Herrn
Frank Wedekind
Berlin.
Habsburger Hof.
am Anhalter Bahnhof. |
Sonntagder 3.4.1910.. 7 Uhr abends.
Innigst geliebter Frank,
ein qualvoller Tag wieder zu Ende. Warum telegraphierst Du mir
nicht? Ich bin seit Freitag Früh entsetzlich schreckhaft u. aufgeregt. Wenn Du
Dich aufgeregt hast, so weißt Du doch jetzt, dass es nicht wissentlich meine
Schuld war. Und wie
leid hat es mir ausserdem getan! Wir giengen Freitagder 1.4.1910, an dem Tilly Wedekind „Hals über Kopf“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 141] zu einer Aussprache mit ihrem Mann nach Berlin reiste (und spät abends wieder zurück nach München). abends versöhnt auseinander.
War mein Telegrammvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 2.4.1910 (Telegramm). u. Brief von gesternvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 2.4.1910 (Brief). nicht herzlich genug? Gewiss nicht aus
böser Absicht! Ich war so zerschlagen, ich wusste den ganzen Tag nicht recht
was ich tat. Anna Pamela ist so lieb. Sie sagt: „Du liebe Mama, sei nicht traurig.
Der Papa kann doch nicht immer bei uns sein.“ Heute habe ich Dir telegraphiertvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 3.4.1910 (Telegramm).
und geschriebenvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 3.4.1910 (Brief).. Ein liebes Wort von Dir! Zürnst Du mir nicht mehr? Deine
Geschäfte gehen natürlich vor, aber wie sehr sehne ich das Ende dieser Trennung
herbei! Ich finde keinen Menschen wie Dich mehr auf der Welt, aber glaubst Du
dass es ganz leicht ist, eine Frau zu finden die Dir so von ganzem Herzen ergeben ist wie ich Dir? Innigen
Kuss, Deine Tilly