Mein
lieber Frank!
Ich sitze hier am Bahnhof und warte den Nachtzug ab. Mein
StückVermutlich handelt es sich um das Stück, das Friedrich Strindberg unter dem Titel „Epiphania“ konzipierte [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 24.5.1914]. habe ich vollendet und im Köfferchen liegt es neben einer Hose, neben 2
Hemden, 2 Unterhosen u. s. w.
Es ist wahr: ich bin durchgebrannt und habe 2 KameradenIdentitäten nicht ermittelt.
mit mir gerissen. 16 Kronen als Rest von 20 in der Tasche, gespendet von einer
mitleidigen DameIdentität nicht ermittelt.. So gehts in die Welt hinaus. Wo ist meine Welt? – Ich weiß es
nicht. Es geht um meine kleine Existenz.
Wir Menschen haben ein kurzes Leben und jeder Augenblick
ist darin kostbar, jeder verleidete Moment ein unersetzlicher Verlust. Darum bin ich davon. Ich zweifle
sehr, daß es mir gut gehen wird; aber wir glauben alle unverwüstlich zu sein.
Mit Recht oder Unrecht | kann niemand entscheiden. Ich schreibe
Dir, liebster Frank, nicht, wohin ich reise. Ich möchte Dich nicht zum
Mitschuldigen machen. Aber schon gehn. meine liederlichen Gedanken mir
durch und ich kann nur hoffen, nur hoffen. Es wirkt mit der Zeit jämmerlich,
ewig den Unschuldsengel zu spielen, wie ich es tat. Aber die Zukunft ist groß.
U. noch recht
herzl. Grüße
Dein Strindberg.
Snr. Hogb.
Herrn F. Wedekind.
München.
Prinzregentenst. 50.