T. W.
Graz,
Dienstagder 23.2.1909. abends.
Mein lieber Frank,
Gott sei Dank, es geht bessermit der Genesung ihrer Mutter Mathilde Newes (siehe den vorangehenden Brief vom Vortag).. Wenn es so anhält, ist das
Schlimmste wohl überstanden. Ich gehe gleich morgen auf den Bahnhof, werde mich
nach den Zügen erkundigen, u. kann hoffentlich gleich weg. Ich denke ich fahre
mit dem 5 Uhr Schnellzug nach Wien u. die | Nacht durch nach München. Wenn der
Zug so furchtbar früh ankommt, brauchst Du mich nicht abholen, ich nehme mir
eine Droschke u. fahr’ nach Hause. Ich sage das aber nur aus Rücksicht für
Dich, lieber Frank.
Früher konnte ich nicht weg, weil die Temperatur noch sehr schwankte. Jetzt, wo es besser ist, kann ich es kaum
erwarten, wieder bei Dir zu | sein. Ausser beim Arzt, war ich gar nicht weg,
immer um Mama beschäftigt; auch Nachts Dora geholfen. Den Arzt wollte ich nur
gleich fragen, damit ich Dir etwas Bestimmtes telegraphierenAnspielung auf ihr Telegramm aus Graz [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 22.2.1909]. kann.
Telegraphiere Dir morgen gleich,
wann ich ankomme.
Innigst umarmt Dich
Deine Tilly
Hustest Du immer noch?