Tit. Verein für Kunst
Berlin.
Sehr geehrter Herr Walden!
Erlauben Sie mir, Ihnen für Ihr ehrenvolles
Anerbietennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Herwarth Walden an Wedekind, 18.4.1904. Herwarth Walden hat Wedekind angeboten, in Berlin eine vom Verein für Kunst (siehe unten) veranstaltete Lesung zu halten, deren Programm erst später verabredet wurde [vgl. Wedekind an Herwarth Walden, 19.1.1905]. meinen ergebensten Dank auszusprechen. Ich freue mich sehr darauf,
vor den Mitgliedern Ihres geschätzten VereinesHerwarth Walden in Berlin (Ludwigskirchstraße 1), „Musikschriftsteller, Vorstand d. Vereins für Kunst, Dir. eines Konservatoriums der Musik“ [Kürschers Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1905, Teil II, Sp. 1514], stand dem „Verein für Kunst“ vor; Geschäftsstelle: „Amelang’sche Buchhandlung“ in Charlottenburg (Kantstraße 164), Zweck: „Vortrag von Werken der Literatur u. Musik durch die Autoren selbst.“ [Adreßbuch für Berlin 1905, Teil II, S. 185] Er organisierte die Lesungen und betrieb dieses Veranstaltungsforum, das er im Frühjahr 1904 gegründet hat. „Ungeachtet der ausdrücklichen Berufung auf die Vereinsform im Namen ‚Verein für Kunst‘ sind keine typischen Vereinsstrukturen nachweisbar. Es sind keinerlei Vorstandswahlen, Sitzungsprotokolle oder Mitgliederlisten bekannt.“ [Wülfing/Bruns/Parr 1998, S. 467] vortragen zu können. Nur muß ich
Sie ersuchen, den Abend nicht in den Monat November zu verlegen, weil
ich für den ganzen Monat engagiert bin.
Mit der Bitte, den Ausdruck meiner vorzüglichsten
Hochschätzung entgegenzunehmen
Ihr
Frank Wedekind.
München 7. Juli 1904.
Franz Josefstraße 42.II.
[Kuvert:]
Herrn
Herwarth Walden
Berlin W.15.
Ludwigskirchstrasse 1.