München,
im December 1884.
Ihr
Lieben,
ich wünsche e/E/uch allenDer Brief wendete sich an die Eltern und die zu Weihnachten auf Schloss Lenzburg versammelten Geschwister. eine
recht fröhliche Weihnachtszeit und für die Zukunft alles Gute, das der Himmel
beschehrenSchreibversehen, statt: bescheren. kann. Von den Herrlichkeiten Münchens wüßt’ ich Euch viel zu
erzählen und wills auch thun in einem längeren Briefe so bald die FerienDie Weihnachtsferien der Ludwig-Maximilians-Universität dürften am Montag, den 22.12.1884 begonnen haben und dauerten bis zum 4.1.1885.
begonnen haben. Beiliegend einstweilen einige Beispielewohl beigelegte Ansichtskarten oder Fotografien.. Doda möge seinen
Schiller brav durchstudiren und zwar mit Maria Stuart anfangen und | Fiesko und
die Räuber erst nach dem Wallenstein lesen.
Es ist dies das erste Mal, das ichSchreibversehen, statt: daß ich.
Weihnachten in der Fremde zubringen und bin sehr darauf gespannt, wie
mir das vorkommen wird. Hoffentlich denkt i/I/hr am Heiligen Abend an
unsFrank und Armin Wedekind, die sich ein Zimmer in München (Türkenstraße 30, 1. Stock) teilten.; so wird uns der Verlust und das Heimweh leichter zu ertragen sein. Ich
weiß noch nicht recht, ob wir hier in München auch einen Weihnachtsbaum
bekommen, aber viel Rares wird wol schwerlich daran hängen und auch die
Fröhlichkeit dabei wird nicht den heimischen Familien-Charakter tragen. Aber
wenn mir dieses Jahr die Gunst versagt ist, Weihnachten in Euerm lieben Kreise
zu feiern, | so weiß ich umso mehr das Glück zu schätzen, einen so herben
Verlust schmerzlich empfinden zu können in der schönen Erinnerung an andere Jahre und in der Hoffnung Euch, meine Lieben froh und gesund einst
wiederzufinden. –– Mit tausend herzlichen Grüßen an Euch alle zusammen und an
den strahlenden Weihnachtsbaum verbleib’ ich in unvergänglicher Treue Euer
Franklin.