Herrn Albert Langen, VerlagMünchen.
Sehr geehrter Herr!
Darf ich Sie höflichst ersuchen, mir Ihre endgiltige
Entscheidung in der von uns besprochenen AngelegenheitDas Treffen dürfte am Freitag, den 22.5.1903 stattgefunden haben [vgl. hierzu und zum Folgenden: Wedekind an Albert Langen, 25.9.1903]. zukommen zu lassen. Mein
Gesuch bezog sich auf Gewährung eines Darlehens von M. 3000,
von denen ich M. 1000 meinem Wunsch entsprechend
ausgezahlt erhalten habe und deren Rest von M. 2000 ich
Sie | bat, mir in Raten von M. 500 in den nächsten vier
Monaten auszahlen zu lassen. Sollte Ihnen die erbetene Summe zu hoch
erscheinen, so würden Sie mich dadurch zu dem berechtigten Schluß veranlassen,
daß ich Ihnen geschäftlich um vieles weniger wert bin als eine Reihe anderer in
Ihrem Geschäfte betheiligter Personen, da Sie nach Ihrer eigenen Äußerung ein
ganzes Vermögen in Vorschüssen ausstehen haben und ich auch sonst über die Höhe
der von Ihnen gewährten Darlehen | unterrichtet zu sein glaube. Ich würde dann
in diesem Falle das früher von mir geplante Werk „Hidalla“ wieder aufnehmenWedekinds Beschäftigung mit dem Stoff ist seit 1887/88 nachweisbar [vgl. KSA 6, S. 368]. und
über dessen Verwerthung wie mir das kontractlich freisteht mit irgend
einem anderen Verlag„Hidalla“ erschien im Mai 1904 bei J. Marchlewski & Co. in München [vgl. KSA 6, S. 368, 386]. oder auch Bühnenvertrieb abschließen.
Indem ich der schriftlichen Mittheilung Ihrer
geschätzten Entscheidung in dieser Sache entgegensehe zeichnet
hochachtungsvollst
Frank Wedekind.
München 25. Mai 1903.
Franz Josefstraße 42. II.