Postkarte
Herrn
Maximilian Harden
im Grunewald
Werner Strasse 16. |
Sehr verehrter Herr Harden!
ich verreise auf 14 TageWedekind brach am 17.8.1908 zu einem Gastspiel „Marquis von Keith“ nach Breslau auf und reiste am 27.8.1908 zurück nach Berlin [vgl. Tb]. und würde Sie gerne
bitten, das Stück was ich Ihnen brachteWedekind notierte zu dem im Winter 1907/08 entstandenen Schauspiel „Oaha“ (1908), das seine Erlebnisse während seiner Mitarbeit am „Simplicissimus“ verarbeitet [vgl. KSA 8, S. 395-398], am 16.7.1908: „Ich bringe Harden Oaha, finde ihn aber nicht zu Hause.“ [Tb], derweil niemandem zu zeigen. Vor allem
wäre es mir nicht lieb, wenn etwa Reinhardt es kennen lernte bevor es im Druck
erscheintDie im Verlag Bruno Cassirer als „Schauspiel in fünf Aufzügen“ erschienene Erstausgabe von „Oaha“ [vgl. KSA 8, S. 419] enthält gleich zum Auftakt eine Bühnenanweisung, die sich gegen Max Reinhardt richtet: „Auffallende Dekorationen und Requisiten, Entfaltung eines besonderen Stiles, Verwendung einer Drehbühne, sowie aller sonstige Humbug einer klobigen, marktschreierischen Regie sind bei der Aufführung dieses Stückes unzulässig.“ [KSA 8, S. 13] Das Buch lag am 17.9.1908 gedruckt vor – „Cassirer bringt mir das erste fertige Buch OAHA“ [Tb] – und war wenig später als erschienen gemeldet [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 75, Nr. 230, 2.10.1908, S. 10646]., was Anfang September geschehen wird.
Mit ergebensten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.
11.8.8.