Seinem lieben Karl
Henckell
Der VerbrecherWedekind dürfte hier auf die Figur des Hochstaplers Dr. Steiner aus seinem Lustspiel „Der Schnellmaler“ anspielen, der im Stück als ein gesuchter Verbrecher entlarvt (Szene III/7), aber dann doch nicht verhaftet wird; der Kommissär bemerkt (Szene III/8): „Die Justiz kennt gottlob kein Ansehen der Person. Ob schuldig oder unschuldig, vor dem Gesetz gilt jeder Verbrecher gleich.“ [KSA 2, S. 92].
Franklin Wedekind.
Der Schnellmaler.
Große tragikomische
Originalcharakterposse
in drei Aufzügen.
Zürich 1889.
Verlags-MagazinKarl Henckell hat einige seiner Bücher im Verlags-Magazin (J. Schabelitz) in Zürich veröffentlicht – ein für die Literatur der frühen Moderne einschlägiger Verlag, den er Wedekind für den Druck des Lustspiels in Zürich vermittelt hat [vgl. KSA 2, S. 546], wie Wedekind später in einem Interview erzählte: „Obgleich ich durchaus keinen Drang zu weiterem dramatischen Schaffen in mir fühlte, da mir meine Stellung bei Maggi reichlich Geld eintrug, ließ ich, vielleicht gerade wegen meiner guten Besoldung, den ‚Schnellmaler‘ ein Jahr später bei Schabelitz durch Vermittlung von Karl Henckell drucken“ [Josef M. Jurinek: Frank Wedekinds literarische Anfänge. Unveröffentlichte Bekenntnisse des Dichters. In: Neues Wiener Journal, Jg. 24, Nr. 8215, 12.9.1916, S. 6]. Insofern spielte der Freund, der seinerzeit in Zürich lebte, für den „Schnellmaler“ eine herausragende Rolle..
(J. Schabelitz.)