München, 20.1.15.
Sehr geehrter Herr Altman!
Verzeihen Sie bitte die lange Verzögerung meiner
AntwortWedekind war in den Tagen nach dem 17.12.1914 nicht in der Lage, Post zu beantworten ‒ „krank“ notierte er quer über die Tagebuchseiten vom 13. bis 23.12.1914, die darauf folgenden Seiten sind kaum oder gar nicht beschriftet; er wurde am 29.12.1914 operiert (siehe unten). auf Ihr geehresSchreibversehen, statt: geehrtes. Schreiben vom 17.12.nicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Georg Altman an Frank Wedekind, 17.12.1914. Es dürfte sich um eine Einladung gehandelt haben, in Berlin einen Vortrag innerhalb einer Reihe von „Kriegsvorträgen“ zu halten. Ich komme eben aus der KlinikWedekind wurde am 9.1.1915 aus der Klinik entlassen, wie er an diesem Tag notierte: „Mit dem Sanitätswagen nach Hause gebracht.“ [Tb] Er hatte sich am 29.12.1914 einer Blinddarmoperation unterziehen müssen: „Werde mit dem Sanitätswagen in die Klinik gebracht und operiert.“ [Tb] Wedekinds Bauchbeschwerden hat seit dem 5.12.1914 der praktische Arzt Dr. med. Friedrich Scanzoni von Lichtenfels behandelt: „Hofrat von Skanzoni kommt am Abend“ [Tb], der die Wunde auch nach dem Klinikaufenthalt versorgte, ein Spezialarzt für Chirurgie und Betreiber einer Chirurgischen Privatheilanstalt (Werneckstraße 16) [vgl. Adreßbuch für München 1915, Teil I, S. 590], in der Wedekind vermutlich operiert wurde; sie war eine von Münchens Privatambulatorien [vgl. Das Medizinische München. Ein Handbuch für Ärzte und Studierende. 2. Aufl. München 1911, S. 16]. wo
ich mich einer Operation unterziehen mußte. Deshalb muß ich Sie leider auch
bitten, vorderhand | auf meine Mitwirkung bei den Kriegsvorträgennicht ermittelt. Georg Altman plante offenbar eine Vortragsreihe in Berlin zum Thema Erster Weltkrieg. nicht rechnen
zu wollen. Es werden wohl noch einige Monate vergehen, bevor ich wieder
vollkommen mobil bin.
Mit bestem Gruß in vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Frank Wedekind.