Königreich Bayern
Postkarte
Herrn
Professor
Dr. Artur Kutscher
München
Kaulbachstrasse 77 |
Lieber Artur! Freitag AbendWedekind reiste am 17.11.1916 (Freitag) abends von München ab: „Fahrt nach Berlin schlaflose Nacht“ [Tb]. Er traf am 18.11.1916 morgens in Berlin ein und blieb bis zum 21.11.1916: „Sehr schöne Rückfahrt von Berlin“ [Tb]. fahre ich auf zwei Tage nach
Berlin. Leider ist es mir daher nicht möglich in Deinem SeminarArtur Kutscher hatte bereits als Privatdozent an der Münchner Universität etwa seit 1910 außeruniversitäre Treffen in der Regel wöchentlich mit Studierenden an wechselnden Orten organisiert, längere Zeit im Hotel Union (Barerstraße 7), und dazu Schriftsteller geladen [vgl. Buglioni 2017, S. 164-173 und passim]. „Er gründete neben seiner eigentlichen Lehrtätigkeit noch ein literarisches Seminar, das nach und nach zu einer eigenen Brutstätte Schwabinger Geistes wurde.“ [Mühsam 2003, S. 138] Das war „ein kameradschaftlicher Kreis“ [Kutscher 1960, S. 72] und „in der sogenannten Kutscher-Kneipe“ [Günther 1938, S. 103] verkehrte öfters auch Wedekind und bestritt Autorenabende. zu lesen,
dagegen bin ich ein ander malGut drei Wochen später war ein neuer Termin gefunden, am 8.12.1916: „Vorlesung [...] in Kutschers Seminar“ [Tb]. Wedekind las sein Schauspiel „Bismarck“ (siehe auch Wedekinds Widmung [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 8.12.1916] in Artur Kutschers Gästebuch). gern dazu bereit. Mit gleicher Post erhältst Du
den Till EulenspiegelArtur Kutscher erhielt die soeben erschienene Buchausgabe von „Till Eulenspiegel. Komödie in vier Aufzügen“ [KSA 8, S. 93-152], eine durch die Zeitumstände begründete Neufassung von „Oaha“ (1908), da sich „ein neuer Aspekt der ‚Satire der Satire‘“ ergeben hatte, als „der ‚Simplicissimus‘ in den nationalistischen Kriegstaumel geriet“ [KSA 8, S. 398]. Sie war als „vollständig umgearbeitete Ausgabe von Oaha“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 215, 15.9.1916, S. 5943] angekündigt gewesen..
Mit besten Grüßen von Haus zu Haus
Dein
Frank Wedekind.