S. H.
Herrn
Frank Wedekind
München
Prinzregentenst. 50
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Absender:
Strindberg, Einj. Freiw. SchuleFriedrich Strindberg hatte die Möglichkeit, sich nach erfolgreichem Abschluss der Mittelschule als Einjährig-Freiwilliger zu melden und so seine Wehrpflichtzeit von drei Jahren auf ein Jahr zu verkürzen. Das Vorhaben erwähnte er in früheren Briefen [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 30.5.1915]. Die einjährige Militärzeit endete für die Freiwilligen mit dem Rang eines Unteroffiziers. In Kriegszeiten wurden die Einjährig-Freiwilligen, ebenso wie die gewöhnlichen Landsturmpflichtigen, auch an der Front eingesetzt.
Göß bei Leoben. |
Mein lieber Frank! Bitte verzeihe, wenn ich erst jetzt u.
zw. in so
großer Eile dazu komme Dir zu schreiben. Wir sind jetzt in Leoben u. das Leben beim Militär ist
viel schöner als im CorpsFriedrich Strindberg hatte in Salzburg freiwillig ein Jungschützencorps besucht, das der militärischen Ausbildung von Jugendlichen diente [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 6.2.1915 und später]..
Ich genieße meine endlich erlangte Freiheit, so weit ich sie genießen kann. Die Anstrengungen sind zwar nicht besonders
angenehm, doch man muß sie ertragen. Hoffentlich komme ich noch zu Zeiten des
Krieges (in 3–4 Monaten) hinaus ins Feld – Wir sehnen uns alle danach. Nicht
des Vaterlandes halber sondern meiner selbst willen. Mir tut es sehr leid, daß
wir uns nicht sehen konntenFriedrich Strindberg hatte seit Anfang 1915 und vor seinem Eintritt ins Militär mehrfach um ein Treffen mit seinem Vater gebeten, das aber krankheitsbedingt nicht stattfand.. Doch wie geht es Dir bitte nun Hoffentlich hat
sich Dein BefindenWedekind hatte sich nach seiner ersten Blinddarmoperation (29.12.1914) am 15.4.1915 einer zweiten „Operation“ [Tb] unterziehen müssen. Sein zweiter Klinikaufenthalt dauerte vom 14.4.1915 bis 9.6.1915. Nach seiner Entlassung war er auch zu Hause noch über zwei Monate ans Bett gefesselt [vgl. Tb]. schon um Vieles gebessert Nicht wahr lieber Frank, Du
entschuldigst mich, wenn ich Dich bitte mit der Antwort zu warten, da sie mich
hier in Leoben nicht mehr erreichen würde. In dieser Woche übersiedeln wir nach Friesach in KärntenDort gab es ebenfalls eine Einjährig-Freiwilligenschule., von wo ich Dir mit Deiner Erlaubnis meine Adresse mitteilen werde.
Noch recht herzliche Grüße!
Dein alter
Friedrich Strindberg.
25.
Juli 15.