Mein Lieber,
ich sehne mich ungemein danach, mir eine Wohnung
und eine Haushälterin nehmen und mich einigermaßen einrichten zu können. Ich
wäre Dir daher sehr dankbar wenn Du mich über den Stand der
ErbschaftsangelegenheitWedekind, der auf eine größere Geldsumme aus dem Erbe seiner am 15.12.1899 in Hannover verstorbenen Tante Auguste Bansen hoffte (siehe die vorangehende Korrespondenz Wedekinds mit seinem Schwager seit dem 6.1.1900), hatte Walther Oschwald mit der Abwicklung der Angelegenheit beauftragt. orientiren wolltest, d. h. bis wann ich auf
einiges flüssiges Geld | rechnen kann, damit ich meine Dispositionen
dementsprechend treffen kann. Mag mir die Zukunft bringen was sie will, ich muß
vor allem notwendig ein Heim haben. Im übrigen geht es mir vorzüglich. Mein „Liebestrank“
soll in DarmstadtDie Aufführung von Wedekinds Schwank am Hoftheater in Darmstadt kam nicht zustande. vor dem Großherzog gespielt werden und im Aprilheft der „Insel“„Marquis von Keith“ erschien zuerst unter dem Titel „Münchner Scenen. Nach dem Leben aufgezeichnet von Frank Wedekind“ von April bis Juni in drei aufeinander folgenden Nummern der von Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder herausgegebenen und von Thomas Theodor Heine graphisch gestalteten Monatsschrift „Die Insel“ [vgl. KSA 4, S. 425]. Die erste Folge mit dem 1. und 2. Akt [vgl. Die Insel, Jg. 1, 3. Quartal, Nr. 7, April 1900, S. 3-76] erschein, bevor das ganze Stück abgeschlossen war.
erscheint mein nächstes Drama.
Ich hoffe sehr, daß es Euch ebenfalls gut geht.
Herzlichste | Grüße an Mama, Mieze, Dich und die Prinzessin.
Dein
Frank.
München 4. März 1900
Hotel
Bamberger Hof.
Neuhauser Strasse.