Paris
15.9.94.
45
rue Monsieur le Prince.
Lieber Herr Hartleben,
ich vermuthe daß mein letzter
Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Otto Erich Hartleben, 1.9.1894. nicht bis zu Ihnen gelangt se ist. Ich bat Sie dringend
darum mir doch die beiden ManuscripteWedekind hatte im Herbst 1893 sein Stück „Fritz Schwigerling“ (unter dem Titel „Der Liebestrank“ 1899 gedruckt) an Otto Erich Hartleben geschickt [vgl. Wedekind an Otto Erich Hartleben, 25.4.1894] und seine Erzählung „Flirt“ im Frühjahr 1894 an den Redakteur der Zeitschrift „Moderne Kunst“ [vgl. Wedekind an Georg Malkowsky, 30.4.1894], der eine Veröffentlichung „aber ablehnte“ [KSA 5/I, S. 622] und es Otto Erich Hartleben übergab, der es erfolglos weiteren Zeitschriften zum Druck angeboten hat [vgl. Kutscher 1, S. 318]; beide Manuskripte lagen insofern bei Otto Erich Hartleben. „Schwiegerling“ und „Flirt“
hierherschicken zu wollen. Ich adressire diese Zeilen an S. Fischeran Otto Erich Hartlebens Verleger Samuel Fischer oder an dessen Verlag – der S. Fischer Verlag (Inhaber: S. Fischer) in Berlin (Köthener Straße 44) [vgl. Berliner Adreßbuch für das Jahr 1894, Teil I, S. 311], der allerdings umzog oder bereits umgezogen war (Steglitzerstraße 49) [vgl. Berliner Adreßbuch für das Jahr 1895, Teil I, S. 305]., da ich
mich frage, ob Sie vielleicht Ihre WohnungOtto Erich Hartleben hatte in Berlin nach wie vor dieselbe Wohnung (Karlstraße 32, 3. Stock) [vgl. Berliner Adreßbuch für das Jahr 1894, Teil I, S. 474; Berliner Adreßbuch für das Jahr 1895, Teil I, S. 565]. geändert haben. Für Schwiegerling |
kann ich hier eventuell Verwendung finden. Ich habe die denkbar günstigste
Gelegenheitnicht ermittelt.. Darf ich Ihnen also meine Bitte noch einmal dringend wiederholen. KainachSchreibversehen, statt: Khaynach (gemeint ist Friedrich von Khaynach). wird wie ich durch meinen Brudervgl. Donald Wedekind an Frank Wedekind, 8.8.1894. höre in den nächsten
Wochen hier eintreffen. Dr Goldmann habe ich noch nicht wieder
gesehen. Seien Sie also bitte so liebenswürdig und | gewähren Sie mir meine
Bitte. Sonst geht die Gelegenheit vorüber und ich habe das Nachsehen.
Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin
meine herzlichsten Grüße.
Ihr
Frank Wedekind.