Sehr geehrter Herr Stollberg!
zu meinem großem Bedauern glaube ich aus Ihren freundlichen
Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Georg Stollberg an Wedekind, 14.2.1912. auf eine Mißstimmung schließen zu müssen. Am Abend der KleistfeierAm 20.11.1911 fand im Münchner Schauspielhaus eine Feier zum 100. Todestag Heinrich von Kleists statt (Wedekind hielt dort seine Kleist-Rede), die in der Presse angekündigt war: „Münchner Schauspielhaus. Montag [...] findet eine Kleist-Feier statt, eine Aufführung von ‚Der zerbrochene Krug‘. [...] Zum Schluß der Feier wird [...] Frank Wedekind eine Gedächtnisrede auf Kleist halten.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 537, 17.11.1911, Vorabendblatt, S. 3]
sagten Sie mir, daß Sie von „Franziska“ noch kein BuchDie Erstausgabe „Franziska. Ein modernes Mysterium in fünf Akten von Frank Wedekind“ [KSA 7/II, S. 994] ist vordatiert auf 1912 im Verlag von Georg Müller in München erschienen; sie war am 27.11.1911 als Neuerscheinung gemeldet [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 78, Nr. 275, 27.11.1911, S. 14819] und dürfte insofern wenige Tage zuvor gedruckt vorgelegen haben. zugeschickt bekommen
haben. Ich reklamierte sofort bei meinem Verleger, der mir versicherte, Sie
hätten das erste Buch erhalten, das überhaupt in München verschickt worden | wäre.
Darauf theilte ich ihm mit, daß Sie die Absicht hätten, Franziska zu erwerben,
worüber Müller sehr erfreut war. Der VertragWedekind hat den Direktor des Münchner Schauspielhauses in seinem letzten Brief über den „Franziska“ betreffenden Vertrag seines Verlegers Georg Müller mit dem Lustspielhaus (Direktion: Eugen Robert) informiert [vgl. Wedekind an Georg Stollberg, 13.2.1912]. mit dem Lustspielhaus ist meines
Wissens erst mehrere Wochen später zustande gekommen.
Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind.
15.2.12.