Sehr verehrter Herr Justizrat!
Wir hatten uns so auf das KonzertWedekind notierte am 20.12.1913: „Wir wollen in das Konzert von Eva Bernstein gehen kommen aber nicht dazu“ [Tb]; angekündigt war für 19.30 Uhr: „Heute Samstag abend finden statt: [...] ½8 Uhr im Museum der Violinabend von Eva Bernstein. Am Klavier Heinrich Kaspar Schmid.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 66, Nr. 649, 20.12.1913, Morgenblatt, S. 3] Es handelte sich für die „jugendliche Geigerin Eva Bernstein“ um „ihr erstes Auftreten“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 66, Nr. 633, 12.12.1913, Vorabendblatt, S. 3]. Hedwig Pringsheim, mit den Eltern Max und Elsa Bernstein befreundet, notierte am 20.12.1913, dass „Eva Bernstein, die sehr gut spielte, stürmischen Erfolg des von Freunden besetzten Saales hatte.“ [Tb Pringsheim] Eva Bernstein
gefreut, und/s/ vor acht Tagenam 12.12.1913. schon Plätze besorgt. Nun hat sich aber Herr Fritz
Strindberg-Uhl für den heutigen AbendWedekinds Sohn reiste erst drei Tage später an, am 23.12.1913: „Hole Fritz Strindberg vom Bahnhof ab Er kommt in Uniform. Bei Isidor Bach kaufe ich ihm Zivilkleider. Spaziergang mit Fritz im Isarthal.“[Tb] bei uns angesagt. Wir erwarten den Jungen
auch. Aber die Sache beschäftigte mich doch derart daß | ich für den Genuß des
Konzertes nicht in richtiger Stimmung war. Darf ich Sie bitten uns bei der
Künstlerin sowie bei Frau Justizrat so gut es geht, entschuldigen zu wollen.
Mit schönen Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind.
20.12.13.