Briefwechsel

Wedekind, Frank und Asmussen, Oscar

6 Dokumente

Lenzburg, 15. Februar 1889 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Asmussen, Oscar

[Hinweis in Oscar Asmussens Postkarte an Wedekind vom 16.2.1889 aus Hottingen:]


[...] Ihrer freundl. Einladung [...]

Einzelstellenkommentare

Hottingen, 16. Februar 1889 (Samstag)
von Asmussen, Oscar
an Wedekind, Frank

Postkarte.
Carte postale. – Cartolina postale.


Nur für die Adresse.
Côté réservé à l’adresse.
Lato riservato all’ indirizzo.


Herrn Frankl. Wedekind
Lenzburg. |


Zürich. Hottg.
Florastrasse 5II

16.II.89.


Lieber Herr Wedekind!

Höchstwahrscheinlich werden Steinmetz & ichCharles Steinmetz und sein Freund Oscar Asmussen, die sich möglicherweise die Wohnung (Florastraße 5, 2. Stock) in Hottingen bei Zürich teilten, studierten beide am Eidgenössischen Polytechnikum [vgl. Adressbuch der Stadt Zürich für das Jahr 1889, Teil III, S. 21f.] in Zürich (siehe unten). Wedekind dürfte die Freunde im Kreis um Carl Hauptmann in Zürich kennengelernt haben. Gerhart Hauptmann, der von Anfang 1888 bis zum Herbst bei seinem Bruder Carl Hauptmann in Zürich zu Besuch war (und Wedekind dort kennenlernte), erinnerte sich: „Ein gewisser Karl Steinmetz war irgendwie an den Strand von Zürich gespült worden. [...] Er war [...] ein Genie auf den Gebieten der Mathematik und Physik [...]. Carl, der von den Gaben dieses anderen Karl geradezu hingerissen war, stützte ihn nun auf jede Weise. Steinmetz war fast täglicher Gast [...] in seinem Haus.“ [Hauptmann 1937, S. 445f.] uns nächsten Sonntagder 24.2.1889 (nicht der 17.2.1889), vom Versand der Postkarte an gerechnet (nicht vom Schreibdatum). Der Besuch fand statt [vgl. Oscar Asmussen an Wedekind, 28.2.1889]. das Vergnügen machen Ihrer freundl. Einladungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Oscar Asmussen, 15.2.1889. Die Einladung, in die Oscar Asmussens enger Freund Charles Steinmetz wahrscheinlich einbezogen war, dürfte schriftlich erfolgt sein (nicht mündlich vor gut vier Monaten in Zürich), da Wedekind nach dem Tod seines Vaters am 11.10.1888 Zürich verlassen hatte und sich seitdem in Lenzburg aufhielt. folgend, Sie in Lenzburg zu besuchen. Natürlich nur wenn Ihnen dies convenabelpassend, bequem.. Andernfalls bitte um Mittheilung.

Mit herzl Gruß
Oscar AsmussenOscar Asmussen, über den kaum etwas bekannt ist, studierte in Zürich – wie sein später als Physiker berühmter Freund Charles Steinmetz: „He entered the Polytechnic School of Engineering [...]. Oscar Asmussen [...], a young Danish student, had spent his childhood in the United States. He had an rich uncle in California who was paying for his education at the Zurich Polytechnic Institute.“ [Henry Thomas: Charles Steinmetz. New York 1959, S. 25]


[am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

natürlich alles nur bei gutem Wetter etc etc etc!!!

Einzelstellenkommentare

Hottingen, 28. Februar 1889 (Donnerstag)
von Asmussen, Oscar
an Wedekind, Frank

Zürich Hottingen

28.II.89.


Lieber Herr Wedekind!

Anbei, die versprochene Empfehlungein Empfehlungsschreiben (nicht überliefert) von Oscar Asmussen an seine Eltern (siehe unten) für Donald Wedekind, das vermutlich an Oscar Asmussens Großvater mütterlicherseits adressiert war, den Vater von Louise Asmussen (geb. Hansen) in New York, denn Donald Wedekind, der bei seiner Reise in die USA einige Tage in New York verbrachte [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 138], berichtete seinem Bruder, er habe die „Empfehlung an Herrn Hansen“ [Donald Wedekind an Frank Wedekind, 2.4.1889] am 29.3.1889 abgegeben. Ihres Bruders Donald; er wird meinen ElternJohannes Asmussen und seine Gattin Louise Asmussen (geb. Hansen), Oscar Asmussens „parents in New York“ [The Jewish Forum 11 (1928), S. 355]. sehr willkommen sein. –

Wir sind wieder im Lochwohl das historisch bedeutsame „Haus in oder zum Loch“ in Zürich, „so genannt von seiner Lage in der Tiefe“ [Salomon Voegelin: Das alte Zürich. 2. Aufl. Zürich 1878, S. 327], „dem ehemaligen Chorherrenhause genannt ‚im Loch‘ zu Zürich [...] auf der Nordseite des Grossmünsterplatzes“ [Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. 3. Zürich 1846 und 1847, S. (3)]; Zusammenhang nicht ermittelt. und sehnen uns ganz beträchtlich nach den frohen StundenOscar Asmussen und Charles Steinmetz waren am 24.2.1889 bei Wedekind zu Gast auf Schloss Lenzburg gewesen [vgl. Oscar Asmussen an Wedekind, 16.2.1889]. welche wir auf Schloß Lenzburg verlebt haben. – Dieselben bilden noch immer unser Hauptgesprächsthema. – „Das darf Ihnen aberwohl humoristisch intendiertes Zitat einer dann im vorliegenden Brief noch zweimal wiederholten Wendung, die bei dem Besuch auf Schloss Lenzburg (siehe oben) wohl mehrfach gefallen sein dürfte. nicht unangenehm sein.“ –

Es wäre mir sehr lieb, wenn Sie bei mirin Oscar Asmussens Wohnung in Hottingen bei Zürich (Florastraße 5, 2. Stock) [vgl. Oscar Asmussen an Wedekind, 16.2.1889]. Ihr Logis aufschlagen wollten für die Dauer Ihres Zürcher AufenthaltsWedekind reiste im Frühjahr von Lenzburg über Darmstadt nach Berlin, einen längeren Aufenthalt in Zürich dürfte es davor nicht mehr gegeben haben. in der nächsten Zeit. – Gutes Eß und Rauchmaterial, | Schlafrock und Filzpantoffeln, sowie eine liebenswürdige Wirthinnicht identifiziert. erwarten Sie mit offenen Armen. – Es darf Ihnen aber nicht unangenehm sein. – . – etc. etc. etc.

Sprechen Sie Ihrer lieben Frau Mama nochmals unsern tiefsten Dank aus für die freundliche Aufnahme welche sie uns bereitet, und empfehlen Sie mich bestens Ihrer Frl. Schwesterwohl eher die 20jährige Erika Wedekind als die 13jährige Emilie (Mati) Wedekind. und Frl. von Greyerz, welcher ich übrigens noch persönlich meinen Dank für die gütigst verschafften Theaterbillette in einem Schreibebrief ausdrücken werde. – Dies darf Ihnen aber nicht unangenehm sein. –

Mit herzl. Gruß.
Ihr Genosse & Freund
Oscar Asmußen.


Einzelstellenkommentare

New York City, 8. September 1889 (Sonntag)
von Asmussen, Oscar und Steinmetz, Charles
an Wedekind, Frank

UNIVERSAL POSTAL UNION
(Union Postale Universelle)
UNITED STATES OF AMERICA
(États-Unis d’Amérique)


WRITE ONLY THE ADRESS ON THIS SIDE


Herrn Franklin Wedekind

auf Schloss Lenzburg.
Lenzburg

Switzerland. |


[am oberen Rand, um 180 Grad gedreht:]

Adreße 164 E. 119th St.Adresse des Apartments im New Yorker Stadtteil Harlem (164 East 119th Street), das die Freunde Oscar Asmussen und Charles Steinmetz, die sich im Frühjahr 1889 von Europa in die USA eingeschifft hatten, zunächst bezogen, nachdem sie am 20.5.1889 in New York eingetroffen waren; der wohlhabende Oscar Asmussen hatte die Schiffspassage bezahlt und garantierte für den Lebensunterhalt des mittellosen Charles Steinmetz, bis dieser im Sommer 1889 eine Anstellung als technischer Zeichner gefunden hatte [vgl. Marilyn K. Sheddan: Steinmetz, Charles Proteus. In: The Froehlich/Kent Encyclopedia of Telecommunications. Hg. von Fritz E. Froehlich und Allan Kent. Bd. 15. New York, Basel, Hong Kong 1998, S. 463-458, hier S. 465].
New-York.

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N.Y. 8.IX.89

Lieber Herr Wedekind! Zum Briefeschreiben haben wir keine Zeit; – so muß Ihnen denn ab und zu eine Carte einen Gruß aus der Fremde bringen. – Wir sitzen hier augenblicklich ganz fidel in N.Y. haben beide Stellung und sind soweit recht zufrieden. – In den wenigen Momenten der Muße schwelgen wir in Erinnerungen an die unvergeßlichen StundenOscar Asmussen und Charles Steinmetz waren am 24.2.1889 bei Wedekind zu Gast auf Schloss Lenzburg gewesen [vgl. Oscar Asmussen an Wedekind, 16.2.1889 und 28.2.1889]. die wir bei Ihnen verlebt. – Anno 92tatsächlich erst im Jahre 1893; die Chicago World Fair (auch: World’s Columbian Exposition, da sie zum 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus stattfand), die große Weltausstellung in den USA, fand vom 1.5.1893 bis 30.10.1893 in Chicago statt. haben wir hier Ausstellung; Wenn Sie vorbeikommen wollen, all-right. – Wir werden uns dann revanchiren können. – Laßen Sie auch mal was von sich hören. – Ihrer lieben Familie und Cousine die herzl Grüße. Ihr Freund & Genoße mit Gruß und Handschlag. –
Oscar Asmußen.

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Auch von mir die herzlichsten Grüße aus der Ferne für Sie & Ihre Familie!

Ihr Freund
Chas. Steinmetz.




Einzelstellenkommentare

München, 28. November 1889 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Asmussen, Oscar

[Hinweis in Oscar Asmussens Postkarte an Wedekind vom 10.12.1889 aus New York City:]


Soeben kommt Ihr Brief aus München.

Einzelstellenkommentare

New York City, 10. Dezember 1889 (Dienstag)
von Asmussen, Oscar und Steinmetz, Charles
an Wedekind, Frank

UNIVERSAL POSTAL UNION
(Union Postale Universelle)
UNITED STATES OF AMERICA
(États-Unis d’Amérique)


WRITE ONLY THE ADRESS ON THIS SIDE


Herrn Franklin Wedekind
Schloß LenzburgOscar Asmussen hat die ursprüngliche Empfängeradresse auf der bereits beschriebenen Postkarte gestrichen und Charles Steinmetz hat sie durch Wedekinds Münchner Adresse ersetzt (siehe die Hinweise zur Materialität), als Wedekinds Brief aus München eintraf (siehe unten), in dem die Adresse angegeben gewesen sein dürfte.
Akademiestraße 21III
Lenzburg München

Switzerland.Germany |


[am oberen Rand, um 180 Grad gedreht:]

Adreße 70 So. 10th St.
Brooklyn, E.D.
New York.

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New-York 10.XII.89.

Lieber Herr Wedekind!

Ubi bene, ibi patria(lat.) Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland (geflügeltes Wort); frei nach Cicero „in den ‚Tusculanae‘ 5, 37“: „Patria est, ubicunque est bene“ = „Das Vaterland ist allenthalben, wo es gut ist“ [Büchmann 1879, S. 257]! Den Spruch laß ich in goldenen Lettern über mein dereinstiges Mausoleum setzen. Meine sogenannte amerikanische HeimathOscar Asmussen ist in den USA aufgewachsen. kann mir die kleine vielgeschmähte SchweizOscar Asmussen und Charles Steinmetz haben in Zürich studiert und sind im Frühjahr 1889 in die USA übergesiedelt (siehe die vorangehende Korrespondenz mit Wedekind). nicht ersetzen. – New York nicht Zürich. – Möchten mal was von Ihnen hören. – Herzl Gruß zum neuen Jahr
Gruß & Hdschlg. Ihr Freund
und Genoße Oscar Asmußen


Soeben kommt Ihr Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Oscar Asmussen, 28.11.1889. aus München. Herzl. Dank. Brief sobald irgend Zeit. – Augenblicklich absolut unmöglich, da bis über die Ohren in MaschinerieOscar Asmussen war studierter Maschinenbauingenieur. sitze.

Herzl Gruß s.o.


[am linken Rand, um 90 Grad gedreht:]

Die besten Grüße nach Lenzburg.


[von Charles Steinmetz zwischen die Zeilen von Oscar Asmussen geschrieben:]

New York ist unendlich vielmal schöner als das elende Nest Zürich. Lenzburg war schönOscar Asmussen und Charles Steinmetz waren am 24.2.1889 bei Wedekind zu Gast auf Schloss Lenzburg gewesen [vgl. Oscar Asmussen an Wedekind, 16.2.1889, 28.2.1889 und 8.9.1889]..

Viele Grüße & Prosit Neujahr!
Ihr
Chas. Steinmetz


Einzelstellenkommentare