T. W.
Donnerstag 28.9.16.
Innigst geliebter Frank,
nur schnell ein paar Zeilen, wegen der Lebensmittelmarken„Wegen kriegsbedingter Versorgungsprobleme – vorrangiger Lebensmittelbedarf an der Front, Wegfall von Importen, Rekrutierung landwirtschaftlicher Arbeiter – kam es bereits ab 1915 zur Rationierung von Lebensmitteln. Seit Februar 1915 wurden in zahlreichen deutschen Städten Brotkarten eingeführt, die eine Pro-Kopf-Rationierung festlegten. Wegen der allgemeinen Rohstoffverknappung gab es dazuhin ab 1916 Kohlenkarten, Kleiderkarten und Schuhkarten. Die von den staatlichen Verwaltungen für die Bevölkerung ausgegebenen Marken zur Rationierung der Lebensmittel wurden auf die Karten geklebt zum Zeichen dafür, dass dafür Lebensmittel eingetauscht worden waren. Die Marken besaßen ein Verfallsdatum.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 323f.]. Wenn Du noch welche hast bitte schicke sie express d/a/n die Anna, Wölfel Prinzregentenstr. Vielleicht kann man noch was dafür bekommen. AnnaAnna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125]. fährt 2 Tage früher herein | um alles zu ordnen u. könnte dann noch Fleischkonserven oder Wurst besorgen. Ich fahre doch auch am 1.am 1.10.1916. heineinSchreibversehen, statt: hinein (in die Stadt hinein, nach München)., dann kommen neue Marken u. die neue Köchin, so ist es besser ich bin zu Hause u. wenn Du kommst ist alles in Ordnung.
Innigst umarmt Dich, Deine Tilly
Freue mich auf ein frohes Wiedersehn!
Bestehend aus 1 Blatt, davon 2 Seiten beschrieben
Herrsching am Ammersee28. September 1916 (Donnerstag) Sicher
Herrsching am AmmerseeDatum unbekannt
BerlinDatum unbekannt
Münchner Stadtbibliothek / Monacensia
Maria-Theresia-Straße 23 81675 München Deutschland +49 (0)89 419472 13
Wir danken der Münchner Stadtbibliothek / Monacensia für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe des Korrespondenzstücks.
Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 28.9.1916. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (15.04.2026).
Ariane Martin