[1. Entwurf:]
Geliebter
Frank, Ich danke Gott, dass Dir nichts geschehen ist u. bitte Dich von ganzem Herzen um
Verzeihung. Erlaubst Du mir Dir heute Nachmittag Dein Gebäckmöglicherweise Schreibversehen, statt: Gepäck [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 12.7.1907]. zu bringen? Ich
fahre gleich wieder zurück u. morgen abend nach Wien. Ich möchte nicht so von
Dir gehen.
Innigst Dir ergeben Deine Tilly
[2. Abgesandtes
Telegramm:]
frank
wedekind leipzig
hauptpostlagerndvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 8.7.1907 (das erste Telegramm unter diesem Datum). =
Telegraphie des Deutschen Reiches.
Amt Leipzig.
Telegramm v berlin [...]
= geliebter frankWedekind hat den Empfang des Telegramms am 8.7.1907 notiert: „Telegramm von Tilly.“ [Tb], ich
danke gott, dass dir nichts geschehen ist u bitte dich von ganzem herzen um
verzeihungEs hatte Spannungen in der Ehe gegeben; wohl „auf Drängen Wedekinds, der sich in seiner schriftstellerischen Arbeit eingeschränkt fühlte“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 56], beschlossen Frank und Tilly Wedekind, einige Tage getrennt zu verreisen (er nach Leipzig, sie nach Graz), wie das Tagebuch teilweise dokumentiert – so am 6.7.1907 („Wir beschließen daß Tilly auf einige Tage nach Graz geht. Ich kaufe die Schlafwagenplätze. Tilly bekommt einen Anfall“) und am 7.7.1907 („Tilly packt meinen Koffer. Spaziergang. Abendessen bei Treppchen. Heimfahrt Anfall“). Frank Wedekind ist in der Nacht vom 7. auf den 8.7.1907 „kurz nach Mitternacht nach Leipzig“ abgereist, nach dem letzten ‚Anfall‘ Tilly Wedekinds, der wohl ausgelöst war durch die „geplante Trennung“, wofür sie sich hier entschuldigte – und sie „reiste ihm hinterher.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 56].. erlaubst du mir heute nachmittag dein gebaeck zu bringen? ich fahre
gleich wieder zurueck u. morgen abend nach wien. ich moechte nicht so von dir
gehen. = innigst dir ergeben – deine tilly.