ELITE HOTEL
BERLIN N. W.
AM BAHNHOF FRIEDRICHSTR.
Dienstagder 26.5.1914. Morgen!
Geliebteste Tilly
Eben erhalte ich Deinen Kartenbriefvgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 24.5.1914 (zweiter Brief, auf Briefkarten geschrieben). der mir eine große
Freude war, nicht wegen der Schmeicheleien die Du mir sagst, sondern nur weil
Du über unsere Angelegenheiten nachgedacht zu haben scheinst. Darüber können
wir hier genug sprechen. oderSchreibversehen, statt: sprechen oder. auch nicht, wenn es Dir peinlich ist. Nun nur
rasch eines. Vor Deiner Abreise vergiß folgendes nicht. Aus meinem Schreibtisch
den vorletzten Schlüssel nehmen, der | rechts an den Nägeln hängt. Damit
die Doppelthür am neuen Büchergestellschrank aufschließen. In dem Schrank liegt ein Paket in grauem oder braunem
Packpapier, etwa 20 cm breit hoch und lang. Dieses Paket heraus nehmen und dem
Mädchen Anna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125]sagen dasSchreibversehen, statt: daß. es vielleicht abgeholt wird. Das Paket enthält die Klischés
zu Deinen BildernWedekind hat Joachim Friedenthal, der das „Wedekindbuch“ (1914) mit Abbildungen plante, darüber informiert [vgl. Wedekind hat Joachim Friedenthal, 26.5.1914]..
Über die PhotographieTilly Wedekind hat einem ihrer beiden am 24.5.1914 auf Briefkarten an Frank Wedekind geschriebenen Briefe eine Fotografie ihrer Töchter beigelegt (vermutlich dem zweiten Brief). von Anna Pamela und Fanny Kadidja habe
ich mich sehr gefreut. Grüße und küsse beide von mir. Heute Vormittag und
Donnerstag Vormittag ist FranziskaprobeWedekind notierte am 26.5.1914 „Franziskaprobe“ [Tb] und am 28.5.1914 „Tilly kommt aus München Franziskaprobe“ [Tb]; mit „Franziska“ nahm der Wedekind-Zyklus vom 31.5.1914 bis 14.6.1914 an den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin seinen Auftakt.. Deshalb hätte ich gern gehabt, daß Du
heute | schon dagewesen wärest, da mir Franziska weitaus das wichtigste Stück
scheint. Also auf Donnerstag früh!
Mit innigstem Kuß
Dein
Frank