P. L.
CHARLOTTENBURG. 7.6.1908.KANTSTRASSE 123.
Lieber Herr Wedekind!
Bei meiner Rückkehr von CoburgZusammenhang nicht ermittelt. erhalte ich soeben Kenntniß vom Tod Ihres unglücklichen BrudersDonald Wedekinds Selbstmord am 5.6.1908 in Wien, den auch die Berliner Presse gemeldet hat: „Donald Wedekind, ein jüngerer Bruder Frank Wedekinds, hat sich, wie aus Wien gemeldet worden ist, dort erschossen. Er war gänzlich mittellos vor einigen Tage aus Zürich angelangt. Im Prater hat er dann Selbstnord verübt. [...] Bei der Leiche wurde kein Geld gefunden, auch die Hotelrechnung ist unbeglichen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 286, 6.6.1908, Abend-Ausgabe, S. (3)] Donald. Ohne falsche Sentimentalität will ich Ihnen doch sagen, daß mich das wenn auch nicht unvorhergesehene Ende des armen Menschen, nun da es tragisches Ereigniß geworden ist, recht traurig berührt; Ihnen wird es besonders nahe gehen. Seien Sie meiner herzlichen und verstehenden Theilnahme versichert!
Ihr Ihnen aufrichtig ergebenerPaul Lindau
Bestehend aus 2 Blatt, davon 1 Seite beschrieben
Charlottenburg7. Juni 1908 (Sonntag) Sicher
CharlottenburgDatum unbekannt
MünchenDatum unbekannt
Münchner Stadtbibliothek / Monacensia
Maria-Theresia-Straße 23 81675 München Deutschland +49 (0)89 419472 13
Wir danken der Münchner Stadtbibliothek / Monacensia für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe des Korrespondenzstücks.
Paul Lindau an Frank Wedekind, 7.6.1908. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (23.01.2026).
Cordula Greinert
Ariane Martin