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Lieber Herr Wedekind!
Heute bekomme ich von meiner Schwester schon eine 2.
Alarmnachricht In einem früheren Brief berichtete Friedrich Strindberg von Kerstin Strindbergs Flucht aus München [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 1.2.1914]., Großmama schreibt mir nichts und alle scheinen von einem
Mißverständnis ergriffen zu sein. –
Von Herrn Dehmel erhielt ich einen sehr freundlichen Brief Richard Dehmels Brief ist als Entwurf überliefert [vgl. Dehmel-Archiv der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg DA:Br:S 1886 Anl.] Es ist das Antwortschreiben auf Friedrich Strindbergs Brief vom 1.3.1914, worin er richtiggestellt hatte, dass er nicht August Strindbergs Sohn ist: „Meinen Vater, den Sie vielleicht weniger gut leiden können und etwa nicht gar so gern haben, ist Herr Wedekind“ [Dehmel-Archiv DA:Br:S 1886]. Daneben mokierte er sich über den „endlose[n] Hauptmannsche[n] Elendsreigen vom Jäger der ‚Weber‘ bis zum letzten Sauhirten im ‚Bogen des Odisseus‘.“ [Ebd.] Dehmel ließ in seiner Antwort Grüße an Wedekind bestellen und stellte fest: „Er steht mir trotz all seinem Teufelsviehzeug [gestrichen: Teufelsmenagerie; Teufelsbestien] geistig näher als der göttliche Sauhirte Hauptmann, obgleich ich diesen für keinen Schweinepriester halte.“ [Dehmel-Archiv DA:Br:S 1886 Anl.],
der mich sehr freute; nur wunderte mich, daß er den „göttlichen Sauhirten“Diese häufige Bezeichnung für Eumaios, Schweinehirt und Freund des Odysseus, in Homers „Odyssee“, wird hier auf Gerhart Hauptmann bezogen, der in seinem jüngsten Drama „Der Bogen des Odysseus“ die Hütte des Eumaios als Schauplatz gewählt hatte und wegen seines Umgangs mit der literarischen Vorlage kritisiert worden war, wie Friedrich Strindberg in seinem letzten Brief berichtet hatte [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 1.3.1914].
Hauptmann für keinen „gar so argen Schweinepriester“ halte, ja der ganze Brief
| ist so ähnlich geschrieben, wie ich
Die Photographien Im November 1913 hatte sich Friedrich Strindberg eine Porträt-Photographie seines Vaters erbeten [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 7.11.1913]; diesem Wunsch entsprach Wedekind Ende Februar und legte seinem Brief mehrere Photographien bei [vgl. Wedekind an Friedrich Strindberg, 24.2.1914]. von Herrn Wedekind hängen bei mir nun a/ i/m Pult, und mein Blick fällt sehr oft erinnernd auf sie,
die h/H/errn
Wedekind sitzend darstellt, ist mir recht ans Herz gewachsen! Auch die lieben Kleinen
schau ich mir oft an!
Hier ist der ganze Frühling recht herzlich, herzig die
Blumen, alles so nett – wenn man sentimental wird ist nur eine logische Folge
all der Frühlingspracht – alles so freundlich, obgleich mir in meinem Innern
hie und da, besonders in den letzten Tagen wegen der verfluchten
Wegen Ostern das ganze In u. Aus ist mir ein großes
Fragezeichen, das sich aber vielleicht ausdehnen könnte … da meine sonstigen
Hoffnungen sehr gering
sind, habe ich ja noch von niemand eine sichere Nachricht, außer der, daß wir
von 5.–15. April, (ungefähr) frei haben. Karl Kraus hat eine recht gute neue
„Fackel“nummer die zuletzt erschienene Nummer der „Fackel“ [vgl. Die Fackel, Jg. 15, Nr. 393/394, 7.3.1914]. herausgegeben, die wirklich Ausgezeichnetes enthält.
Besonders der arme Hugo Salus!! 5 SeitenDer Artikel zu dem dichtenden Arzt Hugo Salus trägt den Titel „Arzt und Künstler“ und umfasst vier Seiten [vgl. Die Fackel, Jg. 15, Nr. 393/394, 7.3.1914, S. 15-18]. sind ihm gewidmet
und werden sie nur halb ernst (sie sind nämlich sehr witzig) genommen
Sonst ist so ziehmlich bei uns alles wohl, nur eine quälende
Ungewißheit wegen den verfluchten Schrecknachrichten meiner Schwester, die
wegen – einer herzigen Geschichte – aus
In Liebe
Friedrich
Bestehend aus 2 Blatt, davon 4 Seiten beschrieben
Salzburg
15. März 1914 (Sonntag)
Sicher
Salzburg
Datum unbekannt
Datum unbekannt
Münchner Stadtbibliothek / Monacensia
Maria-Theresia-Straße 23
81675 München
Deutschland
+49 (0)89 419472 13
Wir danken der Münchner Stadtbibliothek / Monacensia für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe des Korrespondenzstücks.
Friedrich Strindberg an Frank Wedekind, 15.3.1914. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (02.01.2026).
Tilman Fischer