W. R.
Verehrter Herr Wedekind,
Harden, der Ihnen sonst gewiss nicht übel will,
veranlasst mich, Ihnen dies schlechte BuchWalther Rathenau schickte Wedekind auf Anraten seines Freundes Maximilian Harden als Beilage zu dem vorliegenden Brief sein erstes Buch, den bei S. Hirzel in Leipzig erschienenen Prosaband „Impressionen“ (1902), wie aus Wedekinds Reaktion auf das Buch hervorgeht [vgl. Wedekind an Walther Rathenau, 6.10.1904]. zu schicken.
Ich bitte weder, noch erwarte ich, dass Sie es lesen. Genug,
wenn es Sie an Ihre glückliche Errettung aus den Krallen der FinanzAnspielung auf Wedekinds langjährige finanzielle Abhängigkeit von seinem Verleger Albert Langen und die seit dem Sommer für ihn günstigeren Verlagsverträge, von denen er am 22.9.1904 (siehe unten) berichtet haben dürfte, sowie zugleich auf den thematisch hier einschlägigen Essay „Physiologie der Geschäfte“ im übersandten Essayband [vgl. Walther Rathenau: Impressionen. Leipzig 1902, S. 165-206]. erinnert.
Wir beide danken Ihnen zwei schöne AbendeWedekind, der sich vom 22. bis 26.9.1904 zu einem Gastspiel in Berlin aufhielt (er sprach am 23. und 25.9.1904 den „Erdgeist“-Prolog im Rahmen der „Erdgeist“-Inszenierung am Neuen Theater), war gleich am ersten Abend in Begleitung von Maximilian Harden zu Gast bei Walther Rathenau, wie er am 22.9.1904 notierte: „Abends mit M Harden bei Dr. Ratenau diniert.“ [Tb] Er hat Walther Rathenau (und Maximilian Harden) bei dieser Gelegenheit persönlich kennengelernt [vgl. Wedekind an Maximilian Harden, 6.10.1904]. Walther Rathenau und Maximilian Harden dürften am 23.9.1904 im Neuen Theater die „Erdgeist“-Vorstellung mit Wedekinds Premieren-Auftritt im Prolog zum „Erdgeist“ besucht haben – der zweite Abend. voll
Freude und Bewunderung.
Ich grüsse Sie in aufrichtiger Verehrung
W Rathenau.
– Berlin, 3. Victoriastr., 25.9.04 –