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Berlin, 28.7.1910.
Herrn Dr. Frank Wedekind,
München.
Lieber Herr Wedekind,
nochmals vielen herzlichen Dank für das neueste
Drillingskind„In allen Sätteln gerecht“ (1910), der dritte der drei Einakter, die Wedekind 1912 unter dem Titel „Schloß Wetterstein“ vereinigte [vgl. KSA 7/II, S. 690]. Ihrer, dieses Jahr hochgesegneten Muse. Es kommt mir gerade
zurecht, um mich auf einer Reise zu begleiten, die mich in die Nähe Ihrer
Heimat, nämlich nach der NordschweizWalther Rathenau reiste nach Mülhausen, an der Grenze zur Schweiz gelegen, um dort am 1.8.1910 als einer der Aufsichtsräte die Oberrheinische Kraftwerke A.-G. zu gründen, „Dr. Rathenau“ als einer der Repräsentanten „der Bank für elektrische Unternehmungen“ [Neue Zürcher Nachrichten, Nr. 208, 3.8.1910, 1. Blatt, S. (3)]., führt, indessen leider, trotz des
schönsten Sommermonats, in nüchternsten Geschäften.
Entschuldigen Sie, dass
dieser Brief, im Moment der Abreise diktiert, meine Unterschrift nicht trägt,
und seien Sie aufs freundlichste begrüsst von
Ihrem aufrichtig ergebenen
für Dr. W. Rathenau
Hugo Geitner,
SekretärHugo Geitner, der das Diktat aufgenommen und den Brief unterschrieben hat, war seit 1907 Walther Rathenaus Privatsekretär [vgl. Hellige 1983, S. 1011]..