1. März
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Geliebter, Lieber, Deine Kartevgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 28.2.1917. heute hat mich innig erfreut!
Ich danke Dir von Herzen.
Wir müssen noch etwas Geduld haben, vielleicht wird noch alles
anders so dass jeder zu seinem Recht kommt. Ich sprach inzwischen Dr.
Friedenthal, das hat mir sehr gut getan gerade so wie DirWedekind hatte am 26.2.1917 mit Joachim Friedenthal im Café Luitpold über seine Eheprobleme gesprochen – „C.L. mit Friedenthal. Gespräch über Ehe“ [Tb] – und sprach nach seiner Rückkehr aus Burghausen am 5.3.1917 erneut mit ihm: „Mit Friedenthal im Luitpold. Aussprache über Ehe.“ [Tb]. Obwohl er mich nicht
geschont hat u. mir offen seine Meinung sagte. Er sagte ich sei eine |
Marionette und das müsse anders werden. Er sagte auch ich solle weniger
eitel sein aber mehr Stolz haben. Und vieles Andere, sehr richtige
Dinge.
Leider ist jetzt eine besonders ungünstige Zeit, u. das trägt ja mit bei zu allem.
Schade, dass Du heute nicht gekommen bist, vielleicht hätten
wir morgenFreitag, der 2.3.1917 – Jour fixe bei Anna Langheinrich (geb. von Seidlitz) und ihrem Gatten Max Langheinrich [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 1.3.1917 (Postkarte)]. bei Langheinrich einen vergnügten Abend verleben können. Wie ist es
in Burghausen? | Hoffentlich bist Du da besser verpflegt u. ist das Wetter
nicht zu schlecht. Morgen erhalte ich ja hoffentlich Nachricht wann
Du kommst.
Die Kinder sind vergnügt u. schicken Dir viele BusserlnKüsse..
Sei innigst umarmt Geliebter
von Deiner, Dir von ganzem Herzen
ergebenen Tilly