz. Wem die Szenen gefallen, dem liegt der Argwohn fern, aber den besorgten Lesern schulde ich eine Beruhigung. In den langen Jahren, die ich allein verlebte, war es mir jedes dritte Jahr einmal vergönnt, eine Arbeit erscheinen zu lassen; die zwei Jahre unseres Zusammenseins trugen mir drei fertige Stücke ‚Musik‘, ‚Zensur‘ und ‚Oaha‘ ein, an die ich vorher nie mit einem Gedanken gedacht hatte. Ich bin natürlich gewärtig, diese Aufzählung als Marktgeschrei gedeutet zu sehen. Aber dich bitte ich jedenfalls, zu verzeihen, daß ich an deiner Seite so viel Zeit zu selbständiger Betätigung fand. Frank.“ [KSA 6, S. 206]?

Grüße Langheinrich’s von mir. Wie sieht Frank Antonder am 11.3.1907 geborene Sohn von Anna und Max Langheinrich. aus? Anna Pamela wird alle Deine Wünsche befolgen, u. freut sich auch sehr auf München. Jetzt schläft sie, der Liebling. Die Karte ist reizenddie nicht überlieferte Postkarte (siehe oben), wahrscheinlich eine Bildpostkarte, die einen direkten Bezug zu Pamela Wedekind gehabt haben dürfte.!

Leb’ wohl, liebster Frank, Dein letzter Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 21.7.1907., war mir bis jetzt der Liebste!

Innigst
Deine Tilly


[Seite 4 am rechten Rand um 90 Grad gedreht:]

Eben aufgewacht: Ich kann’s fast so gut wie Du, Papa,
Deine Anna-Pamela.

Einzelstellenkommentare

Graz, 27. Juli 1907 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Telegramm.

[...]


frank wedekind muenchen amalienstr 86 zweiter stock |


Königlich Bayerische Telegraphenanstalt München.

Aufgegeben in Graz [...]


= mit grossen jubel dein telegrammvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 26.7.1907. erhalten ich telegrafire noch die genaue ankunft dienstagder 30.7.1907. frohes wiedersehen tilly anna pamela

Einzelstellenkommentare

Lenzburg, 17. September 1907 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Lenzburg, Dienstagder 17.9.1907..


Mein lieber Frank,

ich freu’ mich sehr, dass Du arbeiten kannst. Schreib’ mir bitte, wenn Du den PaterPater Expeditus (Carl Hermann Schmidt) [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 15.9.1907]. getroffen hast, ich bin sehr gespannt auf diese Unterredung. Wirst Du eigentlich Deine Idee mit der Notiz über den Flegel„Die Bemerkung bezieht sich vermutlich auf einen Konflikt Franks mit dem steinreichen amerikanischen Unternehmersohn August Edward Jessup [...], der Schloss Lenzburg 1893 von der Familie Wedekind für rund 120.000 Franken erworben hatte“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 67]. auf Schloss Lenzburg ausführen?

Morgen Nachmittags werden wir von Otto Bertschinger j. in’s | Schloss geführt. Ich freu’ mich schon sehr. Heute ist ein prachtvoll schöner Tag, ich hoffe nur, dass Du in München auch so schönes Wetter hast. Auch wenn es nicht schön ist laufen wir viel spazieren. Die Zeit vergeht mir sehr schnell.

Von SandlKäthi Sandel war Schauspielerin am Münchner Lustspielhaus [vgl. Neuer Theater-Almanach 1907, S. 516] und ist an das Stadttheater in Bamberg gegangen [vgl. Neuer Theater-Almanach 1908, S. 235]. hast Du nichts mehr gehört?

Wann soll denn die Büchse d. P. aufgeführtgeplant am Hamburger Thalia-Theater [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 15.9.1907]. werden? Öffentlich? Sollst Du auch spielen? |

Es tut mir leid, dass Du nun die Mühe mit dem CartonFrank Wedekind wollte den Karton mit dem von Johann Nepomuk Mück für Tilly Wedekind geschneiderten Ballettkostüm nach Berlin schicken [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 15.9.1907]. hast. Wieviel hat das Costüm gekostet?

Ich habe mit Mama gesprochen, ob sie uns das zweite Haus vermieten würde. Ich glaube aber, wir sind ihr zu unsicher.

Nun, es steht einem ja die ganze Welt offen!

Nun leb’ wohl, u. sei innigst umarmt u. geküsst
von Deiner Tilly |


Liebster Papa, meine Mama erwiedertSchreibversehen, statt: erwidert. den Kuss herzlichst u. ich gestatte mir mich anzuschließen.

Deine
Anna Pamela


Mama und Mati grüßen herzlichst.

Einzelstellenkommentare

München, 21. September 1907 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Wedekind, Pamela

Fräulein Anna Pamela Wedekind
im Steinbrüchli
in Lenzburg
Ct. Aargau Schweiz.


Postkarte


Liebe Anna Pamela, dieses Kindwohl Anspielung auf das Motiv der Bildseite (nicht überliefert). Wedekind hat seiner Tochter unlängst schon einmal eine Bildpostkarte mit zwei Kindern als Motiv (ein Kinderfoto der Brüder Luitpold und Albrecht von Bayern) geschickt [vgl. Frank Wedekind an Pamela Wedekind, 19.7.1907]. wirst Du hoffentlich auch lieb gewinnen. Gieb Deiner schönen Mama einen innigen Kuß von mir und sag’ ihr Dank für den schönen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 18.9.1907.. Grüß die Großmama und Tante Mati.

Mit herzlichen Grüßen
Dein Papa. |

Einzelstellenkommentare

Lenzburg, 23. September 1907 (Montag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Montagder 23.9.1907..


Geliebtester,

innigen Kuss für Deinen lieben Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 21.9.1907.! Ich bekam ihn erst heute, Sonntag wird nicht ausgetragen. Hier ist es schon ziemlich kalt, doch lieb ich es sehr in dieser frischen Luft spazieren zu laufen.

Ich freu’ mich so, dass Du schon so weit bist u. bin fast stolz, als ob ich etwas dazu getan hätte. Hoffentlich hält die Stimmung auch in Berlin an. |

Wir müssen uns in Berlin entschieden eine neue Einteilung machen, dass wir nicht so von einander abhängig sind. Ich meine, dass Du nicht mehr das Gefühl hast, wir sind zuviel zusammen. Übrigens können wir noch darüber sprechen.

Nun, mein lieber Frank, muss ich Dir sagen, dass ich nicht gern in Frankfurt die Reise unterbrechen will. Du kannst mir glauben, dass ich mich sehr danach sehne Dich wieder zu haben. Aber mit dem Kind ist es am Besten ich fahre | Nachmittags weg über Basel, Frankfurt, Leipzig die Nacht durch u. bin im Laufe des Vormittags in Berlin. Das Aussteigen in Frankfurt, in’s Hotel fahren u. da für paar Tage alles mögliche auspacken ist viel umständlicher. Wenn Du mich aus irgend einem Grund da haben willst, ich tu’ es ja sehr gern, einfacher wäre es direct zu fahren. Auch würde ich gern 1 – 2 Tage vor Dir in Berlin sein, damit dann alles in Ordnung ist. | Bitte schreib’ mir, wie Du es willst. Geld hab’ ich noch über 90 Franc u. brauchst Du mir nur das Fehlende für die Karten zu senden. Mama u. Mati verrechnen erst dann, wieviel sie diesen Monat mehr gebraucht haben u. senden Dir’s nach Berlin. Ist’s Dir so recht, geliebter Frank? Sonst brauche ich ja nichts. Ich würde Anfang nächster Woche fahren, voraussichtlich Montag. Bist Du da schon in Frankfurt? Da könnten wir uns ja am Bahnhof sehen. |

Mitten in der Nacht wache ich oft auf u. denke dann lange an Dich. Ich hab’ auch viel von Dir geträumt. Merkwürdig, als ich hierher kam, fühlte ich mich so zerschlagen von den letzten Aufregungen, dass mir alles vollkommen gleichgültig war. Und jetzt hab’ ich das Gefühl, dassSchreibversehen, statt: das. ich immer zu Hause hatte, hinaus in’s Leben. Und ich sehne mich danach Dir zeigen zu können, dass du doch einen guten Ka|maradenSchreibversehen, statt: Kameraden. in mir hast. Nur Frank, darfst Du es mir nicht zu schwer machen.

Hier war „große Wäsche“Waschtage (die arbeitsintensiv waren). u. hab’ ich die Zeit zum Lesen benützt. Die Reventlow hätte ich gerne kennen gelerntFranziska zu Reventlow, die mit Wedekind seit den 1890er Jahren befreundete Schriftstellerin, Übersetzerin und Zentralfigur der Schwabinger Boheme, lebte in München, wo Tilly Wedekind ihr bisher noch nicht begegnet ist.. Aber das ist wohl immer noch mal möglich.

Ich hätte so gern das Lied dans les fêtes des amoureux(frz.) an den Valentinstagen, ‚auf den Festen der Liebenden‘ (ein Liedtitel). Lied nicht eindeutig identifiziert. „An welches Lied sich Tilly von ungefähr erinnert, bleibt offen.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 69] Es dürfte sich aber um das Lied „La Fête des amoureux“ (1886) von Paul Fauchey (Text: Georges Laure-Marguery) gehandelt haben. oder wie’s heißt gelernt, habe aber in Deinem Buchnicht identifizierte französischsprachige Liedersammlung aus Wedekinds Besitz; vielleicht hat es sich um dieses Buch gehandelt, in dem das Lied „Marion“ (siehe unten) mit Noten enthalten ist: Les plus jolies chansons du pays de France. Chansons tendres. Choisies par Catulle Mendès. Notées par Emmanuel Chabrier et Armand Gouzien. Illustrées par Lucien Métivet. Paris 1888. nur die Mariondas französische „Volkslied ‚Marion s’en va-t-a l’ou‘; vertont von dem frz. Komponisten Emmanuel Chabrier“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 69]. gefunden. Willst Du mir’s aufschreiben? | Hast Du niemand von unsern Bekannten gesehen?

Nun lebwohl für heute. Im Geiste sitze ich auf Deinem Bett, oder deinen Knien, umarme u. küsse Dich innig.

Deine Tilly |


Liebster Papa,

vielen Dank für Deine liebe Kartevgl. Frank Wedekind an Pamela Wedekind, 21.9.1907.. Großmama, Tante Mati grüßen herzlich. Einen schönen Kuss von Deiner Anna Pamela Wedekind


[Seite 8 am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Sie lacht u. freut sich riesig u. will noch schreiben.

Einzelstellenkommentare

Karlsruhe, 30. September 1907 (Montag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Postkarte


An
Herrn
Frank Wedekind
in München
Wohnung (Straße und Hausnummer) Amalienstr. 86 II. |


Mein lieber Frank, ich schreibe Dir in der Bahn. Mati hat uns nach Basel gebracht u. sitzen wir glücklich im Schlafwagen nach Berlin. Anna„die Zugeherin des Berliner Wedekind-Haushalts“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 68], die Tilly und Pamela Wedekind am Anhalter Bahnhof in Berlin abholte. holt uns vom Bahnhof ab. Herzl. Dank für Deinen Kartenbriefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 29.9.1907.! Wolltest Du mit Heine nicht wegen Gastspiel sprechenCarl Heine war Oberregisseur und Dramaturg am Frankfurter Schauspielhaus – ein mögliches Gastspiel als Gesprächsinteresse hat Wedekind nicht erwähnt [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 21.9.1907].? Innigst
Deine Tilly


[Seite 2 am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Anna Pamela

Einzelstellenkommentare

Berlin, 12. Januar 1908 (Sonntag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T W


Sonntagder 12.1.1908..


Geliebter Frank,

ich habe Dir Freitag Deine Gummischuhe geschickt u. auf die Packetadresse ein paar Worte draufgeschriebenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zu der genannten Sendung; erschlossenes Korrespondenzstück: Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 10.1.1908.. Gestern schrieb ich Dir einen Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 11.1.1908..

Was soll ich Dir schreiben, geliebter Frank? Ich bin nicht so eingebildet meine Briefe | für sehr interressantSchreibversehen, statt: interessant. zu halten, u. verschone Dich daher lieber mit dem Geschreibsel.

Anna Pamela spielt unterdess unter meinem Rock Verstecken.

Sie ist allerliebst!

Heute, Sonntag Nachmittag war ich beim Tee bei Greve’sbei dem Regierungsrat Julius Greve und seiner Frau in Berlin (Kurfürstendamm 215, 3. Stock) [vgl. Berliner Adreßbuch 1908, Teil I, S. 763]., die mich einge|laden hatten. Ich habe mündlich schon für uns Beide zugesagtvermutlich für den 21.1.1908, an dem Wedekind notierte: „Abends bei Grewes“ [Tb].; Du schreibst aber noch paar Zeilen nicht wahr?!

Hoffentlich findest Du nicht, dass ich zu viel auf der Gaudiauf Vergnügungstour. bin. Die Trommel„Die Lauftrommel hatte Wedekind selbst gefertigt. In ‚Die Zensur‘ (2. Szene) balanciert auf ihr Kadidja“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 79]. Kadidja in „Die Zensur“ nennt unter den von Buridan erfundenen Kinderspielzeugen „die Lauftrommel“ [KSA 6, S. 214]. Wedekind hat ihre Herstellung im Tagebuch am 6.1.1908 („Stütze für die Lauftrommel fertiggestellt“) und 7.1.1908 („Ich stelle die Lauftrommel fertig“) vermerkt, zwei Tage vor seiner Abreise nach Nürnberg. wird’s nicht mehr lang machen, sie stöhnt u. ächzt immer jämmerlicher.


[Seite 2 am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Greve lasenSchreibversehen, statt: Greve las (oder: Greve’s lasen). mir eine sehr lobende Notiz aus der Zeitungnicht ermittelt; die Zeitungsnotiz dürfte die erfolgreiche Uraufführung von „Musik“ am Nürnberger Intimen Theater am 11.1.1908 kommentiert haben – konstatiert wurde in der Berliner Presse „ein rauschender Theatererfolg“ [vgl. Martin Boelitz: Uraufführung von Wedekinds „Musik“. In: Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 22, 13.1.1908, Abend-Ausgabe, S. (3)]. vor.


[Seite 2 am rechten Rand im Übergang zu Seite 3 am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Es küsst Dich innigst
Deine Tilly |


Liebster Papa,

ich bin wohl u munter, u. rufe den ganzen Tag „Papa“.

Ich habe Dich, u. meine Mama sehr lieb. Deine
Anna Pamela

Einzelstellenkommentare

Berlin, 14. Januar 1908 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Dienstagder 14.1.1908..


Geliebter Frank,

beiliegenden Briefdie Beilage zum vorliegenden Brief; vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 11.1.1908. schrieb ich Samstagder 11.1.1908. abend, nachdem ich einen andernBrief nicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 11.1.1908. eben an Dich weggeschickt hatte. Und nun schreibst Du mir ja heuteEs folgt ein Zitat aus Wedekinds letzter Postkarte [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 12.1.1908]. „Interressiert Dich das Alles? Ich schreibe ins’ Blaue hinein.“

Frank ich möchte Dir nicht die Stimmung verderben, Du hast heute u. übermorgendie dritte Vorstellung am 14.1.1908 und die vierte und letzte Vorstellung am 16.1.1908 [vgl. Tb] der am 11.1.1908 im Nürnberger Intimen Theater uraufgeführten Inszenierung von „Musik“, in der Wedekind die Rolle des Franz Lindekuh spielte. | zu spielen. Wir können ja auch mündlich darüber verhandeln. Aber wenn du findest, dass ich keinen Anteil nehme an Dir u. Deiner Arbeit, wenn Du nicht ganz sicher bist, dass ich mich dafür interessiere, dann bitte ich Dich Dir jemanden zu suchen, der mehr Verständniss für Dich hat. Dann bin ich Deiner nicht würdig.

O, Geliebter, guter Frank, versteh’ mich bitte nicht falsch – | Aber es empört sich etwas in mir, wenn ich denke dass Du mich neben Dir herschleppst, ohne das zu finden bei mir, was Du brauchst.

Fritzi Schaffer war soviel ich weiß in Wien am Volkstheater u. ist noch sehr jungFritzi Schaffer, Schauspielerin im Ensemble von Emil Meßthalers Intimen Theater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1908, S. 504], die in der Nürnberger „Musik“-Inszenierung die Rolle der Musikschülerin Klara Hühnerwadel spielte, war davor am Neuen Schauspielhaus in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1907, S. 295], davor am Deutschen Volkstheater in Wien [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 581]; sie war erst 18 Jahre alt (geboren am 30.4.1889) und drei Jahre jünger als Tilly Wedekind (geboren am 11.4.1886)..

Wie war denn Hedwig LangeHedwig Lange, Schauspielerin im Ensemble von Emil Meßthalers Intimen Theater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1908, S. 504], spielte in der Nürnberger „Musik“-Inszenierung die Rolle der Else Reißner. Wedekind war mit ihr seit einigen Jahren bekannt, er hat am 30.6.1905 ihren Namen notiert: „Hedwig Lange.“ [Tb]? Das Stück wurde wohl zu ernst aufgefasst? |

Ich glaube ich komme mit dem Geld aus, Du brauchst mir nichts zu schicken. Ich danke Dir herzlich.

Anna Pamela hat ein neues Kunststück gelernt. Sie kann Flöte blasen.

Wann kommst Du denn, mein lieber Frank? Freitag Früh oder abends? Wenn es Dir recht ist, hole ich Dich ab. Von ganzem Herzen umarmt u. küsst Dich
Deine Tilly


Viele Küsse Deine Anna Pamela


[Beilage:]


Samstag.


Geliebter Frank,

Gesternam 10.1.1908. war ich Nachmittag’s bei Weltibei Wedekinds altem Freund, dem Schriftsteller Dr. phil. Heinrich Welti in Berlin (Lützowstraße 20) [vgl. Berliner Adreßbuch 1908, Teil I, S. 2784], der mit der Opernsängerin Emilie Herzog verheiratet war.. Frau Herzog gab gerade eine Stunde, kam aber doch u. war sehr liebenswürdig. Ich glaub’ ich habe mich nicht so ungeschickt benommen, wie wenn Du dabei bist. Vor Dir habe ich eben den meisten Respect.

Adele hat natürlich abgeschrie|benabgesagt. da sie Stunde hatte. Ich gieng mit Frau Schwarz. Vorher aß ich bei ihrvermutlich bei Clara Auguste Schwarz (geb. Hartmann), der ersten Ehefrau des Berliner Porträt- und Genremalers Alfred Schwarz (Viktoria Luise-Platz 11) [vgl. Berliner Adreßbuch 1908, Teil I, S. 2413], mit dem Wedekind bekannt war [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 4.2.1910].; dann fuhren wir zusammen nach Hause. Es war wirklich sehr schön! Ich werde der Herzog noch ein paar Zeilen schreiben.

Heute war ich Nachmittags wegen der Gasrechnung u. einen Augenblick bei Fr. Durieux. Sie schrieb mir, | dass sie zu Bett liegt.

Anna Pamela ruft immerzu nach Dir, sucht in Deinem Wohnzimmer nach Dir u. wenn sie es leer findet, geht sie zur Tür u. will in Dein Schlafzimmer. Sie kann es nicht begreifen, wenn ich ihr sage, dass Du weggefahren bist, u. lacht wenn ich den Zug nachmache. | Du spielst jetzt ebendie Rolle des Franz Lindekuh bei der Uraufführung von „Musik“ am 11.1.1908 am Intimen Theater (Direktion: Emil Meßthaler) in Nürnberg.. – Wenn Du Kritikender Uraufführung von „Musik“ am 11.1.1908 in Nürnberg. hast sende sie mir bitte.

Der Herrnicht identifiziert. war hier u. wird in 8 Tagen wieder kommen.

Nun kann ich Dir nur noch sagen, dass ich Dich sehr lieb habe, wenn es Dich nicht langweilt.

Deine Tilly

Einzelstellenkommentare

Graz, 20. Mai 1908 (Mittwoch)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
Wien I.
Hotel Tegetthoff |


Innigst geliebter Frank, ich danke Dir herzlich für Deinen Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 19.5.1908.. Ich freue mich, dass Du die Vorträge angenommen hast, u. ich mir nicht sagen muss, dass ich Dich davon abhalte. Hier vergeht die Zeit mit Windeseile. Anna Pamela ist zu lieb u. | sehr zärtlich mit mir. Jetzt gehe ich mit Bertl in „JugendMax Halbes „Jugend“ wurde am 20.5.1908 im Theater am Franzensplatz in Graz gespielt, Beginn: 19.30 Uhr, Regie führte Alfred Schreiber [vgl. Grazer Tagblatt, Jg. 18, Nr. 139, 20.5.1908, Morgen-Ausgabe, S. 10]. Die von Tilly Wedekind und ihrem Bruder Dagobert Newes besuchte Vorstellung war ausgewiesen als „Gastspiel des Fräulein Ella Staerk vom Stadttheater in Danzig.“ [Grazer Volksblatt, Jg. 41, Nr. 231, 20.5.1908, Morgen-Ausgabe, S. 12] Sie stammte aus Graz, worauf die Ankündigungen hinwiesen: „Im Theater am Franzensplatz wird heute Frau Ella Stärk, ein Kind unserer Stadt, als Annchen in Halbes Liebesdrama ‚Jugend‘ ein Gastspiel absolvieren“ [ebd., S. 4]; sie werde „zum ersten Male die Bühne ihrer Heimatstadt betreten, und zwar als Annchen in ‚Jugend‘“ [Grazer Tagblatt, Jg. 18, Nr. 137, 18.5.1908, Abend-Ausgabe, S. 3]., eine Bekannte von mir spielt das Annchendie weibliche Hauptrolle in Max Halbes „Jugend“, gespielt von Ella Staerk (siehe oben).. Heute Vormittag im Park laßSchreibversehen, statt: las. ich Gedichte von Schiller, Bertl überhört mich die RollenTilly Wedekind „bezieht sich auf die Rolle Kadidja in ‚Die Zensur‘ und die Rolle Klara in ‚Musik‘.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 87]. Alle grüßen Dich. Innigst umarmt u. küsst Dich
Deine Tilly


20.V.08.


Viele Küsse Deine Anna Pamela

Einzelstellenkommentare

Graz, 22. Mai 1908 (Freitag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Karl und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Post-Karte.


Herrn
Frank Wedekind
Wien I.
Hotel Tegetthoff. |


Gruss aus St. Gotthardt bei Graz. Café-Restaurant Türkenschanze.


Herzlichen Gruss
KarlWedekinds Schwager Karl Newes.


Küsse
Anna Pamela


Deine Tilly

Sende Dir die letzten Grüße nach Wien. Schreib’ mir bei Gelegenheit Deine Adresse. Herzl. Dank für die Kartedie kollektiv geschriebene Bildpostkarte [vgl. Frank Wedekind, Mathilde Engländer, Dagobert Engländer, Karl Lillin, Laura Engländer, Richard Engländer, Stephanie Engländer an Tilly Wedekind, 21.5.1908]..

Einzelstellenkommentare

Graz, 27. Mai 1908 (Mittwoch)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
München.
Regina Palast Hotel. |


Mittwochder 27.5.1908..

Geliebtester Frank, Anna Pamela sagt „Papa Brief heibenKindersprache für: schreiben.“. Inzwischen hast Du auch meinen Kartenbrief von Montagvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 25.5.1908. Früh u. meinen Brief von gesternvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 26.5.1908.. Nun fühlst Du Dich ja offenbar schon behaglicher in München. Bitte geh’ nun aber auch möglichst viel spazieren u. nimm’ Bäder, das wird Dir sicher sehr gut tun! Was hat der Arzt gesagt? In Berlin würdest Du eben doch nicht | gehen. Könntest Du in München nicht auch reiten? Reithose bekommst Du auch ausgeliehen in der Reitschule.

Anfang Juni ist Martha mit der Schule fertig. Solang könnte ich ja bleiben, meinethalben auch länger. Wenn die Wohnung früher leer werden sollte, sich auch eventuell ein Gastspiel findet, u. Du ausserdem unbezähmbare Sehnsucht nach mir bekommen solltest, dann würde ich | ja mit Freuden zu Dir kommen. Du kannst Dir meinen Vorschlag bez. einer Sommerwohnung in der Umgebung München’s ja noch überlegen. Du kannst ja in der Stadt bleiben, u. mich mal ab u. zu besuchen. Irgendwo an’s Meer zu gehen macht Dir keinen Spaß, gesund wäre es uns allen; ich würde aufblühen, sagt Mama. Aber ich will Dich absolut zu nichts bestimmen, wozu Du keine Lust hast. Auch will ich nicht, dass wir zuviel Geld brauchen. Wenn in München nichts zu machen ist, so lassen wir’s bei unserer Verabredung. Du machst Deine Kur in München | u. schreibst mir, wann Du nach Berlin willst. Lass’ Dir nur Zeit dazu, nicht dass Du denkst ich halte es nicht mehr aus u. will weg. Solang ich Dich nur störe, ist’s so besser, ich bin nicht bei Dir. Frank Du darfst nicht glauben, dass ich gar keine Sehnsucht nach Dir habe; aber wozu soll ich kommen, wenn Du noch keine rechte Freude an mir haben kannst. Wie schrecklich müssen Dir alle diese Vorschläge sein, wo Du so ungern Pläne machst.

Sei mir nicht böse, ich wollte Dir mit dem allen nichts Unangenehmes sagen, ich hab’ Dich ja so lieb!

Innigst Deine Tilly


[Seite 5, am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Viele Küsse Deine Anna Pamela

Einzelstellenkommentare

Graz, 29. Mai 1908 (Freitag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
München.
Regina Palast Hotel. |


Freitagder 29.5.1908..


Mein lieber Papa, Mama behauptet, ich sei ein süßes Engelsgeschöpf.


Lenerl kommt mit einem Stück Kuchen, u. Anna Pamela hat genug vom Brief schreiben. Sie plaudert jetzt schon sehr drollig. Ich bin sehr neugierig, ob Du mit Stollberg gesprochen hast u. was Du zu unternehmen gedenkst. Soll bei JarnoJosef Jarno, Direktor des Theaters in der Josefstadt und des Lustspieltheaters in Wien, hatte für den Herbst 1908 eine Inszenierung des „Marquis von Keith“ erwogen, die nicht zustande kam. nur „Marquis v. Keith“ gespielt werden? Spielst Du den Marquis? Jarno kommt nächste WocheAm Stadttheater in Graz fand vom 1. bis 9.6.1908 ein „Gesamt-Gastspiel des Josefstädter und Lustspiel-Theaters in Wien unter der Leitung von Josef Jarno“ [Grazer Volksblatt, Jg. 41, Nr. 250, 1.6.1908, Abend-Ausgabe, S. 8] statt. nach Graz; vielleicht geh’ ich mal in’s Theater. Ich freue mich, dass Du keine ernste HerzensangelegenheitZitat; Wedekind hat seiner Frau nach einem Arztbesuch erklärt, „ernst“ scheine seine „Herzensangelegenheit“ [Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 26.5.1908] nicht zu sein. hast; hast Du schon Bischen abgenommen? Weißt Du übrigens, dass Du nicht ein E/e/inziges Bild von mir mithast? Oder ist’s Dir gar nicht abgegangen? Zensur kann ich schondie Rolle der Kadidja im Einakter „Die Zensur“.. Wie wird denn unsre Wohnung?

In innigster Liebe küsst Dich Deine Tilly.

Einzelstellenkommentare

Graz, 30. Mai 1908 - 31. Mai 1908
von Wedekind, Tilly, Newes, Lene und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Samstag der 30.5.1908.abends.

Mein Frank, ich danke Dir, Innigstgeliebter. Du hast mir eine große Freude mit Deinem Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 28.5.1908. gemacht. Den andern Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 25.4.1908. kann ich Dir jetzt nicht schicken. Bitte mach’ Dir aber gar keine Sorgen deshalb. Wenn bittere Dinge darin vorgekommen sind, so liegt der Grund einzig u. allein darin, dass ich das Bestreben habe Dir immer näher u. näher zu kommen, Dich ganz zu verstehen u. glücklich | zu machen, u. dass ich nur zu oft fühle wie wenig mir das alles gelingt, trotz meines guten Willens. Ich werde ihn Dir geben, aber nur, wenn ich bei Dir bin, Dein Gesicht sehen kann u. Du mir gleich darauf antworten kannst.


Sonntagder 31.5.1908..

Gestern war ich schon sehr müde u. gieng zu Bett. Ich habe natürlich auch nicht viel Lust am Tegernsee hinaus zu ziehen, wenn du denkst, dass man sich langweilt. Ausserdem möchte ich nicht, dass Stollberg Dich | ausnützt, u. die Gelegenheit wäre ihm damit allerdings gegeben. Also Schluss mit München u. Umgebung. Zum Az/r/zt u. zu Langen zu gehen hast Du noch dieser Tage Zeit. Willst Du aber nicht zu „Frl. Erw.„Frühlings Erwachen“ hatte am 14.11.1908 am Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg) Premiere. hinfahren? Wann wird das sein? Ich freu’ mich sehr, dass es freigegebenDer Münchner Polizeipräsident Julius von der Heidte hat die öffentliche Aufführung von „Frühlings Erwachen“ am 11.5.1908 für das Münchner Schauspielhaus freigegeben [vgl. KSA 2, S. 971f.]. ist, es stand auch hier in der Zeitungnicht eindeutig ermittelt; das „Grazer Volksblatt“ hat in anderem Zusammenhang bemerkt, man lasse „den berüchtigten Schriftsteller und Schauspieler Frank Wedekind mit seiner Kindertragödie ‚Frühlings Erwachen‘ Erfolge einheimsen.“ [J. N‒r: Wiener Theater. In: Grazer Volksblatt, Jg. 41, Nr. 248, 30.5.1908, Abend-Ausgabe, S. 2]. Bist Du nun mit Halbe schon versöhnt?Wedekind notierte am 3.6.1908: „Ich versöhne mich mit Max Halbe.“ [Tb] Ich denke also es ist am Besten wir gehen nach Berlin zurück, | vorausgesetzt dass auch Du Lust dazu hast. Martha wird am 4. Juni frei, das ist Donnerstag. Einige Tage hat sie aber dann noch zu tun, bis sie reisefertig ist. Dann ist Pfingsten. Ich dachte also nach Pfingsten, am Dienstag den 9. Juni zu reisen. Übrigens Frank, hast Du auch sicher nichts dagegen, dass Martha mitkommtTilly Wedekinds jüngere Schwester Martha Newes ging am 9.6.1908 mit nach Berlin und blieb dort als Gast bis zum 10.9.1908 [vgl. Tb].? Viel mehr kosten wird es nicht, als wenn ich wieder ein 2tes Mädchen nehme, u. so haben alle Theile mehr Annehmlichkeit. Aber wenn Du Bedenken hast, sag’ sie bitte. | Wenn Du willst, dass wir früher kommen, könnten wir auch schon Freitag oder Samstag reisen. Die Donaufahrt werde ich nicht machen. Onkel Dagobert schrieb mir, dass ich um Anschluss zu haben, in Regensburg auch noch 1 Nacht übernachten müsste, so käme die Reise, trotz Ermäßigung auf der Donau teurer, wie nur mit der Bahn. Ausserdem ist das Wetter immer unsicher. Wir fahren lieber mal herunter. Besser ist es, wenn Du erst 1 – 2 Tage später nach Berlin kommst, als wir, damit schon wieder alles | in Ordnung ist. Ich gehe dieser Tage in ein ReisebureauxSchreibunsicherheit: statt: Reisebureau (nach der frz. Schreibung von Büro). (?), um zu sehen, wie ich am Besten fahre, ob bei Tag oder Nacht.

Nun, geliebter Frank, ist es Dir so recht? Nur eine Woche noch, u. Du wirst wieder mit allen häuslichen KalamitätenMissständen, Schwierigkeiten. geplagt. Drei Jahre kennen wir uns jetzt. Mich wundert’s, dass Du es noch aushältst. Oh Frank, ich habe Dir viel mehr zu danken, ich fühle jeden Tag, wieviel ich durch Dich geworden bin. |

Gestern, bei einem AusflugTilly Wedekind hat von dem Ausflug nach Gösting mit Grüßen von ihrer Mutter Mathilde Newes, ihrer Tochter Pamela Wedekind und der kleinen Lene Newes (genannt Lenerl) eine Bildpostkarte verschickt [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind. Graz, 30.5.1908]. nach Gösting, fand Mama im Extrablatt Dein Bild mit einer Rezensionim „Illustrirten Wiener Extrablatt“ vom 10.5.1908 (Nr. 129) über die Aufführung von „Frühlings Erwachen“ am 9.5.1908 im Deutschen Volkstheater in Wien [vgl. KSA 2, S. 964]. über Frühlings-Erwachen. Sie zeigte Anna Pamela das Bild, u. fragte: wer ist das. Anna Pamela sah es lange an, u. sagte dann: Papa.

Ich denke sie wird Dich sicher erkennen.

Neulich abends mi bin ich mit meinem Bruder Carl Rad gefahren, es geht noch ganz gut.

Zensur habe ich jetzt fertig gelerntdie Rolle der Kadidja im Einakter „Die Zensur“.. Bertl muss mich jeden Tag | paarmal überhören; ich hoffe bis Berlin sicher zu sein.

Nun lebwohl, geliebter Frank u. schreibe mir bald, ob es Dir so recht ist.

Innigen Kuss
Deine Tilly


Viele Küsse meinem lieben Papa, Anna Pamela


Busserln Leni

Einzelstellenkommentare

Berlin, 20. August 1908 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
Breslau 5
Savoy-Hotel
Tauenzienplatz 13 |


Donnerstagder 20.8.1908. morgens.


Mein lieber Frank, ich danke Dir herzlichst für Deine Kartenvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 17.8.1908 und 18.8.1908. u. Deinen lieben Briefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 19.8.1908.. Du musst entschuldigen, dass ich gestern nicht schrieb; erstens passiert nichts Neues u. zweitens nehmen mich meine 3 KinderTilly Wedekinds Geschwister Karl und Martha, die zu Besuch in Berlin waren, sowie ihre Tochter Pamela. | sehr in Anspruch. Ich hatte gestern schon gepackt, weil ich ja nicht wusste ob ich heute oder morgen fahren soll. KammersängerTilly Wedekind nahm den Einakter „Der Kammersänger“ mit zu ihrem Gastspiel nach Breslau – falls er am Breslauer Schauspielhaus gespielt werden sollte, wo „Marquis von Keith“ am 23.8.1908 Premiere hatte. nehme ich für alle Fälle mit.

Morgen Freitag fahre ich also mit demselben ZugFrank Wedekind reiste am 17.8.1908 zu dem Gastspiel nach Breslau, mit einem Zug, der Tilly Wedekind zufolge um 14.25 in Berlin abfuhr und um 20.12 in Breslau ankam und den sie nun am 20.8.1908 nahm. Wedekind notierte am 20.8.1908: „Ich hole Tilly vom Bahnhof ab. Wir diniren im Hotel und gehen dann in den Pilsner Urquell.“ [Tb] Frank und Tilly Wedekind reisten nach Abschluss ihres Gastspiels am Breslauer Schauspielhaus am 27.8.1908 zurück nach Berlin. um | 2.25 u. bin um 8.12 bei Dir. Die BilderFotos von Frank und Tilly Wedekind für die Präsentation der „Marquis von Keith“- Inszenierung im Breslauer Schauspielhaus. bring’ ich auch. – Oscar Fried u. Frau haben mir eine Karte geschrieben. Sie denken noch an den famosen Abendmit dem Komponisten und Dirigenten Oskar Fried und seiner Gattin Gusti Fried (geb. Rathgeber), der ehemaligen Frau Otto Julius Bierbaums, sowie Julius Schaumberger am 12.8.1908 bei Frank und Tilly Wedekind in Berlin (Kurfürstenstraße 125): „Oskar Fried und Frau und Julius Schaumberger kommen zum Abend zu Besuch. Tilly singt Confession.“ [Tb] u. möchten gern wieder mit uns zusammen sein. |

Brüder Karamasow“ sind angekommenWedekind hat seiner Frau offenbar Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“ (1880, in deutscher Übersetzung zuerst 1884) geschenkt. u. danke ich Dir vielmals dafür.

Anna Pamela ist frisch u. munter. Sie war sehr traurig, dass Papa fort ist u. sagte: „Soll er wieder kommen.“ |

Heute gehen wir noch alle zusammen spazieren.

Nun lebwohl, alle lassen Dich vielmals grüßen.

Innigen Kuss
Deine Tilly |


Lieber Papa, komm bald zu Deiner Anna Pamela, die Dich sehr lieb hat.

Viele Küsse A.P.

Einzelstellenkommentare

München, 3. Februar 1910 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Donnerstagder 3.2.1910..


Geliebter Frank,

ich bin auf weitere Nachrichtenvom Tod Otto Julius Bierbaums am 1.2.1910 in Dresden, der Beisetzung, der Trauerfeiern. sehr gespannt. In der Zeitung stand ja bis jetzt nichts. Wozu hast Du Dich entschlossen?

Heute Vormittag war ich mit Annapamela im ReisebüreauTilly Wedekind hat sich im Reisebüro nach den Reiseverbindungen für das anstehende Gastspiel vom 14. bis 17.2.1910 am Lustspielhaus in Düsseldorf erkundigt.. Der Unterschied von II. und III. Classe ist 12 M. u. der Schlafwagen. Ausserdem ist die Verbindung am Tag noch besser. Nachts fährt man von 10 Uhr22 Uhr. bis 12.58, | am Tage von 7 Uhr Früh bis 6 Uhr Abend. Wir fahren also am Mittwoch Früh, Donnerstag den 10. kann ich zur ProbeTilly Wedekind traf am 9.2.1910 zum Gastspiel am Lustspielhaus in Düsseldorf ein (gespielt wurde „Die Zensur“, „Totentanz“ und „Hidalla“) und nahm insofern am 10.2.1910 an der „Probe von Totentanz und Zensur um 10 Uhr“ [Tb] teil. sein.

Eben erhielt ich das Telegramm von Bierbaumnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Gemma Bierbaum an Wedekind, 3.2.1910. u. sende es Dir nach. Ich nehme an, dass Du ein Beileid-TelegrammWedekind hat der Witwe von Otto Julius Bierbaum telegrafisch kondoliert – in seinem eigenen Namen und dem seiner Frau [vgl. Frank und Tilly Wedekind an Gemma Bierbaum, 2.2.1910]. Er notierte am 2.2.1910: „Lese die Nachricht von Bierbaums Tod, telegraphiere Gemma.“ [Tb] geschickt hast, was ich auch noch tun werde. Es ist schrecklich! Gemma hat ihn gar nicht mehr lebend getroffen„Die in Italien weilende Gattin des Dichters traf erst nach seinem Tode ein; sie war untröstlich über seinen Verlust.“ [Bierbaums Begräbnis. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 59, 2.2.1910, Abend-Ausgabe, S. (3)]. Hast Du die Absicht zur TrauerfeierEine Trauerfeier für den am 1.2.1910 in Dresden verstorbenen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum fand am 4.2.1910 nachmittags in dessen Dresdner Wohnung statt [vgl. Trauerfeier für Otto Julius Bierbaum. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 64, 5.2.1910, Morgen-Ausgabe, S. (3)]. zu fahren? |

Heute Nachmittag gehe ich zu Frau Henckellzu Anny Henckell (geb. Haaf), der Gattin von Karl Henckell, im Münchner Stadtteil Bogenhausen (Kufsteinerplatz 1) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 220]., die mich eingeladen hat. Meine Cousine kommt vielleicht auch. Sie bringt dann Hypolit zu uns u. die beiden KinderFerdinand von Sadkowski, genannt Hypolit, der Sohn von Tilly Wedekinds Cousine Eugenie (Jenny) von Sadkowski, und Pamela Wedekind. gehen mit dem Mädchenmit „Senta“ [Wedekind 1969, S. 138], dem Kindermädchen. „Seit Oktober 1908 beschäftigte die Familie Wedekind ein Kinder- und Hausmädchen. Tilly erwähnt für das Jahr 1911 den Namen Senta“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 113]. spazieren.

In der Elektrischender Trambahn (Straßenbahn). traf ich Frl. Terwin, sie trug mir Karten für „Das Conzertzwei von der Hofschauspielerin Johanna Terwin (sie hatte 1907 in Zürich die Lulu gespielt) übermittelte Theaterkarten für eine Vorstellung von Hermann Bahrs Lustspiel „Das Konzert“ (1909) am Münchner Residenztheater (Premiere: 29.1.1910), in dem sie die Rolle der Delphine spielte [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 46, 29.1.1010, Generalanzeiger, S. 2]. Tilly Wedekind besuchte die Vorstellung am 1.2.1910 (Dienstag) gemeinsam mit der befreundeten Schauspielerin Käthi Sandel, die seinerzeit in München gastierte. an. Ich sagte ich weiß noch nicht ob ich kann. Am nächsten Tag in der Früh schickte sie | gleich herüber, u. ließ sagen sie hätte 2 Karten. Ich holte mir die Sandel dazu ab, meine übrigen Bekannten sind ja größtentheils mit dem Hoftheater verheiratet. Aber an dem Abend war auch ganz München versammeltTilly Wedekind traf am 1.2.1910 im Residenztheater (siehe oben) Adele Sandrocks Bruder, den Maler und Schriftsteller Christel (Christoph) Sandrock und dessen Gattin Emmy Sandrock (geb. Emmrich, geschiedene Hübener), die er am 17.7.1900 in Gmunden geheiratet hatte, Franz Blei und dessen Frau, die Zahnärztin Maria Blei (geb. Lehmann), Korfiz Holm, Prokurist und nach Albert Langens Tod Treuhänder des Albert Langen Verlags, und dessen Frau Augusta Holm (geschiedene Ziemann), Emil Meßthaler, Jenny Albu (geb. Fischer), die Gattin des Schriftstellers Eugen Albu, und Elisabeth Steinrück (geb. Gussmann), die Gattin des Schauspielers Albert Steinrück und Schwägerin Arthur Schnitzlers.. Sandrock u. Frau, Blei u. Frau, Holm u. Frau, Met/s/sthaler, Fr. Albu, Fr. Steinrück. Ich sprach nur Frau Albu u. Frau Steinrück u. gieng nachher dem Theater gleich nach Hause. Das war am Dienstag. Gestern war ich zu Hause. Das sind alle meine Erlebnisse! Und Deine?

Innigsten Kuss Deine Tilly


5 Küsse schickt Dir Deine Annapamela.

Einzelstellenkommentare

München, 4. Februar 1910 (Freitag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Freitagder 4.2.1910..


Innigst geliebter Frank,

Gott sei Dank, eben kam Dein Telegrammvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 4.2.1910 (Telegramm).! Ich danke Dir tausendmal dafür. Ich war schon so unruhig, was mit Dir ist! Ich fürchtete Du seist mir böse, weil ich Dienstag nicht geschrieben habe. Aber Du warst doch am Abend vorher weggefahren, u. es war gar nichts vorgefallen, wir waren Vor- u. Nachmittag spa|zieren wie immer. Als ich Mittwoch Deinen lieben Kartenbriefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 1.2.1910. erhielt, telegraphierte ichvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 2.2.1910 (Telegramm). gleich. Dann schrieb ich Dir einen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 2.2.1910 (Brief).. Donnerstag, gestern, sandte ich Dir das Telegramm von F. Bierbaumnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Gemma Bierbaum an Wedekind, 3.2.1910. nach, schrieb Dir einen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 3.2.1910 (erster von zwei Briefen)., telegraphiertevgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 3.2.1910 (Telegramm). u. sandte Dir den Eilbrief von Gemmanicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Gemma Bierbaum an Wedekind, 2.2.1910.. Ich zähle das nur auf, weil Du gestern doch schon etwas erhalten haben müsstest. Es tut mir sehr leid, dass Du beunruhigt warst, ich dachte sicher, Du hättest gestern meinen Brief | von Mittwochder 2.2.1910. erhalten.

Ich küsste vor Freude über Dein Telegramm Annapamela stürmisch ab. Es geht uns beiden sehr gut. Heute Mittag wollte sie „die Braut“ kosten, statt Kraut. Sie fragt ob ich Dir nach dem „Habsburger-Hof“ schreibe. Das weiß sie auch schon. Heute Vormittag waren wir nicht spazieren, jetzt gehen wir aber gleich. Das Erdgeist BildFoto aus einer „Erdgeist“-Inszenierung für die Presseankündigung des bevorstehenden Gastspiels von Frank und Tilly Wedekind am Düsseldorfer Lustspielhaus (Direktion: Hans Sturm und Hanns Schreiner) vom 14. bis 17.2.1910 (gespielt wurde „Die Zensur“, „Totentanz“ und „Hidalla“). schicke ich also an den General-Anzeiger nach Düsseldorf. Ich bin sehr gespannt wie es mit Deinen Angelegen|heitenVerlagsangelegenheiten, Wedekinds Auseinandersetzung mit seinem Verleger Bruno Cassirer. in Berlin steht. Deinem Telegramm nach bist Du nicht nach Dresden gefahren.

Ich freue mich schon sehr auf Deinen Brief!

Gestern bei Frau Henckell war es sehr nett. Jenny kam auch, wir nahmen beide KinderFerdinand von Sadkowski, genannt Hypolit, der Sohn von Tilly Wedekinds Cousine Eugenie (Jenny) von Sadkowski, und Pamela Wedekind. mit; sie waren sehr brav. Am Mittwochder 9.2.1910, an dem Wedekind, der schon in Düsseldorf war, notierte: „Ich hole Tilly und Annapamela von der Bahn ab.“ [Tb] um 6 Uhr abendssind wir in Düsseldorf. Wann fährst Du hin? Heute abend will ich Totentanz“ wiederholenTilly Wedekind repetierte ihre Rolle für die Aufführung von „Totentanz“ am 14.2.1910 im Rahmen des Gastspiels am Düsseldorfer Lustspielhaus..

In treuer Liebe
Deine Tilly


Vielmals küsst ihren lieben Papa Annapamela.

Einzelstellenkommentare

München, 28. Februar 1910 (Montag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Montag, 28.II.10.


Innigst geliebter Frank,

wir waren gestern ganz allein zu Hause und haben große Sehnsucht nach Dir gehabt. Während der Zeit Deines VortragesWedekinds von der Vereinigung der arbeitenden Frauen veranstaltete Lesung am 27.2.1910 im Festsaal des Ingenieurs- und Architektenvereins in Wien. waren meine Gedanken immer bei Dir. Wie geht es Dir, mein lieber Frank? Hier war heute im Gegensatz zu gestern sehr schönes Wetter. Ich hoffe von ganzem Herzen | dass Du auch schönes Wetter hast und Dich gut erholen kannst. Vormittag waren wir spazieren, Nachmittag war Anna Pamela mit AnnaAnna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125]. fort und ich war bei Stollbergbei Georg und Grete Stollberg (Cuvilliésstraße 31) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 600]. Die von Tilly Wedekind genannten Gäste waren der Verleger und Mitinhaber der „Münchner Neuesten Nachrichten“ Georg Hirth und dessen Gattin Elise Hirth (geb. Knorr), der Architekt und Bühnenbildner Ferdinand Götz und dessen Gattin (nicht identifiziert), die Schauspielerin und Sängerin Anny Wünsch, die gerade am Theater am Gärtnerplatz (Direktion: Georg Stollberg) in der Operette „Die geschiedene Frau“ (von Victor Leon, Musik von Leo Fall) ein Gastspiel hatte – „Anny Wünsch als Gast“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 89, 23.2.1910, Generalanzeiger, S. 2], der Schriftsteller Paul Gutmann (Mitarbeiter der von Georg Hirth verlegten und herausgegebenen Zeitschrift „Jugend“), der Schauspieler Arthur Dunjecki, der gerade im Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg) in dem Lustspiel „Im Klubsessel“ (von Carl Rößler und Ludwig Heller) auf der Bühne zu sehen war, und dessen Gattin, die Schauspielerin Anna Dunjecki (Anna Marinelli), sowie der Schriftsteller und Schauspieler Ludwig Heller, der in dem von ihm mitverfassten Lustspiel „Im Klubsessel“ (siehe unten) im Münchner Schauspielhaus ebenfalls mitspielte.. Zuerst waren Dr. Hirth und Frau da, er bat mich Dich zu grüßen. Dann kamen Architekt Götz und Frau, Frau Wünsch vom Gärtnter-Theater, Herr Paul Gutmann, Herr v. Dunieçki und Frau und Heller. Stollbergs baten mich auch | Dich zu grüßen. Es war sehr nett. Am Mittwoch geh’ ich vielleicht mit Frau Langheinrich in „KlubsesselDas Lustspiel „Im Klubsessel“ (1909) von Carl Rößler und Ludwig Heller, uraufgeführt am 15.1.1910 im Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg), galt als „der neue Schlager des Schauspielhauses“ [Münchner Schauspielhaus. In: Münchner Stadtanzeiger, Jg. 22, Nr. 4, 21.1.1910, S. (6)].. Jetzt ist eine Einschreibe Brief aus Nürnbergnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Stadttheater Nürnberg an Wedekind, 26.2.1910. gekommen, sonst kam heute gar nichts. Ich sende ihn Dir weiter. Von dem Herrn Herzog hast Du bis jetzt nichts gehört? Glaubst Du nicht, dass er überhaupt erst jetzt zu Paul Cassirer gegangen ist, nachdem er mit Dir | gesprochenWedekind hat dem Tagebuch zufolge am 22.2.1910 („Vor dem Abendessen kommt Wilhelm Herzog“) und 23.2.1910 („Zum Thee kommt Wilh. Herzog“) in München mit Wilhelm Herzog gesprochen, der Lektor im Verlag Paul Cassirer war. Es dürfte um Wedekinds Verlagsangelegenheiten gegangen sein, um die Konflikte mit seinem Verleger Bruno Cassirer und einen möglichen Verlagswechsel zu dessen Vetter Paul Cassirer [vgl. Herzog 1959, S. 203-205]. hat? An Paul Cassirer willst Du nicht schreiben? Ich will natürlich nicht dreinsprechen, ich interessiere mich nur selbstverständlich sehr dafür.

Ich hoffe und wünsche sehr, morgen Nachricht von Dir zu bekommen. Geh’ ich Dir denn auch ein ganz klein bischen ab? Wem/n/ hast Du in Wien alles gesehen?

In treuer Liebe Deine Tilly


Viele Küsse meinem lieben Papa,
Anna Pamela

Einzelstellenkommentare

München, 2. März 1910 (Mittwoch)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Mittwoch, 2.III.10.


Mein lieber Frank,

ich danke Dir herzlich für Deine Kartevgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 27.2.1910. und Deinen Kartenbriefvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 28.2.1910.. Ich freue mich dass der Vortrag gut vorbei ist, und Du die Wirkung der Lamiascene ausprobiertWedekind hatte bei seiner Lesung am 27.2.1910 in Wien die 5. Szene (der Dialog zwischen Lamia und Basil) seines Versdramas „Der Stein der Weisen“ vorgetragen [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 27.2.1910]. hast. Sie ist wirklich nicht schwer zu lernen, der Anfang (LeonhardDer Famulus Leonhard tritt in der 1. und 2. Szene des Versdramas „Der Stein der Weisen“ auf [vgl. KSA 6, S. 237-242].) wurde mir schwerer. Ich werde die Lamia jeden Tag öfter durchsprechen, so gut | und so deutlich es mir möglich ist, und freue mich sehr, bis wir sie dann zusammen studieren. Vielleicht können wir Stein der Weisen doch im Juli spielenWedekinds Versdrama „Der Stein der Weisen“ wurde erst am 23.1.1911 im Rahmen eines Gastspiels an der Kleinen Bühne in Wien uraufgeführt [vgl. KSA 6, S. 1004]..

Sehr froh bin ich, dass das Wetter mild und angenehm ist. Ich hoffe zuversichtlich dass Dein Husten bald besser wird. Hoffentlich ist es auch in Prag schön. Das ist sehr gut, dass Du in Prag einige Tage Ruhe hast. MorgenAm 3.3.1910 fand Wedekinds „Vortrag in Olmütz“ [Tb] statt. und übermorgenAm 4.3.1910 fand Wedekinds „Vortrag in Prag“ [Tb] statt., dann | ist es ja bald vorbei.

Das ist unglaublich, dass Gutmann noch gar nicht mit dem Volkstheater verhandeltEmil Gutmann – das Konzertbüro Emil Gutmann in München organisierte Wedekinds Vortragsreisen und Gastspiele – hatte anders als angenommen nicht mit dem Deutschen Volkstheater in Wien über ein Gastspiel verhandelt, wie Wedekind vor Ort von Anton Geiringer erfahren musste [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 28.2.1910]. hat! Wie Du das gleich wusstest!

Wir waren gestern in der Schackgalerie, Anna Pamela auch, dann giengen wir noch spazieren. Nachmittags war ich bei Frl. Osterlohbei Hildegard Osterloh (Galeriestraße 35a) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 419], Schauspielerin am Münchner Schauspielhaus und am Theater am Gärtnerplatz [vgl. Neuer Theater-Almanach 1910, S. 554] – am 1.3.1910 nachmittags, zusammen mit der befreundeten Schauspielerin Käthi Sandel. eingeladen mit der Sandel. Mit Frau Langheinrich war ich im „nakten Weibin Henry Batailles Schauspiel „Das nackte Weib“ („La femme nue“) im Münchner Schauspielhaus (Hildegard Osterloh spielte die Krankenpflegerin) um 19.30 Uhr [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 99, 1.3.1910, Generalanzeiger, S. 2] – am 1.3.1910 abends, zusammen mit Anna Langheinrich. heute wollen wir in „Klubsesselin Carl Rößlers und Ludwig Hellers Lustspiel „Im Klubsessel“ im Münchner Schauspielhaus [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 28.2.1910] – am 2.3.1910 abends, zusammen mit Anna Langheinrich.. Es ist Dir doch recht | wenn ich paar mal in’s Theater gehe? Die Karten für BölscheTilly Wedekind hatte Karl und Anny Henckell am 27.2.1910 Karten für Wilhelm Bölsches Vortrag „Die Rätsel in der Entstehung des Menschen“ am 28.2.1910 angeboten [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 27.2.1910]. nahmen Henckell’s mit Dank an. Für morgen Mittag hat mich Frau Justizrath Bernsteinbei der Schriftstellerin Elsa Bernstein (Ernst Rosmer), der Gattin des Justizrats Max Bernstein (Briennerstraße 8) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 43] – am 3.3.1910 mittags. zum Essen eingeladen. Du wirst denken, ich sei oft weg, aber das ist gar nicht der Fall, bis jetzt war ich bei Stollberg’sbei Georg und Grete Stollberg (Cuvilliésstraße 31) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 600] – am 28.2.1910 nachmittags. u. Osterloh u. einmal im Theater. Auch tust Du mir sehr Unrecht, wenn Du denkst, ich hätte für die Lamia nicht genügend Interesse.

Uns geht es gut, wir senden Dir herzliche Küsse, Deine Tilly
und Anna Pamela.

Einzelstellenkommentare

München, 3. März 1910 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


München, 3.III.10.


Mein lieber, geliebter Frank,

tausend Dank für Deine lieben Zeilenvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 2.3.1910.! Inzwischen hab’ ich Dir einen Brief von Paul Cassirernicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Paul Cassirer an Wedekind, 2.3.1910. geschickt und bin sehr gespannt wie die SacheWedekinds Streit mit seinem Verleger Bruno Cassirer, dem Vetter Paul Cassirers. Paul Cassirer, von Wilhelm Herzog darauf angesprochen [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 28.2.1910], könnte Wedekind in dem verschollenen Brief darüber Mitteilungen gemacht haben. jetzt aussieht. Auf der Post sagte man mir, dass Du die Briefe noch heute Früh bekommst. Jetzt fährst Du also nach Olmütz, ich werde froh sein wenn heuteder 3.3.1910, an dem Wedekind notierte: „Abfahrt von Wien. Versäume umzusteigen, fahre bis Abends 8 Uhr. Vortrag in Olmütz.“ [Tb] | und morgender 4.3.1910, an dem Wedekind notierte: „Abfahrt von Ollmütz um 3 Uhr in Prag. Bertl begleitet mich ins Hotel [...]. Vortrag in Prag.“ [Tb] für Dich vorbei ist. Mein Bruder Rudolf schrieb mirDer Brief von Rudolf Newes an seine Schwester ist nicht überliefert. Wedekind notierte über seinen Schwager am 27.2.1910 nach seiner Ankunft in Wien: „Rudolf holt mich ab. Mittag bei Hartmann [...]. Vortrag. Mit Rudolf bei Hartmann.“ [Tb] aus Wien. Es tut mir leid, dass er Dich schon vor dem Vortrag aufgesucht hat. Ich hatte ihm Dein Hotel nicht gesagt, aber wir wohnen eben immer da. Bertl wird Dir glaub’ ich nicht so sehr auf die Nerven gehen, ich hoffe es wenigstens.

Uns geht es gut, ich lerne jeden Tag an Stein der Weisen. Ich kann den Text natürlich schon, und übe nun haupt|sächlich das Sprechen.

Klubsessel“ war ganz hübschTilly Wedekind hat am 2.3.1910 eine Vorstellung von Carl Rößlers und Ludwig Hellers Lustspiel „Im Klubsessel“ im Münchner Schauspielhaus besucht [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 2.3.1910]., ich saß in der Direction’s Loge. Heute Mittag esse b ich bei Frau Bernstein, wohl mit ihnen allein. Nachmittags wollte meine Cousine kommen, dann muss sie mich überhören. Anna Pamela ist sehr vergnügt. Sie findet nur, dass Du schon sehr lang weg bist, und begreift nicht warum wir nicht zu Dir fahren. Gestern waren | wir Vor- und Nachmittags fort. Ich freue mich, dass Du Menschen gesehen hast, und wieder neue Gastspiele in Aussicht sind. Am Montagder 7.3.1910, an dem Wedekind notierte: „Abfahrt von Prag, Versäume umzusteigen komme eine Stunde zu spät nach Teplitz. Vortrag.“ [Tb] bist Du wohl in Teplitz und Dienstagder 8.3.1910, an dem Wedekind notierte: „Spaziergang durch Teplitz. Fahrt nach Dresden.“ [Tb] in Dresden? Oder ist noch etwas dazwischen? Heute in 8 Tagen kommst Du zurück? Noch eine lange Zeit!

Nun lebe wohl geliebtester Frank,
tausend innige Küsse
Deine Tilly


Viele Küsse
Deine Anna Pamela

Einzelstellenkommentare

München, 4. März 1910 (Freitag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Freitag, 4.III.10.


Innigst geliebter Frank,

meinen Briefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 3.3.1910. den ich Dir gestern nach Prag schrieb, wirst Du erhalten haben. Abends sandte ich Dir noch einen Brief von Bruno Cassirernicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Bruno Cassirer an Wedekind, 1.3.1910 (Brief). – Tilly Wedekind hat diesen Brief Bruno Cassirers mit einem Begleitschreiben von Wilhelm Herzog aus Berlin erhalten und ihrem Mann am 3.3.1910 („gestern“) abends nach Prag nachgesandt [vgl. Wedekind an Wilhelm Herzog, 5.3.1910]. nach. Wie war es in Olmütz? Bist Du erst heute nach Prag weitergefahren? Die beiden Tagen werden sehr anstrengend für Dich sein. Ich war also gestern Mittag bei Bernstein, mit ihnen allein. | Ich brachte Frau Bernstein ein paar Blumen. Vorgestern erschien ein neues Buch von ihrElsa Bernsteins Buch „Achill. Tragödie in drei Akten“ ist 1910 unter ihrem Pseudonym Ernst Rosmer im Verlag S. Fischer in Berlin erschienen., und erkundigte ich mich sehr interressiertSchreibversehen, statt: interessiert. danach. Dann sprachen wir von Dir, Deinen Vorträgen, vom Theater, von Stollberg, von der Schackgalerie, von der Schauspielerversammlung, von Thomas u. Heinrich Mann etz. Ich glaube, ich habe mich richtig benommen. Meine Cousine überhörte mich Nachmittags die Lamiascene, es gieng ziemlich ohne Stockung. Alle die ich sehe, lassen Dich natürlich vielmals grüßen. |

Heute gehe ich mit Annapamela spazieren, obwohl nicht sehr schönes Wetter ist. Mittags sollen wir beide bei Frau Steinrück essen. Nachmittags sollen werden wir wohl auch spazieren gehen. Die Tage haben wir nichts mehr vor. Ich habe genug zu tun, mit lernen, schreiben, rechnen, lesen. Dienstag hab’ ich für Annapamela einige Kinder eingeladen. Und dann ist die Zeit bald herum, und Du kommst endlich heim. |

Was willst Du dem Hebbel-Theater antworten? Hat Barnowsky geantwortet? Hast Du mit der n. W. Bühne etwas Bestimmtes ausgemacht?

Ich habe Dir weiter nichts Interessantes zu erzählen. Hoffentlich langweilen meine Briefe Dich nicht zu sehr.

In innigster Liebe
Deine Tilly


Lieber Papa, ich schicke Dir 3 Küsse u. bitte Dich uns bald wieder zu schreiben.
Deine Annapamela.

Einzelstellenkommentare

München, 28. März 1910 (Montag)
von Wedekind, Tilly, Newes, Dagobert und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Hôtel Konradshöhe
Bayerbrunn.


POSTKARTE


Herrn
Frank Wedekind
DarmstadtWedekind reiste dem Tagebuch zufolge am 28.3.1910 (Ostermontag) ab nach Darmstadt („Tilly bringt mich zur Bahn. Fahrt nach Darmstadt“), von dort am 30.3.1910 weiter nach Berlin („Fahrt nach Berlin. Abends im Habsburger Hof“).
Hotel KronprinzWedekind hatte sich im Namen des Hotels vertan [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 29.3.1910] (und seine Frau falsch informiert), was zu Verzögerungen in der Postzustellung der vorliegenden Bildpostkarte und weiterer Korrespondenzstücke seiner Frau an ihn führte; gemeint war das Hotel Zum Prinzen Karl (Karlstraße 1) [vgl. Adreßbuch der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt für 1910, Teil V, S. 557], in dem er aber dann in Darmstadt doch nicht logierte, sondern im Hotel Britannia (Rheinstraße 35).


[um 90 Grad gedreht:]

Wenn verreist, bitte nachsenden:
Berlin, Habsburger Hof, Anhalter Bahnhof.


Mein lieber Frank, Vormittag giengen wir von Höllriegels KreuthHöllriegelskreuth „war seit 1891 per Eisenbahn von München aus erreichbar.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 134] Die Konradshöhe in Baierbrunn lag etwa 3 Kilometer südlich davon. nach Konrads Höhe aßen daim Restaurant des Hotels Konradshöhe (Motiv auf der Bildseite der Bildpostkarte)., u. giengen jetzt wieder zurück. Herzlichste Grüße. Deine Tilly u. Anna Pamela

herzlichsten Gruß u. nochmals vielSchreibversehen, statt: vielen. Dank. Dein ergebener BertlTilly Wedekinds Bruder Dagobert Newes war vom 25. bis 28.3.1910 zu Besuch in München [vgl. Vinçon 2018, Bd. 2, S. 134].. |


Isartal. Hôtel Konradshöhe, 620 m. ü. M.
Bayerbrunn.

Einzelstellenkommentare

München, 31. März 1910 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Donnerstagder 31.3.1910..


Mein lieber Frank,

ich freue mich so sehr, dass der AbendWedekind war am 28.3.1910 in Darmstadt auf einer Soiree bei Willy Burmester zu Gast [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 29.3.1910]. für Dich so interessant war und Du anscheinend so guter Stimmung bist. Ob wir jemals unbefangen und gemeinschaftlich so einen Abend verleben werden, kommt mir vor der Hand nicht sehr wahrscheinlich vor. ‒

Es hat sicher viel Erinnerungen in Dir erweckt, dass Du das gleiche Zimmer hattest wie vor so langer Zeit. Wir schrieben Dir | Montag eine Karte nach Hotel Kronprinzvgl. Tilly Wedekind, Pamela Wedekind, Dagobert Newes an Frank Wedekind, 28.3.1910. ‒ Die Bildpostkarte nach Darmstadt wurde verspätet zugestellt, da das Hotel falsch angegeben war; gemeint war das Hotel Zum Prinzen Karl (Karlstraße 1). von unserm wirklich schönen Ausflugnach Höllriegelskreuth und von dort auf die Konradshöhe in Baierbrunn [vgl. Tilly Wedekind, Pamela Wedekind, Dagobert Newes an Frank Wedekind, 28.3.1910].. Als Bertl abends weggefahren war, kam ich mir bischen verlassen vor. Er lässt Dich/r/ noch vielmals für alles danken.

Dienstag waren wir spazieren, Nachmittags schickte Frau v. Jacobi zu uns, ob wir nicht kommen wollen. Wir verbrachten dann ein paar sehr nette Stunden miteinander.

Gestern und heute hat es un|unterbrochen geschneit, es hat ein paar Grad Kälte. Ich habe eben mit Annapamela eine Schlittenfahrt durch den ganzen englischen Garten gemacht. Ich hoffe, dass Du in Berlin gutes Wetter hast, habe aber doch zur Vorsicht Deinen Wintermantel und Überschuhe gestern abgeschickt. Du hast sie wohl schon erhalten. Deinen Brief bekam ich Nachmittag. Ich hätte Dir gleich ge|schrieben aber um 6 Uhr18 Uhr. Die am 30.3.1910 von Tilly Wedekind mit ihrer Cousine Eugenie (Jenny) von Sadkowsky besuchte Vorstellung von Henrik Ibsens Schauspiel „Baumeister Solneß“ im Residenztheater (in der Titelrolle Albert Steinrück) begann um 19.30, die Kasse öffnete um 19 Uhr [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 147, 30.3.1910, Generalanzeiger, S. 2]. kam Jenny und wir giengen zusammen in „Baumeister Solneß“, das/er/ mir einen großen Eindruck gemacht hat. Ich würde gern Deine Abhandlung aus der FackelWedekinds Essay „Schriftsteller Ibsen (‚Baumeister Solneß‘)“ [KSA 5/II, S. 131-144], zuerst vom 2. bis 5.11.1895 in der „Neuen Zürcher Zeitung“ veröffentlicht, dann überarbeitet unter dem Titel „Schriftsteller Ibsen und ‚Baumeister Solneß‘. Ein kritischer Essay“ [KSA 5/II, S. 176-188] am 13.7.1902 in der Münchner Wochenschrift „Freistatt“ gedruckt, erschien in dieser überarbeiteten Fassung [vgl. KSA 5/III, S. 755f.] in der von Karl Kraus in Wien herausgegebenen Zeitschrift „Die Fackel“ [vgl. Frank Wedekind: Schriftsteller Ibsen und „Baumeister Solneß“. Ein kritischer Essay. In: Die Fackel, Jg. 8, Nr. 205, 11.6.1906, S. 5-20]. darüber wieder mal lesen. Wo ist sie? Nachher haben wir mit Herrn und Frau Albu im Hoftheater Restaurant gegessen u. giengen dann gleich nach Hause. Wie sind die Dinge in BerlinAnspielung auf Wedekinds Konflikt mit seinem Verleger Bruno Cassirer in Berlin.? Ich bin sehr gespannt auf Deine nächsten Mitteilungen.

Innigsten Kuss
Deine Tilly.


Viele Küsse, komm’ bald wieder.
Deine Anna Pamela.

Einzelstellenkommentare

München, 2. April 1910 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Samstagder 2.4.1910..


Mein lieber Frank,

heute Nacht habe ich ganz fest geschlafen, nur einmal wachte ich auf und hatte keine Ahnung wo ich bin. Anna Pamela war sehr verwundert als ich ebenso plötzlich wieder zurückkamRückkehr nach München am 2.4.1910 vormittags von der Reise nach Berlin, zu der Tilly Wedekind am 1.4.1910 aufgebrochen ist.. Heute ist es sehr schön hier, der Schnee ist fast ganz weg.

Leider erfuhr ich durchs TelephonTilly Wedekind erfuhr telefonisch, dass die Schriftstellerin Elsa Bernstein (Ernst Rosmer) und deren Schwester Gabriele Porges, die sie beide für den 2.4.1910 zu einem „Damentee“ [Wedekind 1969, S. 134] eingeladen hat, nicht kommen konnten (zugesagt hat nur Ottilie Gerhäuser), sie dafür aber bei deren Mutter Wilhelmine Porges eingeladen war., dass Fr. Justizr. Bernstein verreist ist. Fräulein Gabriele ist nicht | wohl, aber ihre Mutter bat mich nächste Woche zu I/i/hnen zu kommen. Die Gerhäuser kommt. Ich habe das GefühlTilly Wedekind „bezieht sich [...] auf die sie verletzenden Äußerungen“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 141] ihres Mannes in seinem letzten Brief [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 31.3.1910] und seinem Telegramm [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 1.4.1910]., dass seit gestern etwas andern/s/ geworden ist, ob besser oder schlechter weiß ich nicht. Hoffentlich besser!

In treuer Liebe umarmt Dich
Deine Tilly


Mein lieber Papa,
ich hab Dich sehr lieb. Viele Küsse. Komm’ bald wieder.
Deine Annapamela

Einzelstellenkommentare

München, 5. April 1910 (Dienstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
Berlin.
Habsburger Hof.
am Anhalter Bahnhof. |


Dienstagder 5.4.1910.. Vormittag.


Geliebtester Frank,

innigen Dank für Deine beiden Telegrammedie beiden am 4.4.1910 aufgegebenen Telegramme Wedekinds. und Deine Kartevgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 4.4.1910 (Postkarte). von gestern. Ich war etwas enttäuscht, dass Du erst Donnerstagder 7.4.1910, an dem Wedekind notierte: „Ankunft in München.“ [Tb] kommst. Aber wenn Du in Berlin noch zu tun hast, geht das natürlich vor. Es freut mich, dass Du mit Harden und Rathenau zusammen bist. Hoffentlich kann Harden etwas tun. Gestern haben wir mit Jenny u. Hypolit einen sehr vergnügten Tag verbracht. Nachmittags waren wir alle bei Frau Albu eingeladen. Heute kommt vielleicht Frau Henckell. Den Text von „Stein der Weisen“ kann ich jetzt, ich wiederhole ihn jeden Tag mehrmals. Für die Costüme habe ich neue Ideen, die wir besprechen können, wenn Du hier bist. Du kommst Donnerstag wohl mit dem gleichen Zugder Nachtzug, den Tilly Wedekind auf ihrer Rückfahrt nach München am 1.4.1910 abends um 23 Uhr von ihrer morgens „Hals über Kopf“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 141] zu einer Aussprache mit ihrem Mann angetretenen Reise nach Berlin genommen hat (siehe die vorangehende Korrespondenz seit dem 1.4.1910). mit dem ich kam?

Auf frohes Wiedersehn! Innigst
Deine Tilly


Ich freue mich, lieber Papa dass Du bald kommst.
Küsse, Anna Pamela.

Einzelstellenkommentare

München, 18. Mai 1911 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Donnerstagder 18.5.1911..


Mein lieber Frank,

hoffentlich bist Du gut angekommenWedekind ist dem Tagebuch zufolge am 17.5.1911 von München abgereist („Abfahrt von München“) und am 18.5.1911 morgens in Berlin eingetroffen („Ankunft in Berlin“) ‒ zu einem Gastspiel des Münchner Neuen Vereins am Berliner Hebbel-Theater als Jack in „Die Büchse der Pandora“, am 20.5.1911 als geschlossene Vorstellung veranstaltet von dem „eigens von der Gesellschaft ‚Pan‘ für diese Aufführung gegründeten ‚Modernen Theaters‘“ [KSA 3/II, S. 1275]; die Theatergesellschaft Pan ist von Paul Cassirer gegründet worden.; von uns ist nicht viel Neues zu berichten. Anna Pamela ist etwas munterer wie gesternPamela Wedekind war erkältet – am 17.5.1911 untersuchte sie der Hausarzt Dr. Johannes Hauschildt (Nikolaistraße 7) [vgl. Adreßbuch für München 1912, Teil I, S. 226], wie ihr Vater notierte: „Hauschildt kommt zu Anapamela die Husten und Fieber hat.“ [Tb]. Dr. Hausschild war jetzt Nachmittag hier u. sagte man muss noch abwarten. Masern kämen erst nach 8 Tagen heraus. Mittags ass ich mit ihr in ihrem Zimmer, u. theilte ihr bei der Gelegenheit schonend mit, dass Du fort bist. Sie weinte ein Bischen u. behauptete | das sei des Hustens wegen. „Richte einen schönen Gruß von mir aus“, trug sie mir jetzt auf, als sie hörte, dass ich an Dich schreibe. Zum Trost ließ ich von AnnaAnna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125] ein Ei holen in dem ein Dutzend andere stecken von dem jedes eine andere Farbe hat. Sie wünschte sich schon länger eines. Infolge dessen sind wir jetzt recht vergnügt u. hoffen von Dir das Gleiche. Grüß’ BertlTilly Wedekinds Bruder Dagobert Newes „hielt sich über einen längeren Zeitraum, 1911-1912, in Berlin auf“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 147]; Wedekind traf sich mit ihm., die Durieux u. CassirerTilla Durieux und Paul Cassirer waren ein Ehepaar (Heirat am 24.6.1910). von uns Beiden.

Innigst küssen Dich, Deine Getreuen.
Tilly u. Anna Pamela.

Einzelstellenkommentare

München, 20. Mai 1911 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


Samstag, 20.V.11.


Geliebter Frank,

innigsten Dank für Deine liebe Kartedie am Mittwoch geschriebene, am Donnerstag erhaltene Postkarte [vgl. Frank Wedekind, Dagobert Newes, Paul Cassirer an Tilly Wedekind, 18.5.1911]. vom Donnerstag! Anna Pamela, das liebe Kind, ist heute aufgestanden. Ich bin so froh, dass sie wieder munter ist! Wenn schönes Wetter ist, können wir vielleicht in ein paar Tagen ausgehen.

Ich freue mich, dass Du eine gute Fahrt gehabt hast. Hoffentlich ist im Theater auch alles in Ord|nung. Nun sind wohl alle Münchner SchauspielerDie von der Gesellschaft Pan veranstaltete Vorstellung der „Büchse der Pandora“ am 20.5.1911 im Berliner Hebbel-Theater war ein Gastspiel des Münchner Neuen Vereins, der am 8.11.1910 eine geschlossene Vorstellung der Tragödie im Münchner Künstlertheater veranstaltet hatte. Es spielten seinerzeit in München Johanna Terwin (Lulu), Bernhard von Jacobi (Alwa Schön), Albert Steinrück (Schigolch), Frank Wedekind (Jack) und Luise Hohorst (Gräfin Geschwitz) – die Rolle der Gräfin Geschwitz wurde in Berlin von Maria Mayer gespielt. schon da u. werdet Ihr jetzt gerade ProbeWedekind hatte dem Tagebuch zufolge gleich nach seiner Ankunft in Berlin am 18.5.1911 um 11 Uhr vormittags die erste Probe („Um 11 Uhr Probe“), am 19.5.1911 im Beisein des Veranstalters Paul Cassirer (für die Gesellschaft Pan) vormittags eine zweite Probe („Um 11 Uhr Probe der Kassirer beiwohnt“) sowie nachts eine dritte („Nachtprobe bis 4 Uhr“) und am 20.5.1911 die Generalprobe („Um 11 Uhr Generalprobe“) – abends fand dann die geschlossene Vorstellung der „Büchse der Pandora“ im Hebbel-Theater statt (siehe unten). haben. Heute abendDie von der Gesellschaft Pan veranstaltete geschlossene Vorstellung der Tragödie „Die Büchse der Pandora“ (Regie: Albert Steinrück) im Hebbel-Theater begann um 20 Uhr [vgl. Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 235, 20.5.1911, Morgen-Ausgabe, S. 8]. Wedekind notierte am 20.5.1911: „Vorstellung der Büchse der Pandora. Ich spiele Jack zum 4 mal.“ [Tb] werde ich in Gedanken bei Dir sein!

Hoffentlich seid Ihr nachher vergnügt beisammenWedekind notierte am 20.5.1911 nach der Vorstellung: „Nachher entsetzliches Zusammensein im Esplanade Hotel.“ [Tb], u. macht Cassirer Dich nicht zu nervös! Vielmals dank’ ich Dir für Deine Freundlichkeit gegen Bertl. Er schrieb mir heuteDer Brief von Dagobert Newes an seine Schwester Tilly Wedekind ist nicht überliefert. Frank Wedekind hatte ihn eingeladen, am 18.5.1911 den Abend mit ihm zu verbringen [vgl. Wedekind an Dagobert Newes, 18.5.1911]; sein Schwager holte ihn am Hotel ab und sie besuchten gemeinsam die Weinstube A. Frederich, wo sie Paul Cassirer und František Zavřel trafen: „Bertl holt mich ab wir treffen bei Frederich mit Cassirer und Zawrel zusammen.“ [Tb] einen Brief; er ist Dir sehr dankbar, dass Du ihm/n/ mitnahmst. |

Briefe sind heute keine gekommen. Vielleicht triffst Du Harden morgen Sonntagder 21.5.1911, an dem Wedekind den Publizisten Maximilian Harden nicht traf und ihn also während seines Aufenthalts vom 18. bis 21.5.1911 in Berlin nicht getroffen hat.. Wie froh wir sind, wenn Du wieder bei uns istSchreibversehen, statt: bist., weißt Du. Wenn Du aber noch in Berlin bleiben willst, oder sonst wohin fahren willst Frank, so stehe ich Dir nicht im Wege.

Unser Kind lässt ihren lieben Papa vielmals grüßen! Sie näht eben Knöpfe an.

Innigst umarmt Dich,
Deine Tilly u. Anna Pamela.

Einzelstellenkommentare

Lenzburg, 27. Juni 1912 (Donnerstag)
von Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Frank Wedekinds Postkarte an Tilly Wedekind vom 29.6.1912 aus Dresden:]


Anna Pamela besten Dank für ihren Brief.

Einzelstellenkommentare

München, 18. Januar 1914 (Sonntag)
von Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Tilly Wedekinds Brief an Frank Wedekind vom 18.1.1914 aus München:]


Das Kärtchen schrieb Anna Pamela heute Früh.


[2. Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Tilly Wedekind vom 20.1.1914 aus Berlin:]


Anna Pamelas Brief war mir eine große Freude.

Einzelstellenkommentare

München, 24. Mai 1914 (Sonntag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Sonntagder 24.5.1914.:


Geliebter Frank,

wir sitzen im englischen Garten. Ich möchte Dich nur etwas fragen. Dr. Friedenthal Dr. jur. Joachim Friedenthal (Georgenstraße 53) [vgl. Adreßbuch für München 1915, Teil I, S. 175], Korrespondent des „Berliner Tageblatt“ in München, bereitete als Ehrengabe zu Wedekinds 50. Geburtstag das von ihm herausgegebene „Wedekindbuch“ (1914) vor.hat antelephoniert. In das Buch von ihm sollen zur Biographie„Frank Wedekind. Sein Leben und Werk. Eine Monographie von Joachim Friedenthal“ [Friedenthal 1914, S. 1-121]. ausser einigen Bildern von DirIm „Wedekindbuch“ sind sechs Fotos von Frank Wedekind abgedruckt: „Frank Wedekind“ [Friedenthal 1914, vor S. 1], „Wedekinds Jugendbildnis aus dem Jahr 1889“ [ebd., nach S. 12], „Wedekind in der Elf-Scharfrichter-Zeit“ [ebd., nach S. 18], „Wedekind vor 10 Jahren“ [ebd., nach S. 84], „Frank Wedekind“ [ebd., vor S. 123], „Wedekind aus den letzten Jahren“ [Friedenthal 1914, nach S. 244]., auch ein paar Bilder von mirIm „Wedekindbuch“ sind drei Fotos von Tilly Wedekind abgedruckt: „Tilly Wedekind als Kadidja in ‚Die Zensur‘“ [Friedenthal 1914, nach S. 252], „Tilly Wedekind als Prinzessin Alma in ‚König Nicolo‘“ [ebd., nach S. 266], „Tilly Wedekind als Lamia in ‚Der Stein der Weisen‘“ [ebd., nach S. 284]. hineinkommen. | Ich weiß aber nicht ob Dir das recht ist, u. bitte Dich mir paar ZeilenWedekind antwortete seiner Frau [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 25.5.1914 (Brief)] und schrieb auch direkt an Friedenthal [vgl. Wedekind an Joachim Friedenthal, 26.5.1914]. darüber zu schreiben. Dann könnte ich ja Einige hinschicken.

Uns geht es gut, hoffe von Dir dasselbe. Innigst umarmt u. küsst Dich,
Deine Tilly


Bußerln(süddeutsch) Küsse. Pamela

Einzelstellenkommentare

München, 1. Juli 1914 (Mittwoch)
von Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Tilly Wedekinds Brief an Frank Wedekind vom 1.7.1914 aus München:]


[...] Anna Pamela die Dir auch schreibt.


[2. Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Tilly Wedekind vom 4.7.1914 aus Paris:]


Mati freute sich sehr [...] über Annapamelas Brief, den sie las [...]

Einzelstellenkommentare

München, 6. Juli 1914 (Montag)
von Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Tilly Wedekinds Brief an Frank Wedekind vom 5.7.1914 aus München:]


Anna Pamela schreibt Dir morgen wieder.


[2. Hinweis in Tilly Wedekinds Brief an Frank Wedekind vom 7.7.1914 aus München:]


Anbei ein Brief von Anna Pamela.


[3. Hinweis in Frank Wedekinds zweitem Brief an Tilly Wedekind vom 8.7.1914 aus Paris:]


Sage Anna Pamela herzlichsten Dank für ihren schönen Brief.


[4. Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Pamela Wedekind vom 10.7.1914 aus Paris:]


Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief [...]

Einzelstellenkommentare

Paris, 10. Juli 1914 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Wedekind, Pamela

Paris, den 10 Juli 1914.


Meine liebe Anna Pamela!

Herzlichen Dank für Deinen lieben Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Pamela Wedekind an Frank Wedekind, 6.7.1914., der mir eine große Freude war. Jetzt brauchst Du mir aber nicht mehr zu schreiben, da ich Dienstagder 14.7.1914, an dem Wedekind notierte: „Ankunft in München.“ [Tb] oder Mittwoch schon wieder in/be/i Euch zu sein hoffe. Sei nur immer recht lieb mit Deiner lieben | Mama und grüße und küsse die Fanny Kadidja von mir. Heute ist hier in Paris endlich wieder prachtvolles Wetter. Deshalb ist es auch sehr schön. Paris ist die schönste Stadt der Welt, dann kommt Rom und dann sehr bald München. Ihr habt es also auch sehr gut und ich freue | mich sehr, bald wieder bei euch zu sein.

Mit bestem Gruß
Dein
Papa.

Einzelstellenkommentare

München, 10. Oktober 1914 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

München, Samstag, 10.X.14.


Innigst geliebter Frank,

hoffentlich hast Du alle meine Nachrichten erhalten. Ich habe täglich geschrieben.

Uns geht es sehr gut u. hoffe ich von Herzen von Dir dasselbe. Ich denke, morgen werde ich wohl auch wieder Nachricht von Dir bekommen. Ich habe eine Karte aus Zürichvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 5.10.1914. u. eine aus Lenzburgvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 7.10.1914. erhalten. Wie war es in Aarau? Du wirst wohl öfter hinfahren, oder wohl auch paar Tage dort bleiben. Heute dachte ich schon | es käme vielleicht Nachricht wann Du kommst; so hast Du wohl mit Samstag den nächsten gemeint. Hier giebt es nicht Neues, ich verfolge natürlich eifrig die Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Das giebt Einem genug zu denken und habe ich bis jetzt kein Verlangen gehabt irgendwo hinzugehen. In verschiedenen Kino’s sind Aufnahmen vom Kriegsschauplatzvon den Kinos in der Presse annonciert, so „die neuesten Aufnahmen vom Kriegsschauplatz“ im Welt-Kinematograph (Kaufingerstraße 14), „Neueste Berichte vom Kriegsschauplatz“ im Imperial-Theater (Schützenstraße 1a), „Neueste Aufnahmen vom Kriegsschauplatz in 18 Bildern“ in Zach’s Lichtspielen (Rumfordstraße 10), „Neue hochaktuelle Kriegsbilder aus Ostpreussen“ in den Sendlingertor-Lichtspielen, in der Anzeige detailliert und nummeriert aufgelistet, die zuletzt aufgeführte Aufnahme unter dem Titel „Lieb Vaterland magst ruhig sein (deutsche Panzerschiffe)“ – so auch im Programm der Kammer-Lichtspiele (Kauffingerstraße 28): „Allerneueste Aufnahmen vom Kriegsschauplatz. 1. Der durch die Russen zerstörte Bahnhof Rössel. 2. Feldpostbetrieb bei der Armee von Hindenburg. 3. Bilder aus einem Verpflegungsmagazin. 4. Eine Feldküche während der Eisenbahnfahrt in Tätigkeit. 5. Vor den Russen geflüchtete Landleute kehren in ihre Heimat zurück. 6. Ein von den Belgiern geräumter Schützengraben. 7. Deutsche und österreichische Lastautomobile in Belgien. 8. Ein belgischer Herrensitz als Quartier eines deutschen Stabes. 9. Ein vergnügtes Mittagessen an einem Ruhetag. 10. Unsere blauen Jungens. 11. Abfahrt Sr. Exzellenz Fml. Wurm zu einer Besprechung mit Exz. v. Appel. 12. Begegnungen d. Exzellenzen bei Jordan gegenüb. Eucevo. 13. Eine Fahrt durch Feindesland. 14. Panorama vom Höhenzug, auf welchem am 8. September gegen feindliche Truppen in guten Verschanzungen gekämpft wurde. 15. Stilleben. 16. Fernsignalpatrouille vom 5. Dragoner-Regiment gibt Meldung ab. 17. Totalansicht des Pionierfeldlagers an der Drina. 18. Stadt Domnau (Ostpr.), ein Dokument russischer Zerstörungswut. 19. Domnau, Bürgermeister May, welcher russischer Gefangenschaft entkommen, leitet den Durchzug der zurückgebliebenen Flüchtlinge. 20. Von Russen zerstörte Kirche in Allenburg (Ostpr.). 21. Von Russen verwüstete Stadt Darkehmen (Ostpr.). 22. Verwundeten-Fürsorge unter dem Protektorat der Prinzessin Aug. Wilhelm. 23. Der Berliner Sängerbund veranstaltete ein patriotisch. Konzert am Königsplatz in Berlin. 24. Die tapfere Besatzung des deutsch. Unterseebootes U9 wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. 25. Kapitänleutnant Otto Weddingen, der Kommandant des U9. 26. ‚Lieb Vaterland magst ruhig sein!‘“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 520, 10.10.1914, General-Anzeiger, S. 2], das wäre wohl das Interessanteste.

Gesehen habe ich einige bekannte Damen, so Frau SchwanekeElisabeth Luise Schwanneke (geb. Völk), Gattin des Münchner Hoftheaterschauspielers Viktor Schwanneke [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1915, S. 503]., Frl. Marion. Haupt|sächlich war ich mit den Kindern. Ich werde heute Abend einiges lesen, um es morgen den Kindern zu erzählen, AnnaAnna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125]. hat Ausgang. Die Mädchen haben die Woche die Wohnung geputzt u. gewaschen etz.

Gestern kam aus Grazvon Tilly Wedekinds Eltern Eduard und Mathilde Newes aus Graz. ein kleines Kistchen Birnen, was bei den Kindern u. mir große Freude erregte.

Jetzt haben Beide gebadet, darum schrieb Anna Pamela nicht mehrlediglich den Gruß (siehe unten).. Für morgen liniere ichTilly Wedekind hat auf der Seite 4 des vorliegenden Briefs mit Bleistift Linien als Schreibrahmen für den Gruß ihrer Tochter Pamela an den Vater gezogen und kündigt dies nun für Briefkarten an. ihr ein Kärtchen.

Nun sei innigst umarmt u. geküsst von mir u. den Kindern.

Und behalt uns lieb. Deine Tilly |


Lieber Papa, viele BußerlnKüsse. von SchwesterlSchwesterchen (Kadidja Wedekind). und mir,
Deine Pamela.

Einzelstellenkommentare

Lenzburg, 14. Oktober 1914 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Wedekind, Pamela

[Hinweis in Tilly Wedekinds Postkarte an Frank Wedekind vom 16.10.1914 aus München:]


[...] über Deine beiden Karten vom 14.Wedekinds Postkarte an seine Frau [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 14.10.1914] und eine nicht überlieferte Postkarte (oder Bildpostkarte) an seine älteste Tochter, das hier erschlossene Korrespondenzstück. für Anna Pamela u. mich bin ich sehr glücklich u. danken wir Dir [...]. Anna Pamela freut sich sehr über Deine Karte.

Einzelstellenkommentare

München, 17. Oktober 1914 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
Lenzburg.
Canton Aargau.
Schweiz.


17.X.14.


Innigst geliebter Frank,

herzl. Dank für Dein liebes Telegrammvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 17.10.1914.! Falls Du MontagWedekind fuhr am 19.10.1914 (Montag) zurück nach München. fährst, schicken wir Dir hier noch innige Grüße, u. freuen uns auf ein frohes Wiedersehn! Heut kommen Frl. Ritscher u. Frl. Marion. Innigst umarmen u. küssen wir Dich, Deine Tilly |


München. Prinzregentenstrasse mit Schackgalerie.


Pamela

Einzelstellenkommentare

München, 13. April 1916 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

T. W.


München, 13.4.16.


Mein liebster, geliebter Frank,

heute bekam ich keine Nachricht. Ich hoffe nur, dass Du guter Stimmung bist! Ich habe gestern noch alles abgeschickt was Du wolltest, das Geld und die Briefe300 Mark und zwei Briefe von Kurt Hezel [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 12.4.1916 (Briefkarte)].. Abends schickte ich noch einen Brief vom Frankfurter Stadttheaternicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Schauspielhaus Frankfurt am Main an Wedekind, 11.4.1916. – Das Frankfurter Schauspielhaus (Intendant: Max Behrend, Spielleitung: Karlheinz Martin) gehörte zu dem Vereinigten Stadttheater in Frankfurt am Main [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 399, 403]. nach. Gestern Nachmittags war ich bei Frau Glümer zum Thee eingeladenbei der Schauspielerin Marie Glümer – das ist Marie Blaustein (Mannhardtstraße 3) [vgl. Adreßbuch für München 1917, Teil I, S. 63] – vom Münchner Schauspielhaus [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 505], wo Tilly Wedekind die Schauspielerinnen Mirjam Horwitz und Lucy von Jacobi von den Münchner Kammerspielen [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 506] traf., ich traf Frau Horwitz u. Fr. v. Jacobi dort. Abends war ich mit Frau Dr. Pariser im Bossetti ConzertDer Liederabend der Münchner Hofopernsängerin Hermine Bosetti [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1916, S. 502] fand am 12.4.1916 um 20 Uhr im Hotel Vier Jahreszeiten statt, wie angezeigt war: „Heute Mittwoch abend finden statt: 8 Uhr in den Vier Jahreszeiten der einzige Liederabend der Kammersängerin Hermine Bosetti. Am Klavier Wolfgang Ruoff.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 188, 12.4.1916, Morgenblatt, S. 2] Er war ein Erfolg: „Aus der Gabenfülle ihres bedeutenden, neuerlichen Rühmens kaum bedürftigen gesanglichen und vortraglichen Könnens schöpfte Kammersängerin Hermine Bosetti an ihrem Liederabend, den die Zuhörer in der gewohnten Begeisterung und lauten Gunstbezeigung aufnahmen. Wo Anmut, Grazie, unbeschwerte Leichtigkeit und Schelmerei mit Liebreiz der Stimme zu einem bestrickenden, durch keinerlei falsche Züge gestörten Gefühls- und Darstellungsbild sich einen, ist Frau Bosettis Kunst am stärksten und wirkungssichersten. Da ergibt man sich ihr ohne Zaudern und mit hellem Vergnügen.“ [Aus den Münchner Konzertsälen. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 191, 14.4.1916, Vorabendblatt, S. 3]. Es war wunderschön. Sie sang Schumann, Schubert, Wolf u. Strauß. |

Herr Dr. Pariser erwartete uns nachher u. wir aßen zusammen zu Abend. Sie waren sehr lieb, wir sprachen von der Bosetti, von der Politik u. natürlich von Dir. Wir hätten Dir gerne eine Karte geschrieben, doch war keine ordentliche zu bekommen. Heute u. morgen bin ich mit den Kindern zusammen, weil die Mädchen„die Hausangestellten“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 290] Anna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125], und Franziska, die „Haushaltshilfe“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 285]. Wäsche haben. Samstag Nachmittag tanzt HillyGemutmaßt wurde hier eine nicht nachweisbare „Münchner Tanzlehrerin“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 290]. Es handelte sich aber um die bald vierzehnjährige Hilde Pariser, genannt Hilly, die am 15.4.1916 in einer privaten Veranstaltung (öffentlich nicht angezeigt) in München tanzte, eine Tochter von Erna und Ludwig Pariser, die später eine berühmte Primaballerina und Ballettmeisterin war. So auch bei Fritz Strich: „Tanzabend von Hilly Pariser.“ [GB 2, S. 373], ich gehe mit Pamela zusehen.

Bassermann u. Wegener gastieren hierAlbert Bassermann, Schauspieler vom Berliner Lessingtheater [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1916, S. 307], gastierte am Münchner Hoftheater, wo er in Goethes „Faust“ die Rolle des Mephistopheles spielte [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 192, 14.4.1916, General-Anzeiger, S. 2] und am Münchner Residenztheater in Shakespeares „Othello“ die Titelrolle: „Herr Albert Bassermann als Gast.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 190, 13.4.1916, General-Anzeiger, S. 2] Paul Wegener, Schauspieler vom Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1916, S. 302], gastierte am Münchner Volkstheater (siehe unten).. Aber im Hoftheater ist es zu teuer. Ich wäre gern mit Pamela zu „Räuber“ gegangen im VolkstheaterIm Münchner Volkstheater (Direktion: Otto Beck) [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 506] stand am 15.4.1916 um 19.30 Uhr auf dem Programm: „Letztes Gastspiel: Paul Wegener vom Deutschen Theater in Berlin. Die Räuber. Schauspiel in 5 Auszügen von Schiller.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 194, 15.4.1916, General-Anzeiger, S. 2] Paul Wegener spielte in Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ die Rolle des Franz. aber das ist gerade Samstag wo wir zu Hilly sollen. |

II. Nach Tisch üben Pamela u. ich auf der GuitarreWedekind hatte am 27.1.1914 „Tilly lernt Guitarre“ [Tb] notiert, am 21. bis 23.3.1916 dann „Anna Pamela Guitarrenstunde“ [Tb]. damit wir nicht während Deiner Abwesenheit alles verlernen. Ich hab’s jetzt auch heraus, wie man stimmen muss. Dann lehre ich sie noch einige Kinderlieder am Klavier mit Begleitung. Sie begreift sehr rasch.

Nächste Woche werde ich sehen ob Fr. Baronin WedellBegegnungen mit Lida von Wedell gab es zuvor dem Tagebuch zufolge am 12.3.1916 im Hoftheater-Restaurant („HT.R. mit Tilly [...] und Baronin Wedel“) und am 21.3.1916 („Zum Thee bei Baronin Wedel mit Tilly“); sie zeichnete Tilly Wedekind am 2.5.1916 („Lydia von Wedel macht Zeichnung von Tilly“) und 3.5.1916 („Die B. Wedel zeichnet Tilly“). Lida von Wedell zeichnete aber auch Frank und Tilly Wedekind, darunter Karikaturen zu ihren Auftritten in „Marquis von Keith“ und „Hidalla“, zeitgenössisch veröffentlicht zum Auftakt des Wedekind-Zyklus vom 9.6.1916 bis 6.7.1916 an den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu Berlin [vgl. Wedekind in der Karikatur. Zum Gastspiel Frank und Tilly Wedekinds im Deutschen Theater in Berlin. Zeichnungen von Lida Baronin v. Wedell, München. In: Der Welt-Spiegel. Illustrierte Halbwochenschrift des Berliner Tageblatts, Nr. 48, 15.6.1916, S. 3]. ein Bild von mir beginnen kann. Ist es Dir recht?

Von Herzen wünsche ich Dir alles Gute mein Liebster und umarme Dich innigst!

Deine Tilly |


Lieber Papa!

Wie geht es Dir? Uns geht es gut. Die Schule ist schon am 15. aus. Wir haben 14 Tage Ferien. Viele Grüße u. Küsse von
Kadidja u. Pamela!


den 13. April.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 15. April 1916 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Wedekind, Pamela

[Hinweis in Tilly Wedekinds Postkarte an Frank Wedekind vom 16.4.1916 aus München:]


[...] danke Dir sehr für Deine lieben Karten an Pamela u. mich!

Einzelstellenkommentare

München, 15. April 1916 (Samstag)
von Wedekind, Tilly, Pariser, Ludwig, Pariser, Erna und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
Berlin W.
Eden Hotel.


Herzlichste Grüße nach Hilly’s schönem TanzabendDie nicht öffentliche Veranstaltung am 15.4.1916, bei der Hilde Pariser tanzte, als Tanznachmittag angekündigt [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 13.4.1916], begann um 18 Uhr [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 15.4.1916 (Brief)]., Deine Tilly =Das „=“-Zeichen ist mit einem Oval umschlossen (Bedeutung unklar, vielleicht als Streichung intendiert).


Recht schöne Grüsse u. hoffentl. auf baldges Wiedersehen
Ihr Ludwig Pariser


Schade, daß Sie nicht dabei waren, und herzlichen Gruß
von Erna Pariser. |


MÜNCHEN Armeemuseum


Grüße Pamela!

Einzelstellenkommentare

München, 21. April 1916 (Freitag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Freitagder 21.4.1916. Mittag.


Mein innigst Geliebter!

Heute kam keine 2. Post. So habe ich keine Nachricht von Dir. So ein Tag ist für mich nur ein halber.

Gestern AbendTilly Wedekind war am 20.4.1916 in ihrer Wohnung in der Prinzregentenstraße 50 (3. Stock) Gastgeberin von Lida von Wedell und ihrer Mutter Katharina Weimann sowie von Erna und Ludwig Pariser und ihrer Tochter Agnes Therese Pariser. kamen Fr. B. Wedell mit ihrer Mutter, Herr u. Frau Dr. Pariser u. Agnes zu mir zum Thee um ½ 9 Uhrum 20.30 Uhr.. Es war ein selten angenehmer u. angeregter Abend. Ich bin ganz glücklich dass es so nett war u. alle sich so wohl fühlten! Frank, ich bin wirklich gar nicht so dumm u. ungeschickt, wie ich mir selbst | schon erschien. Du glaubst gar nicht u. brauchst es ja auch nicht zu wissen, wie oft ich deprimiert war seit Du fort bist. Auch oder gerade wenn ich Menschen gesehen hatte. Ich dachte ich hätte für immer alle Freude an mir selbst verloren. Und das gehört wohl mit zu den schlimmsten Dingen auf der Welt. Der gestrige Abend war eine Wohltat für mich.

Ich empfing sie in Deinem Zimmer. Dann giengenSchreibversehen, statt: gingen. wir zum Thee in’s Speisezimmer, die Türen zu meinem Zimmer waren offen, überall hell. Der Tisch war sehr hübsch gedeckt. Die Tischordnung so:

Agnes Fr. B’s Mutter
Hr. Dr. Pariser [gezeichnetes Rechteck] ich
Fr. B. Wedell Erna |

Allen schien es richtig u. sie fühlten sich offenbar wohl. Es gab verschieden belegte BrödchenSchreibversehen, statt: Brötchen., kaltes Fleisch, gem. Salat, Käse, Obst, 2erlei Kuchen. Cigaretten. Hr. Dr. bot ich Wein an, aber er trank auch Thee. Zuerst war Erna etwas zurückhaltend zur Baronin, aber sehr bald wurde das Gespräch allgemein. Ich unterhielt mich erst mit Erna u. der Mutter von Fr. B. Hr. Dr. sprach mit Fr. Baronin. Und selbst Agnes taute dann auf u. unterhielt sich mit der Baronin über PretoriusDie Malerin und Zeichnerin Lida von Wedell unterhielt sich mit der angehenden Kunstzeichnerin, Kostümbildnerin und Buchillustratorin Agnes Therese Pariser über Emil Preetorius, der als moderner Grafiker zur Münchner Künstlergruppe Die Sechs gehörte und als Buchillustrator gerade an der Münchner Ausstellung „Krieg, Volk und Kunst“ beteiligt war: „Die Sorge für das Buchgewerbe und für die künstlerische Herstellung der Drucksachen übernahm Dr. Emil Preetorius“ [Ausstellung „Krieg, Volk und Kunst“ im Augustinerstock. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 142, 18.3.1916, General-Anzeiger, S. 1]; er übernahm am 6.4.1916 eine Führung, als der König von Bayern die Ausstellung besuchte [vgl. Hof- und Personalnachrichten. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 69, Nr. 178, 7.4.1916, Vorabendblatt, S. 3]. Wedekind, der 1912 von Emil Preetorius porträtiert worden ist [vgl. Vinçon 2018, Bd. 2, S. 301] und im Tagebuch einige Treffen mit ihm notierte – so am 15.3.1911 zu dem nicht realisierten Projekt [vgl. KSA 5/I, S. 1057], eine Buchausgabe von „Mine Haha“ zu gestalten („Unterredung mit Prätorius, der Minehaha illustrieren will“), am 3.3.1914 im Hoftheater-Restaurant („mit [...] Pretorius im HTR“) und am 29.1.1916 im Künstlerhaus („Abends im Künstlerhaus mit [...] Dr. Prätorius“) – war seit Jahren mit ihm bekannt. Emil Preetorius war am 24.6.1914 auf dem Bankett zu Wedekinds 50. Geburtstag im Bayerischen Hof in München unter den Gästen. etz. Als ich später mit Agnes Martha’s Bilderwohl Fotografien von Tilly Wedekinds jüngerer Schwester Martha Newes. in meinem Zimmer anschaute, erzählte dann die Baronin ihre ganze Geschichte.

Mir half es freilich sehr, dass ich | immer sehr eifrig die Zeitungen u. die Zeitschrift für FrauenstimmrechtTilly Wedekind dürfte, vermutlich vermittelt über Gertrud Eysoldt, seit etwa zwei Jahren wohl die zuerst von Anita Augspurg herausgegebene Zeitschrift „Frauenstimmrecht“ gelesen haben [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 7.7.1914], die seit 1912 als „Monatshefte des deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht“ in München erschien (Fortsetzung unter den Titel „Die Staatsbürgerin“), oder aber – weniger wahrscheinlich – die seit 1907 in Berlin erscheinende „Zeitschrift für Frauen-Stimmrecht“ (Untertitel: „Organ für die politischen Interessen der Frau“). gelesen hatte. Ich fing auch gleich die Themen an, über die ich etwas sprechen konnte.

Wir trennten uns um ½ 12um 23.30 Uhr., sie wollten noch die letzte Trambahn erreichen.

Erna sagt sie weiß nicht was ich von ihr lernen will, sie wolle lieber von mir lernen. So ist es ja nicht, aber ich freute mich doch sehr darüber.

Das alles soll ja für mich Schule u. Übung sein, damit ich es lerne es auch Dir behaglich zu machen. Bei allem habe ich ja immer nur das Eine im Auge! |

Wir sprachen sehr viel von Dir, von Franziska u. ErdgeistTilly Wedekind spielte die Titelrolle in „Franziska“ zuletzt am 31.7.1914 im Rahmen des am 25.7.1914 begonnenen Wedekind-Zyklus an den Münchner Kammerspielen [vgl. KSA 7/II, S. 1155, 1241f.], der nach dieser Vorstellung wegen des Kriegsbeginns vorzeitig abgebrochen wurde, die Rolle der Lulu im „Erdgeist“ zuletzt im Rahmen des Wedekind-Zyklus an den Münchner Kammerspielen vom 12.2.1916 bis 11.3.1916; Premiere des „Erdgeist“ war am 26.2.1916, weitere vier Vorstellungen fanden am 27.2.1919 sowie am 1., 4. und 11.3.1916 statt.. Ich sagte Erna soweit giengeSchreibversehen, statt: ginge. ihre Freundschaft doch nicht, dass sie sich Lulu von mir angesehen hätte. Ich sagte es natürlich nur scherzhaft. Ich sprach auch ein Bischen von mir, aber wirklich nicht zu viel.

Ich sah übrigens gestern an der DrucksacheHinweis auf eine Sendung, die Wedekind als Drucksache ohne Begleitschreiben zugeschickt und ihm von seiner Frau am 20.4.1916 nach Berlin nachgesandt wurde. Es handelte sich um die 16 Seiten (ohne die Werbung für den Bund für Mutterschutz und für Werke der Autorin) umfassende Broschüre „Krieg und Ehe“ von Grete Meisel-Heß, die 1915 als erste Nummer der Reihe „Kriegshefte des Bundes für Mutterschutz“ im Verlag Oesterheld und Co. in Berlin erschienen ist (vielleicht hat die für den Bund für Mutterschutz aktive Helene Stöcker die Sendung veranlasst). Ihr Auftakt lautet: „Was erwarten wir Frauen von dem großen Weltgericht? In welcher Weise wird das furchtbare Geschehen, das die Erde von Blut dampfen macht, das Todesgrausen und die Vernichtungsschrecken, durch die wir uns an den jüngsten Tag versetzt wähnen, die Urbeziehung des Lebens, die der Geschlechter, beeinflussen? [...] Die automatischen Folgen des Krieges in der Beziehung der Geschlechter werden sich ja ohne Zweifel fühlbar machen.“ [Grete Meisel-Heß: Krieg und Ehe. Berlin 1915, S. 1], dass es eine Broschüre über Krieg u. Ehe ist. Ich hab’s gelesen u. sprach mit Erna davon. Du bist nicht böse, dass ich es las? Ich dachte eine Drucksache kann ich ansehen. Wenn Du sie noch nicht weggeworfen hast, bitte heb sie auf, ich würde sie gern Erna geben. |

Ich glaube fast, wir bekommen noch schönes Osterwetter. Fall’sSchreibversehen, statt: Falls. Du in Berlin oder Dresden oder Leipzig bist, wünsche ich Dir also recht vergnügte Ostern! Bitte schreib mir wo Du wohnen wirst!

Bertl telegraphiert mir ebenDas Telegramm von Dagobert Newes an seine Schwester ist nicht überliefert., dass er morgen kommt, ich freu mich sehr ihn zu sehen.

Hoffentlich freust Du Dich auch dass ich einen Schritt vorwärts gemacht habe u. giebt/s/t die Hoffnung nicht auf. Die TirolerDie aus Graz (Steiermark) stammende Tilly Wedekind sah sich offenbar als Tirolerin; sie war 1916 gerade 30 Jahre alt geworden. werden glaub ich erst mit 40 Jahren gescheidtSchreibversehen, statt: gescheit..

Sei innigst umarmt Liebster u. lass’ es Dir recht gut gehen!

Es küsst Dich herzlichst,
Deine Tilly |


den 21. April. 1916.


Lieber Papa!

Wie geht es dir? Uns geht es gut?/./ Ich habe sehr gute Noten, jetzt sind Ferien. Am Montag hatte ich eine EinladungPamela Wedekind empfing am 17.4.1916 „einige Freundinnen“ [Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 15.4.1916 (Brief)], die hier mit ihren Vornamen aufgezählten vier Mädchen (nicht identifiziert).. Niniza, Ellen, Lissi u. Hella kamen zu mir. Wir stellten lebende Bildertableaux vivants (frz.) – posierend nachgestellte Werke der Malerei und Plastik. dar. Viele Grüße u. Küsse von,
Kadidja u. Pamela!

Einzelstellenkommentare

Dießen, 16. August 1916 (Mittwoch)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
München
Prinzregentenstr. 50 III.


16.8.16. Geliebter Frank,

wenn ich nicht dächte, dass es für Dich unbequem ist morgen wieder auswärts zu essen, würden wir hierbleibenam Ammersee. Tilly Wedekind hat mit ihren Töchtern am 16.8.1916 einen Tagesausflug nach Herrsching am Ammersee unternommen – „Tilly mit Kindern in Herrsching“ [Tb] – und unternahm von dort „mit den Kindern offenbar eine Dampferfahrt nach Dießen am Westufer des Sees.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 311]. Herzlichste Grüße von Tilly Pamela u Kadidja |


Diessen a. Ammersee.


Prachtdampfer Diessen.

Einzelstellenkommentare

Herrsching am Ammersee, 31. August 1916 (Donnerstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Pamela
an Wedekind, Frank

Herrn
Frank Wedekind
München
Prinzregentenstr. 50 III.


31.8.16Wedekind in München notierte am 31.8.1916: „Tilly mit den Kindern in Hersching“ [Tb].. Geliebter Frank, es regnet zwar in Strömen, wir sind aber doch vergnügt u. haben soviel Wohnungen gesehenTilly Wedekind suchte offenbar für ihren längeren Ferienaufenthalt vom 17. bis 30.9.1916 in Herrsching am Ammersee eine Wohnung. dass uns die Wahl schwer fällt. Innigsten Kuss, Deine Tilly


Viele Grüße, v.
Kadidja und Pamela!


Schapells Hotel-Restaurant Seespitz

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Mühlfeld-Herrsching a. Ammersee

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Einzelstellenkommentare

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