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Den 20. Januar. 1886.
Lieber Bebi.
Du hast mir jetzt so lange nicht geschrieben; und
ich habe Dir nun schon so manchen Brief geschrieben, nun schreibe ich Dir aber
zum letzten male bevor Du mir wieder einen schreibst. Die MatildeMathilde war das „Hausmädchen auf Schloss Lenzburg“ [Vinçon 2021, Bd. 2, S. 350]. hat sich gestern und und
vorgestern die Arme aufgewaschenin der Bedeutung: aufgescheuert [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 91]., und die AnnaAnna Frei war Stubenmagd auf Schloss Lenzburg [vgl. Emilie (Mati) Wedekind an Frank Wedekind, 23.4.1886]; sie war wohl kaum identisch mit derjenigen „Angestellten auf Schloß Lenzburg“ [KSA 1/I, S. 909], auf die Wedekind sein Jugendgedicht „An Anna“ (1877) gemacht hat. hat eine geschwollene | Backe
und auch die Lippe ist ganz geschwollen b. Doda lernt jetzt eben Latein.
Ich bin heute den ganzen Nachmittag draußen gewesen,. Ich war auch heute
morgen nich in der Schule weil es sehr stark geschneit hat, aber Mize
ist auch nicht in der Schule geweset/n/, aber Doda hingegen ist in der
Schule gewesen. Die Eisbahn war 2 Tage ertöffnet und da ist sie auch 2 mahl
eingebrochen | Ich bin vorgestern in den Weier gefallen nähmlich daß [Zeichnung] ging so wie wenn jetzt daß der Weier wäre, so stand
ich da und Doda stand neben draußt/e/n an der Wand da fiel ich um, und ‒ daß Eis ist eingebrochen; da konnte ich mich
noch halten und, brüllte immer filfgemeint ist: hilf. mir! b als nun Pappa aus dem Fenster guckte sagten
er, was denn da seie. Da sagte ich Doda sei nicht die | Schuld. Ich weiß
Dir nun nichts mehr zum schreiben, darum sage ich Dir jetzt adjö, also
adjö lieber Bebi, entschuldige daß ich so schlecht geschrieben habe, es grüß Dich
und küßt Dich Deine liebe
Mati.
Mein lieber Bebi! Warum antwortest Du nicht auf
Papas Geldsendungen? Er ist recht bekümmert, daß Du wieder krankAnspielung auf Wedekinds Krankenhausaufenthalt im Sommer 1885. sein könntest
oder sonst etwas nicht ist wie es sein sollte. Du weißt, daß Papa sich nicht
beruhigen lassen will, daher bitte ich Dich sofortdreifach unterstrichen.
zu schreiben u zwar an Papa.
Mit herzl. Grüßen Deine treue Mutter