Verehrter Herr FrischEfraim Frisch lebte als Schriftsteller in Berlin (Fasanenstraße 54) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 579].!
Würden Sie mir die Freude machen, nächsten
Freitag den 4. JanuarDem Tagebuch zufolge nahmen am 4.1.1907 abends um 23 Uhr an dem „Gastmahl bei Borchardt“, dem exquisiten Weinlokal F. W. Borchardt in Berlin (Französische Straße 47/48), außer Wedekind teil: Rudolf Blümner, Paul Cassirer, Efraim Frisch, Emil Gerhäuser, Felix Hollaender, Arthur Kahane, Walther Rathenau, Edmund Reinhardt, Max Reinhardt, Heinrich Welti – überwiegend also Leute vom Deutschen Theater (zuletzt war Wedekind am 20.12.1906 „mit dem Deutschen Theater bei Borchardt“); dort lief gerade mit großem Erfolg die erste Bühneninszenierung von „Frühlings Erwachen“ (am 29.12.1906 die 25. Vorstellung). Einladungen Wedekinds zu dem Beisammensein sind auch an den Herausgeber der „Zukunft“ [vgl. Wedekind an Maximilian Harden, vom 29.12.1906] und an einen alten Freund [vgl. Wedekind an Heinrich Welti, 29.12.1906] überliefert. Abends 11 UhrDie späte Uhrzeit ‒ 23 Uhr ‒ erklärt sich dadurch, dass Wedekind am 4.1.1907 zunächst die Generalprobe von Gerhart Hauptmanns Drama „Das Friedensfest“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters und dann die Doppelpremiere von Goethes Stücken „Die Geschwister“ und „Die Mitschuldigen“ im Deutschen Theater besuchte [vgl. Tb], um anschließend in geselliger Runde bei Borchardt zusammenzukommen. bei Borchardt mit unseren Freunden und mir
zusammen zu Abend zu essen.
Mit besten Grüßen und herzlichen Wünschen zum
neuen Jahr
Ihr
Frank Wedekind.
29.12.6 Kurfürstenstraße 125.