Lieber
Frank!
Es ist sehr unlieb von Dir gewesen mir nicht einmal durch
einige Zeilen mitgeteilt zu haben, daß du dich nach Berlin begebenWedekind war Anfang Dezember nach Berlin übergesiedelt und blieb dort bis August 1897. hast. Es
thut ja nichts zur Sache. Aber einen Gruß aus der Ferne würde dir wahrlich nichts | geschadet
haben mir zu senden. Eine andre als ich würde sich durch diese Gelegenheit
sofort das Leben genommen haben, während es mir nur großen Spaß bereitet, du
weißt, daß ich eine treue Seele bin, und dich nicht vergessen kann. Auf
baldiges Wiedersehn hofft und grüßt dich
MiziEs dürfte sich dabei um Irma Weißhaupt handeln, die Wedekind statt Irma auch Mizi genannt hat, etwa am 26.7.1904: „Um Elf Uhr kommt Mizi Weißhaupt zu mir“ [Tb]. Wedekind verwendete die Initialen ihres Namens bereits für eine Figur in seinem Entwurf „Schema eines Dramas“ (1897): „I. W., verheiratete Courtisane“ [KSA 4, S. 304]. Zur Beziehung zwischen „F. W.“ (= Frank Wedekind) und „I. W.“ (= Irma Weißhaupt) notierte er dort: „I. W. treibt die Hurerei bis zur Künstlerschaft, möchte gerne ein Kind von ihm. (geschmackvollste Hurerei)“ [KSA 4, S. 305]. „Welche Bedeutung sie in Wedekinds Biographie hatte, ließ sich nicht ermitteln. Aus einem Eintrag [...] geht hervor, daß sie in einer der Zeichnungen Wedekinds [...] abgebildet ist; um welche [...] es sich handelt, ist nicht zu entscheiden.“ [KSA 4, S. 660]
[am rechten Rand um 90
Grad gedreht:]
Camilla
Dupontnicht näher identifiziert; vermutlich Mizis Vermieterin.
Haus ++ vorn