Elite-Hotel
Berlin N.W.
Am Bahnhof Friedrichstr.
Geliebteste Tilly!
Nachdem ich Dir gestern Abend geschriebenvgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 19.6.1912. fuhr ich etwas im
Thiergarten spazieren und ging dann zum Abendessen zu FrederichWedekind traf am 19.6.1912 im Restaurant und Weinlokal A. Frederich (Potsdamer Straße 12) wie erhofft [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 19.6.1912] Paul Cassirer und Tilly Durieux, außerdem Paul Wegener, Schauspieler am Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 291], sowie den Theaterdirektor Willy Grunwald (seinerzeit freischaffend in Berlin) und dessen Frau; gemeinsam ging es dann in das Café Austria (Potsdamer Straße 28).. Dorthin kamen Cassirer Durieux Paul Wegner und Grunwald
und Frau. Wir gingen noch | ins Café Austria. Dann ging ich nach Hause, wo ich
einen Zettel von Walter Oschwaldnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Walther Oschwald an Wedekind, 19.6.1912. fand auf dem er mich benachrichtigt daß er
heute hier eine Conferenz hat und am Abend nach Dresden zurückfährt. Vielleicht
fahren wir also zusammen. Eben habe ich meinen Koffer gepackt. Ich hoffe daß
Dich und die Kinder und Mama diese Zeilen gesund in Lenzburg antreffen. Inliegend
eine | Karte und einen Briefnicht ermittelt.. An die Post in Münchennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Postamt München, 20.6.1912. „Wedekind hatte veranlasst, dass die Post an seine Münchner Adresse während seines Aufenthalts in Berlin nach dort umgeleitet wurde. Nun sollte die Post nach Dresden, seinen neuen Aufenthaltsort, umadressiert werden.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 175] schreibe ich zu gleicher Zeit.
Nun leb wohl geliebte Tilly
Herzlichste Grüße an Alle. Auf baldiges Wiedersehn in
Lenzburg oder München.
Innigst küßt Dich
Dein
Frank
20.6.12.