Liebe
Cousine!
Das an Minna von Greyerz übermittelte Briefgedicht erhielt in der Gedichtsammlung „Lebensfreuden“ (1883/1884) den Titel „Leben und Tod“ [vgl. KSA I/1, S. 183 u. KSA I/2, S. 1788ff.].
Ich will mit Andern keine Kränze winden,
Nicht fremden Zwecken meine Kräfte leihen.
Es möchte sich mein Selbst mit mir entzweien,
Und meine Eigenart zuletzt entschwinden. –
Nein, sollten auch die Augen drob
erblinden;
Dem ein ewig Wahren einzig mich zu
weihen,
Will ich den Geist von jedem Zwang befreien,
Worin die Menschen denken und empfinden. –
Verbrechen nennen die
Gesetzeswächter
Des harten Kampfes selbstgesuchte Schlichtung,
Und stempeln unser Leben zur Verpflichtung.
Was aber kümmert es den
Weltverächter
Ob sich die Welt einst bessert, ob sie schlechter
Entgegeneilt der sicheren Vernichtung?!
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