Lieber Bebi!
Soeben habe ich deinen lieben Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Frank Wedekind an Donald Wedekind, 10.5.1894; darin hatte Frank Wedekind seinen Bruder offenbar um Geld gebeten. bekommen. Die 300
frs gebe ich zu gleicher Zeit mit diesen Zeilen auf. Ob ich
dir helfen kann? Sicher und es ist mir eine Freude dir zu helfen, indem ich dadurch
mich dir einmal nützlich erweisen kann, für die vielen Fälle in welchen du dich
mir nützlich und lie|benswürdig e/g/ezeigt hast. Denn betrachte ich meinen
ganzen Bekanntenkreis in Zürich. Ist er nicht ganz dein
Verdienst? Aber basta.
Mich freut es sehr dich in London einigermaßen eingewohnt
zu wissen. Ich hoffe das beste von der journalistischen Cari/r/iere, sie ist
immer | noch besser als vieles, vieles Andere.
Mama geht es besserDies hatte bereits zwei Wochen zuvor Armin Wedekind seinem Bruder Frank in einem nicht überlieferten Schreiben berichtet [vgl. Armin Wedekind an Frank Wedekind, 30.4.1894].. Ich selber habe sehr unter den
Unbilden des Wetters zu leiden und denke, Ende des Sommers ganz nach Italien
überzusiedeln. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß ich dich noch den Sommer
auf einige Tage besuche.
Also wisse noch einmal, daß du mir | einen Gefallen
erweisest wenn du dich künftighin immer an mich wendest. Meine Verschwiegenheit
Allem gegenüber kennst du ja und daß du Thomar nicht um Rückzahlung angehst
finde ich gut denn ich wüßte nicht wo er es hernehmen sollte. Also noch einmal
gut Glück. Ich muß eben auf den Bahnhof um | einen Wiener
Journalistennicht ermittelt. abzuholen. Verzeihe deshalb die schlechte Schreiberei. Ich bin
dein treuer Bruder
Donald LeviDie Bedeutung des hebräischen Namens ist ‚der Treue‘, ‚der Verbundene‘..
Zürich 12. Mai 1894.
Die Grüße werde ich ausrichten.