Königreich Bayern
Postkarte
Herrn
Privatdozent
Dr. Artur Kutscher
München Bogenhausen
Mauerkircherstrasse 5Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1912, Teil I, S. 340]..
Lieber Artur!
MorgenWedekind las am 12.7.1912 (Freitag) um 21 Uhr als Gastautor in Artur Kutschers Seminar (siehe seine Widmung [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 12.7.1912] im Gästebuch) im Hotel Union sein Stück „Musik“, wie er am 12.7.1912 notierte und dabei einen früheren Besuch vergegenwärtigte: „Abends lese ich Musik in Kutschers Seminar. Nachher mit ihm und Fräulein Helbig in der T.St. Er hat ein Verhältnis mit ihr, begonnen nach der Franziska-Vorlesung in seinem Seminar.“ [Tb] Mit Fräulein Helbig ist Helly Steglich gemeint. Die Lesung aus „Franziska“ (Wedekind trug auch „Das Lied vom armen Kinde“ und „Galathea“ vor) hat am 9.2.1912 stattgefunden: „Kutscher Seminar. Franziska 4. Akt. Das arme Kind Galathea T.St. mit Kutscher Albus und einer Kunststudentin aus Stettin.“ [Tb] Mit der Kunststudentin ist wiederum Helly Steglich gemeint, die ihren Namen unmittelbar vor Wedekinds Widmung in Artur Kutschers Gästebuch eingetragen hat., Freitag, 9 Uhr21 Uhr. werde ich mich also mit „Musik“
im Hotel | UnionDie Autorenabende in Artur Kutschers Seminar fanden längere Zeit im Münchner Hotel Union (Barerstraße 7) statt, „jede Woche [...]; die Teilnehmerzahl konnte 40, manchmal sogar 50 Studierende erreichen“ [Buglioni 2017, S. 164]. einfinden. Ich freue mich sehr darauf, einmal wieder einen
ganzen Abend mit Dir zusammen zu sein. Dein Ausbleiben am MontagArtur Kutscher war am 8.7.1912 nicht in der Krokodil genannten Stammtischrunde im Münchner Ratskeller erschienen, wie Wedekind notiert hat: „Abend im Krokodil. Kutscher nicht anwesend. In d. T.St. erzählt Mühsam daß seine Stellung an der Universität erschüttert sei.“ [Tb] Artur Kutschers Lehrveranstaltungen über Wedekind hatten dem Privatdozenten Schwierigkeiten mit der Fakultät eingetragen. war mir sehr
bedauerlich.
Mit der Bitte, mich Frau Doctorwohl nicht die erste Ehefrau Gertrud Kutscher (geb. Schaper), die in der vorangehenden Korrespondenz Wedekinds mit Artur Kutscher stets als Gemahlin bezeichnet ist, sondern die Geliebte Helly Steglich, eine promovierte Kunsthistorikerin, die am 12.7.1912 bei Wedekinds Lesung dabei war (siehe oben). bestens zu
empfehlen und
herzlichem Gruß
Dein
Frank