Lieber Herr Stollberg,
es ist mir rein unfaßlich, daß ich bis jetzt noch
von keiner anderen Seele über den bedauernswerthen VorfallDonald Wedekind hat sich Grete Stollberg gegenüber ungebührlich betragen (vermutlich ein verbaler oder tätlicher sexueller Übergriff), über den Georg Stollberg empört war und entsprechend an Frank Wedekind geschrieben hat (siehe unten). ein Wort gehört
habe. Ich habe daher Ihre Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Georg Stollberg an Wedekind, 18.11.1898. ‒ Wedekind hat diesen umfangreichen Brief am Vortag bereits ausführlich beantwortet [vgl. Wedekind an Georg Stollberg, 21.11.1898]. vorgestern an einen unserer beiderseitigen
Bekannten geschicktvgl. Wedekind an Max Halbe, 20.11.1898. Dem vorliegenden Brief zufolge hat Wedekind dem Brief an Max Halbe den Brief Georg Stollbergs an ihn vom 18.11.1898 beigelegt (vermutlich in einer Abschrift). mit der Bitte mich möglichst über Stimmung e.ct. zu orientiren. Zugleich habe ich
ihn gefragt, ob | es seine Richtigkeit hat, daß Sie in München nach meiner
AbreiseWedekinds Flucht aus München am 30.10.1898 nach Zürich, um der drohenden Verhaftung wegen Majestätsbeleidigung zu entgehen (wegen seines Gedichts „Im heiligen Land“ am 25.10.1898 im „Simplicissimus“). nachtheilig über mich gesprochen. Da ich es um alles in der Welt vermeiden
möchte, Ihnen Unrecht zu thun, werde ich unserem Bekannten eventuell auch
meine Beantwortung Ihrer Schilderung des Vorfalles zuschicken, mit der Bitte,
mir seine Ansicht zu sagen. Sobald ich Antwort habeWedekind erhielt Antwort und bedankte sich bei Max Halbe für dessen tröstliche Zeilen, die Georg Stollberg betrafen [vgl. Wedekind an Max Halbe, 1.12.1898]., erfahren Sie den Namen des
BetreffendenMax Halbe (siehe oben)..
Indessen bin ich mit herzlichem Gruß
Ihr getreuer
Frank Wedekind.
22.11.98.