19.8.16Wedekind notierte am 19.8.1916: „Brief an T“ [Tb] – der vorliegende Brief..
Innigst geliebte Tilly!
ich möchte Dir gerne alles Liebe und Gute sagen, was ich für
Dich auf dem Herzen habe. Gieb mir Gelegenheit dazu, indem Du mein Vertrauen
stärkst. Alles sage ich Dir dann viel lieber Aug in Auge als daß ich es
aufschreibe. Wir werden | niemals Mangel an Unterhaltungsstoff haben, wenn Du
mir nur die Stichworte giebst um Dir alles Liebe zu sagen, was ich für Dich
empfinde. Gieb mir nur bitte nicht die Stichworte fürs Gegenteil. Daß man Dich
und Deine entzückenden Kostüme hübsch findet ist mir die größte Freude, wenn
wir beide vergnügt mit einander sind. Wenn ich | aber mit Recht oder mit Unrecht daran zweifle, ob Du zu mir
hältst, dann ist Dein Hinweis auf das Gefallen, das andere Männer an
Dir finden, ein schlechtes Stichwort und Du kannst Dich nicht darüber
wundern, daß es mir nicht aus dem Kopf geht. Ich mache mich lächerlich genug
damit, daß ich Dir das schreibe. |
Mit Fräulein Radel mach für heute AbendWedekinds Tagebuch zufolge waren Käthe Radel, Schauspielerin am Hamburger und Altonaer Stadttheater [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 428], sowie die Schauspielerin Else Eckersberg, Joachim Friedenthal und Kurt Martens am 19.8.1916 nachmittags zum Kaffee zu Besuch und Wedekind arbeitete abends im Ratskeller („Fräulein Radel Frau Eckersberg Friedenthal und Martens zum Kaffee RK an Kitsch gearbeitet“); ein gemeinsamer Abend mit Käthe Radel und weiteren Bekannten – ein Souper im Parkhotel (Maximiliansplatz 21) – fand am 20.8.1916 statt („Parkhotel mit Frl. Radel Herrn Dr. Wickmann und Frau“). bitte aus, was Dir gut
scheint. Ich werde kein Spielverderber sein.
Herzinnigst
Dein
Frank.