Lieber verehrter Herr Herzog!
Empfangen Sie herzlichsten Dank für die prachtvollen BlumenGenesungspräsent für den Rekonvaleszenten ‒ Wedekind hatte sich am 14.4.1915 in das Josephinum begeben, eine Privatheilanstalt in München (Schönfeldstraße 16), und war dort am 15.4.1915 erneut am Blinddarm operiert worden [vgl. Tb].
mit denen Sie mein Zimmer geschmückt haben. Wenn Sie in diesen Tagen einmal
einen Augenblick frei haben besuchen Sie mich vielleicht und erzählen mir auch
etwas von/m/ F ClubAnspielung auf das letzte Treffen: Wedekind war am 8.4.1915 zu Besuch „bei Wilhelm Herzog der einen politischen Club gründen will. Forum Club.“ [Tb] Das Vorhaben, benannt nach Wilhelm Herzogs Zeitschrift „Das Forum“, war eine der Initiativen des Pazifisten, gegen den Krieg zu wirken. Gemeint gewesen sein könnte der Bund Deutsches Vaterland, der sich für Frieden und Völkerverständigung einsetzte. Wilhelm Herzog hat 1915 im März-Heft des „Forum“ über dessen Gründung berichtet (und zu berichten angekündigt).. Hoffentlich befinden sich Ihre verehrte Frau Gemahlin und
Ihre TochterEva-Maria Herzog war am 2.4.1915 geboren worden, die gemeinsame Tochter von Wilhelm Herzog und Erna Morena. wohl. Wenn Sie Harden sehenMaximilian Harden wurde in München zu einem von der Konzertagentur Hugo Bauer am 24.4.1915 um 20 Uhr in der Tonhalle veranstalteten Vortrag [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 184, 11.4.1915, Morgenblatt, S. 7] erwartet: „Heute Samstag findet in der Tonhalle der zweite Kriegsvortrag ‚Wie steht’s?‘ von Maximilian Harden statt. Der Vortrag beginnt pünktlich 8 Uhr; das Publikum ist gebeten, des großen Stoffes wegen Störungen durch verspäteten Eintritt freundlichst zu vermeiden.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 208, 24.4.1915, General-Anzeiger, S. 1] Die Presse berichtete, Maximilian Harden habe „in der Tonhalle vor einem zahlreichen Publikum“ [Wie steht’s? Kriegsvortrag von Maximilian Harden. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 211, 26.4.1915, Morgenblatt, S. 3] gesprochen. melden Sie bitte einen schönen Gruß.
Mit besten Grüßen und Empfehlungen an Sie und Ihre verehrte Frau GemahlinWilhelm Herzog und Erna Morena waren seit dem 22.12.1914 verheiratet (Trauzeugen waren Heinrich Mann und Carl Rößler). von
meiner Frau und mir
Ihr ergebener
Frank Wedekind
21.4.15.