Lieber
Frank,
Bin seit gesternder 27.8.1905. Berthe Marie Denk hatte mit Karl Kraus und anderen einen Ausflug unternommen, der sie nach Preßburg und Klosterneuburg führte, und von dort Postkarten an Wedekind mitunterschrieben [vgl. Karl Kraus, Carl Leopold Hollitzer, Ernst von Lieben, Berthe Marie Denk an Wedekind, 27.8.1905; Karl Kraus, Berthe Marie Denk an Wedekind, 27.8.1905]. wieder in Wien. Sei nicht bös dass ich
solange nicht geschrieben, ich erlebe rein gar nichts u. dann war ich auch bös
auf Dich, weil Du mich | so im Stich gelassenWedekind hatte Berthe Marie Denk während ihres Kuraufenthalts in Franzensbad drei Tage besucht und war – ohne am 6.8.1905 von der Geliebten „Abschied genommen zu haben“ [Tb] – am 7.8.1905 ohne Nachricht zurück nach München gereist. hast. ‒ ‒ Die Cur hat mir nicht sonderlich angeschlagen; ‒
vielleicht fahre ich nächste Woche nach Steiermark! ‒
Wann fährst Du denn nach BerlinWedekind reiste am 5.9.1905 von München ab, zunächst nach Dresden und von dort am 8.9.1905 nach Berlin, wo er am 9.9.1905 eine Wohnung mietete (Schiffbauerdamm 6), um am Deutschen Theater (Direktion: Max Reinhardt) tätig zu werden.? Ich werde Dich dort bestimmt besuchen. | Was gibt’s bei Dir Neues? Ist mein
BildBerthe Marie Denk bezieht sich auf Raffaels Bildnis des Tommaso Inghirami in roter Robe, das Wedekind ihr kopieren zu lassen versprochen hat – sie hatte schon dreimal nachgefragt [vgl. Berthe Marie Denk an Wedekind, 7.7.1905, 11.7.1905 und 28.7.1905] und Wedekind hatte ihr zwischenzeitlich erklärt, die Kopie sei noch nicht fertig [vgl. Wedekind an Berthe Marie Denk, 14.7.1905]. noch nicht fertig? Ich warte
schon mit Ungeduld darauf! ‒
‒
Schreibe recht bald wieder
Deiner
Braut.